20. Juni 2008
Unternehmen
Staatsanwälte ermitteln gegen Tocherfirma von Siemens
Im Korruptionsfall Siemens geht die Staatsanwaltschaft einem Pressebericht zufolge dem Verdacht nach, dass eine frühere Exportgesellschaft der Deutsche Bank, der Commerzbank und der Berliner Bankgesellschaft als schwarze Kasse gedient hat. Bei der Firma Lincas Elektro Vertriebs-GmbH in Hamburg sollen bis ins Jahr 2003 hinein, als die Exportgesellschaft noch den Banken gehörte, Mittel in Millionenhöhe abgezweigt und von Siemens als Schmiergeld genutzt worden sein, berichtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer Freitagausgabe.
In einem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts München sei Lincas als schwarze Kasse bezeichnet worden, so die Zeitung. Der Durchsuchungsbeschluss sei vorsorglich erlassen worden, um der Staatsanwaltschaft den Zugriff auf Unterlagen von Lincas zu ermöglichen. Die Firma, die heute Siemens gehöre und Exporte für den Konzern abwickle, gab die gewünschten Unterlagen dem Bericht zufolge freiwillig heraus. In der Zeit, als sich die mutmaßlichen Gesetzesverstöße abspielten, war Siemens nach Angaben der Süddeutschen Zeitung noch nicht Eigentümer von Lincas.
Der Münchner Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt- Sommerfeld sagte der Zeitung, die Ermittlungen liefen noch. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass die genannten Banken in die betreffenden Vorgänge involviert gewesen wären. Siemens äußere sich nicht zu den Ermittlungen bei Lincas, die auch im Unternehmen selbst vorangetrieben würden. (dpa-AFX)
Stahlhändler Klöckner & Co erhöht Geschäftserwartungen
Eine starke Marktentwicklung und Preisanhebungen stimmen den Duisburger Stahlhändler Klöckner & Co optimistischer. Vorstandschef Thomas Ludwig präsentiert nach Firmenangaben am Freitag zur Hauptversammlung eine angehobene Geschäftsprognose für das laufende Jahr. Demnach erwartet das Management nun ein Umsatzplus von mindestens zehn Prozent. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) solle über der aktuellen Markterwartung von rund 470 Millionen Euro liegen, der Überschuss deutlich zulegen.
Für das vergangene Jahr hatte Klöckner einen Jahresüberschuss von 156 Millionen Euro, ein Ebitda von 371 Millionen Euro und einen Umsatz von 6,27 Milliarden Euro ausgewiesen. Der Vorstand schlägt den Aktionären eine Dividende von 80 Cent pro Aktie vor. Dies entspreche einer Ausschüttungsquote von 30 Prozent des Konzernergebnisses nach Abzug von Sondereffekten. (Reuters)
Citigroup drohen weitere beträchtliche Abschreibungen
Die größte amerikanische Bank Citigroup macht sich auf weitere Abschreibungen im zweiten Quartal gefasst. In einigen Bereichen seien die Summen wohl geringer als im ersten Quartal, sagte Citigroup-Finanzvorstand Gary Crittenden am Donnerstag auf einer Investorenkonferenz. Die Abschreibungen wären möglicherweise dennoch beträchtlich. Möglich sei eine Wertberichtigung ähnlich der des letzten Quartals.
Die Citigroup-Aktie fiel nach der Äußerung Crittendens auf dem New Yorker Aktienmarkt im Verlauf um knapp 4 Prozent und zählte zu den größten Kursverlierern des S&P-500-Index. Auch die Papiere von Konkurrenten wie etwa der Bank of America und JPMorgan verbuchten Verluste.
Im ersten Quartal hatte die Citigroup 5 Milliarden Dollar Verlust gemacht und im Zusammenhang mit Anleihenversicherern Abschreibungen in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vornehmen müssen. (Reuters)
Tchibo-Eigner steigt mit Ex-Boss-Chef bei Escada ein
Der Tchibo-Eigner Michael Herz ist einem Pressebericht zufolge beim größten deutschen Damenmode-Konzern Escada eingestiegen. Herz habe sich in den vergangenen Wochen über mehrere Gesellschaften Anteile von insgesamt rund 12 Prozent an dem S-Dax-Unternehmen gesichert, schreibt das Handelsblatt (Freitagausgabe) unter Berufung auf das Umfeld von Herz. Mit dem bisher größten Einzelaktionär, dem Russen Rustam Aksenenko, sei Herz überein gekommen, auf der Aufsichtsratssitzung am kommenden Dienstag eine Kapitalerhöhung von 10 Prozent des Grundkapitals zu beschließen. Die rund 30 Millionen Euro sollen in die Umstrukturierung fließen.
