14. Oktober 2002
Präsentationen im Business werden immer mehr zum Show-Business: PowerPoint, Videoclips, zwischendurch eine freihändige Einlage am Flipchart, zur Auflockerung Anekdoten, zum Abschluß eine Talk-Runde. Die Kunst liegt in der richtigen Mischung der Elemente.
Die kombinierte Verwendung von Computer und Flipchart ist die einfachste Form des Media-Mixes. Sie können die Sache aber noch viel weitertreiben: Bis zu einer multimedialen Geschichte, eröffnet Kommunikationstrainer Albert Thiele die Möglichkeiten der modernen Präsentation - einer Business-Show. Denn wer heute ein Entscheidungsgremium von seinen Ideen überzeugen will, sollte über Showmaster-Qualitäten verfügen: Er muß mitreißen, er muß Charts, Argumente, Videoclips aus dem Hut zaubern - eine Revue digitaler Elemente auf die Bühne bringen. Gewürzt mit feinem Esprit und gekrönt von einer brillanten Talk-Runde.
Besser eine brillante Präsentation am Flipchart oder am Overheadprojektor als eine dilettantische Darbietung am Computer.
Doch welches Medium eignet sich für welchen Zweck? Der PC ist ein Kurzfrist-Medium: Sie zeigen ein Schaubild und auf Knopfdruck verschwindet es wieder, erklärt Thiele. Ergänzend brauche ich ein Dauermedium wie etwa das Flipchart, das ich ad hoc nutzen kann, um Ideen oder Fragen zu notieren. Die parallele Benutzung dieser Medien bereite nicht die doppelte Arbeit, sondern eröffne doppelte Chancen: Am Flipchart kann ich meine eigene Persönlichkeit in Szene setzen, weiß Thiele. Und darauf kommt es - etwa in Assessment Centern - mindestens genauso an wie auf die intellektuelle Glanzleistung.
Die Vorteile einer PowerPoint-Präsentation liegen auf der Hand: Bis zur letzten Minute können Aktualisierungen eingefügt, neue Daten geladen oder Abläufe geändert werden - bei gleichbleibend professionellem Eindruck. Eine Folienpräsentation mit dem Overheadprojektor erlaubt derlei nicht. Weg vom Projektor, hin zum Computer, das ist laut Thiele der Trend. Abgesehen von den Vorzügen der schnellen Technik, hat eine Vorführung von und mit Laptop, Beamer und Co. für die Unternehmen einen interessanten Nebeneffekt - er prägt ihr Image. Manche Konzerne präsentieren sich ihren Kunden gerne als innovative High-Tech-Unternehmen, indem sie Video-Konferenzen schalten - obwohl das inhaltlich vielleicht gar nicht notwendig wäre, weiß Thiele.
Bei uns kommen fast ausschließlich PC-Präsentationen mit PowerPoint zum Einsatz, unterstreicht auch Sascha Maurer, Kommunikationstrainer und Berater bei PriceWaterhouseCoopers in Frankfurt. Flipcharts oder Stellwände, auf denen die Ideen der Zuhörer auf Kärtchen gesammelt und strukturiert werden (Metaplan-Wände), verwendet PWC nur bei Mandanten-Workshops. ähnlich bei der Allianz in München: Wir wollen zwar keine Multimedia-Shows, sagt Johanna Aichmüller, Abteilungsleiterin Bildung und Qualifizierung. Wir möchten aber, daß die Leute alle Präsentationsformen beherrschen: Von der Flipchart-Präsentation bis zu PowerPoint. Deshalb hat die Allianz für Young Professionals eigene Seminare aufgelegt: Visualisierung und Präsentation heißt ein Baustein, Präsentieren vor Entscheidungsgremien ein weiterer. Auch PWC bildet seine Berater in Sachen Präsentation aus: In den ersten beiden Berufsjahren steht Erfolgreiches Handeln im Beruf auf dem Programm. Konkret: Kommunikation, Präsentation, aktives Zuhören, Umgang mit Feedback. Wer bis zu vier Jahren im Job ist, lernt außerdem die Kunst der Moderation und Beratung.
Überlassen Sie Ihre Präsentation nicht PowerPoint, sondern nutzen Sie die Chance Ihres Live-Auftritts!
Programme wie PowerPoint verleiten dazu, gleich mit der Gestaltung der Präsentation loszulegen. Widerstehen Sie dieser Versuchung, mahnt Albert Thiele. Nehmen Sie sich mindestens eine Viertelstunde, um Vorüberlegungen mit Papier und Bleistift anzustellen. Ebenfalls wichtig: Präsentationsprogramme bieten eine Fülle an optischen und akustischen Extras: Sätze können von allen Richtungen in das Bild schweben, blinken, und von donnerndem Elektroapplaus untermalt und mit vermeintlich witzigen Gimmicks verziert werden. Auch hier gilt: Widerstehen Sie! Der präzise und sparsame Einsatz von Effekten wird Ihnen mehr Meriten einbringen als eine knallbunte Show.
Auch wenn die Computer-Präsentation perfekt gestaltet und vorgeführt wurde - sie bringt auch Nachteile mit sich: Die Technik dominiert, der Mensch tritt zurück; die Zuhörer werden häufig in eine passive Rolle gedrängt, gibt Thiele zu bedenken. Deshalb sollte die Technik nicht mehr als 50 Prozent der Zeit im Vordergrund stehen. überlassen Sie Ihre Präsentation nicht PowerPoint, sondern nutzen Sie die Chance Ihres Live-Auftritts! empfiehlt Thiele. Berichten Sie von Ihren Erfahrungen aus Projekten oder erläutern Sie am Flipchart etwas mit dem Stift. Dadurch entstehe ein interessanter Kontrast zu den oft vorgestanzten Hochglanz-Folien. Aber auch hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: Die Zuhörer sind nicht nur da, um sich von Ihrer Show beeindrucken zu lassen - sie haben Fragen, wollen ihre Ideen vorbringen, ihre Bedenken äußern. Hören Sie zu! empfiehlt Thiele. Entwickeln Sie starke Antennen auch für schwache Signale aus dem Auditorium. Möchte sich jemand melden? Wenn Sie sich zu viel mit ihrer Technik beschäftigen, verlieren Sie diese Sensoren.
Und noch etwas: Ob jemand mit einer Mulimedia-Show überzeugt, hängt nicht nur von der Qualität der Technik ab, sondern auch davon, inwiefern diese Technik zu seiner Persönlichkeit paßt. Thiele: Besser eine brillante Präsentation am Flipchart oder am Overheadprojektor als eine dilettantische Darbietung am Computer.