22. Juli 2008 Belastet von den schlechten Vorgaben durch die amerikanische Berichtssaison ist der deutsche Aktienmarkt unter negativen Vorzeichen in den Dienstag gestartet. Die durch die Bank schwächer als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen sowie die Ausblicke der Unternehmen ließen auf eine deutliche Abschwächung des Privaten Verbrauchs in den Vereinigten Staaten schließen, heißt es im Handel.
Als besonders kritisch sei die Gewinnwarnung des Kreditkartenanbieters American Express zu bewerten, der eigentlich über eine überdurchschnittlich zahlungskräftige Klientel verfüge. Dies werde der Erholung bei den Finanzwerten zunächst ein Ende bereiten. Mit den Zahlenwerken von Wachovia und Washington Mutual stünden darüber hinaus im Verlauf des Tages noch Quartalsergebnisse von Banken auf der Agenda, die wesentlich stärker als etwa die Bank of America am amerikanische Hypothekenmarkt engagiert gewesen seien.
Bis 9.40 Uhr sinkt der Dax um 0,4 Prozent oder 28 Punkte auf 6.397. Der MDax gibt um 0,5 Prozent oder 38 Zähler auf 8.506 nach, für den TecDax geht es um 0,4 Prozent oder 3 Stellen auf 735 nach unten. Aus charttechnischer Perspektive ist das Kursbarometer der heimischen Standardwerte nunmehr im Bereich von 6.343 Punkten unterstützt, auf Widerstand trifft es auf dem Niveau von 6.465 Zählern.
Gegen den Trend gesucht sind am Dienstagmorgen die Papiere aus als eher defensiv geltenden Branchen. Für Eon geht es um 1,3 Prozent auf 119,34 Euro nach oben, RWE verteuern sich um 1,0 Prozent auf 76,93 Euro. Neben diesen beiden Versorgerwerten entwickeln sich auch ThyssenKrupp überdurchschnittlich, die im Gleichschritt mit anderen europäischen Stahlkochern um 1,4 Prozent auf 33,68 Euro zulegen. Ein Marktteilnehmer verweist auf die nachbörslich veröffentlichten und besser als erwartet ausgefallenen Zahlen des amerikanische Unternehmens Steel Dynamics zum zweiten Quartal von Vortag.
Kräftig nach unten geht es hingegen für die meisten zins- und konjunktursensitiven Werte. Besonders herb sind die Abgaben bei Infineon, die sich um 5,5 Prozent auf 4,95 Euro verbilligen und damit die rote Laterne unter den deutschen Standardwerten halten. Der Münchner Halbleiterhersteller sei als Zulieferer des iPhone 3G besonders stark von der unerwartet schwachen Apple-Prognose für das vierte Quartal betroffen, sagt ein Händler. Auch die Zahlenwerke von Texas Instruments und SanDisk seien als negativ zu werten.
Für Metro geht es um 3,5 Prozent auf 37,52 Euro nach unten. Für Abgabedruck bei den Aktien des Einzelhandelskonzerns sorgt eine Herabstufung durch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs, die ihre Empfehlung auf Sell von Neutral gesenkt hat. Deutsche Telekom geben im Sog der als enttäuschen aufgefassten Quartalszahlen und des gesenkten Ausblicks von Vodafone um 5,0 Prozent auf 10,52 Euro nach. Die Briten haben als erster der europäischen Telekom-Blue-Chips Zahlen vorgelegt. Diese sind desaströs, Anleger preisen nun auch bei den Wettbewerbern niedrigere Gewinne ein, sagt ein Händler.
In der zweiten Reihe geben unter anderem die Bauwerte deutlich nach: Für Hochtief geht es um 3,8 Prozent auf 56,13 Euro nach unten, für Bilfinger Berger um 2,9 Prozent auf 55,41 Euro. Die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch hat beide Papiere auf Neutral von Buy herabgestuft.
Rentenmärkte im Banne der Börsen
Der deutsche Anleihemarkt wird sich nach Einschätzung von Experten am Dienstag knapp behauptet entwickeln. Der Datenkalender hat weiterhin wenig zu bieten, schreibt die HSH Nordbank in einer Tagesvorschau. In den Vereinigten Staaten stehe heute die Rede des Präsidenten der Fed von Philadelphia Charles Plosser im Mittelpunkt des Interesses. Seine Aussagen zum Zustand der amerikanische Wirtschaft sollten im momentanen Marktumfeld besondere Beachtung finden. Für den Bund-Future erwarten die Experten eine Tages-Range von 109,80 bis 110,60 Punkten. Im frühen Handel liegt der Bund-Future mit einem Plus von 17 Punkten bei 110,37 Prozent.
Eurokurs über 1,59 Dollar gestiegen
Der Eurokurs ist am Dienstag über die Marke von 1,59 amerikanische Dollar gestiegen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Morgen mit 1,5923 amerikanische Dollar gehandelt. Ein Dollar war damit 0,6280 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag auf 1,5858 (Freitag: 1,5816) amerikanische Dollar festgesetzt. Die schwache Konjunkturentwicklung in den Vereinigten Staaten laste weiter auf dem Dollar, sagten Händler. Marktbewegende Konjunkturdaten werden im weiteren Handelsverlauf nicht erwartet.
Aktien in Tokio schließen nach Schlussrally sehr fest
Nach dem Feiertag am Montag hat der Aktienmarkt in Tokio am Dienstag sehr fest geschlossen. Dabei legte der Nikkei-225 eine Schlusrally hin: Stand der japanische Leitindex gegen 6.30 Uhr MESZ noch mit 1,4 Prozent im Plus, schoss er bis Handelsende auf 13.185 Punkte und kletterte damit um 3 Prozent oder 381 Stellen. Der Umsatz kletterte um auf. Der breiter gefasste Topix kletterte um 2,8 Prozent oder 35 Zähler auf 1.288. Händler hatten sich im Verlauf zwar noch skeptisch gezeigt, dass der Nikkei-225 die Marke von 13.100 Punkten überspringen würde. Allerdings hatte eine Welle von Shorteindeckungen beim Nikkei-Future für steigende Kurse am Spot Markt gesorgt. Ferner sprachen Händler in Tokio von einem spürbaren Rückgang der Bedenken um die Kreditkrise und verwiesen auf die festen Rohstoffwerte. Die nachlassende Sorge sorgte für ein Aufatmen bei den Finanztiteln. Mitsubishi Financial verteuerten sich beispielsweise um 3,7 Prozent auf 986 Yen, Mizuho Financial um 3,3 Prozent auf 559.000 Yen. Der leicht gestiegene Ölpreis befeuerte unterdessen die Energie-Titel. Nippon Oil rückten um 4,6 Prozent auf 684 Yen vor. Von den Exporttiteln gaben insbesondere Toyota Gas und kletterten um 5,6 Prozent auf 4.910 Yen.
Aktien in Hongkong mittags kaum verändert
Der Aktienmarkt in Hongkong zeigt sich am Dienstagmittag kaum verändert. Allerdings trübt sich die Stimmung mit dem über Nacht etwas angezogenen Ölpreis und der schwachen Tendenz der amerikanische Futures etwas ein, heißt es aus dem Handel. Marktteilnehmer verweisen zudem auf Gewinnmitnahmen nach den Aufschlägen der vorausgegangenen Handelstage. Bis zum Ende der ersten Sitzungshälfte steht der HSI bei 22.850 Punkten nahezu unverändert.
Aktien in Singapur tendieren mittags leichter
Der Aktienmarkt in Singapur zeigt sich am Dienstagmittag (Ortszeit) leichter, wobei er im zunehmenden Handelsverlauf etwas Fahrt nach unten aufgenommen hat. Bis zum Ende der ersten Sitzungshälfte verliert der STI 0,7 Prozent auf 2.899 Punkte und notiert damit knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 2.900. Die nächste Unterstützung liegt laut Händlern beim 10-Tages-Durchschnitt von 2.885 Stellen. Die Stimmung ist etwas gedämpft, große Trends fehlen und die amerikanische Futures rutschen etwas ab, fasst ein Händler die Situation zusammen.
Nachbörsliche Nachrichten und Kursbewegungen - Nasdaq schwach
Die Aktien von Merck & Co sind am Montag im nachbörslichen Geschäft in New York um 6,6 Prozent auf 33,01 Dollar gefallen, nachdem der Pharma-Konzern Zweitquartalszahlen bekannt gab und keinen kurz- oder mittelfristigen Ausblick mehr gegeben hatte. Noch deutlicher erwischte es Texas Instruments, die um 11,5 Prozent auf 25,25 Dollar nachgaben. Zuvor hatte der Konzern unerwartet schwache Quartalszahlen bekannt gegeben. Mit ähnlichen Abgaben im nachbörslichen Handel zeigten sich American Express, nachdem der Konzern seinerseits mit den Quartalsbericht enttäuscht und für das Gesamtjahr eine Gewinnwarnung abgegeben hatte. Die Titel verloren 11 Prozent auf 36,42 Dollar. Apple fielen nach der Bekanntgabe der Drittquartalszahlen um 10,7 Prozent auf 149,80 Dollar. Zwar übertrafen die Zahlen zum dritten Geschäftsquartal größtenteils die Erwartungen der Wall Street, doch störten sich Investoren an der Margenentwicklung und dem konservativen Ausblick auf das vierte Quartal. Schering-Plough rutschten nach schwachen Zweitquartalszahlen um 3,1 Prozent auf 19,35 Dollar und SanDisk um 13 Prozent auf 15,60 Dollar.
Der Index des Nasdaq-100 After Hours Indicator verlor am Montag satte 2,46 Prozent auf 1.775,6 Punkte.
Wall Street schließt knapp behauptet - Finanztitel uneinheitlich
Knapp behauptet haben die amerikanische Börsen am Montag geschlossen, nachdem frühe Gewinne vor dem Hintergrund des wieder etwas gestiegenen Ölpreises und schlechten Nachrichten aus dem Pharmasektor dahingeschmolzen waren. Zudem hatte die Rally bei den Finanztiteln schnell an Dampf verloren.
Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte (DJIA) fiel um 0,3 Prozent oder 29 Punkte auf 11.467. Der S&P-500-Index verlor 0,1 Prozent oder einen Punkt auf 1.260 und der technologielastige Nasdaq-Composite sank um 0,1 Prozent oder 3 Punkte auf 2.280. Umgesetzt wurden 1,21 (Freitag: 1,71) Milliarden Aktien. Dabei standen den 2.027 Gewinnern 1.113 Verlierer gegenüber, unverändert schlossen 79 Titel.
Viele seien skeptisch, was im Gesamtmarkt los ist, sagte Robert Pavlik von Oaktree Asset Management. Der Aufschwung bei den Finanztiteln in der vergangenen Woche, ein Plus von 11,4 Prozent, entsprach einem Minus von 11,4 Prozent im Energiesektor. Es ist viel sagend, dass das Geld im Markt nur noch hin- und hergeschoben wird, aber kein Neues hereinkommt, fügte er hinzu.
Zunächst hatten unerwartet gute Geschäftszahlen der Bank of America die Aktienkurse gestützt. Auch der besser als erwartet ausgefallene Chicago Fed National Activity Index (CFNAI) beflügelte die Stimmung etwas. Dieser ist im Juni erneut gestiegen, liegt allerdings weiterhin unter seinem historischen Trend.
Dass die Dynamik im Verlauf nachgelassen habe, begründeten Beobachter auch mit der kurzfristig wieder überkauften Marktlage, die abgebaut werden müsse. Ich denke, wir stehen kurz vor dem Ende dieser Bärenmarktrally, kommentierte daher Lorenzo Di Mattia, Manager beim Hedge-Fonds Sibilla Global Fund.
Große Verlierer waren zwei Pharma-Titel. Merck & Co sowie Schering-Plough hatten die Veröffentlichung ihrer Zweitquartalszahlen auf nach Börsenschluss verschoben haben. Zuvor hatten norwegische Forscher in einer Studie behauptet, dass ihr umsatzstarker Cholesterinsenker Vytorin keine Vorteile hinsichtlich des Herzinfarktrisikos von Patienten mit einer krankhaften Verengung der Aortenklappe am Herz habe.
Bank of America kletterten um 3,9 Prozent auf 28,56 Dollar, nach einem Tageshoch bei 30,90 Dollar. Die Bank hat im zweiten Quartal zwar ein niedrigeres Nettoergebnis von 3,41 Milliarden Dollar verbucht, lag damit aber über den Erwartungen des Marktes. Der Gewinn je Aktie fiel um 44 Prozent auf 0,72 (1,28) Dollar. Die Nettoeinnahmen stiegen dagegen auf 20,32 (19,63) Milliarden Dollar. Analysten hatten nur mit einem Nettogewinn von 0,53 Dollar je Aktie gerechnet.
Lehman fielen dagegen um 4,1 Prozent auf 18,32 Dollar, nachdem sie bereits ein Tageshoch bei 21,21 Dollar gesehen hatten. Die Titel der Hypothekenverkäufer zeigten sich uneinheitlich: Während Fannie Mae um 6,1 Prozent zulegten, fielen Freddie Mac auf 5,6 Prozent.
Yahoo fielen um 3,5 Prozent auf 21,67 Dollar. Der Internetportal- und Suchmaschinenbetreiber hatte sich mit dem Großaktionär Carl Icahn im Streit um die Neuwahl des Boards geeinigt. Im Ergebnis werden Icahn sowie zwei Gefolgsleute einen Sitz im Board erhalten, wie das Unternehmen am Montag mitteilte.
Amerikanische Anleihen im späten Geschäft in New York etwas fester
Die amerikanische Anleihen zeigen sich am Montag im späten Geschäft des New Yorker Handels mit einer etwas festeren Tendenz. Sie profitieren damit von den nachgebenden Kursen an den amerikanische Börsen. Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 3,875 Prozent stiegen um 10/32 auf 98-20/32 und rentierten mit 4,044 Prozent, nach 4,085 Prozent am Vortag. Die mit 4,375 Prozent verzinste 30-jährige Staatsanleihe gewann 13/32 auf 96-01/32, ihre Rendite fiel von 4,649 auf 4,622 Prozent. Die nachgebenden Aktienkurse haben am Anleihemarkt zu Short-Eindeckungen geführt, kommentierte Thomas Roth, Händler bei Dresdner Kleinwort Securities. Anfangs hatten noch die überraschend guten Geschäftszahlen der Bank of America die Anleihen belastet, hieß es aus dem Handel. Auf der Konjunkturseite hatte auch der gestiegene Chicago Fed National Activity Index etwas Druck gebracht. Der Index der Frühindikatoren lag im Juni wie von Volkswirten erwartet 0,1 Prozent unter dem Vormonat.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| DEUTSCHE BANK AG NAM | +4,54 | +8,00 |
| HYPO REAL ESTATE HOL | +1,09 | +6,81 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | +6,96 | +6,49 |
| CONTINENTAL AG INHAB | +0,11 | +0,15 |
| MERCK KGAA INHABER - | +1,17 | +1,56 |
| E.ON AG NAMENS - AKT | +0,61 | +1,62 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.355,58 | +3,72 |
| TecDax | 791,84 | +4,03 |
| DowJones | 11.220,96 | +0,29 |
| Nasdaq | 2.255,88 | -0,14 |
| STOXX 50 | 3.324,44 | +4,35 |
| Nikkei 225 | 12.624,46 | +3,38 |
| S&P 500 Zert. | 12,28 | -3,08 |
| Euro/Dollar | 1,43 | -0,59 |
| Bund Future | 114,54 | -0,64 |
| Gold | 809,35 | +0,82 |
| Öl | 104,17 | -3,09 |