Die neue Eigentümerstruktur werde Konsequenzen im Management und im Aufsichtsrat von Escada haben, schreibt die Zeitung. Den Vorstandsvorsitz solle zum 1. Juli der Ex-Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer übernehmen. Sälzer solle sich auch schon am Konzern beteiligt haben. Der amtierende Escada-Chef Jean-Marc Loubier werde voraussichtlich den Konzern verlassen.
Über den Einstieg von Herz wurde seit Wochen spekuliert. Escada bemüht sich seit langem um eine Neuausrichtung des Unternehmens, um sich auf dem umkämpften Markt für Luxusmode besser zu behaupten. Im April musste Escada seine Prognose für Umsatz und Gewinn in diesem Jahr unter anderem wegen schlechter Geschäfte in den Vereinigten Staaten stark senken. (dpa-AFX)
Continental und United kündigen Zusammenarbeit an
Die amerikanischen Fluglinien Continental und United Airlines haben eine umfassende Zusammenarbeit angekündigt. Die Streckenetze sollten weltweit verknüpft werden, teilte die Konzerne am Donnerstag mit. Continental wolle dabei die Vereinigung Sky Team verlassen und der Star Alliance beitreten, zu der auch die Lufthansa gehört. Continental und United hatten monatelang Fusionsgespräche geführt, sie jedoch im April eingestellt.
Continental-Aktien lagen nach der Ankündigung im Verlauf 15 Prozent im Plus, United-Titel 21,4 Prozent. Weltweit versuchen Fluggesellschaften mit Allianzen und Zusammenschlüssen den stark gestiegenen Treibstoffpreisen zu begegnen. Zu Sky Team gehören unter anderem Air France-KLM und Delta Air Lines, zur Star Alliance Air Canada und US Airways. (Reuters)
Northrop verschiebt Spatenstich für Airbus-Werk
Der Airbus-Partner Northrop Grumman hat den Spatenstich für das geplante neue Tanker-Werk im amerikanischen Bundesstaat Alabama auf unbestimmte Zeit verschoben. Dies geschehe aus offensichtlichen Gründen, sagte ein Northrop-Sprecher am Donnerstag über die ursprünglich für den 28. Juni geplante Zeremonie. Eine amerikanische Bundesbehörde hatte sich am Vortag hinter einen Protest des Konkurrenten Boeing gegen die Vergabe des 35-Milliarden- Dollar-Auftrags an EADS und Northrop gestellt. Möglicherweise wird die Ausschreibung wiederholt. (Reuters)
Adidas prozessiert gegen Wal-Mart um Streifen
Der Sportartikelhersteller Adidas legt sich in den Vereinigten Staaten mit dem weltgrößten Einzelhandelskonzern Wal-Mart an, um seine berühmten drei Streifen vor Plagiaten zu schützen. Der Prozess vor dem Bezirksgericht in Portland im Bundesstaat Oregon - dem amerikanischen Sitz von Adidas - beginnt am 6. Oktober. Adidas wirft Wal-Mart darin vor, mit dem Verkauf von Schuhen mit zwei und vier Streifen seine eingetragenen Marken zu verletzen.
Die drei Streifen stehen seit langem sinnbildlich für die Produkte von Adidas. Durch die Verwendung identischer Elemente und ein nahezu identisches Zeichen untergräbt Wal-Mart das Image des althergebrachten, beständigsten Markenzeichens von Adidas, heißt es in einem Schreiben des Unternehmens an das Gericht. Wir prüfen den Fall und dürfen nicht viel darüber hinaus sagen, erklärte eine Sprecherin von Wal-Mart.
