Umwelttechnologie

Deutsche Autobauer im Hintertreffen

Vorsprung durch Technik?

Vorsprung durch Technik?

02. September 2005 Autofahrer ärgern sich derzeit über beinahe täglich steigende Benzinpreise. Aus Sicht von Umweltschützern hat der hohe Spritpreis aber ein Gutes: Damit rückt zur Autoschau IAA im September in Frankfurt die Frage nach sparsameren Motoren nach Jahren wieder in den Blickpunkt. Die für ihre Ingenieurskunst oft gerühmten deutschen Autobauer sind bei dem Thema zuletzt ins Hintertreffen geraten.

Der japanische Konkurrent Toyota feiert dagegen in den Vereinigten Staaten Absatzrekorde mit seinem sparsamen Hybrid-Modell Prius und hat nun den Wachstumsmarkt China im Blick. Toyota plant zehn neue Modelle mit der Kombination aus Elektroantrieb und klassischem Verbrennungsmotor, um den Jahresabsatz der Hybrid-Autos von 300.000 auf eine Million binnen zehn Jahren zu schrauben. Auch Honda verkauft bereits Hybrid-Autos.

Entwicklung verschlafen

Deutsche Hersteller wollen jetzt, teils in Kooperationen wie DaimlerChrysler mit dem amerikanischen Konzern General Motors, aufholen, werden aber vor 2007 kein serienreifes Modell zur Verfügung haben. Der Marktführer Volkswagen sucht noch Partner, im Gespräch war Porsche. Der Sportwagenbauer will zur IAA konkrete Schritte in die Hybrid-Technologie vorstellen. Der Zulieferer Bosch bietet Hybrid-Komponenten ebenso nicht vor 2007 an.

„Der Hybrid-Motor wird etwas überschätzt“, glaubt Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft in Nürtingen. „Denn er verbraucht nicht viel weniger Kraftstoff als ein moderner Dieselmotor, den deutsche Hersteller maßgeblich vorangebracht haben.“ In Europa, wo Dieselautos sehr akzeptiert seien, werde der Hybridantrieb die Ausnahme bleiben. Auf den wichtigen Absatzmärkten Nordamerika und Asien mit geringer Dieselakzeptanz sehe es allerdings anders aus. „Deshalb müssen sich die deutschen Hersteller schnell auf die Beine machen, um ihren Rückstand aufzuholen“, mahnt Diez.

Toyota am umweltfreundlichsten

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) setzte den Toyota Prius jüngst auf Platz eins der jährlichen Liste umweltfreundlicher Fahrzeuge. Nur ein heimisches Modell schaffte es unter die ersten Zehn. Denn sparsame Dieselmotoren, auf die deutsche Autobauer bisher setzen, werden nur berücksichtigt, wenn sie serienmäßig mit Rußpartikelfiltern ausgestattet sind. Gegen deren Zwangseinführung durch die Politik haben sich deutsche Autobauer lange Zeit gewehrt. Peugeot-Citroen dagegen steigerte mit dem frühen Einbau der Filter seine Verkaufszahlen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) räumt ein, daß die deutschen Hersteller die Hybrid-Technologie bisher nicht forciert haben. „Bisher sind wir davon ausgegangen, daß am Ende aller Entwicklungen der Wasserstoffmotor steht. Darauf haben wir alles konzentriert“, sagt VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Heute sei der Fächer alternativer Antriebe viel breiter. Die Deutschen müßten nicht alles zuerst machen. Mittlerweile stamme bei acht von zehn Dieselautos der Rußfilter aus hiesiger Produktion.

BMW-Chef Helmut Panke gibt sich beim Hybrid-Motor weiterhin skeptisch. In fünf bis acht Jahren werde wohl jeder Hersteller ein solches Fahrzeug anbieten, sagt er. Doch halte er diese Autos nur im Stadtverkehr für geeignet. Bei langsamerer Fahrt nutzt das Auto den Elektromotor, dessen Batterien sich bei jedem Bremsvorgang aufladen. Auf Landstraßen und Autobahnen liefert der Benzin- oder Dieselmotor deutlich mehr Leistung.

Ölabhängigkeit bleibt bestehen

Die Abhängigkeit vom Öl wird die Autowirtschaft auch mit Hybrid-Motor noch lange nicht überwinden. Andere Alternativen wie Brennstoffzelle und Wasserstoffantrieb gestalten sich schwieriger als angenommen. General Motors rechnet für 2010 mit der Serienreife der Brennstoffzelle. Neuen Schwung könnte der Erdgas-Antrieb bekommen. Bisher sind bundesweit von 60 Millionen Fahrzeugen gerade 31.000 Erdgas-Modelle - trotz eines inzwischen verbesserten Tankstellennetzes dafür. Opel stellt auf der IAA ein neues Erdgas-Auto aus der Van-Reihe Zafira vor.

Ein Hemmnis für den Verkauf sparsamer Autos sind noch immer zu hohe Anschaffungskosten und die Ansprüche der Käufer. „Das Problem ist, daß die meisten Kunden nach wie vor mehr Leistung wollen. Auch Ausstattung und Sicherheit bedeuten mehr Gewicht und damit mehr Verbrauch“, sagt Diez. Der Spritverbrauch ging bisher deshalb nur leicht zurück. Der durchschnittliche Verbrauch der Neuwagen in Deutschland stieg dem Weltenergierat zufolge 2003 sogar auf gut sieben Liter pro 100 Kilometer an. Der Drei-Liter-Lupo von VW - in den vergangenen Jahren eher ein Ladenhüter - wird wegen zu geringer Nachfrage bald eingestellt.

Text: Reuters
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben

Ist die Pkw-Maut gerecht?

Ergebnis
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche