22. April 2008 Belastet von einem Mix aus schlechten Nachrichten ist der deutsche Aktienmarkt am Dienstag zunächst leichter gestartet, macht den verloren gegangenen Boden aber im Verlauf der ersten Handelsstunde fast vollständig wieder wett. Neben dem unverändert hohen Ölpreis, dem nach wie vor starken Euro sowie den Auswirkungen der Berichtssaison in den Vereinigten Staaten haben auch unternehmensspezifischen Faktoren vorübergehend für Abgabedruck gesorgt, der sich allerdings als leichter als zunächst befürchtet erweist.
Der Dax sinkt um 0,1 Prozent auf 6.780 Punkte. Noch widerstandsfähiger als die deutschen Standardtitel zeigen sich die heimischen Technologiewerte. Der TecDax steigt um 0,4 Prozent auf 826 Zähler. Der MDax gibt um 0,2 Prozent oder 17 auf 9.130 Stellen nach.
Unter den Dax-Werten weisen Infineon im frühen Geschäft besonders kräftige Kursausschläge auf. Nach einem Minus von zeitweise knapp 4 Prozent haben die Papiere des Münchener Halbleiterherstellers ins Plus gedreht und setzen sich mit einer Zunahme um 2,4 Prozent auf 5,14 Euro an die Spitze der Gewinner. Grund für die Achterbahnfahrt ist die Entscheidung des Münchener Halbleiterherstellers, seine verlustträchtige Tochter Qimonda aus der Kernbilanz zu nehmen und daher rund eine Milliarde Euro auf den Buchwert abzuschreiben.
Laut Heino Ruland, Analyst bei FrankfurtFinanz, wird das Infineon-Ergebnis dadurch zwar mit 1,33 Euro je Aktie belastet. Allerdings scheinen die Anleger der Tatsache, dass Infineon nunmehr reinen Tisch in Sachen Qimonda machen will, eine höhere Bedeutung beizumessen.
Die rote Laterne haben wie so oft in den zurückliegenden Handelstagen die Aktien der Deutschen Börse. Marktteilnehmer verweisen zur Begründung weiterhin auf den anhaltenden Margendruck durch außerbörsliche Handelsplattformen. Nach der mit einem Anstieg
um 95 Prozent außergewöhnlich guten Entwicklung der Papiere im vergangenen Jahr falle dieses Thema auf einen nur zu fruchtbaren Boden und werde zu fortgesetzten Gewinnmitnahmen genutzt. Für die Papiere geht es um 1,4 Prozent auf 88,90 Euro nach unten.
Im TecDax verlieren Software AG 3,5 Prozent, nachdem die Lizenzeinnahmen im ersten Quartal schwächer als erwartet ausgefallen sind.
Rentenmärkte: Kurzfristig leichte Kursgewinne
Am deutschen Rentenmarkt rechnen Experten am Dienstag mit leichten Kursgewinnen. Das jüngste Nothilfepaket der Bank of England für den britischen Banken-Sektor zeige, dass die Liquiditätslage im europäischen Bankensystem wieder angespannter sei, heißt es im Morgenkommentar der HSH Nordbank. Unter dem Strich erwarten wir hiervon heute eine stabilisierende Wirkung und für den Bund-Future eine gut behauptete Tagestendenz. Die HSH Nordbank-Experten erwarten den Bund-Future in einer Handelsspanne zwischen 113,90 und 114,65 Punkten. Im frühen Handel liegt der Bund-Future mit einem Plus von 13 Stellen bei 114,19 Prozent.