In einem ähnlichen Fall hatte Adidas im Mai 305 Millionen Dollar (knapp 200 Millionen Euro) von Payless Shoe Source, einer Billigmarke von Collective Brands, erstritten. Der Rechtsstreit mit Wal-Mart läuft seit 2005. Zweimal hatte der Einzelhandelsriese sich nach Gerichtsunterlagen mit Adidas geeinigt und auf den Verkauf von gestreiften Schuhen verzichtet, die den Adidas-Modellen zum Verwechseln ähnelten. (Reuters)
Yahoo will umstrukturieren
Das Internetunternehmen Yahoo plant nach Informationen des Wall Street Journal eine Umstrukturierung. So sollen mehrere Produktgruppen in eine globale Produktorganisation zentralisiert werden, wie das Blatt am Freitag berichtet. Zu den Produktgruppen gehören E-Mail, Internet-Suche und Internetauftritte (Homepage). Details könnten bereits in der nächsten Woche bekanntgegeben werden. Gleichzeitig werden dem WSJ zufolge auch Führungsposten neu besetzt. Einige Manager würden das Unternehmen verlassen. (Reuters)
Porsche-Chef rechnet mit Mehrheit bei VW bis Jahresende
Der Vorstandsvorsitzende von Porsche, Wendelin Wiedeking, rechnet mit der geplanten Mehrheitsübernahme bei Volkswagen bis Ende des Jahres. Ich gehe davon aus, dass wir irgendwann bis Ende des Jahres auf über 50 Prozent aufstocken können, sagte er am Donnerstag auf einer Investorenveranstaltung in Frankfurt. Bisher hatte es stets geheißen, mit der Zustimmung aller befragten Kartellämter werde bis Herbst gerechnet. (dpa-AFX)
Verkauf des DSL-Geschäfts von Freenet geht in nächste Runde
Der angestrebte Verkauf des DSL-Geschäfts des Telefonanbieters Freenet geht in die nächste Runde. Wie Freenet am Donnerstag mitteilte, sollen jetzt Interessenbekundungen für das Breitbandgeschäft von potenziellen Erwerbern eingeholt werden. Die Freenet AG wird hierbei von Arma Partners LLP als M&A-Berater unterstützt. An diese zunächst unverbindliche erste Phase kann sich ein Verkauf dieses Geschäfts anschließen, hieß es in der Mitteilung.
Anfang Mai hatte Freenet-Chef Eckhard Spoerr angekündigt, das Breitbandgeschäft verkaufen zu wollen. Als Zeitrahmen für die Vorbereitungen des Verkaufs nannte er damals vier bis acht Wochen. Als mögliche Bieter für das DSL-Geschäft gelten Versatel, Telefonica sowie der Konkurrent United Internet, der an Freenet beteiligt ist. (dpa-AFX)
Banker gesteht Mithilfe bei Steuerbetrug über Liechtenstein
Ein früherer Beschäftigter der Schweizer Großbank UBS hat sich vor einem amerikanischen Gericht schuldig bekannt, einem reichen Kunden über Geheimkonten in Liechtenstein und der Schweiz bei Steuerhinterziehungen geholfen zu haben. Der Amerikaner habe eingeräumt, für einen amerikanischen Immobilienunternehmer 200 Millionen amerikanischen Dollar (129 Millionen Euro) in beiden Ländern untergebracht zu haben. Ich war bei UBS beschäftigt, habe ein hohes Gehalt bekommen und hatte Anreize, diese Geschäfte abzuwickeln, erklärte der 43 Jahre alte Banker vor einem Bezirksgericht in Fort Lauderdale (Florida). Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft. (dpa-AFX)
Wirtschaft
Ölpreis bremst Wachstum in Frankreich
Die steil gestiegenen Energiepreise bremsen auch die französische Wirtschaft aus und werden nach Einschätzung des Statistikamtes Insee das Wachstum in diesem Jahr deutlich verlangsamen. Im zweiten Quartal rechnet das Insee nur noch mit einem Wachstum von 0,2 Prozent, im dritten Jahr dürfte die Wirtschaft fast stagnieren. Für das Gesamtjahr 2008 sei ein Wachstum von nur noch 1,6 Prozent zu erwarten, teilte die Behörde am Freitag mit.
Deutlich spürbare Auswirkungen des Ölpreises sieht das Insee auch auf die Inflationsentwicklung. Im Juni werde die Teuerung im Jahresvergleich bei 3,9 Prozent liegen, den Jahresdurchschnitt sieht die Statistikbehörde bei 3,6 Prozent. Damit erreicht die Preissteigerungsrate in Frankreich den höchsten Wert seit Einführung des Euro. (Reuters)
China erwacht mit drastisch höheren Treibstoffpreisen
Die chinesische Regierung hat über Nacht die staatlich kontrollierten Treibstoffpreise drastisch erhöht. An den Tankstellen kostete Benzin am Freitag 16 Prozent und Diesel 18 Prozent mehr. Der Preis von Kerosin stieg um 25 Prozent. Die oberste Wirtschaftslenkungsbehörde, die Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), begründete die überraschende Preissteigerung mit der wachsenden Kluft zwischen den künstlich niedrig gehaltenen Treibstoffpreisen in China und den immer höheren Rohölpreisen auf dem Weltmarkt. Benzin und Diesel kostet jetzt in China je nach Qualität zwischen 6,20 und 7,17 Yuan oder umgerechnet 58 bis 67 Euro Cents. (dpa)
Argentinien kann wegen Streiks kein Soja mehr exportieren
Nach mehr als drei Monaten Streik der Landwirte kann Argentinien laut einer Expertin kein Soja mehr in die Länder der EU und nach Asien exportieren. Alles, was derzeit außer Landes verkauft werde, seien Einkäufe aus dem Nachbarland Paraguay, sagte die Vize-Chefin des Wirtschaftsforschungsinstituts der Börse von Rosario, Patricia Bergero, der Nachrichtenagentur AFP.
In Rosario, dem wichtigsten Umschlagplatz für Soja in Argentinien, sei in den vergangenen fünf Tagen ein einziger Lastwagen mit Soja angekommen - normalerweise seien es 4500 pro Tag. Argentinien ist der weltgrößte Exporteur von Sojabohnenöl und Sojaschrot. Hauptabnehmerländer sind Indien und China. Die argentinischen Landwirte protestieren gegen eine Erhöhung der Exportsteuer für Soja um 25 Prozent. (AFP)
Autofahren wird den Kaliforniern zu teuer
Die hohen Benzinpreise haben auch im Autofahrer-Paradies Vereinigten Staaten zu ersten spürbaren Sparmaßnahmen geführt: In Kalifornien besinnt sich eine zunehmende Zahl der Einwohner auf die öffentlichen Verkehrsmittel, im ganzen Land werden zudem spürbar weniger Kilometer am Steuer zurückgelegt. Wie der südkalifornische Stadtbahnbetreiber Metrolink am Donnerstag berichtete, nutzte eine Rekordzahl von 50.000 Menschen am vergangenen Dienstag seine Züge. Das sind laut einem Sprecher 15,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sei der Straßenverkehr um 1,6 Milliarden Kilometer - umgerechnet um 1,5 Prozent - zurückgegangen. Insgesamt legten die amerikanischen Autofahrer im April 4,5 Milliarden Kilometer weniger auf den Straßen zurück. (AFP)
Amerikanische Banken nehmen mehr Notkredite auf
Die amerikanischen Banken und Investmentgesellschaften haben in der vergangenen Woche mehr Kredite im Rahmen des Notprogramms der amerikanischen Notenbank in Anspruch genommen. Wie die Fed am Donnerstag mitteilte, liehen sich die Investmentbanken in der am 18. Juni abgelaufenen Rechnungswoche täglich durchschnittlich 8,6 Milliarden Dollar nach 8,4 Milliarden Dollar eine Woche zuvor. Die Banken liehen sich durchschnittlich 13,4 Milliarden Dollar täglich nach 13,1 Milliarden Dollar eine Woche zuvor. Namen der Finanzinstitute nannte die Fed nicht. (AP)
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| HYPO REAL ESTATE HOL | +1,56 | +37,77 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,59 | +16,33 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,41 | +14,75 |
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | -4,67 | -1,37 |
| BAYER AG INHABER - A | +0,42 | +1,02 |
| DEUTSCHE POST AG NAM | +0,28 | +2,39 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.861,26 | +6,97 |
| TecDax | 572,00 | +10,69 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.571,06 | +6,16 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,36 | -0,05 |
| Bund Future | 114,63 | -0,03 |
| Gold | 855,00 | +0,90 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |