03. Juli 2008 Vor der gegen Mittag anstehenden Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) tendiert der deutsche Aktienmarkt leichter. Der Leitindex Dax verliert 1,3 Prozent auf 6.225 Zähler. Für den MDax der mittelgroßen Werte geht es um 2,7 Prozent auf 8.330 Punkte nach unten. Der Technologiewerte-Index TecDax fällt um 2,6 Prozent auf 715 Zähler.
Die EZB wird den Leitzins im Euroraum nach Einschätzung von Volkswirten um 0,25 Punkte auf 4,25 Prozent anheben. Die amerikanischen Vorgaben drücken die Stimmung ebenfalls: Belastet von einem neuen Rekordhoch beim Ölpreis haben die amerikanischen Börsen schwach geschlossen.
Der Future auf den Dow Jones stand am Morgen 132 Punkte unter dem Niveau vom Xetra-Schluss am Mittwoch. In Asien schloss der Nikkei-225-Index leicht im Minus. Neben der EZB-Entscheidung dürften am Nachmittag Händlern zufolge auch amerikanischen Konjunkturdaten neue Impulse liefern. Auf der Agenda stehen die Arbeitslosenzahlen und der ISM-Index für Dienstleistungsunternehmen, jeweils für den Monat Juni.
Titel der Hypo Real Estate (HRE) fallen um fünf Prozent auf 16,75 Euro und setzen sich damit an das Dax-Ende. Ein Händler verweist als Belastung insbesondere auf eine Ratingabstufung durch S&P für Gesellschaften des Hypo Real Estate-Konzerns sowie der Depfa-Gruppe. Der Ausblick auf die verschiedenen Kreditbewertungen sei dagegen jetzt stabil.
Der Immobilien- und Staatsfinanzierer berichtete zudem über einen Gewinn im zweiten Quartal und erwartet trotz der Abstufung einiger Ratings durch S&P einen stabilen Geschäftsverlauf. Die Markterwartungen gehen im Schnitt bereits von einem Überschuss von 140 Millionen Euro für das Quartal aus, sagt ein Börsianer. Entsprechend sei dieser Aspekt kursneutral.
Aktien der Allianz halten sich hingegen mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 108,15 Euro besser als der Gesamtmarkt. Merrill Lynch hat die Titel der Allianz auf die Most Preferred List gesetzt und mit der Einstufung Buy sowie dem Kursziel 145,00 Euro bestätigt. Ein Verkauf der Tochter Dresdner Bank könnte einen Kursschub von bis zu 20 Prozent auslösen, schrieb Analyst Frank Stoffel in einer Branchenstudie. Zudem dürfte die Allianzaktie aufgrund ihrer wahrgenommen hohen Schwankungsbreite bei einer Markterholung eine gute Kursentwicklung aufweisen können.
Im MDax fallen die Papiere von K+S um 7,2 Prozent auf 308 Euro. Ein Händler verweist auf technische Gründe. So hätten die Titel des Düngemittelherstellers ihren langfristigen Aufwärtstrend gebrochen und damit einen Verkaufsdruck ausgelöst.
Rentenmarkt tendiert leichter
Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Donnerstag leichter. Der richtungweisende Euro-Bund-Future gibt am Morgen um fünf Basispunkte auf 110,20 Prozent nach, der Bobl-Future büßt elf Basispunkte auf 105,40 Prozent ein.
Experten rechnen am Donnerstag mit einem schwankungsanfälligen Handel am Rentenmarkt. Im Blickpunkt stünden die Zinsentscheidung im Euroraum und der amerikanischen Arbeitsmarktbericht, hieß es von der HSH Nordbank. Während von dem Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) und den Ausführungen ihres Präsidenten Jean-Claude Trichet eher marktbelastende Impulse ausgehen sollten, dürfte der amerikanische Arbeitsmarktbericht eher entlastend wirken. Unter dem Strich dürften aber die Belastungsfaktoren überwiegen.
Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) rechnet indes mit einer behaupteten Tendenz. Vor allem das fundamentale Umfeld sollte die Staatsanleihen stützen, schreibt Helaba-Experte Ulrich Wortberg in einem Kommentar. Den Bund-Future sieht Wortberg im Tagesverlauf zwischen 109,65 und 110,85 Punkten. Die HSH Nordbank veranschlagt einen Korridor von 109,40 bis 110,80 Punkten.
Euro hält sich bei 1,59 Dollar
Der Euro hat sich am Donnerstag vor einem ereignisreichen Handelstag weiter in der Nähe der Marke von 1,59 Dollar gehalten. Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,5870 Dollar und damit in etwa soviel wie am Vorabend. Ein Dollar war damit 0,6301 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch noch auf 1,5806 (Dienstag: 1,5775) Dollar festgesetzt.
Unter den zahlreichen Ereignissen am Donnerstag stehen laut Experten die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) und der amerikanische Arbeitsmarktbericht für Juni im Blickpunkt. Experten rechnen damit, dass die EZB den Leitzins für den Euroraum erstmalig seit rund einem Jahr um 0,25 Punkte auf 4,25 Prozent anheben wird. Mit Spannung erwartet werden zudem die Ausführungen von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) rechnet aber nicht mit einer ähnlich klaren Zinserhöhungsbotschaft wie nach der letzten Ratssitzung Anfang Juni.
Neben dem amerikanischen Arbeitsmarktbericht steht in Amerika der ebenfalls vielbeachtete ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich auf der Agenda. Das europäische Pendant zum ISM - der Einkaufsmanagerindex für den Euroraum - rundet das facettenreiche Bild an Konjunkturdaten am Donnerstag ab.
Ölpreis markiert neues Allzeithoch bei 144,53 Dollar je Barrel
Der Ölpreis ist in der Nacht zum Donnerstag im elektronischen Handel der New Yorker Rohstoffbörse weiter gestiegen und hat bei 144,53 Dollar ein neues Allzeithoch markiert.
Händler begründeten den jüngsten Preissprung unter anderem mit Äußerungen zum Konflikt um das iranische Atomprogramm. Der Iran werde auf mögliche Militärschläge scharf reagieren, hatte Irans Ölminister, Gholam Hossein Nozari, am Rande des Welt-Erdöl-Kongresses in Madrid gesagt. Im Falle eines Angriffs gegen den weltweit viertgrößten Ölproduzenten würden die Ölpreise drastisch steigen, warnte Nozari.
Asiatische Börsen unter Druck
Die Börsen in Fernost haben am Donnerstag überwiegend Kursverluste verzeichnet. In Japan schlossen die Märkte erneut im Minus, nachdem Investoren ihr Geld aus Rohstoff- und exportorientierten Aktien abzogen.
Sowohl der Preis für amerikanisches Leichtöl als auch der Preis für Öl der Nordsee-Sorte Brent stiegen im asiatischen Handel auf ein neues Rekordhoch. Vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank fiel der Dollar in Fernost zeitweise auf ein Zwei-Monatstief.
In Tokio verlor der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,16 Prozent auf 13.265 Punkte. Damit markierte er mit dem elften Minustag in Serie seine längste Verluststrecke seit mehr als einem halben Jahrhundert. Der breiter gefasste Topix-Index schloss 0,24 Prozent im Minus bei 1298 Zählern. Auch die Aktienmärkte Singapur Südkorea, Hongkong und Australien gaben nach. Dagegen tendierten die Börsen in Taiwan und Shanghai fester.
In Tokio verzeichneten insbesondere Autoaktien Verluste, nachdem die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch am Vortag einen Bankrott des amerikanischen Autobauers General Motors nicht gänzlich ausgeschlossen hatten. Toyota-Papiere gaben 0,8 Prozent ab, Honda-Aktien verloren 0,3 Prozent. Papiere von Handelshäusern konnten nicht von neuen Rekordständen beim Ölpreis profitieren. Gewinnmitnahmen führten bei Mitsubishi Corp gar zu einem Abschlag von 4,4 Prozent. Die Stimmung ist einfach sehr schlecht, sagte Yutaka Miura von Shinko Securities. Niemand wolle kaufen.
Zu den wenigen gefragten Aktien gehörte die Aktie von Sanyo Electric. Die Titel des weltgrößten Herstellers von Akkus stiegen um 3,4 Prozent, nachdem der Konzern den Bau eines neuen Werks zur Produktion von Lithium-Ionen-Batterien bis 2009 angekündigt hatte. Damit folgt das Unternehmen seiner Strategie, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.
Aktienkurse in Hongkong am Mittag gut behauptet
Erholt von den Tagestiefs zeigen sich die Kurse an der Börse in Hongkong am Donnerstagmittag (Ortszeit) mit einer gut behaupteten Tendenz. Bis zum Ende der ersten Sitzungshälfte steigt der Hang-Seng-Index (HSI) um 0,2 Prozent auf 21.742 Punkte und kann sich damit von seinem Tagestief bei 21.374 Punkten wieder erholen. Zur Begründung wird vor allem auf Short-Covering verwiesen. Dagegen gebe es kaum fundmentale Käufe, heißt es. Ein kurzfristiger Test der Marke von 22.000 Punkten sei nicht zu erwarten, ergänzt ein Analyst.
Bei den Blue-Chips kommt es zu einer Erholung nach den jüngsten Abgaben. Die chinesischen Finanzwerte zeigen sich dagegen mit einer schwachen Tendenz. So geben Ping An um 6,8 Prozent nach.
Meldungen nach Börsenschluss
Der Nasdaq-100 After Hours Indicator zeigte sich am Mittwoch im nachbörslichen Handel an der Wall Street etwas leichter. Der Index verlor 0,46 Prozent auf 1807,78 Punkte.
Die Aktien von Nvidia brachen im nachbörslichen Geschäft ein. Grund war die Senkung der Umsatzprognose durch den Hersteller von Grafik-Chips für das zweite Quartal auf eine Spanne deutlich unter den Erwartungen der Analysten. Das Unternehmen rechnet für das zweite Quartal nun mit einem Umsatz von 875 bis 950 Millionen Dollar. Die Prognosen der Analysten liegen bei 1,1 Milliarden Dollar. Nvidia verloren 21,8 Prozent auf 14,10 Dollar.
Abbott Laboratories kletterten dagegen bis 19.41 Uhr Ortszeit um 1,2 Prozent auf 54,90 Dollar. Die Zulassungsbehörde FDA hat für die medikamentenbeschichtete Gefäßprothese Xience die Zulassung erteilt. Das Produkt dürfte nach Ansicht von Analysten das Top-Produkt des Unternehmens werden. Sie rechnen mit einem Umsatzvolumen von bis zu 1,8 Milliarden Dollar.
An der Wall Street wird Bärenmarkt eingeläutet
Willkommen im Bärenmarkt: Mit den Verlusten des Dow-Jones-Index am Mittwoch hat dieser sein Minus im Vergleich zum Hoch im vergangenen Oktober auf mehr als 20 Prozent ausgedehnt und damit die traditionelle Schwelle für einen Bärenmarkt überschritten. Vor allem in den letzten zwei Handelsstunden ging es an den amerikanischen Börsen kräftig bergab, belastet unter anderem von einem Ölpreis, der zum ersten Mal die Marke von 144 Dollar überschritten hatte, und einer sehr negativen Studie von Merrill Lynch zu General Motors (GM).
Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte (DJIA) sank um 1,5 Prozent oder 167 Punkte auf 11.216. Der S&P-500 fiel um 1,8 Prozent oder 23 Punkte auf das neue Jahrestief von 1.251, und der Nasdaq Composite verlor 2,3 Prozent oder 54 Punkte auf 2.251.
Die Konjunkturdaten sind gemischt ausgefallen, haben die Kurse aber nur wenig bewegt. Während der ADP-Arbeitsmarktbericht über die Beschäftigung im Privatsektor die Erwartungen enttäuscht hatte, sind die Auftragseingänge der Industrie im Mai im Rahmen der Prognosen ausgefallen. Die Auftragszahlen für den Monat April wurden nachträglich leicht nach oben revidiert.
