Frühaufsteher

Aktienmarkt eröffnet freundlich

16. Mai 2008 In einem nach der Zahlenflut der Vortage wohl ruhigen Wochenausklang wird der deutsche Aktienmarkt am Freitag freundlich erwartet. Dank positiver Vorgaben aus den Vereinigten Staaten sind die wichtigsten deutschen Aktienindizes am Freitag mit leichten Zuwächsen in den letzten Handelstag der Woche gestartet. Der Leitindex Dax stieg in den ersten Handelsminuten um 0,6 Prozent auf 7127 Punkte. Der M-Dax mittelgroßer Werte rückte um 0,6 Prozent auf 9935 Zähler vor. Der Tec-Dax schwankte zwischen der Gewinn- und Verlustzone und notierte nahezu unverändert bei 861 Punkten.

Die Vorgabe von der Wall Street ist positiv: Die amerikanischen Börsen sind am Vortag im Kielwasser positiv aufgenommener Konjunkturdaten fest aus dem Handel gegangen. Der Future auf den Dow Jones stand am Morgen 76 Punkte über dem Niveau vom Xetra-Schluss am Vortag. Insgesamt dürfte sich das Geschehen bei sehr viel dünnerer Agenda stark beruhigen, sagten Händler.

Infineon-Papiere dürften Interesse auf sich ziehen. Einem Bericht der „Börsen-Zeitung“ zufolge steht bei dem Hersteller von Computerchips bald ein Chefwechsel an. Wolfgang Ziebart werde zum 1. Juni das Unternehmen verlassen, berichtete die Zeitung. Nach den Problemen mit dem Aufsichtsrat würden damit entsprechende Spekulationen aber nur bestätigt, sagte ein Händler.

Die Aktien der Deutschen Telekom werden am heutigen Freitag ex Dividende gehandelt und notierten zu Handelsbeginn um mehr als 5 Prozent im Minus. Der Konzern schüttet 0,78 Euro je Aktie aus. Die Commerzbank-Aktie verlor 3,2 Prozent. Die Bank schüttet 1 Euro je Aktie aus, weshalb der Titel ebenfalls mit einem Dividendenabschlag gehandelt wird. Auch die Papiere des Maschinenbauers Kuka notieren mit einem Abschlag, nachdem das Unternehmen 1 Euro je Aktie ausschüttet. Der Ticketvermarkter CTS Eventim wird ebenfalls einen Dividendenabschlag erleiden nach Zahlung von 0,49 Euro je Aktie.

Vor allem Titel von Automobilunternehmen wie BMW, Volkswagen oder Daimler dürften in Bewegung geraten. Die deutschen Autokonzerne haben nach Angaben des europäischen Herstellerverbands ACEA ihren Marktanteil in Europa erhöht. Aktienhändler verwiesen auch auf die Daten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), wonach im April in Europa 10 Prozent mehr neue PKW zugelassen wurden als im Vorjahresmonat. Ein Börsianer sprach von sehr starken Zahlen, schränkte aber ein, dass die Daten durch die frühen Osterfeiertage und drei zusätzliche Verkaufstage im April positiv verzerrt seien. Insofern dürften seiner Meinung nach die Kursreaktionen moderat ausfallen.

Porsche-Papiere rücken ebenfalls in den Fokus. Händler verwiesen auf Berichte, dass der Sportwagenbauer die EU-Regulierungsbehörden offiziell über seinen Plan informiert hat, den Anteil an Volkswagen zu einer Mehrheit auszubauen. Damit bestätige sich ein Gerücht vom Vortag, kommentierte ein Börsianer. Auf die VW-Aktien sollte sich diese Nachricht zumindest nicht negativ auswirken.

Siemens-Aktien sollten im Auge behalten werden. Der Mischkonzern will sich Kreisen zufolge nicht vollständig von seiner Problemsparte Siemens Enterprise Communications (SEN) trennen. Damit wurde ein entsprechender Bericht der „Financial Times Deutschland“ (Freitagausgabe) bestätigt. Es stelle sich nun die Frage, ob diese Strategie wegen Bedenken auf Kundenseite gefahren werde oder es problematisch sei, einen Käufer zu finden, so ein Händler. Mit einer deutlichen Kursreaktion rechnen Börsianer allerdings nicht. Die Aktie lag am Morgen 1,6 Prozent im Plus.

Schließlich dürften im Leitindex auch Bayer-Aktien einen Blick wert sein. Ein Börsianer verwies auf einen Medienbericht über positive Studiendaten von Nexavar bei der Behandlung von Leberkrebs. Eine Studie des Entwicklungspartners Onyx Pharma habe im asiatisch-pazifischen Raum eine Verlängerung der Überlebenszeit bei Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung gezeigt. Dies sei natürlich nicht negativ, das Medikament sei jedoch in dieser Indikation bereits in 40 Staaten zugelassen, so der Börsianer. Im ersten Quartal hatten sich die Nexavar-Umsätze bereits mehr als verdoppelt.

Indes ist die Führungskrise bei Deutschlands größtem Modekonzern ist beendet: Claus-Dietrich Lahrs wird neuer Chef bei Hugo Boss. Der 44 Jahre alte Manager solle den Vorstandsvorsitz möglichst zum 1. August übernehmen. Dies honorierten die Anleger am Morgen mit einem Kursanstieg um gut 3 Prozent.

Einen Blick dürfte auch die Aktie der Lufthansa wert sein, da die britische Fluggesellschaft British Airways im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. März) trotz Finanzkrise und hoher Treibstoffpreise den Gewinn steigerte. Daraus werden die Anleger wohl eine Einschätzung für die gesamte Branche ableiten. Der Aktienkurs der Lufthansa tendierte 1,8 Prozent höher. British Airways schossen an der Börse London um mehr als 6 Prozent in die Höhe.

Der Einzelhandelskonzern Metro lädt seine Aktionäre nach Düsseldorf zur Hauptversammlung. Etwas Bewegung in den Handel könnten am Nachmittag der Index zur Verbraucherstimmung der Universität Michigan und die jüngsten Zahlen zu Baubeginnen und Baugenehmigungen in den Vereinigten Staaten bringen.

Freundliche Tendenz am Rentenmarkt

Am Rentenmarkt stieg der Bund-Future zu Handelsbeginn um 23 Stellen auf 113,41 Punkte. Die zehnjährige Bundesanleihe notierte kaum verändert bei 98,36 Punkten und rentierte bei 4,207 Prozent. Für den deutschen Rentenmarkt rechnen Experten am Freitag mit einer freundlichen Tendenz.

„Die schlechte Stimmungslage der amerikanischen Bürger dürfte heute durch den Michigan Konsumentenvertrauensindex erneut unter Beweis gestellt werden und dem Bund-Future Auftrieb geben, zumal auch schlechte Nachrichten vom dahin siechenden Wohnimmobiliensektor zu erwarten sind“, heißt es im Morgenkommentar der HSH Nordbank.

Euro verharrt bei 1,55 Dollar

Der Kurs des Euro hat sich am Freitag bei der Marke von 1,55 Dollar eingependelt. Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,5491 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstag auf 1,5469 (Mittwoch: 1,5439) Dollar festgesetzt. Damit bleibt der Euro weiter gut fünf Cent unter seinem Rekordwert von mehr als 1,60 Dollar.

Neue Impulse werden am Nachmittag von amerikanischen Konjunkturdaten erwartet. Insbesondere das Konsumklima dürfte Aufschluss über die Verfassung der amerikanischen Wirtschaft liefern, hieß es. Ökonomen rechnen mit einer leichten Stimmungseintrübung im Mai. Der Konsum ist die Hauptstütze der amerikanischen Wirtschaft, die in jüngster Zeit eine Schwächephase durchläuft.

Gewinnmitnahmen an der Börse Tokio

Kleinere Gewinnmitnahmen vor dem Wochenende haben am Freitag das Geschehen an der Börse in Tokio geprägt. Der Nikkei-225 schloss nach einem wechselhaften Verlauf bei insgesamt nur geringen Kursausschlägen knapp behauptet und verlor 0,2 Prozent auf 14.219 Punkte. Der Topix legte dagegen um 0,2 Prozent auf 1396 Punkte zu. Händler sprachen von einer Atempause nach den Aufschlägen der Vortage von mehr als 4 Prozent. Die Stimmung sei aber weiter gut, hieß es mit Blick auf die Kursgewinne auch an der Wall Street und die Gewinnausblicke der japanischen Unternehmen, die vielfach als zu konservativ beurteilt würden.

Die zu beobachtenden Gewinnmitnahmen seien zudem eher als vorbereitende Maßnahmen für Neueinstiege in der kommenden Woche zu verstehen, sagte ein Teilnehmer. Höhere Frachtraten, abzulesen am gestiegenen Baltic Dry Index, trieben die Kurse von Schifffahrtswerten weiter an. Mitsui O.S.K. Lines gewannen 4,2 Prozent auf 1647 Yen und profitierten außerdem von einer Hochstufung auf „Überdurchschnittlich“ durch Credit Suisse. Kawasaki Kisen legten um 3,9 Prozent zu auf 1237 Yen und Nippon Yusen um 3 Prozent auf 1113 Yen.

Stahlwerte bauten ihre Vortagesgewinne ebenfalls aus in der Hoffnung, dass sich Stahlpreiserhöhungen bei den Automobilbauern durchsetzen lassen. Am Vortag hatte es in einem Zeitungsbericht geheißen, Nippon Steel und Toyota stünden diesbezüglich kurz vor einer Einigung. Nippon Steel gewannen 2,3 Prozent auf 656 Yen und Sumitomo Metal Industries 4,5 Prozent auf 488 Yen.

Auf der Verliererseite standen NEC mit einem Abschlag von 2,4 Prozent auf 538 Yen. Die Analysten von Goldman Sachs haben die Aktie auf von „Kaufen“ auf „Neutral“ gesenkt und dies damit begründet, dass das Kursmomentum aufgebraucht sei; die Aktie liege rund 25 Prozent über dem 25-Tage-Durchschnitt.

BMC Software an amerikanischer Nachbörse sehr fest

Die Aktien von BMC Software haben am Donnerstag im nachbörslichen amerikanischen Handel deutlich zugelegt, nachdem das Unternehmen für sein viertes Quartal einen unerwartet kräftigen Umsatzanstieg von 11 Prozent auf 466,9 Millionen Dollar berichtet hatte. Der Gewinn stieg gleichzeitig um 55 Prozent auf 97 Millionen Dollar. Der Kurs legte um 4,3 Prozent auf 38 Dollar zu.

Kohl's verloren dagegen 1 Prozent auf 49,98 Dollar, nachdem das Unternehmen für das zweite Quartal und das Gesamtjahr unter den Erwartungen liegende Gewinnausblicke abgegeben hatte. Für das erste Quartal hatte das Einzelhandelsunternehmen einen Umsatzanstieg von 1,5 Prozent berichtet auf 3,6 Milliarden Dollar bei einem auf 153 Millionen Dollar rückläufigen Gewinn.

Nordstrom verteuerten sich um 4,3 Prozent auf 38,90 Dollar, begünstigt von besser als erwartet ausgefallenen Gewinnkennziffern der Einzelhandelskette im ersten Quartal. Exar rutschten um 7,9 Prozent ab auf 8,30 Dollar. Der Hersteller integrierter Schaltkreise hatte wegen Abschreibungen auf den Geschäftswert nach der Übernahme von Sipex einen über Erwarten hohen Quartalsverlust gemeldet.

Der Aktienkurs von Yahoo stieg nachbörslich um 0,2 Prozent auf 27,75 Dollar. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator stieg um 0,1 Prozent auf 2033 Punkte.

Solide Kursgewinne an der Wall Street

Trotz uneinheitlicher Konjunkturdaten haben die amerikanischen Börsen am Donnerstag solide Kursgewinne verbucht. Am besten zeigte sich im Durchschnitt die Technologiebranche.

Der Dow-Jones-Index stieg um 0,7 Prozent auf 12.992,66 Punkte. Der S&P-500-Index erhöhte sich um 1,1 Prozent auf 1423,57 Punkte. Der Nasdaq-Index kletterte am stärksten um 1,5 Prozent auf 2533,73 Punkte.

Ein moderater Anstieg der Arbeitslosenzahlen einerseits und die Schwäche in der Industrie andererseits ließen die Anleger über die Konjunkturentwicklung rätseln. Die amerikanische Wirtschaft mache aber offenbar weniger harte Zeiten durch als befürchtet, sagten Experten. Positiv kamen Aussagen des amerikanischen Notenbankpräsidenten Ben Bernanke an, der Bemühungen der Banken um höhere Barmittel „ermutigend“ nannte.

Das Tauziehen um Yahoo ist wieder eröffnet: Der streitbare amerikanische Milliardär Carl Icahn kaufte sich bei dem Internet-Konzern ein und will nun doch noch eine Übernahme durch Microsoft erzwingen. Für die Yahoo-Aktie ging es um 2,3 Prozent auf 27,75 Dollar nach oben. Titel von Microsoft legten um 1,7 Prozent auf 30,45 Dollar zu.
Der größte nordamerikanische Autobauer General Motors erzielte eine Tarifeinigung mit der kanadischen Gewerkschaft. Die Aktie stieg mit plus 5,2 Prozent auf 21,23 Dollar an die Dow-Jones-Spitze.

Der amerikanischen Medienkonzern CBS übernimmt den börsennotierten Anbieter von Technologie-Websites CNET. Die CBS-Aktie verlor wegen des manchen Anlegern zu hohen Kaufpreises um 2,4 Prozent auf 24,23 Dollar. Der CNET-Kurs schoss um knapp 44 Prozent auf 11,41 Dollar nach oben und lag damit knapp unter der Übernahmeofferte von 11,50 Dollar.

Aufschläge gab es auch im Einzelhandel: J.C. Penney-Titel stiegen nach besser als erwarteten Zahlen um 4,7 Prozent auf 46,32 Dollar. Aktien von Tiffany & Co profitierten von einem höheren Gewinnausblick mit einem Kursplus von 6,6 Prozent auf 48,88 Dollar. Der Mischkonzern General Electric (GE) will seine Haushaltsgeräte-Sparte laut amerikanischen Medien verkaufen. Die Aktie verlor 0,4 Prozent auf 32,37 Dollar.

Amerikanische Anleihen notieren fester

Angetrieben von schwachen amerikanischen Konjunkturdaten und Bond-Tilgungszahlungen notieren die amerikanischen Anleihen am Donnerstag im späten Verlauf des New Yorker Handels fest. Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 3,875 Prozent legten um 24/32 auf 100-14/32 zu und rentierten mit 3,82 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste dreißigjährige Longbond rückte um 1-4/32 auf 97-8/32 vor und rentierte mit 4,54 Prozent.

Notierten die langen Laufzeiten der Treasuries im frühen Handel noch kaum verändert oder mit leichten Abschlägen, sorgten der Empire State Manufacturing Index für das verarbeitende Gewerbe der Region im Mai sowie die amerikanischen Industrieproduktion im April für Kursaufschläge bei den Anleihen. Beide Konjunkturindikatoren waren hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Auch das Vertrauen der amerikanischen Bauunternehmen hat sich im Mai leicht eingetrübt, wodurch sich die Aufwärtstendenz der amerikanischen Anleihen noch einmal befestigte.

„Gestern hat der Markt noch geglaubt, dass die Wirtschaft über die Wachstumsdelle hinwegkäme angesichts der milden Inflationsdaten“, sagte ein New Yorker Anleihe-Stratege am Donnerstagabend. Wenn nun allerdings das verarbeitende Gewerbe und das Baugewerbe in eine Rezession schlitterten, sehe es nach Gegenwind für die Wirtschaft aus, sagte der Stratege weiter.

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.

Den Frühaufsteher können Sie auch als kostenlosen Newsletter bestellen



Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing

 
Anzeige: UBS Spezial

Von Kernen und Satelliten - Anlagestrategien für Fortgeschrittene

UBS-Expertin Petra Becher berichtet regelmäßig neu, worauf es beim Investieren mit Zertifikaten ankommt.

NamePunkteProzent
Dax 6.362,24 +0,92
TecDax 740,27 +0,74
DowJones 11.384,21 +1,36
Nasdaq 2.294,44 +2,28
STOXX 50 3.319,83 +0,98
Nikkei 225 13.052,13 +0,15
S&P 500 Zert. 12,41 -1,74
Euro/Dollar 1,57 +0,26
Bund Future 112,01 -0,12
Gold 921,30 +0,47
Öl 142,31 -0,93
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.