10. Juli 2008
Unternehmen
Porsche will am 2. September VW kontrollieren
Der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche wird voraussichtlich Anfang September den vielfach größeren Wolfsburger Volkswagen-Konzern unter seine Kontrolle bringen. Wendelin Wiedeking, Vorstandsvorsitzender von Porsche, sagte am Mittwochabend auf einer Veranstaltung in Waldachtal im Schwarzwald: Am 2. September haben wir die absolute Mehrheit in der Hauptversammlung.
Ein Porsche-Sprecher ergänzte, an diesem Datum werde das jüngste Termingeschäft zum Erwerb weiterer rund 5 Prozent derVW-Stimmrechte wirksam. Dann ist Closing, sagte er. Wiedeking sagte weiter, die VW-Übernahme wird vollzogen - Stück für Stück. Das sei nicht mehr zu korrigieren.
Mit dem Abschluss des Termingeschäfts ist aus der Sicht von Porsche der Weg für die Mehrheits-Übernahme von VW frei. Bis zum 23. Juli will die EU-Kommission entscheiden, ob sie Einwände gegen den Erwerb einer Mehrheit an VW durch Porsche hat. Bislang hält Porsche eigenen Angaben zufolge knapp 31 Prozent an VW. Zweitgrößer VW-Aktionär ist das Land Niedersachsen mit gut 20 Prozent der Stimmen.
Dem Übernahmewunsch von Porsche müssen noch einige Kartellbehörden rund um den Globus zustimmen. Nach Vorlage aller Genehmigungen will Porsche dann weitere VW-Stammaktien erwerben, um dann mehr als 50 Prozent der Stimmen zu halten. Dafür steht dem finanzkräftigen Stuttgarter Konzern eine Kreditlinie von mehr als 10 Milliarden Euro zur Verfügung. (Reuters)
Heidelberger Druck hängt in der Nachfrage-Flaute
Der Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck rechnet in der nächsten Zeit nicht mit einer spürbaren Erholung der Nachfrage und will daher die Kosten drücken. Bis Ende des Geschäftsjahres 2010/11 würden rund 500 Stellen gestrichen, teilte der weltgrößte Druckmaschinenhersteller am Donnerstag in Heidelberg mit.
Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2008/09 (per Ende März) sei der Umsatz von 742 Millionen Euro auf 640 bis 660 Millionen Euro gesunken. Das Unternehmen habe nach vorläufigen Berechnungen einen Betriebsverlust von 35 bis 40 Millionen Euro erlitten, nach einem Betriebsgewinn von 26 Millionen Euro vor Jahresfrist. (Reuters)
Northwest Airlines streicht 2500 Stellen
Die amerikanische Fluggesellschaft Northwest Airlines will wie ihre Konkurrenten wegen der hohen Treibstoffkosten Stellen streichen. Durch den Abbau von etwa 2500 Arbeitsplätzen könne Northwest einen dreistelligen Millionenbetrag jährlich sparen, teilte die Fluggesellschaft am Mittwochabend mit. Der Stellenabbau ist das direkte Ergebnis unserer außergewöhnlich hohen Treibstoffkosten. Mit den notwendigen Maßnahmen wollen wir ein nicht mehr profitables Fluggeschäft verhindern, hieß es in einer Mitteilung des Konzerns.
Laut Internetseite beschäftigt die Fluglinie 31.000 Mitarbeiter. Northwest will mit Delta Air Lines fusionieren und gleichzeitig ihre Flugkapazitäten im vierten Quartal um bis zu 9,5 Prozent reduzieren. Angesichts steigender Ölpreise und zunehmender Konkurrenz durch Billigflieger steht die Luftfahrtbranche weltweit unter Konsolidierungsdruck. (Reuters)
Tarifverhandlungen bei Lufthansa gehen am Morgen weiter
Im Tarifstreit bei der Lufthansa hat auch ein 14-stündiger Verhandlungsmarathon keine Einigung gebracht. Die Gespräche sollen an diesem Donnerstag gegen 9 Uhr fortgesetzt werden. Dies teilte die Gewerkschaft Verdi in der Nacht mit. Die Positionen zwischen dem Konzern und der Gewerkschaft lägen weiterhin auseinander, sagte der Sprecher, ohne Details zu nennen. (dpa-AFX)
F.A.Z.:Tui-Aufsichtsrat trifft sich zu außerordentlicher Sitzung
Der Aufsichtsrat des Touristik- und Schifffahrtkonzerns Tui tritt an diesem Donnerstag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, berichtet die Frankfurter Allgemeinen Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe. Anlass seien die scharfen Attacken von Großaktionär John Fredriksen. Auf der Agenda der kurzfristig anberaumten Aufsichtsratssitzung steht nach Informationen des Blattes nur ein Punkt: Verkaufsangelegenheiten Hapag-Lloyd. Die 20 Aufsichtsratsmitglieder des Konzerns sollen dem Bericht zufolge am Donnerstagnachmittag über den Zwischenstand im Bieterprozess zum Verkauf der Schifffahrtsgesellschaft Hapag-Lloyd unterrichtet werden. (dpa-AFX)
Airbus steht vor Großauftrag von Qatar Airways
Die EADS-Tochtergesellschaft Airbus wird nach Angaben aus Kreisen in der kommenden Woche einen großen Auftrag von der Fluggesellschaft Qatar Airways erhalten. Bei der internationalen Messe der Luft- und Raumfahrt, der Farnborough International Airshow in Großbritannien, wollten Qatar Airways und der Flugzeugbauer Airbus gemeinsam eine Pressekonferenz abhalten, verlautete am Mittwoch aus mit der Situation vertrauten Kreisen. Dabei könnte die katarische Fluggesellschaft einen Großauftrag für den Boeing-Konkurrenten bekanntgeben. (Reuters)
Boeing: Robustes Wachstum im Flugzeugbau
Der weltweite Luftverkehr wird nach Überzeugung des amerikanischen Flugzeugbauers Boeing in den nächsten 20 Jahren trotz hoher Treibstoffpreise robust um 5 Prozent jährlich wachsen, wobei China die Vereinigten Staaten überflügeln dürfte. Insgesamt könnten die Flugzeughersteller bis 2027 voraussichtlich rund 29.400 neue Passagier- und Frachtmaschinen verkaufen, heißt es in der am Mittwoch in London veröffentlichten Langzeitprognose von Boeing. Dies entspreche einem Gesamtwert von 3,2 Billionen Dollar (rund 2 Billionen Euro), sagte Boeing-Vizepräsident Randy J. Tinseth vor Journalisten.
Davon seien mehr als 30 Prozent bereits in Auftrag gegeben worden. Die Nachfrage werde stark durch die Ablösung älterer Maschinen durch umweltfreundlichere Flugzeuge mit geringerem Treibstoffverbrauch vorangetrieben. Wir haben es in der kommerziellen Luftfahrt mit einer sehr dynamischen Situation zu tun, sagte Tinseth weiter. (dpa-AFX)
Carrefour steigert Umsatz
Der größte europäische Einzelhändler Carrefour hat den Umsatz im zweiten Quartal gesteigert. Auf vergleichbarer Basis legten die Erlöse um 6,7 Prozent auf 23,7 Milliarden Euro zu, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Allerdings seien die Umsätze in den großen Supermärkten zurückgegangen, da die Verbraucher wegen der Preissteigerungen billigere Waren den teureren Markenprodukten vorzögen. Für die ersten sechs Monate rechnet der Konzern mit einem Anstieg des operativen Gewinns von mindestens 5 Prozent. Im Juni hatte Carrefour seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr abgeschwächt. (Reuters)
Anheuser-Busch fordert zu Ablehnung des Inbev-Angebots auf
Im Abwehrkampf gegen den belgischen Brauriesen Inbev hat der amerikanischen Konzern Anheuser-Busch seine Aktionäre offiziell zur Unterstützung aufgerufen. Die Anteilseigner sollten den Vorstoß von Inbev zur Abwahl des Verwaltungsrates von Anheuser-Busch ablehnen, empfahl das Unternehmen am Mittwoch in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC. Der belgische Konkurrent will das komplette Spitzengremium des amerikanischen Konzerns mit eigenen Vertretern besetzen lassen und so einen Kurswechsel erzwingen. (dpa-AFX)
Chefwechsel und Milliardenverlust bei Wachovia
Nach wochenlanger intensiver Suche hat die viertgrößte amerikanische Bank Wachovia einen neuen Konzernchef benannt. An der Spitze der Bank stehe fortan Robert Steel, teilte Wachovia am Mittwoch nach amerikanischen Börsenschluss mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Steel war zuletzt im amerikanischen Finanzministerium tätig und hatte zuvor bei der Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet.
Zugleich kündigte das Unternehmen für das zweite Geschäftsquartal - unter anderem wegen der Finanz- und Hypothekenkrise - überraschend einen Verlust zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden Dollar an. Nach einer Reihe von Abschreibungen und Fehlentscheidungen hatte sich Wachovia Anfang Juni mit sofortiger Wirkung vom damaligen Vorstandschef Ken Thompson getrennt.
Wachovia-Aktien reagierten auf die Personalentscheidung nachbörslich mit einem Plus von gut 3 Prozent auf 14,75 Dollar. Zuvor hatten sie inmitten eines allgemeinen Ausverkaufs der Finanzwerte deutlich im Minus geschlossen; im bisherigen Jahresverlauf haben die Papiere gar 63 Prozent an Wert verloren. (Reuters)
MTU hofft auf leichtes Umsatzplus
Der Triebwerkshersteller MTU sieht trotz der Krisenszenarien in der Luftfahrtbranche keinen Grund für eine Senkung des eigenen Ausblicks. Die Tatsache, dass einige amerikanische Fluggesellschaften Teile ihrer Flotten mit älteren Maschinen stilllegen, werde für MTU zu keiner Beeinträchtigung führen, sagte Vorstandschef Egon Behle der Financial Times Deutschland (Donnerstag). Aus den bisher vorliegenden Zahlen sehen wir keine Beeinträchtigung. (dpa-AFX)
GfK will Partner für TNS-Gebot finden
Das Marktforschungsunternehmen GfK will die Suche nach einem Partner für eine Offerte für Taylor Nelson Sofres (TNS) zügig abschließen. Man hoffe, sich innerhalb von zwei Wochen mit einem Partner auf die Finanzierung zu einigen, sagte ein GfK-Sprecher am Mittwoch in Nürnberg. Das gemeinsame Gebot werde eine reine Barofferte sein, die genaue Höhe stehe aber noch nicht fest. Der britische Werbekonzern WPP Group hatte am Mittwoch sein feindliches Übernahmegebot für TNS endgültig vorgelegt und bietet 1,08 Milliarden Pfund (1,35 Milliarden Euro). (dpa-AFX)
Wirtschaft
Englischer Leitzins wird bei 5 Prozent bleiben
Die britische Notenbank wird den Leitzins nach Einschätzung von Experten an diesem Donnerstag erneut nicht verändern. Volkswirte gehen wegen der hohen Inflation und ungünstigen Wachstumsaussichten einhellig von einem unveränderten Leitzins von 5,00 Prozent aus. Im Mai war die Teuerung in Großbritannien auf 3,3 Prozent gestiegen und lag damit mehr als einen Prozentpunkt über dem von der Notenbank angestrebten Zielwert von 2 Prozent. (dpa-AFX)
Japans Leistungsbilanz-Überschuss gefallen
Der Überschuss in der japanischen Leistungsbilanz ist im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 5,9 Prozent gefallen auf 2,0006 Billionen Yen. Dies gab die japanische Regierung am Donnerstag bekannt. Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Rückgang um 9,7 Prozent gerechnet. (Reuters)
F.A.Z.: Steuereinnahmen im Juni kräftig gestiegen
Die Steuereinnahmen sind auch im Juni weiter kräftig gestiegen, meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (Donnerstag). Im abgelaufenen Monaten hätten Bund, Länder und Gemeinden zusammen gut 51,8 Milliarden Euro eingenommen. Das seien 4,9 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor gewesen. (dpa-AFX)
Washington schreibt Tankflugzeug-Großauftrag neu aus
Schwerer Schlag für die Europäer, Hoffnung für Boeing: Der ursprünglich an den Airbus-Mutterkonzern EADS vergebene Jahrhundertauftrag zur Lieferung von 179 Tankflugzeugen an die amerikanischen Luftwaffe wird neu ausgeschrieben. Das ursprüngliche Vergabeverfahren - bei dem der amerikanischen Hersteller Boeing im März überraschend das Nachsehen hatte - habe Mängel gezeigt und könne nicht beibehalten werden, sagte amerikanischen Verteidigungsminister Robert Gates am Mittwoch in Washington. Wir werden bei der Industrie überarbeitete Vorschläge anfordern. (dpa-AFX)
Ausschreitungen bei Protesten gegen Inflation in Peru
Während eines landesweiten Streiks gegen die Wirtschaftspolitik von Präsident Alan Garcia in Peru ist es am Mittwoch zu schweren Ausschreitungen gekommen. In der südöstlichen Stadt Puerto Maldonado in der armen Dschungel-Region Madre de Dios stürmten und plünderten tausende Demonstranten den Sitz der Regionalregierung und zündeten das Gebäude an, wie der Chef der Regionalregierung, Jorge del Castillo, mitteilte. Die Demonstranten hätten mit Pfeilen auf die Mitarbeiter geschossen. Wie die Nachrichtenagentur Andina berichtete, stürmten rund 7000 Demonstranten das Regierungsgebäude. (AFP)
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +38,83 | +11,03 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | +0,31 | +0,91 |
| HENKEL AG & CO. KGAA | +0,07 | +0,30 |
| SIEMENS AG NAMENS - | -7,56 | -14,04 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,35 | -12,59 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,84 | -12,48 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.861,63 | -6,49 |
| TecDax | 553,00 | -5,63 |
| DowJones | 8.577,91 | -7,87 |
| Nasdaq | 1.628,33 | -8,47 |
| STOXX 50 | 2.578,06 | -6,48 |
| Nikkei 225 | 8.458,45 | -11,41 |
| S&P 500 Zert. | 9,83 | -2,58 |
| Euro/Dollar | 1,34 | -0,35 |
| Bund Future | 114,29 | +0,20 |
| Gold | 835,45 | -1,51 |
| Öl | 70,31 | -8,34 |