01. Juli 2008
Unternehmen
Chrysler schließt amerikanisches Werk wegen Absatzproblemen und Spritpreis
Der drittgrößte amerikanischen Autobauer Chrysler will wegen seiner Absatzschwierigkeiten und der hohen Spritpreise ein Werk in St. Louis schließen. Der Schritt werde zum 31. Oktober wirksam und gelte auf unbestimmte Zeit, sagte Chrysler-Manager Tom LaSorda am Montag. Betroffen seien 2400 Stellen. Es gebe keine Absicht, das Werk wieder in Betrieb zu nehmen. Zudem kündigte der Konzern an, eine von zwei Schichten in einem nahe gelegenen Werk zu streichen.
Chrysler hat in diesem Jahr bislang einen Rückgang seines amerikanischen Absatzes um 19 Prozent verzeichnet. Dies ist der stärkste Einbruch eines amerikanischen Autobauers. Die Finanzziele würden dennoch erreicht oder übertroffen, sagte LaSorda. Ein Grund dafür seien äußerst vorsichtige Prognosen des Managements. Der Hauptaktionär Cerberus habe absolut keine Absicht, das Unternehmen zu zerschlagen. (Reuters)
Qiagen übernimmt australische Corbett Life Science
Das Biotechunternehmen Qiagen übernimmt die australische Corbett Life Science. Qiagen zahle zunächst 66 Millionen amerikanischen Dollar in bar, wie das im TecDax notierte Unternehmen am Dienstag in Venlo mitteilte. Darüber hinaus erhielten die Australier Qiagen-Aktien im Wert von vier Millionen Dollar. Zusätzlich können über die nächsten vier Jahre durch so genannte Meilensteinzahlungen und variable Zahlungen bis zu 65 Millionen Dollar fließen, die aber vom Erreichen vorher vereinbarter Entwicklungsziele abhängen.
Die in Sydney beheimatete Corbett entwickelt und vertreibt Instrumente für den Life Science Bereich. Das Unternehmen ist in privater Hand. Qiagen will mit der Übernahme sein Portfolio an molekularen Tests erweitern. (dpa-AFX)
FedEx senkt Preise in China
Der amerikanischen Paketdienst FedEx senkt trotz der gestiegenen Benzinpreise seine Preise im hart umkämpften chinesischen Markt. Allein der Express-Dienst werde um bis zu 77 Prozent billiger, teilte der Konkurrent der Deutschen
Post mit. Die Regierung in Peking hatte im vergangenen Monat die Preise für Diesel und Benzin um fast 20 Prozent angehoben, so stark wie nie zuvor. Experten rechnen zudem mit einer weiteren Verteuerung in den kommenden Monaten, da die Benzinpreise in
China noch deutlich unter dem Weltmarkt- Niveau liegen.
Fedex hatte im Juni für sein viertes Geschäftsquartal einen Verlust von 241 Millionen Dollar verbucht und dabei auf die gestiegenen Treibstoffpreise und die Konjunkturabschwächung in den Vereinigten Staaten verwiesen. Einzelheiten zu seinem seit einem Jahr
laufenden China-Geschäft hatte der Konzern dabei nicht genannt.
chg/sws
Ex-Airbus-Chef Humbert weist Vorwürfe in Insideraffäre zurück
Die französische Justiz knöpft sich in der EADS-Insideraffäre jetzt auch deutsche Spitzenmanager vor. Am Montag wurde der ehemalige Airbus-Chef Gustav Humbert von der Pariser Finanzpolizei zum Verhör geladen, bestätigten die Anwälte Humberts der Financial Times Deutschland (FTD; Dienstag). Nach französischem Recht kann die Polizei Humbert bis zu 48 Stunden festhalten.
Nach Angaben seiner Anwälte wird Humbert die Gelegenheit nutzen, um darzulegen, dass die bekannt gewordenen Verdächtigungen gegen ihn nicht haltbar sind. Entgegen anders lautenden Vermutungen in der französischen Presse habe Humbert ein Interesse daran, seine Aussage zu machen.
Das Verhör von Humbert gilt unter Experten des Insiderskandals als Musterfall für das künftige Schicksal des amtierenden Airbus-Chefs Thomas Enders. Humbert und Enders hatten nämlich zuletzt im November 2005 Aktien verkauft. Andere EADS- und Airbus-Manager trennten sich hingegen noch im März 2006 von Aktien, darunter der Ex-Airbus-Chef Noel Forgeard. Im Juni 2006 räumte EADS/Airbus dann offiziell ein, dass es Produktionsverzögerungen beim Riesenairbus A380 gibt - die Aktie verlor rund ein Viertel ihres Wertes. (dpa-AFX)
HVB will detaillierte Sparpläne im Herbst vorlegen
Die UniCredit-Tochter Hypo-Vereinsbank (HVB) will laut einem Pressebericht bis zum Herbst einen detaillierten Sparplan erarbeiten. Bis dahin solle endgültig feststehen, wie viele Stellen bei der Bank gestrichen und welche Bereiche des Instituts von den Kürzungen betroffen seien, hieß es in der Süddeutschen Zeitung (Dienstag).
Über die Einzelheiten des geplanten Stellenabbaus bei der HVB wird spekuliert, seit die italienische Konzern-Mutter Unicredit in der vergangenen Woche ihren Strategieplan für die nächsten drei Jahre bekannt gegeben hat. Danach sollen bis 2010 insgesamt 9.000 Stellen in Westeuropa gestrichen werden. Arbeitnehmervertreter befürchten, dass im Zuge der Einsparungen 2.000 bis 2.500 Jobs bei der HVB wegfallen könnten. Bislang hat sich die Bank nicht zu Einzelheiten geäußert.
Aus Münchner Finanzkreisen hieß es, die Sparpläne würden nun in den kommenden Wochen gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert. (dpa-AFX)
Continental will stärker auf Elektro- und Benzinmotoren setzen
Der Automobilzulieferer Continental will seine Abhängigkeit vom Diesel-Antrieb verringern. Was den Diesel angeht, bin ich inzwischen skeptischer. In den Vereinigten Staaten passiert nicht viel, sagte Technikvorstand Karl-Thomas Neumann dem Handelsblatt (Dienstag). In den Vereinigten Staaten sehe Conti nur noch wenig Perspektiven für diese sparsame Antriebsvariante, die vor allem die deutsche Automobilindustrie gefördert hatte. Diesel könne sich bei den Kunden zwischen Kalifornien und New York nicht durchsetzen. Außerdem gehe der Preisvorteil von Diesel verloren.
Deutschlands zweitgrößter Autozulieferer, der als besonders stark in der Dieseltechnologie gilt, setzt künftig auf eine Optimierung des Benzinmotors und auf den Elektroantrieb. Die Chancen des Elektroautos haben uns alle überrascht. Es ist klar, dass es etliche Verschiebungen geben wird, sagte der Continental-Manager. (dpa-AFX)
Florida reicht Klage gegen Baufinanzierer Countrywide ein
Der amerikanischen Bundesstaat Florida hat am Montag Klage gegen den größten amerikanischen Baufinanzierer Countrywide wegen betrügerischer Praktiken bei der Hypothekenvergabe eingereicht. In der Klage wird dem Unternehmen vorgeworfen, es habe Hypotheken an Kunden ausgegeben, die erkennbar nicht zur Rückzahlung in der Lage gewesen seien. Außerdem seien teure Hypotheken für Kreditnehmer mit geringer Bonität an Kunden ausgegeben worden, die die Bedingungen für günstigere Angebote erfüllt hätten. Auch seien Kunden falsch über die Zinssätze für die Rückzahlung informiert worden. Ziel der Praktiken sei es gewesen, ungeachtet der Kreditrisiken den Unternehmensgewinn in die Höhe zu treiben.
Mit der Klage, die sich namentlich gegen Countrywide-Chef Angelo Mozilo richtet, folgt Florida dem Schritt von Kalifornien und Illinois, die sich vergangene Woche an die Gerichte wandten. Der Name des Baufinanzierers ist eng mit dem amerikanischen Eigenheimboom verbunden - und mit dem darauf folgenden Kollaps des Marktes: Viele weniger begüterte Hypothekennehmer haben mittlerweile ihre Häuser verloren, weil sie die gestiegenen Zinssätze nicht mehr bezahlen konnten.
Am Mittwoch hatten die Countrywide-Aktionäre dem Verkauf des Unternehmens an die Bank of America zugestimmt. Diese will die Übernahme noch diesen Monat abschließen. Ein Sprecher des Geldhauses lehnte eine Stellungnahme zu der Klage Floridas ab. (Reuters)
Wirtschaft
Geschäftsklima in Japan weiter abgekühlt
Das Geschäftsklima unter den großen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes Japans hat sich im zweiten Quartal des laufenden Jahres weiter abgekühlt, wenn auch weniger stark als erwartet. Wie aus dem am Dienstag von der Bank of Japan (BoJ) vierteljährlich vorgelegten Tankan-Bericht hervorgeht, sank der Diffusionsindex, der die Lagebeurteilung der Unternehmen abbildet, auf 5 Punkte von 11 Punkten im Vorquartal. Von Dow Jones Newswires befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang des Geschäftsklimaindex auf 3 Punkte gerechnet. (Dow Jones)
China erwartet leichte Konjunktur-Abschwächung
Die boomende chinesische Wirtschaft wird sich in diesem Jahr nach amtlichen Angaben voraussichtlich etwas abschwächen. Das Wachstum werde sich auf 10,3 Prozent von 11,9 Prozent im vergangenen Jahr verringern, erklärte der für die staatliche Wirtschaftsplanungsbehörde tätige Volkswirt Fan Jianping im amtlichen China Securities Journal am Dienstag. Im ersten Halbjahr sei das Bruttoinlandsprodukt schätzungsweise um 10,5 Prozent gewachsen. Eine moderate Verlangsamung des Wirtschaftswachstums werde dazu beitragen, die Inflation besser einzudämmen sowie den Rohstoffverbrauch und die Schadstoffemissionen zu drosseln.
Für das zweite Halbjahr rechnet der Experte unter anderem wegen der Wiederaufbauarbeiten nach dem schweren Erdbeben vor einigen Wochen wieder mit einem etwas kräftigeren Wachstum. Dies werde allerdings von den düsteren Aussichten für die Weltwirtschaft sowie einer Schwäche auf dem Immobilien- und dem Automarkt begrenzt. (Reuters)
Großbritannien: Hauspreise im Juni weiter rückläufig
In Großbritannien sind die Hauspreise im Juni weiter gesunken. Im Vergleich zum Vormonat seien die Preise um 0,9 Prozent zurückgegangen, teilte die größte Bausparkasse Großbritanniens, Nationwide, am Dienstag in London mit. Im Jahresvergleich betrug der Preisrückgang 6,3 Prozent. Damit wurden die Erwartungen von Volkswirten geringfügig verfehlt. Experten hatten im Monatsvergleich mit minus 1,0 Prozent und auf Jahressicht mit minus 6,4 Prozent gerechnet. (dpa-AFX)
Einzelhandel schafft im Mai unerwartet hohes Umsatzplus
Die Geschäfte im deutschen Einzelhandel sind im Mai trotz der hohen Inflation überraschend gut gelaufen. Der Umsatz stieg um 3,5 und preisbereinigt (real) um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Im Vergleich zum Vormonat hatten die Einzelhändler 1,7 Prozent mehr in der Kasse, real blieb ein Plus von 1,3 Prozent. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem realen Zuwachs von 0,5 Prozent zum Vormonat gerechnet und reales Minus von 1,0 Prozent zum Vorjahr vorausgesagt. (Reuters)
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE POSTBANK AG | +0,89 | +2,10 |
| CONTINENTAL AG INHAB | -0,11 | -0,15 |
| MERCK KGAA INHABER - | -0,78 | -1,03 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -3,17 | -5,14 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,52 | -5,01 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -1,76 | -4,24 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.127,44 | -2,42 |
| TecDax | 761,19 | -4,17 |
| DowJones | 11.220,96 | +0,29 |
| Nasdaq | 2.255,88 | -0,14 |
| STOXX 50 | 3.185,83 | -2,72 |
| Nikkei 225 | 12.212,23 | -2,75 |
| S&P 500 Zert. | 12,28 | -3,08 |
| Euro/Dollar | 1,43 | +0,04 |
| Bund Future | 115,28 | +0,12 |
| Gold | 802,80 | +0,00 |
| Öl | 104,17 | -3,09 |