18. April 2008 Angetrieben von leicht positiven Vorlagen und gut aufgenommene Unternehmensnachrichten aus den Vereinigten Staaten - vor allem von Google - tendieren die deutschen Aktienindizes am Freitag fest, obwohl Dividendenabschläge zu verbuchen sind.
Der Dax liegt im im frühen Handel mit einem Plus von 0,7 Prozent bei 6.727 Zählern. Die Google-Zahlen dürften die Stimmung insgesamt etwas heben, auch wenn es keine ähnlich aufgestellten Unternehmen in Deutschland gibt, sagte ein Händler. Google hatte zu Jahresbeginn deutlich mehr verdient als erwartet und damit Sorgen vor einer Schwäche des Online-Werbemarktes und Belastungen aus dem amerikanische Wirtschaftsabschwung weggefegt. Nachbörslich reagierten die Anleger euphorisch, Google-Aktien legten knapp 18 Prozent zulegten.
Mit Spannung warten die Börsianer vor allem auf die Zahlen der Citigroup. Darüber hinaus steht in den Vereinigten Staaten der Zwischenbericht von Caterpillar auf der Agenda. Amerikanische Konjunkturdaten stehen dagegen an diesem Freitag nicht an. Am Terminmarkt verfallen die Optionen auf Aktien und Indizes. Die Aktien von RWE und Münchener Rück werden mit Dividendenabschlägen gehandelt. Sie liegen mit 3,4 beziehungsweise mit 3,7 Prozent im Minus.
Rentenmärkte dürften weiter konsolidieren
Die Entwicklung an den Rentenmärkten wird umgekehrt proportional zu jener an dern Börsen verlaufen. Da sich dort die Stimmung in den vergangenen Tagen trotz der schlechten Nachrichten von konjunktureller Seite verbessert hat, dürften die Anleihen in der Tendenz weitere Kursverluste beziehungsweise steigende Renditen hinnehmen müssen. Die mittelfristigen Aufwärtstrends auf der Kursseite sind gebrochen, zudem betonen immer mehr Zentralbanker die inflationären Risiken, selbst in den Vereinigten Staaten. Faktisch sind die Renditen zu tief, da real vielfach negativ. Im frühen Handel liegt der Bund-Future mit einem Minus von sechs Stellen bei 114,43 Prozent.
Euro pendelt sich bei 1,59 Dollar ein
Der Eurokurs hat sich am Freitagmorgen bei der Marke von 1,59 amerikanische Dollar eingependelt. Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,5905 amerikanische Dollar und damit etwas weniger als am Vorabend. Ein Dollar war damit 0,6287 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro-Referenzkurs am Donnerstagmittag noch auf 1,5872 (Mittwoch: 1,5928) Dollar festgesetzt. Am Freitag steht laut Experten vor allem das Quartalsergebnis der amerikanische Großbank Citigroup im Blickpunkt des Interesses. Die Anleger warteten gespannt auf Signale, ob mit einer Entspannung auf dem krisengeschüttelten Bankensektor Amerikas zu rechnen sei. Von den wenigen Konjunkturdaten, die am Freitag veröffentlicht werden, sollten indes kaum Impulse auf den Devisenhandel ausgehen, hieß es.
Aktien Tokio schließen freundlich - Festerer Dollar stützt Markt
Mit freundlicher Tendenz sind die Aktienkurse am Freitag in Tokio aus dem Handel gegangen. Der Nikkei-225-Index stieg um 0,6 Prozent oder 78 Punkte auf 13.476. Der Topix gewann 0,8 Prozent oder elf Punkte auf 1.304. Gegen Ende einer volatilen Sitzung habe sich die Käuferseite durchgesetzt, sagten Händler. Die Umsätze seien allerdings dünn gewesen, weil viele Anleger vermutlich die Geschäftszahlen der amerikanische Investmentbank Citigroup abwarten wollten. Zudem würden in der kommenden Woche etliche japanische Unternehmensbilanzen veröffentlicht.
Gesucht waren Exportwerte. Der Sektor profitierte davon, dass sich der Dollar oberhalb der Marke von 102 Yen hielt, wie Händler sagten. Toyota Motor stiegen um 2,0 Prozent auf 5.110 Yen und Mazda Motor um 5,9 Prozent auf 414 Yen. Der stärkere Dollar stützte auch die Aktien von Schifffahrtsunternehmen, deren Frachtkontrakte in der Regel in Dollar abgewickelt werden. Der Sektor sei zudem in jüngster Zeit schlechter gelaufen als der Markt und gelte als billig, erklärten Marktteilnehmer. Nippon Yusen gewannen 2,6 Prozent auf 987 Yen, Kawasaki Kisen Kaisha 6,9 Prozent auf 1.067 Yen und Mitsui O.S.K. 3,5 Prozent auf 1.338 Yen.
Die Titel des Stahlkonzerns JFE Holdings verbesserten sich um 3,1 Prozent auf 5.270 Yen. Hintergrund war unter anderem ein Nikkei-Bericht, laut dem die Tochter JFE Engineering ein System zur antimikrobischen Behandlung von Ballastwasser in Schiffen entwickelt. Die Nachfrage nach solchen Systemen wird nach Meinung von Beobachtern zunehmen, weil die internationalen Vorschriften strenger werden. Im Technologiesektor profitierten Toshiba abermals von den Anfang der Woche veröffentlichten Geschäftszahlen des amerikanische Chipherstellers Intel und legten um 2,0 Prozent auf 850 Yen zu. Die Aktien der großen Handelshäuser verzeichneten Verluste, nachdem die Öl- und Gold-Futures über Nacht etwas nachgegeben hatten. Marubeni verloren 2,0 Prozent auf 798 Yen und Mitsui & Co 0,8 Prozent auf 2.440 Yen. Mitsubishi & Co fielen um 1,1 Prozent auf 3.460 Yen.
Aktien Hongkong am Mittag gut behauptet
Gut behauptet tendieren die Aktienkurse am Freitagmittag (Ortszeit) in Hongkong. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte steigt der Hang-Seng-Index (HSI) um 0,1 Prozent oder 16 Punkte auf 24.275. Händler sprechen von einem orientierungslosen Handel in Reaktion auf erratische Vorgaben aus den Vereinigten Staaten . Die Anleger agierten noch immer vorsichtig, heißt es. Auf der Verliererseite finden sich PetroChina, die um 2,2 Prozent auf 9,88 Hongkong-Dollar nachgeben. Die Titel folgen ihren A-Aktien nach unten, die um 3,4 Prozent auf 16,30 Yuan und damit erstmals unter den IPO-Kurs von 16,70 Yuan gefallen sind. Die geringen Handelsumsätze belasten den Kurs des Börsenbetreibers HKEx, die um 1,8 Prozent auf 140,20 Hongkong-Dollar sinken.
Börse Shanghai verliert kräftig - PetroChina unter IPO-Preis
Die Aktienbörse in Shanghai hat am Freitag zeitweise mehr als vier Prozent nachgegeben und ist auf den tiefsten Stand seit einem Jahr gefallen. Der Leitindex SSEC rutschte bis auf 3078 Punkte und hat damit seit seinem Rekordhoch von Oktober 2007 rund 50 Prozent eingebüßt. Die Aktien von PetroChina rutschten um bis zu fünf Prozent auf 16 Yuan ab und notierten damit erstmals seit ihrem Börsengang unterhalb des Ausgabepreises. Anfang November hatten Papiere noch für rund 48 Yuan den Besitzer gewechselt. Das Unternehmen war damals an der Börse rund eine Billion Dollar wert und hatte den amerikanische Ölkonzern Exxon von der Position der Firma mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung verdrängt. Experten hatten die Kurse in Shanghai in den vergangenen Monaten wiederholt als überbewertet bezeichnet. Zudem belasten eine hohe Inflation und die Sorge vor einem möglichen Wirtschaftsabschwung im weiteren Jahresverlauf die Stimmung.
Nachbörsliche Meldungen und Kurse aus Amerika
Die Aktienkurse in den Vereinigten Staaten tendierten am Donnerstag nachbörslich deutlich fester. Der Index Nasdaq 100 After Hours Indicator legte um 1,28 Prozent auf 1.864,46 Zähler zu.
Im nachbörslichen New Yorker Handel haben die Aktien von Google am Donnerstag einen wahren Höhenflug erlebt. Der Suchmaschinenbetreiber hatte nach der Schlussglocke über den Erwartungen liegende Erstquartalszahlen vorgelegt. Das Unternehmen steigerte den Nettogewinn auf 4,12 (Vorjahr: 3,18) Dollar je Aktie. Bereinigt um Sonderposten verdiente die Gesellschaft 4,84 Dollar je Anteilsschein. Der Umsatz kletterte um 42 Prozent auf 5,19 Milliarden Dollar. Im Konsens hatten Analysten den bereinigten Gewinn bei 4,52 Dollar je Aktie und die Erlöse bei 3,61 Milliarden Dollar gesehen. Der Aktienkurs stieg um 17 Prozent auf 525,94 Dollar.
