21. Dezember 2009

Präsentieren im AC

Worauf es Personalern ankommt

Von Anne Jacoby



Petra Steffens, Recruiting Consultant Access Köln
14. Oktober 2002 
Fachwissen, Methodenkompetenz und Persönlichkeit - wer in diesen drei Bereichen brilliert, hat im Assessment Center schon gewonnen. Worauf es außerdem noch ankommt, und wie man sich am besten auf AC-Präsentationen vorbereiten kann, erklärt Petra Steffens. Sie ist Recruiting Consultant beim Karrieredienstleister Access in Köln und Expertin für die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften.

? Frau Steffens, welche Rolle spielt die „Präsentation“ im AC?
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Bei einer Präsentation im AC soll nicht nur das fachliche Wissen abgefragt werden. Es geht vor allem um Methodenkompetenz, um die Ausdrucksfähigkeit und Selbstsicherheit - kurz: um die Persönlichkeit. In den letzten Jahren hat es sich zunehmend durchgesetzt, daß auch von Berufsanfängern gute Präsentationstechniken erwartet werden. Besonders, wenn es sich um Positionen in der Beratung oder im Vertrieb handelt.

? Bei welchen Aufgabenstellungen setzen AC-Veranstalter gerne Präsentationen ein?
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Zum einen, wenn die Bewerber sich selbst vorstellen: Dazu wird häufig die Form einer kurzen Präsentation über die eigene Person gewählt. Schwerpunktmäßig kommen Präsentationen aber bei Case Studies und Gruppendiskussionen zum Einsatz. Also immer dann, wenn gemeinsame Ergebnisse präsentiert werden sollen.

? Wie sollten AC-Teilnehmer auftreten, um gut abzuschneiden?
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Die Präsentation sollte fachlich überzeugen, es kommt aber auch auf die Präsentationstechnik an. Wichtig ist auch Ihre Körpersprache: Halten Sie Blickkontakt zu den Zuschauern! Bewegen Sie sich vom Flipchart weg in den Kreis Ihrer Zuhörer hinein, um sie in die Diskussion einzubinden und mehr Aufmerksamkeit zu erzielen! Die Beobachter achten auch darauf, ob Sie an einem Punkt frei stehen können oder ob Sie ständig Halt am Podium oder am Tisch suchen. Vielsagend sind auch die kleinen Gesten: Schlagen Sie Ihre Stirn in Falten? Gestikulieren Sie fahrig? Oder wirken Sie insgesamt entspannt...

? Kommen temperamentvolle Präsentatoren besser an als moderate Kandidaten?
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Das ist themenabhängig: Bei einem Fachvortrag, in dem es um komplexe Zusammenhänge geht, ist ein eher ruhiger Stil angebracht. Ein Marketingthema können Sie ruhig etwas lockerer präsentieren. Am wichtigsten ist es aber, daß Sie authentisch rüberkommen. Sie sollten auf keinen Fall versuchen, sich in eine Rolle zu pressen!

? Auf welche Punkte achten Personalentscheider besonders?
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Im Vordergrund steht das Gesamtbild, das sich aus folgenden vier Faktoren zusammensetzt: Fachwissen, Methoden- und Sozialkompetenz und Persönlichkeit. Eine gewisse Nervosität wird bei einem AC als normal angesehen und einkalkuliert. Die Personaler interessieren sich auch dafür, wie Sie ein Thema bearbeiten: Wie haben Sie die Inhalte analysiert und strukturiert? Wie zielgerichtet und problemlösungsorientiert ist Ihre Argumentation? Wie standhaft bleiben Sie bei Zwischenfragen? Sind Sie kritikfähig, oder fühlen Sie sich sofort persönlich angegriffen? Bei der Methodenkompetenz kommt es auf die überzeugungsfähigkeit und auf die Argumentationsstärke an. Bei der Beurteilung Ihrer Persönlichkeit schauen Personaler am stärksten darauf, wie selbstsicher und souverän Sie rüberkommen. Vielleicht haben Sie außerdem noch Humor? Das kommt besonders gut an, liegt aber nicht jedem...