GM standen nach der Achterbahnfahrt vom Vortag stark unter Druck und fielen als Tagesverlierer im Dow um 15,1 Prozent auf 9,98 Dollar. Damit notiert die Aktie zum ersten Mal seit 1954 wieder einstellig. Merrill Lynch hatte zuvor die Aktie nach der Veröffentlichung stark rückläufiger Absatzzahlen im Juni gleich um zwei Investmentstufen auf Underperform von Kaufen abgestuft und das Kursziel von 28 auf 7 Dollar gesenkt. Eine Insolvenz des Automobilriesen wollten sie ausdrücklich nicht ausschließen.
Die Marktkapitalisierung von GM liegt jetzt nur noch bei 5,65 Milliarden Dollar und entspricht damit nicht einmal einem Zehntel des Wertes des Blackberry-Herstellers RIM, obwohl dessen Aktie am Berichtstag um 5,7 Prozent auf 116,20 Dollar gefallen ist.
Dell kletterten gegen den sehr schwachen Trend an der Nasdaq um 2,3 Prozent auf 22,70 Dollar. Grund war die Meldung des Vorstandschef Michael S. Dell an die amerikanischen Börsenaufsicht SEC am Dienstagabend, 4,5 Millionen Dell-Aktien im Wert von fast 100 Millionen Dollar gekauft zu haben. Yahoo rückten mit Spekulationen um ein neues Angebot von Microsoft um 6 Prozent auf 20,88 Dollar vor. Microsoft fielen dagegen um 3,7 Prozent auf 25,88 Dollar.
Starbucks stiegen um 0,4 Prozent auf 15,68 Dollar, nachdem die Kaffeehauskette angekündigt hatte, insgesamt 600 schlecht laufende Filialen zu schließen und ihre Expansionspläne in den Vereinigten Staaten wegen der Konjunkturschwäche weiter einzuschränken. zudem hatte die UBS ihre Kaufempfehlung für Starbucks bestätigt.
UAL Corp gaben um 12,8 Prozent auf 4,01 Dollar nach. Goldman Sachs hatte die Aktie der Muttergesellschaft von United Airlines von ihrer Empfehlungsliste Americas Buy List gestrichen und gleichzeitig auf Neutral von Buy gesenkt. Als Begründung nannte die Bank den stark gestiegenen Kerosinpreis.
Aufgrund des am Freitag anstehenden Unabhängigkeitstages findet am Donnerstag in den Vereinigten Staaten am Aktienmarkt ein bis 19.00 Uhr MESZ und am Anleihemarkt ein bis 20.00 Uhr MESZ verkürzter Handel statt. Am Freitag bleiben die Börsen wegen des Feiertages geschlossen.
Amerikanische Anleihen präsentieren sich im späten Geschäft freundlich
Gestützt von deutlichen Verlusten an den Aktienmärkten notieren die amerikanischen Anleihen im späten Geschäft in New York mit einer freundlichen Tendenz. Die Vortageshochs wurden jedoch nicht wieder erreicht. Gestützt wurden die Kurse zudem von den schwachen ADP-Arbeitsmarktdaten für den privaten Sektor. Die daraus erwachsene Spekulation auf einen schwachen offiziellen Arbeitsmarktbericht am Donnerstag beflügelte zudem Hoffnungen, dass dies eine Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank weniger
wahrscheinlich mache, wie Händler sagten.
Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 3,875 Prozent stiegen um 10/32 auf 99-8/32. Die Rendite fiel auf 3,97 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond kletterte um 20/32 auf 97-25/32 und rentierte mit 4,51 Prozent.
Nach den jüngsten ADP-Daten ist die Beschäftigung in privaten Sektor in den Vereinigten Staaten im Juni überraschend stark um 79.000 Stellen gesunken. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang um 35.000 erwartet. Auch die Revision der Mai-Daten auf plus 25.000 von
zuerst geschätzten plus 40.000 Stellen war alles andere als gut. Als wichtiger gilt aber der am Donnerstag anstehende offizielle Arbeitsmarktbericht.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,21 | +5,71 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | +1,53 | +4,01 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +2,15 | +3,49 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,69 | -14,20 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,28 | -8,94 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -2,36 | -7,65 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | -0,12 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 878,10 | -1,17 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |