09. Juli 2008 Der deutsche Aktienmarkt zeigt sich am Mittwoch nach positiven Vorgaben aus den Vereinigten Staaten fester. Der Dax rückt um ein Prozent auf 6369 Punkte vor. Für den MDax mittelgroßer Werte geht es um 2,1 Prozent auf 8586 Punkte nach oben. Der TecDax stiegt um 0,3 Prozent auf 737 Zähler.
Nach Aussagen des amerikanischen Notenbankchefs Ben Bernanke zu weiteren möglichen Liquiditätshilfen für die größten Wall-Street-Banken sowie einem kräftigen Rückgang des Ölpreises hatten die New Yorker Börsen am Dienstag fest geschlossen. Rohstoffsensitive Werte aus der Automobil- und Luftfahrtbranche zähen damit im frühen Frankfurter Handel zu den Gewinnern. So rückten die Titel der Lufthansa um 0,8 Prozent auf 14,27 Euro vor, für BMW geht es um 0,7 Prozent auf 30,45 Euro nach oben.
An der Indexspitze erholten sich Finanzwerte in dem freundlichen Marktumfeld von ihren Vortagesverlusten. Die Papiere der Deutschen Börse klettern um 3,2 Prozent auf 67,50 Euro, und Deutsche-Bank-Aktien steigen um 3,1 Prozent auf 54,78 Euro, Commerzbank um 2,9 und Hypo Real Estate um 2,5 Prozent.
Eine Gewinnwarnung lässt den Aktienkurs von Nordex um 16 Prozent auf 22,77 Euro einbrechen. Ein Analyst sieht zwar nur einen temporären Effekt, da die Gewinnwarnung durch Anlaufkosten zustande gekommen seien, doch viele Marktteilnehmer, die auf eine positive
Überraschung gesetzt hätten, seien auf dem falschen Fuß erwischt worden und verkauften nun.
Wirecard legen nach anfänglich noch deutlich höheren Gewinnen um 1,9 Prozent auf 6,96 Euro zu. Die vorbörslich veröffentlichten Eckdaten zu Betriebsergebnis und Umsatz bezeichnet eine Analystin als recht gut. Allerdings fehlten weitere Details, um die Zahlen genau beurteilen zu können. Die Spekulationen über bilanzielle Ungereimtheiten seien aber noch nicht vollständig ausgeräumt, merkt ein Händler an.
Die Erholung der Solarwerte führt ein Händler auf das erweiterte Bonussystem des Staates für Heizungsaustausch und Solarwärme zurück. Da kommt dem Sektor wieder einmal politischer Treibstoff zu Gute, sagt der Händler.
Rentenmärkte tendieren leichter
Die Rentenmärkte tendieren am Mittwoch leichter. Der September-Kontrakt auf den Bund-Future verliert 24 Basispunkte auf 111,91 Prozent. Der Bobl-Future gibt 21 Basispunkte auf 106,64 Prozent ab.
Solange sich die Atempause beim Bund-Future oberhalb des Abwärtstrends seit Mitte März bei 111,78 Prozent oder des alten Ausbruchsniveaus bei 111,54 Prozent abspiele, bleibt HSBC Trinkaus optimistisch für das Rentenbarometer gestimmt.
Aus der vervollständigten Bodenbildung lasse sich ein rechnerisches Kursziel jenseits der 113 Prozent ableiten. Vorher gelte es jedoch die alten Hochpunkte vom November und Dezember des vergangenen Jahres bei 112,58/60 Prozent zu überwinden. Danach bilde das Tief vom 25. April zusammen mit dem Hoch vom 9. Juni bei 113,10/29 Prozent eine wichtige Widerstandszone. Auf der Unterseite gelte es, die Marke von 111,54 Prozent zu verteidigen.
Euro pendelt sich bei 1,57 Dollar ein
Der Kurs des Euro hat sich am Mittwoch bei der Marke von 1,57 Dollar eingependelt. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Morgen 1,5710 Dollar. Ein Dollar war 0,6363 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstag auf 1,5687 (Montag: 1,5651) Dollar festgelegt.
Im Mittelpunkt steht nach Einschätzung der Landesbank Hessen- Thüringen (Helaba) eine Rede des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet vor dem Europäischen Parlament. Seine Aussagen dürften genauestens auf Äußerungen hin untersucht werden, die einen Hinweis auf Zinserhöhungen oder senkungen geben könnten.