? Wie können sich AC-Teilnehmer auf Präsentations-Aufgaben vorbereiten?
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Schon vor und während Ihres Studiums bieten sich Gelegenheiten, bei denen Sie üben können, vor einer Gruppe frei zu sprechen und dabei an Selbstsicherheit gewinnen: Referate, Engagement im Fachschaftsrat, bei AIESEC oder auch im Sozialen Bereich, wie z. B. in der Kirchengemeinde oder in Sportgruppen. Wenn Sie kurz vor einer Präsentation stehen, sollten Sie sich noch einmal die wichtigsten Regeln ins Gedächtnis rufen - da gibt es genügend Ratgeberliteratur auf dem Markt. Allerdings sollen Sie diese Regeln nicht überbewerten... Sie können Ihren Vortrag auch vor einem Spiegel üben oder vor ihrem Freundeskreis. Ansonsten rate ich: Bleiben Sie möglichst natürlich!

? Welches technische Know-how sollten AC-Kandidaten mitbringen?
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Das Präsentationsprogramm Powerpoint wird erst dann wichtig, wenn Sie Ihren Job angetreten haben. Im AC reicht es aus, wenn Sie gängige Methoden wie Flipchart, Metaplan-Kärtchen etc. beherrschen und Folien vorbereiten können - dabei kommen zumeist Folienstifte zum Einsatz, keine aufwendigen Computerprogramme. Folien sind gut, um komplexe Sachverhalte in Schaubildern darzustellen, Flipcharts eignen sich für Brainstormings. Wenn Sie die Gruppe mit einbeziehen möchten, dann bieten sich Metaplan-Kärtchen an. Sie sollten die Wahl Ihrer Medien immer danach abwägen, welches Ziel Sie damit erreichen möchten.

? Sollte sich der Präsentierende richtig in Szene setzen, um im AC einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen? Oder sollte er hinter seinem Thema zurücktreten?
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Wenn man den eigenen Lebenslauf vorstellt, kann man sich ruhig selbst etwas in den Vordergrund schieben. Dabei darf man natürlich nie überheblich rüberkommen. Wenn es aber darum geht, ein fachliches Thema vorzutragen oder das Ergebnis dessen, was eine Gruppe erarbeitet hat, dann müssen die Inhalte strukturiert und analytisch dargestellt werden, so daß der Zuschauerkreis den Ausführungen folgen kann.

? Was sollten AC-Teilnehmer bei Gruppen-Präsentationen beachten?
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Oft hat die Gruppe die Wahl, ob nur ein oder zwei Personen präsentieren, oder ob jedes Gruppenmitglied einen Abschnitt übernimmt. Wenn die Gruppe sich dazu entscheidet, sollte sie darauf achten, daß jeder etwa die gleichen Zeitanteile bekommt. Manchmal bietet es sich an, daß eine Person die Anfangs- und die Schlußmoderation übernimmt, damit das Ganze rund wirkt. Grundsätzlich kommt es drauf an, daß Sie Ihre Fähigkeiten zeigen - allerdings niemals auf Kosten anderer Gruppenmitglieder! übrigens ist es für Personaler sehr interessant zu schauen: Wer ist der Sprecher? Hat er selbst die Initiative ergriffen? Oder hat ihn die Gruppe ausgewählt?

? Was schließen die Personalentscheider daraus?
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Jemand, der Eigeninitiative zeigt, dem die Aufgabe aber auch von der Gruppe zugetraut wird, der gilt durchaus als potentielle Führungskraft. Diese Diagnose aber nur an einem einzigen Faktor festzumachen, wäre zu schwach. Es gibt nicht umsonst mehrere Bausteine in einem AC. Erst, wenn sich der Gesamteindruck aus mehreren übungen bestätigt, kommen die Beobachter des ACs zu dem Schluß: Man könnte dieser Person eine Führungsaufgabe zutrauen.

? Haben Sie ein Rezept gegen Lampenfieber?
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Ich glaube, da gibt es nicht wirklich ein Rezept. Sie sollten diese Situationen möglichst frühzeitig üben, vielleicht erst einmal in einem Umfeld, in dem Sie sich ohne Risiko ausprobieren können. Sie gewinnen dadurch Routine und haben die Möglichkeit, bestimmte Techniken zu testen. Ansonsten kann ich nur empfehlen: Gehen Sie nicht zu verkrampft an Assessment Center heran! Und vertrauen Sie darauf: Je häufiger Sie präsentieren, desto selbstsicherer werden Sie.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 62, 2002
Bildmaterial: Access