Euro schwächelt etwas - Markt sehr nervös
Der Euro ist zum Dollar und zum Yen am Dienstagmorgen in einer raschen Bewegung zurückgefallen. Zum Dollar hat die Gemeinschaftswährung im Tagestief bis auf 1,5860 Dollar nachgegeben, nachdem sich das Paar seit Montagabend in einer engen Spanne von 1,5880 bis 1,5930 Dollar bewegt hatte. Einen nachrichtlichen Auslöser für die plötzliche Euro-Schwäche gibt es nicht. Es ist auch kein größerer Verkäufer am Markt aktiv, berichtet ein Frankfurter Devisenhändler. Der Markt sei sehr nervös und die Volumina dünn. Man müsse sich schon fragen, wie lange der Euro noch den Sprung über die Hürde von 1,60 Dollar probieren wolle. Je länger die Währung knapp unter dieser Marke handele, desto mehr dürfte sich der Eindruck einer Top-Bildung verfestigen. Irgendwann geht dem Euro vermutlich die Luft aus, und dann sind auch wieder deutlich niedrigere Kurse möglich, sagt der Händler. Am Nachmittag stehen Daten zum amerikanische Immobilienmarkt an, die für Impulse sorgen könnten. Zudem teilt die amerikanische Notenbank eine Refinanzierung für die angeschlagenen amerikanische Banken zu in Höhe von 50 Milliarden Dollar. Aus der Eurozone gibt es keine potenziell kursbewegenden Konjunkturzahlen. Technisch ist der Euro zum Dollar laut der Landesbank Baden-Württemberg bei 1,5720 Dollar unterstützt, bei 1,5980 Dollar liege ein Widerstand. Die Feinunze Gold wird im frühen Londoner Handel mit 916 Dollar bezahlt nach einem Nachmittag-Fixing am Montag von 918,50 Dollar.
Aktien schließen in Tokio etwas schwächer als am Vortag
Die fernöstlichen Aktienbörsen haben am Dienstag schwächer tendiert. Händler in Tokio führten die Verluste auf Gewinnmitnahmen nach fünf Handelstagen mit Kurzuwächsen zurück. Dazu trage auch der Yen bei, der zum Dollar wieder zugelegt habe und damit exportorientierten Unternehmen Japans zu Schaffen machte. Der am Vortag bekanntgewordene Gewinneinbruch bei der Bank of America belastete an den asiatischen Börsen außerdem Finanztitel. In Tokio beendete der 225 Werte umfassende Nikkei-Index den Handel mit einem Abschlag von 1,1 Prozent auf 13.547 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 1,5 Prozent auf 1311 Zähler. Zwar scheine das Schlimmste vorüber zu sein, sagte Mitsushige Akino von Ichiyoshi Investment Management. Aber es gibt kaum Faktoren, die den Markt noch weiter nach oben treiben könnten, das hat die Investoren zu Gewinnmitnahmen bewogen. Die Papiere des japanischen Autoherstellers Honda verloren 2,7 Prozent, der Kamerahersteller Canon schloss 2,6 Prozent leichter. Die Aktie des größten japanischen Wertpapierhändlers, Nomura Holdings, gab 3,9 Prozent ab. Zuvor war bekanntgeworden, dass gegen einen Mitarbeiter des Hauses eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Insiderhandel eingeleitet wurde. Akino sagte, besonderes Interesse gelte nun den Ergebnissen von amerikanische Technologieunternehmen. An ihnen zeige sich, ob sich die Schwäche der Finanzbranche auf die breitere Wirtschaft auswirke. Unter anderem wird der Softwarekonzern Microsoft diese Woche Zahlen vorlegen.
Aktien Hongkong am Mittag schwächer - A-Aktien belasten
Mit einer schwächeren Tendenz haben die Aktien an der Börse in Hongkong am Mittwoch die erste Handelshälfte beendet. Der Hang-Seng-Index (HSI) fällt um 0,8 Prozent oder 199 Punkte auf 24.523. Vor allem die Abgaben bei den so genannten A-Aktien, also Aktien mit China-Bezug, belasteten den Index, heißt es von einem Händler. Hier wirke sich das Minus der Börse in Schanghai von rund 3 Prozent negativ aus. Zudem kämpfe der dortige Index mit der psychologisch wichtigen Marke von 3.000 Punkten. Bei den Einzelwerten geben China Mobile um 2,8 Prozent nach. Die Ergebnisse für das erste Quartal haben die Erwartungen der Analysten verfehlt. Die Abgaben bei China Mobile seien allein für 99 Punkte des HSI-Minus verantwortlich, so ein Analyst. Dagegen legen PetroChina um 3,8 Prozent und Sinopec um 2,8 Prozent zu. Hintergrund ist die Zusage staatlicher Unterstützungen für beide Unternehmen.
Nachbörsliche Meldungen und Kurse aus Amerika
Die Aktienkurse in den Vereinigten Staaten tendierten am Montag nachbörslich wenig verändert. Der Index Nasdaq 100 After Hours Indicator fiel um 4,47 Punkte auf 1.908,65 Zähler.
Mit einem Abschlag haben sich die Aktien von Texas Instruments (TI) am Dienstag im nachbörslichen Handel in New York gezeigt. Das Unternehmen hat im ersten Quartal zwar das Nettoergebnis um 28 Prozent erhöht, mit dem Ausblick für das laufende zweite Quartal allerdings die Erwartungen enttäuscht. Aufgrund von wirtschaftlichen Unsicherheiten in der nahen Zukunft sind wir mit unserer Prognose für das zweite Quartal konservativer geworden, sagte Rich Templeton, der CEO des Chipherstellers. Demnach geht Texas Instruments im zweiten Quartal von einem Umsatz zwischen 3,24 Milliarden Dollar und 3,5 Milliarden Dollar aus, was im Durchschnitt 3,37 Milliarden Dollar entspricht. Die Prognose der Analysten liegt hier bei 3,44 Milliarden Dollar vorhergesagt. Das Ergebnis je Aktie soll zwischen 0,42 Dollar und 0,48 Dollar liegen - hier hatten die Analysten bisher 0,48 Dollar je Aktie erwartet. Die Aktien von Texas Instruments fielen um 2 Prozent auf 29,99 Dollar. Die Aktien von Netflix brachen um 13,6 Prozent auf 33,96 Dollar ein. Das Unternehmen hat den Ausblick für 2008 gesenkt, obwohl gleichzeitig die Umsatzprognose leicht angehoben wurde. Die Zahlen für das erste Quartal fielen bis auf den etwas unter den Erwartungen liegenden Umsatz dagegen im Rahmen der Prognosen der Analysten aus. Die ADR von Qimonda wurden nach Vorlage neuer Geschäftszahlen mit 3,15 Dollar gehandelt, was einem Minus von rund 13 Prozent entsprach. Qimonda hatte im zweiten Quartal belastet von einem anhaltend schwachen Marktumfeld erneut einen deutlichen Verlust ausgewiesen, dabei aber den Verlust im Vergleich zum Vorquartal verringert.
Die amerikanischen Börsen schließen uneinheitlich - Nasdaq im Plus
Die amerikanische Börsen haben am Montag uneinheitlich geschlossen. Enttäuschende Quartalszahlen aus dem Finanzsektor drückten die Standardwerte ins Minus. Vor allem ein Gewinneinbruch bei der Bank of America lastete auf der Stimmung der Anleger. Der Technologieindex Nasdaq schloss dagegen dank Gewinnen bei den Apple-Aktien leicht im Plus.
Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab bis zum Handelsschluss um 0,19 Prozent auf 12.825 Punkte nach. Im Verlauf pendelte er zwischen 12.571 und 12.850 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500-Index sank um 0,16 Prozent auf 1388 Stellen. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte hingegen 0,21 Prozent im Plus bei 2408 Zählern. In Deutschland drückte die Enttäuschung über die BoA-Zahlen den Dax 0,8 Prozent ins Minus auf 6786,55 Punkte.
Ganz oben auf den Verkaufslisten der Börsianer standen die Aktien der Bank of America: Die Papiere schlossen mit einem Minus von 2,5 Prozent. Die weltweite Finanzmarktkrise hatte das Ergebnis der zweitgrößten amerikanische Bank zu Jahresbeginn um 77 Prozent auf 1,21 Milliarden Dollar einbrechen lassen. Das ist nur die Hälfte dessen, was von Analysten erwartet worden war. BoA-Chef Kenneth Lewis warnte, die Probleme auf den Kreditmärkten seien noch nicht vorbei und die Auswirkungen des Einbruchs auf dem Häusermarkt könnten noch mindestens bis Ende 2008 andauern.
