Religion und Staatstreue

Die Angst der Chinesen vor dem Papst

Von Heinz-Joachim Fischer

20. Juli 2008 Empfindliche Europäer können erst einmal beruhigt sein: Die Pekinger „Lebensmittel-Sicherheits-Verwaltung“ gab jetzt bekannt, dass strenge Kontrollen während der Olympischen Spiele Hundefleisch von den 112 offiziellen Restaurants der chinesischen Hauptstadt und natürlich auch von den Athleten fernhalten würden. Vom Hundefleisch sollte also keine Störung des Großspektakels ausgehen.

Internationaler Standard soll die Norm während der Olympiade sein - und dazu gehört die Rücksichtnahme auf die Ess-Empfindlichkeiten, selbst wenn es schwer fällt zu entscheiden, ob sie lediglich in Gewohnheiten gründen oder in religiösen Vorschriften.

Bei letzteren schrillen allerdings bei der chinesischen Staats- und Parteiführung die Alarmglocken: Trotz großer Annäherung an die westliche Moderne, hat Peking immer noch kein entspanntes Verhältnis zur Religion gefunden. Das gilt im Falle der Falun-Gong-Gemeinde, die als Terror-Organisation befeindet wird, oder im Falle des tibetischen Buddhismus und dem Dalai Lama als dessen Oberhaupt. Es gilt aber auch für die chinesischen Christen, für die sich eine Verehrung des Staates verbietet.

Im Zwiespalt zwischen Glaube und Staat

Auch wenn die Angaben stark voneinander abweichen, in China dürfte es zwei, vielleicht drei Prozent der Bevölkerung geben, die gleichzeitig gute Chinesen und Christen sein wollen, aber dabei in Konflikt mit der politischen Führung geraten. Noch immer verweigert die chinesische Führung den Christen die im Westen etablierten Rechte, auch wenn die schlimmsten Christenverfolgungen nach der Machtergreifung von 1949 und während der Kulturrevolution (1966 bis 1976) länger zurückliegen.

Besonders schwer tut sich die kommunistische Führung mit den Katholiken - zehn, zwölf Millionen, vielleicht auch mehr. Man fürchtet den Papst in Rom, der seinen Einfluss auf die Katholiken reklamieren könnte. Aus für die Kommunisten unerklärlichen Gründen halten viele chinesische Katholiken diesem Bischof von Rom die Treue, ob sie nun in der vom Staat erzwungenen „Patriotischen Kirche“ beten oder in der römisch-katholischen Kirche „im Untergrund“. In den bekannten Kirchen von Peking, der Kathedrale Beitang, Dongtang oder Nantag, verwischen sich während der Sonntagsmesse freilich diese Unterschiede innerhalb des Katholizismus.

Der christliche Glaube als Feind der Republik

Was fürchtet der Gastgeber der Olympischen Spiele von 2008, der in den letzten Jahren eine so imposante Kulisse für die Spiele aufgebaut und große Lebensverbesserungen für Hunderte von Millionen geschaffen hat? Über die Antwort darauf diskutiert man im Reich der Mitte und in der Römischen Weltkirche seit der spanische Jesuiten-Missionar Franz Xaver (1541) die christliche Botschaft auch den Chinesen bringen wollte. Der italienische Pater Matteo Ricci (1552- 1610), dessen Grab noch immer in Peking - in einer Partei-Hochschule - verehrt wird, wollte eine chinesische Färbung des Christlichen, wurde aber von den Päpsten im Geist des europäischen Kolonialismus zurechtgewiesen und erst 1981 von Johannes Paul II. rehabilitiert.

China vermutet im Wirken des Papstes den Spaltpilz des Religiös-Christlichen oder gar einen Virus des Päpstlich-Katholischen. Alptraum und Warnung war die Wirkung des polnischen Papstes Johannes Paul II. im sowjetischen Machtblock. Man lässt sich auch nicht besänftigen durch den Umstand, dass inzwischen schon zehn Jahre seit dem Besuch Johannes Pauls II. in Kuba bei dem Diktator Fidel Castro vergangen und das kommunistische Regime sich dort immer noch hält.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: REUTERS