AMD notierten bei 6,24 Dollar und damit um 0,8 Prozent höher als zum Handelsschluss. Im Verlauf des nachbörslichen Handels waren die Titel vorübergehend bis auf 6,38 Dollar gestiegen, nachdem AMD mit den Erstquartalszahlen die Erwartungen des Marktes exakt getroffen hatte. Bei einem Umsatz von 1,5 (Vorjahr: 1,23) Milliarden Dollar erzielte das Unternehmen einen Nettoverlust je Aktie von 0,59 Dollar. Darin waren Sonderbelastungen von 0,08 Dollar enthalten, die sich aus der Fusion mit ATI Technologies ergaben. Im Vorjahr hatte der Verlust je Aktie 1,11 Dollar betragen. Analysten hatten den Verlust je Aktie im abgelaufenen Quartal auf 0,51 Dollar und den Umsatz auf 1,5 Milliarden Dollar geschätzt.
SanDisk legten um 4,7 Prozent auf 27,13 Dollar zu, nachdem sie im regulären Handel um 3,0 Prozent auf 25,90 Dollar gesunken waren. Das Unternehmen war im ersten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt, hatte dabei seine Margen verbessert und die Lizenzeinnamen um 30 Prozent gesteigert. SanDisk wies für das Quartal ein Ergebnis je Aktie von 0,08 Dollar aus, nachdem das vergleichbare Vorjahresquartal mit einem nahezu ausgeglichenen Ergebnis abgeschlossen worden war. Vor Sonderposten lag das Ergebnis je Aktie bei 0,21 Dollar; von FactSet Research befragte Analysten hatten im Schnitt mit 0,28 Dollar gerechnet. Der Quartalsumsatz betrug 850 (Vorjahr 786) Millionen Dollar. Die Konsensprognose der Analysten war von 810,5 Millionen Dollar ausgegangen. Für das zweite Quartal stellte SanDisk einen Umsatz von 875 Millionen bis 950 Millionen Dollar in Aussicht. Analysten rechneten bislang mit 905 Millionen Dollar. Das Unternehmen deutete an, dass die Preise und Bruttomargen für einige Produkte im zweiten Quartal unter Druck geraten könnten.
Wall Street schließt uneinheitlich - Technologiewerte im Minus
Die amerikanische Indizes haben am Donnerstag uneinheitlich geschlossen. Während die Standardwerte nahezu unverändert aus dem Handel gingen, zeigten sich die Technologiewerte mit etwas leichterer Tendenz. Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte (DJIA) gewann 1 Punkt auf 12.621. Der S&P-500 fügte 0,1 Prozent oder 1 Zähler auf 1.366 hinzu, während der Nasdaq Composite um 0,4 Prozent oder 8 Punkte auf 2.342 fiel. Gehandelt wurden 1,23 (Mittwoch: 1,44 ) Milliarden Aktien. 1.597 Kursgewinnern standen 1.554 Kursverlierer gegenüber; 103 Titel schlossen unverändert.
Nach der gestrigen Rally hat sich der Markt relativ wacker gehalten, sagte Robert Pavlik, Chief Investment Officer bei Oaktree Asset Management. Händler sprachen zudem von kleineren Gewinnmitnahmen nach den deutlichen Aufschlägen des Vortages. Etwas auf die Stimmung drückten die Quartalsberichte von Pfizer und United Technologies. Von starkem Verkaufsdruck habe allerdings keine Rede sein können: Es fehlen die Anschlusskäufe, so ein Marktteilnehmer. Die veröffentlichten Konjunkturdaten lieferten dagegen kaum Impulse.
Die wöchentlichen amerikanische Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren wie erwartet leicht gestiegen. Die Frühindikatoren waren dagegen etwas besser ausgefallen als erwartet. Der von der Federal Reserve Bank of Philadelphia berechnete Diffusionsindex für die allgemeine Wirtschaftstätigkeit in der Region war im April auf minus 24,9 gesunken. Volkswirte hatten einen Indexstand von lediglich minus 15,0 erwartet.
Pfizer fielen um 3,3 Prozent auf 20,40 Dollar. Das Unternehmen hat laut Händlern die Erwartungen an den Quartalsgewinn mit 0,61 Dollar je Aktie statt prognostizierter 0,66 Dollar verfehlt. Allerdings hat der Konzern den Ausblick bestätigt. United Technologies gaben um 2,5 Prozent auf 70,79 Dollar nach. Hier sprachen Händler von guten Zahlen, aber einem verhaltenen Ausblick.
IBM zogen dagegen um 2,2 Prozent auf 123,08 Dollar nach einem Gewinnanstieg um 26 Prozent im ersten Quartal an. eBay wiederum büßten 3,5 Prozent auf 31,01 Dollar ein, obwohl der Gewinn je Aktie um 22 Prozent gestiegen war. Allerdings hieß es im Markt auch, die Stimmung für Technologieaktien werde von einem schwachen Ergebnis von Nokia belastet. Ein enttäuschender Ausblick des weltgrößten Mobiltelefonherstellers hatte die Märkte in Aufregung versetzt. Dies habe den Technologiewerten den Wind aus den Segeln genommen, erläuterte ein Börsianer. Im Sog gaben Motorola 1,6 Prozent auf 9,05 Dollar ab.
Die Aktien der Citigroup drehten vor den Quartalszahlen der weltgrößten Bank am Freitag ins Plus und legten um 2,5 Prozent auf 24,03 Dollar zu. Außerdem gewannen außerhalb des DJIA die Aktien von Merrill Lynch 4,1 Prozent auf 46,71 Dollar. Die Bank habe im ersten Quartal zwar rote Zahlen geschrieben, dies sei aber erwartet worden, hieß es. Außerdem wartete der Markt auf die Zahlen von Google, die nachbörslich veröffentlicht wurden. Im Vorfeld fiel der Kurs um 1,2 Prozent auf 449,54 Dollar.
Amerikanische Anleihen notieren im späten Handel leichter
Die Notierungen der amerikanische Anleihen zeigten sich am Donnerstag im späten Geschäft des New Yorker Handels leichter. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,50 Prozent sanken um 11/32 auf 98-4/32 und rentierten mit 3,73 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste 30-jährige Staatsanleihe gab 9/32 auf 97-26/32 ab, seine Rendite stieg damit auf 4,51 Prozent. Händler zeigten sich ein wenig verwundert, dass am Markt verstärkt auf ein Ende der konjunkturellen Abkühlung gesetzt werde. Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise haben doch die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors noch gar nicht richtig erreicht, so ein Marktbeobachter. Die Gelder wanderten wieder verstärkt an den Aktienmarkt, der vermeintlich sichere Hafen der Festverzinslichen sei derzeit nicht mehr so gefragt. Tendenziell scheinen sich bei Anlegern die Sorgen über die Konjunktur etwas zu legen, heißt es weiter. Ein Händler sprach mit Blick auf die veröffentlichten Konjunkturdaten von wenig aufschlussreichen Zahlen. Der Index der Frühindikatoren für die Entwicklung der amerikanische Wirtschaft war im März zum ersten Mal seit vier Monaten wieder gestiegen. Wie der Conference Board am Berichtstag mitteilte, legte der Indikator um 0,1 Prozent auf einen Stand von 102,0 zu. Volkswirte hatten im Mittel mit einer Abnahme um 0,1 Prozent gerechnet. Der Rückgang vom Vormonat um 0,3 Prozent wurde bestätigt.
Des Weiteren war der von der Federal Reserve Bank of Philadelphia berechnete Diffusionsindex für die allgemeine Wirtschaftstätigkeit in der Region im April auf minus 24,9 gesunken. Volkswirte hatten einen Indexstand von minus 15,0 erwartet, nachdem der Index im Vormonat auf minus 17,4 gestiegen war. Negative Werte deuten auf eine Kontraktion der Geschäftstätigkeit, positive Zahlen auf eine Expansion. Darüber hinaus war die Zahl der Erstanträge auf Leistungen der amerikanische Arbeitslosenversicherung in der Woche zum 12. April saisonbereinigt um 17.000 auf 372.000 gestiegen. Volkswirte hatten einen Zuwachs um 18.000 erwartet. Für die Vorwoche revidierte das amerikanische Arbeitsministerium die Daten auf minus 51.000 auf 355.000 (vorläufig: minus 53.000 auf 357.000). In der Woche zum 5. April erhielten 2,984 Millionen Personen Arbeitslosenunterstützung, eine Zunahme gegenüber der Vorwoche um 26.000.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
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