Die Bank rechnet aber damit, dass Trichet kein Signal geben dürfte und wie schon nach der Zinserhöhung am vergangenen Donnerstag eine abwartende Haltung einnehmen wird. Vor dem Hintergrund der noch immer vorhandenen Zinserhöhungserwartungen in der Eurozone könnte sich dies erneut als Belastungsfaktor für den Euro erweisen.
Kursgewinne an der Börse Tokio
Die Äußerungen des amerikanischen Notenbankpräsidenten, Ben Bernanke, haben am Mittwoch auch an der Börse in Tokio für Erleichterung und in der Folge für Kursgewinne gesorgt. Vor allem die Kurse von Finanzwerten, die zuletzt sehr gelitten hatten, legten zu, nachdem Bernanke erklärt hatte, diese könne den größten Wall-Street-Geldhäusern länger als bislang geplant zusätzliche Liquidität zur Verfügung stellen. Dies sei zwar nicht wirklich überraschend gewesen, habe aber für ein Aufatmen unter den Anlegern in Japan gesorgt, sagte Masaru Hamasaki von Toyota Asset Management. Eine nachhaltige Erholung des Marktes sei deshalb jedoch noch nicht zu erwarten.
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index stieg zeitweise um 1,9 Prozent auf ein Tageshoch von 13.285 Punkten, gab diese Gewinne jedoch bis Börsenschluss weitgehend wieder ab. Der Index schloss 0,2 Prozent im Plus bei 13.052 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index ging mit einem Plus von ebenfalls 0,2 Prozent beim Stand von 1286 Punkten aus der Handelssitzung. Aktien der Mitsubishi UFJ Financial Group, Japans größter Bank, verteuerten sich zeitweise um 4,8 Prozent. Papiere der Nummer Zwei, der Mizuho Financial Group, stiegen gar um bis zu 5,7 Prozent.
Aktien Hongkong mittags sehr fest
Nach den heftigen Vortagesverlusten befand sich die Börse in Hongkong am Mittwoch begünstigt durch gute amerikanischen Vorgaben auf Erholungskurs. Nach Ende der ersten Sitzungshälfte stieg der Hang Seng-Index bis zum Mittag (Ortszeit) um 2,8 Prozent auf 21.810 Punkte. Händler verwiesen neben den günstigen amerikanischen Vorlagen auch auf die Aufschläge an den chinesischen Festlandsbörsen.
Allerdings sahen Analysten keine nachhaltige Entwicklung, sie warnten angesichts der Unsicherheit beim Ölpreis und Dollarkurs kurzfristig vor einem Anhalten des volatilen Handelsgeschehens. Das Sentiment in China hat sich zwar verbessert, aber die Sorgen über die Entwicklung an der Wall Street bleiben, sagt Ben Kwong von KGI. Sollte sich die Stimmung weiter aufhellen, bestünde ein Aufwärtspotenzial bis in die Region um 23.500 bis 24.000 Zähler bis Ende August.
Die zuletzt geschmähten Aktien des Börsenbetreibers HKEx stiegen um 4,7 Prozent auf 105,70 Hongkong-Dollar. Beflügelt vom gefallenen Ölpreis klettern Cathay Pacific um 6,2 Prozent auf 14,70 Hongkong-Dollar. Auch der Bankensektor verzeichnet zum Teil kräftige Kursaufschläge.
Kursgewinne auch in Singapur
Im Gleichklang mit anderen ostasiatischen Aktienmärkten verzeichnete auch die Börse in Singapur am Mittwoch Aufschläge. Allerdings kam der STI bis zur Mittagspause (Ortszeit) wieder etwas von seinen Tageshochs zurück, der Leitindex gewann 0,9 Prozent auf 2913 Punkte. Bei 2950 Zählern machten Börsianer einen Widerstand aus.
Bei Öl und Rohstoffen scheinen wir bis auf weiteres die Spitze gesehen zu haben und die nachlassenden Inflationssorgen sind Balsam für den Aktienmarkt, sagte ein Analyst. Händler warnten jedoch vor zu viel Optimismus: Die Aussicht auf eine von Unwägbarkeiten geprägte Berichtssaison lasse Anleger weiter vorsichtig agieren.
Investoren bevorzugten am Mittwoch vor allem zyklische Werte, defensive Branchen waren weniger stark gefragt.
Alcoa ziehen an amerikanischer Nachbörse an
Aktien von Alcoa haben am Dienstag nachbörslich nach Vorlage der Quartalszahlen um 3,9 Prozent auf 33,58 Dollar zugelegt. Der amerikanische Aluminiumkonzern hatte im zweiten Quartal weniger stark als befürchtet unter den gestiegenen Energiepreisen gelitten. Umsatz und Gewinn lagen trotz deutlicher Rückgänge über den Erwartungen. Im Tagesverlauf hatte sie zuvor rund 3 Prozent auf 32,33 Dollar verloren.
Der Nasdaq-100 After Hours Indicator verlor 0,1 Prozent auf 1870 Punkte. Die Aktien des Internet-Suchmaschinenbetreibers Yahoo, den der Software-Konzern Microsoft übernehmen will, verteuerten sich um 0,2 Prozent auf 24,69 Dollar.
Wall Street startet mit Gewinnen in die Quartalssaison
Angesichts deutlich gesunkener Ölpreise haben die amerikanischen Börsen am Dienstag Gewinne verbucht. Der Pharmabereich, viele Technologiewerte und auch der Finanzsektor zeigten sich am stärksten. Energie- und Ölkonzerne standen mit dem Rohölpreis unter Druck.
Der Dow-Jones-Index stieg um 1,4 Prozent auf 11.384 Punkte. Der S&P-500-Index legte um 1,7 Prozent auf 1274 Punkte zu. Der Nasdaq-Index gewann am stärksten mit einem Plus von 2,3 Prozent auf 2294 Punkte. Die Kurse machten im Tagesverlauf eine Berg- und Talfahrt durch. Die bevorstehende Berichtssaison sorge bei den Anlegern für ein hohes Maß an Unsicherheit, sagten Händler.
Die Ölpreise sanken deutlich unter die Marke von 140 Dollar je Barrel (159 Liter). Experten halten eine neue Rekordjagd aber jederzeit für möglich. Die amerikanische Notenbank Fed erwägt angesichts anhaltender Probleme des Finanzsektors, ihre im März begonnene Kreditvergabe auch an Investmentbanken bis ins nächste Jahr zu verlängern. Ein regionaler Notenbank-Vertreter nannte derweil die amerikanische Inflation inakzeptabel hoch. Es gebe aber Grund zu gewissem Optimismus für die Konjunktur.
Neben Fluggesellschaften profitierte der weltgrößte Logistiker UPS von den sinkenden Ölpreisen und einer positiven Analysteneinstufung (plus 4,3 Prozent). Unter den Finanz-Schwergewichten stach die Bank of America (plus 9,3 Prozent) an der Spitze des Dow Jones heraus.
Der Büroartikelriese Office Depot brach dagegen nach einem schwachen Ausblick stark ein (minus 32 Prozent). Einen Kurssturz erlitt auch der vor einem Jahr fulminant an der Börse gestartete Softwareanbieter VM Ware nach der überraschenden Abberufung seiner Chefin (minus 24 Prozent). VM Ware senkte zudem die Umsatzprognose.
Der Aluminiumkonzern Alcoa sollte noch am Abend als erstes Schwergewicht neueste Quartalszahlen vorlegen und damit die amerikanische Berichtssaison eröffnen. Im Vorfeld verloren Alcoa-Aktien 3,2 Prozent und lagen damit am Ende des Dow Jones.
Kursgewinne an den amerikanischen Rentenmärkten
Die amerikanischen Rentenmärkte zeigten sich fest. Die richtungweisenden zehnjährigen Staatsanleihen legten um einen achtel Punkt zu. Die Rendite fiel im Gegenzug auf 3,892 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste dreißigjährige Longbond gewann 16/32 auf 98-22/32 und rentierte mit 4,46 Prozent.
Im Fokus stand der fallende Ölpreis, der die Inflationssorgen verminderte und somit Anleihen wie Aktien gleichzeitig etwas Schub verlieh. Die Käufe hätten sich aber in engen Grenzen gehalten, nachdem am Vortag Sorgen um die Kreditkrise und die schwachen Aktienmärkte die Notierungen getrieben hatten. Es habe an Impulsen gefehlt, sagten Händler. Von Seiten der Konjunkturdaten seien keine Wirkungen ausgegangen.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
Den Frühaufsteher können Sie auch als kostenlosen Newsletter bestellen
Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +45,13 | +15,20 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -0,15 | -0,39 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -0,40 | -1,01 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,99 | -16,08 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,87 | -14,61 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,44 | -13,68 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,34 | +0,00 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 847,40 | +0,00 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |