27. März 2008 Der deutsche Aktienmarkt ist am Donnerstag mit einem leichten Plus in den Handel gestartet. Nachgebende Kurse an Wall Street im späten Handel, der nachbörsliche Kursrutsch von Oracle nach einem enttäuschenden Absatz bei den Software-Lizenzen und Kaufzurückhaltung in Tokio führen zwar zu Zurückhaltung unter den Anlegern. Als stützend erweisen sich allerdings die Aufschläge des Schwergewichts Siemens. Der Dax steigt um 15 Punkte oder 0,2 Prozent auf 6.504 Punkte. Für den MDax geht es um 0,4 Prozent auf 8636 Zähler nach oben, der TecDax gewinnt 1,4 Prozent auf 752 Stellen.
Charttechnisch sei der kurzfristige Abwärtstrend bei 6.400/6.350 Punkten nicht in Gefahr und für einen Ausbruchsversuch über den mittelfristigen Abwärtstrend bei 6.540/6.590 Punkten gebe es keine Impulse, so ein Analyst. Die dritte Veröffentlichung des amerikanischen BIP im vierten Quartal am Nachmittag dürfte die Kurse kaum noch beeinflussen, vermutet ein Händler. Eher schaue man auf die wöchentlichen amerikanischen Arbeitslosenanträge.
Negativ fallen die ersten Kommentare zum Ausblick von Hypo Real Estate (HRE) aus. Es ist fraglich, ob Hypo Real Estate letztlich ohne eine Kapitalerhöhung auskommt, sagt ein Händler. Ins Auge falle vor allem das Volumen der durch Immobilien besicherten Wertpapiere von insgesamt 3,2 Milliarden Euro, das die Schätzungen von Analysten übertreffen dürfte. Man wird sich am Markt an die Aussage halten, dass weitere Belastungen nicht auszuschließen sind, sagt ein Händler. Die Aktie hat nach Anfangsverlusten ins Plus gedreht und legt um 1,5 Prozent zu auf 15,11 Euro.
SAP werden derweil von den Quartalszahlen von Oracle belastet. Vor allem der Absatz neuer Software-Lizenzen hat enttäuscht, meint ein Broker. Darin spiegelten sich wohl nachlassende IT-Investitionen der Unternehmen wider angesichts der Unsicherheit über die Schwere und Länge der Rezession in den Vereinigten Staaten. SAP geben um 3,3 Prozent auf 31,56 Euro nach.
Positiv wird ein möglicher Zusammenschluss von Freenet und Debitel im Handel gewertet. Freenet führt eigenen Angaben zufolge mit dem Beteiligungsunternehmen Permira Gespräche über eine Übernahme der Debitel-Gruppe. Freenet verlieren nach einem Plus von 5 Prozent zum Start mittlerweile 0,9 Prozent auf 10,37 Euro. Nach der Anhebung der Umsatzprognose legen Q-Cells wie bereits am Vortag deutlich zu um 7,9 Prozent auf 55,70 Euro.
Renten-Futures tendieren leichter
Die Renten-Futures sind am Donnerstag leichter in den Handel gestartet. Der Juni-Kontrakt auf den Bund verliert 24 Basispunkte auf 115,86 Prozent. Das Tageshoch liegt bei 116,04 Prozent, das Tagestief bei 115,86 Prozent. Umgesetzt wurden bislang rund 36.800 Kontrakte. Der Bobl-Future verliert 7 Basispunkte auf 110,27 Prozent. Nach Einschätzung der WestLB wird am Berichtstag die Euro-Dollar-Entwicklung im Blick stehen.
Nachdem die jüngsten Daten aus dem Euro-Raum keine Anzeichen von Schwäche gezeigt hätten, bedarf es nach Einschätzung der Analysten einer weiteren Euro-Aufwertung, um die EZB-Zinssenkungsspekulationen zu unterstützen. Die am Berichtstag zur
Veröffentlichung anstehenden wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den Vereinigten Staaten dürfte im Vorfeld des Arbeitsmarktberichts in der kommenden Woche mit Interesse verfolgt werden.
Die nächsten Widerstände liegen bei 116,36 Prozent, 116,47 Prozent und 116,59 Prozent. Unterstützt wird der Bund bei 115,79 Prozent, 115,63 Prozent sowie 115,33 Prozent.
Euro bleibt in Reichweite der Rekordhöhe von vor Ostern
Der Kurs des Euro hat sich am Donnerstag bei der Marke von 1,58 amerikanischen Dollar eingependelt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete im frühen Handel 1,5790 Dollar. Der Dollar war 0,6331 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,5710 (Dienstag: 1,5569) Dollar festgesetzt. Der am Montag vor Ostern aufgestellte Rekord von 1,5903 Dollar rückt damit wieder in Reichweite.
Der Euro profitiere von der unerwartet robusten Stimmung in der deutschen Wirtschaft, der Aussicht auf weiter stabile Leitzinsen in der Eurozone und enttäuschenden amerikanischen Konjunkturdaten, erklärte Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen. Von Konjunkturdaten seien am Donnerstag aber kaum entscheidende neue Impulse zu erwarten.
Asiatische Börsen überwiegend mit Verlusten
Die asiatischen Aktienmärkte haben am Donnerstag überwiegend Verluste verzeichnet. Die Sorgen vor einer Rezession in den Vereinigten Staaten und weiteren Abschreibungen bei Banken im Zuge der Kreditkrise drückten vor allem Finanztitel ins Minus. Auch japanische Exporteure gehörten angesichts eines stärkeren Yen zu den Verlierern.
In Tokio schloss der Nikkei-Index der 225 führenden Werte 0,8 Prozent schwächer bei 12.604 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index gab 0,9 Prozent auf 1226 Zähler nach. Die Börsen in Taiwan und Südkorea lagen ebenfalls im Minus, während die Märkte in Hongkong und Singapur fester tendierten.
Es fühlt sich an wie eine Rezession, es riecht wie eine Rezession - also können wir es wohl auch eine Rezession nennen, sagte Analyst Eric Betts von Nomura Australia zur Situation in den Vereinigten Staaten. Bei den Banken zählte unter anderem die japanische Mitsubishi UFJ zu den Verlierern mit einem Minus von 2,1 Prozent.
Unter den Exportwerten verloren Honda-Aktien 2,45 Prozent, Sony-Papiere gaben wegen des gestiegenen Yen-Kurses 3,78 Prozent nach. Ein starker Yen verteuert japanische Produkte im Ausland und schmälert die Gewinne, wenn sie wieder ins Land transferiert werden. Anteilsscheine von TDK verloren 7,5 Prozent, nachdem eine Zeitung berichtet hatte, der Eletronik-Komponentenhersteller werde seine Gewinnziele wohl nicht erreichen.
Aktien zeigen sich in Hongkong am Mittag etwas fester
Etwas fester tendieren die Aktienkurse am Donnerstagmittag (Ortszeit) in Hongkong. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte steigt der Hang-Seng-Index (Hang Seng-Index) um 0,4 Prozent oder 89 Punkte auf 22.706 Punkte, nachdem er während des Vormittags bis auf 22.205 Punkte gesunken war. Damit läuft die Börse in Hongkong am Berichtstag besser als die übrigen Märkte der Region.
Die Umsätze seien mit einem Volumen von 45,61 Milliarden Hongkong-Dollar aber wenig aufregend, sagen Händler. Sie führen die Käufe auf das Auslaufen des März-Kontrakts auf den Hang Seng-Index am Freitag zurück. Bullish gestimmte Marktteilnehmer versuchten, einen höheren Settlement-Preis durchzusetzen. Nach dem Verfallstermin dürfte sich die fundamentale Situation des Marktes klarer darstellen. Bei 23.000 Punkten dürfte der Hang Seng-Index zunächst auf einen Widerstand treffen.
Überdurchschnittlich gut entwickeln sich am Donnerstag Li & Fung, die um 8,6 Prozent auf 33,15 Hongkong-Dollar steigen. Hutchison rücken um 2,3 Prozent auf 74,70 Hongkong-Dollar vor. Die Aktien von Cheung Kong steigen um 3,0 Prozent auf 111 Hongkong-Dollar. Das Unternehmen wird am Berichtstag Geschäftszahlen zum vergangenen Jahr vorlegen.
Neuigkeiten und Firmenmeldungen nach Börsenschluss in New York
Die Aktienkurse an den amerikanischen Börsen tendierten am Mittwoch nachbörslich leichter. Der NASDAQ-100 After Hours Indicator verlor 1,05 Prozent auf 1798,19 Zähler zu.
Kräftige Abschläge haben Oracle am Mittwoch nach Vorlage ihrer Drittquartalszahlen verbucht. Der Hersteller von Firmensoftware hat einen Umsatzanstieg von 21 Prozent auf 5,35 Milliarden Dollar erzielt, während Analysten im Schnitt mit 5,42 Milliarden Dollar gerechnet hatten. Das Nettoergebnis lag bei 1,34 Milliarden Dollar oder 0,26 Dollar je Aktie. Auf Nicht-GAAP-Basis hat Oracle ein Ergebnis von 0,30 Dollar je Aktie erzielt und traf damit die Erwartungen der Analysten. Der Titel verlor 8,4 Prozent auf 19,19 Dollar.
Die Aktien von Rambus stiegen um 4,5 Prozent auf 27,02 Dollar. Das Unternehmen hatte einen Prozess gewonnen, den andere Chiphersteller gegen Rambus angestrengt hatten. Ein Analyst schätzte, dass Rambus nunmehr Forderungen von bis zu 11,7 Milliarden geltend machen könnte, die sich allerdings schwer durchsetzen ließen.
Amerikanische Aktienmärkte auf Talfahrt
Belastet von neuen Sorgen wegen der Kreditkrise haben die amerikanischen Börsen am Mittwoch Verluste verzeichnet. Negativ auf das Marktgeschehen wirkten sich auch die deutlichen Kursabschläge bei den Bankenwerten aus, nachdem eine prominente Analystin ihre Gewinnprognose für einige Kredithäuser gesenkt hatte. Händler beschrieben die Stimmung an den Börsen als schlecht. Daran konnte auch die Ankündigung einer Aufspaltung von Motorola kaum etwas ändern.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,9 Prozent tiefer bei 12.422 Punkten. Im Verlauf hatte er sich zwischen 12.376 und 12.531 Stellen bewegt. Der breiter gefasste S&P-500 verlor ebenfalls 0,9 Prozent auf 1341 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte zuletzt 0,7 Prozent tiefer bei 2324 Punkten. In Frankfurt war der Dax bei 6489 Punkten aus dem Handel gegangen, das entspricht einem Minus von 0,5 Prozent.
Die Finanzwerte belasteten die Märkte, nachdem eine bekannte Analystin ein schnelles Ende der Gewinneinbußen bei Banken wegen der Hypothekenkrise bezweifelt hatte. Meredith Whitney von Oppenheimer & Co. senkte ihre Gewinnprognose für die Citigroup, die Bank of America, JPMorgan und Wachovia. Daraufhin gaben die Aktien der Geldhäuser nach: Citigroup-Papiere brachen knapp sechs Prozent ein, Bank-of-America-Titel rund drei Prozent, JPMorgan-Aktien über vier Prozent und Wachovia-Anteilsscheine über sechs Prozent.
Auch die Schwierigkeiten bei der Deutschen Bank belasteten die Branche. Das Institut war von seinem Gewinnziel für 2008 abgerückt. So fielen Merrill-Lynch-Titel sieben Prozent und Morgan-Stanley-Anteilsscheine drei Prozent. In Frankfurt schlossen die Aktien der Deutschen Bank rund zwei Prozent schwächer.
Dagegen waren die Aktien der angeschlagenen Investmentbank Bear Stearns gefragt. Die Papiere verteuerten sich um 2,5 Prozent auf 11,2 Dollar. Händler verwiesen auf Gerüchte, wonach JPMorgan Chase ihr Gebot für die Traditionsbank ein zweites Mal erhöhen könnte. Erst am Montag hatte JPMorgan Chase ihr Angebot für Bear Stearns auf 9,64 Dollar je Aktie von rund zwei Dollar aufgestockt.
Zusätzlich drückten schlechte Nachrichten zur amerikanischen Konjunktur auf die Stimmung. Der Auftragseingang für langlebige Güter war im Februar überraschend gesunken. Das deutet auf eine geringere Investitionsneigung der Unternehmen hin und verstärkte Sorgen über den Zustand der amerikanischen Wirtschaft.
Auch das drohende Aus für die schuldenfinanzierte Übernahme von Clear Channel durch zwei Finanzinvestoren mit einem Volumen von 20 Milliarden Dollar kam nicht gut an auf dem Parkett. Die Banken befürchteten Kreisen zufolge Verluste bei dem Geschäft. Die beteiligten Firmen könnten nun per Klage versuchen, die Finanzierung zu erzwingen, berichtete die New York Times. Clear Channel ist schlecht für die Psychologie am Markt, sagte Michael James von Wedbush Morgan. Arthur Hogan, Analyst bei Jefferies & Co, äußerte Befürchtungen, dass auch andere schuldenfinanzierte Übernahmen in Schwierigkeiten kommen könnten. Clear-Channel-Aktien sackten mehr als 17 Prozent ab.
Mit Kursaufschlägen wurde dagegen die angekündigte Aufspaltung von Motorola in einen Handyhersteller und einen Netzwerkkonzern quittiert. Die Aktien verteuerten sich um 2,6 Prozent. Motorola-Großaktionär Carl Icahn hatte sich im Vorfeld angesichts massiver Schwierigkeiten im Handygeschäft für eine Auftrennung eingesetzt.
Gegen die Markttendenz stemmten sich auch die Energiewerte. Händler begründeten die Aufschläge mit dem Anstieg des Ölpreises. So konnten die Dividendenpapiere des Mineralölkonzerns Exxon Mobil um 1,2 Prozent zulegen und die Anteilsscheine des Öldienstleisters Schlumberger um 4,7 Prozent.
Amerikanische Anleihen: Mehrheitlich Gewinne nach Daten
Für die amerikanischen Staatsanleihen ist es am Mittwoch nach amerikanischen Konjunkturdaten mehrheitlich nach oben gegangen. Ein unerwarteter Rückgang bei den Auftragseingänge für langlebige Güter im Februar habe Sorgen um den Zustand der Konjunktur entfacht, hieß es aus dem Markt. Zudem seien die Verkäufe neuer Häuser im vergangenen Monat zum vierten Mal in Folge gefallen, wenn auch nicht so stark wie von Experten befürchtet.
Zweijährigen Anleihen stiegen um 6/32 Punkte auf 100 20/32 Punkte. Sie rentierten mit 1,660 Prozent. Richtungsweisende zehnjährige Anleihen legten ebenfalls um 6/32 Punkte auf 100 4/32 Punkte zu und rentierten mit 3,483 Prozent. Schatzanweisungen mit einer Laufzeit von dreißig Jahren verloren dagegen 13/32 Punkte auf 100 25/32 Punkte. Die Rendite lag bei 4,328 Prozent
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
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