Bei den Bankenwerten brachen zudem die Papiere von National City um mehr als 27 Prozent ein. Händler verwiesen zur Begründung des Kursverfalls ebenfalls auf die Quartalsbilanz. Die Bank hatte einen Verlust ausgewiesen und will ihre Dividende verringern. Die Leute sind der Ansicht, dass die Rentabilitätssaussichten für Banken deutlich geschädigt sind, sagte Stephen Massocca von der Investmentbank Pacific Growth Equities in San Francisco. Ich sehe oder erwarte nicht, dass die Kapitalerhöhungen bei den Banken vorüber sind. Der S&P-Finanzindex schloss 1,7 Prozent tiefer.
Auf der Verliererseite fanden sich auch die Anteilsscheine des amerikanische Pharmaunternehmens Eli Lilly mit einem Abschlag von 4,8 Prozent. Der Konzern hat zwar seinen Gewinn im ersten Quartal verdoppelt, der Umsatz lag aber etwas unter den Erwartungen derAnalysten.
Abgestraft wurden darüber hinaus die Aktien des weltgrößten Spielzeugherstellers Mattel. Das Unternehmen hat im ersten Quartal wegen stark rückläufiger Verkaufszahlen von Fisher-Price-Produkten einen Verlust von 46,6 Millionen Dollar verbucht. Die Mattel-Papiere sanken um mehr als acht Prozent. Die Aktien des zweitgrößten amerikanische Spielzeugherstellers Hasbro rückten indes nach Veröffentlichung eines Gewinnanstiegs um 9,8 Prozent vor.
An der Nasdaq zogen Apple-Aktien den Index ins Plus. Die Papiere des iPod-Herstellers stiegen um 4,4 Prozent. Berichten zufolge erhöhte die Citigroup ihre Prognose für den Apple-Gewinn je Aktie im ersten Quartal. Der Konzern veröffentlicht am Mittwoch seine Zahlen. An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,12 Milliarden Aktien den Besitzer. 1366 Werte legten zu, 1767 gaben nach und 88 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,63 Milliarden Aktien 1259 im Plus, 1639 im Minus und 139 unverändert.
Amerikanische Anleihen im späten Handel uneinheitlich
Uneinheitlich haben sich die amerikanische Anleihen am Montag im späten New Yorker Handel gezeigt. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,500 Prozent verloren 5/32 auf 98-4/32 und rentierten mit 3,727 Prozent, nach 3,708 Prozent am Vortag. Die mit 4,375 Prozent verzinste 30-jährige Staatsanleihe stieg um 4/32 auf 98-4/32 und rentierte mit 4,489 Prozent, nach 4,497 Prozent. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen in kürzeren Laufzeiten vor der Auktion zwei- und fünfjähriger Staatsanleihen in dieser Woche. Das amerikanische Finanzministerium wird am Mittwoch zweijährige Anleihen im Volumen von 30 Milliarden Dollar anbieten. Am Donnerstag folgt die Auktion fünfjähriger Anleihen im Volumen von 19 Milliarden Dollar. Die Kursverluste an den Aktienmärkten hätten die Verluste am Anleihemarkt jedoch begrenzt, berichteten die Marktteilnehmer. Enttäuschende Quartalszahlen der Bank of America und Liquiditätsprobleme der Regionalbank National City hatten an den Aktienbörsen die Angst vor den Folgen der Hypothekenkrise wieder hochgekocht. Einziges am Berichtstag veröffentlichtes Konjunkturdatum war der Chicago Fed National Activity Index, der den Markt indessen kaum bewegte. Der Index war im März auf einen Stand von minus 0,78 gestiegen. Der Wert für den Februar wurde auf minus 1,28 revidiert, nachdem zunächst ein Stand von minus 1,04 gemeldet worden war.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
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| Name | Punkte | Prozent |
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| Dax | 7.156,55 | +1,07 |
| TecDax | 866,04 | +0,54 |
| DowJones | 12.986,80 | -0,05 |
| Nasdaq | 2.528,85 | -0,19 |
| STOXX 50 | 3.862,91 | +0,21 |
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