16. August 2005 Nach einem schweren Seebeben vor der Küste von Japan sind am Dienstag mindestens 52 Menschen verletzt worden. Auch mehrere Stunden nach dem Erdstoß der Stärke 7,2 war das ganze Ausmaß der Schäden noch nicht absehbar. Am stärksten betroffen waren die Präfekturen Miyagi und Fukushima im Nordosten des immer wieder von Erdbeben heimgesuchten Landes.
Allein beim Einsturz eines Hallenbaddachs in der nordostjapanischen Provinzhauptstadt Sendai wurden nach Polizeiangaben 17 Menschen verletzt. In anderen Orten der Präfektur Miyagi wurden Bewohner von Steinen oder Ziegeln getroffen. Ein 72 Jahre alter Mann erlitt einen Beinbruch, ein siebenjähriges Kind wurde in der Stadt Zao von herabstürzenden Felsbrocken verletzt.
Tausende ohne Strom
Für 17.000 Haushalte brach die Stromversorgung zusammen. Zahlreiche Menschen wurden im Fahrstuhl eingeschlossen. Hochgeschwindigkeitszüge in Nordjapan wurden vorsorglich gestoppt. In der 300 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio stellte der Flughafen Haneda vorübergehend seinen Betrieb ein.
Fernsehbilder zeigten ein eingestürztes Haus am Rand von Tokio. Im Stadtzentrum schwankten die Hochhäuser. Das Atomkraftwerk in Onagawa wurde automatisch heruntergefahren. Es soll auf mögliche Schäden hin untersucht werden. In Sendai, der Hauptstadt von Miyagi, wurde eine Raffinerie der Gesellschaft Nippon Oil geschlossen.
Zwei kleine Tsunamis ohne Folgen
Das Beben hatte nach Messungen der Seismologen eine Stärke von 7,2. Sein Zentrum des Erdstoßes lag 20.000 Meter unter dem Meeresboden, etwa 80 Kilometer vor der Küste der Präfektur Miyagi. Es sei so stark gewesen, daß er sich kaum auf den Beinen habe halten können, sagte ein Behördensprechen. Das Seebeben löste zwei kleine Tsunamis aus. Die etwa zehn Zentimeter hohen Wellen richteten jedoch keinen Schaden an. Dem Erdstoß um 11.46 Uhr Ortszeit (4.46 Uhr MESZ) folgten mindestens vier Nachbeben. Der staatliche Wetterdienst warnte, daß weitere Beben eine Stärke von 6,0 erreichen könnten.
Japan liegt an der Naht von vier tektonischen Platten und ist häufig von Erdbeben betroffen. Am Dienstag hatte es bereits ein Beben der Stärke 4,9 auf der Insel Hokkaido gegeben. Immer wieder kommt es in dem Inselstaat zu regelrechten Erdbebenkatastrophen. 1995 verloren bei einem solchen verheerenden Beben in Kobe 6.400 Menschen ihr Leben.
Text: FAZ.NET mit Material von Reuters, AP
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS