24. Juli 2008 Der Dax ist am Donnerstagmorgen vorübergehend auf ein neues Monatshoch gestiegen, kurz danach aber wieder zurückgekommen und inzwischen ins Minus gerutscht. Dafür ist unter anderem der Ifo-Index verantwortlich, der schwächer als erwartet ausfiel.
Kurz nach der Veröffentlichung dieser Daten liegt der Dax mit einem Minus von 0,42 Prozent bei 6.508 Zählern.
Ifo-Geschäftsklima fällt auf niedrigsten Stand seit September 2005
Das Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft Deutschlands hat sich im Juli deutlich eingetrübt. Wie das Münchener Ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag im Rahmen seines monatlichen Konjunkturtests mitteilte, fiel der Geschäftsklimaindex auf 97,5 Punkte, nachdem er im Juni 101,2 betragen hatte. Der Index sank damit auf den niedrigsten Stand seit September 2005 und weist auf eine deutliche Konjunkturabkühlung hin. Volkswirte hatten für Juli einen Indexstand von 100,2 Punkten vorhergesagt.
Der Index zur Beurteilung der aktuellen Geschäftslage fiel den Angaben zufolge auf 105,7 (Juni: 108,3) Punkte. Die Komponente für die Geschäftserwartungen nahm zudem auf 90,0 (94,6) ab, dies war der niedrigste Stand seit November 2002. Die Indexergebnisse basieren auf einer Umfrage unter rund 7.000 Unternehmen der Bereiche verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe sowie Groß- und Einzelhandel.
Das Ifo Institut verwies angesichts der Umfrageergebnisse darauf, dass der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland zu Ende gehe. Dabei verschlechterte sich in allen betrachteten Sektoren die Stimmung. Für das verarbeitende Gewerbe fiel der entsprechende Saldenindex im Juli auf plus 2,1 von plus 8,1 im Juni. Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen trübten sich ein. Das Exportgeschäft werde zudem nach Ansicht der Industrieunternehmen nicht mehr ganz so stark expandieren, erklärte das Ifo. Auch lasse die Einstellungsbereitschaft in der Industrie nach.
Im Bauhauptgewerbe fiel der Saldenindex auf minus 23,3 (Juni: minus 19,0), hier verschlechterte sich die Einschätzung der gegenwärtigen Situation und der Geschäftserwartungen ebenfalls. Deutlich eingetrübt war das Geschäftsklima auch im Einzelhandel (minus 20,4 nach minus 6,7) und im Großhandel (minus 7,3 nach plus 2,0). Die Handelsunternehmen bewerteten laut Ifo Institut sowohl ihre momentane Geschäftslage als auch die Aussichten für die nächsten sechs Monate pessimistischer als im Juni.
Bund-Future Behauptet erwartet - Blick auf den Ifo-Index
Der deutsche Anleihemarkt wird sich nach Einschätzung von Experten am Donnerstag behauptet entwickeln. Das Highlight in der Eurozone sind am Donnerstag die Geschäftsklimaindizes, allen voran der Ifo Geschäftsklimaindex, schreibt die HSH Nordbank in einer Tagesvorschau. Der Ifo-Index sollte sich weiter abschwächen. Im Tagesverlauf sollten jedoch wieder die gestiegenen Inflationsgefahren die Oberhand am Markt gewinnen. Die Experten erwarten eine Handelsspanne beim Bund-Future von 109,50 bis 110,50 Punkten. Im frühen Handel liegt der Bund-Future mit einem Plus von 20 Stellen bei 110,17 Prozent.
Devisenmarkt: Abwarten vor Flut an Konjunkturdaten
Der Euro bewegt sich im Übergang vom asiatischen in den europäischen Währungshandel zum Dollar weiterhin um 1,57 Dollar. Auf diesem Niveau handelte die Gemeinschaftswährung bereits im späten amerikanische Handel am Mittwoch. Auch der Dollar zum Yen hat sich kaum verändert, er wechselt weiterhin knapp unter 108 Yen den Besitzer. Nach dem starken Ölpreisrückgang am Mittwoch fehlt dem Markt momentan die Story für neue Trends, sagt ein Händler. Dies werde sich aber aller Voraussicht nach im Tagesverlauf ändern. Denn mit Geschäftsklima- und Einkaufsmanager-Indizes aus der Eurozone und dem Ifo-Index aus Deutschland stünden zahlreiche kursbewegende Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an. In den Vereinigten Staaten werden am Nachmittag die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie Zahlen zu Hausverkäufen veröffentlicht. Man schaut aber weiterhin auch auf die amerikanische Quartalsberichte, sagt der Händler. Aus technischer Sicht liegt für den Euro zum Dollar bei 1,5755 Dollar ein kurzfristiger Widerstand. Bei 1,56 Dollar sei die Gemeinschaftswährung technisch unterstützt. Die Feinunze Gold kostet im frühen Londoner Handel 926,1 Dollar, nachdem sie am Mittwochnachmittag mit 926,50 Dollar festgestellt wurde.
Die Aktien in Tokio schließen fest
Die Aktienmärkte in Fernost haben am Donnerstag höher tendiert. Die Ölpreise fielen unter 125 Dollar je Fass auf ein Sieben-Wochen-Tief und trieben damit erneut die Kurse an. In Japan profitierten davon unter anderem die Titel von Autoherstellern. Auch andere Exportwerte verbuchten beflügelt von einem schwächeren Yen kräftige Gewinne. Bankentitel wurden angetrieben von der Erleichterung über eine Ankündigung von George W. Bush, ein Rettungspaket für die angeschlagenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu unterzeichnen. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss mit einem Plus von 2,18 Prozent bei 13.603 Punkten und damit auf dem höchsten Stand seit vier Wochen. Der breiter gefasste Topix-Index legte 2,24 Prozent zu auf 1332 Zähler. Auch die Börsen in
Hongkong, Taiwan, Singapur und Südkorea und Shanghai tendierten höher. Das Fass amerikanische Leichtöl wurde mit 124,40 Dollar gehandelt. Das elementare Thema ist das Öl, und das verhilft dem Markt zu einem vorsichtigen Optimismus, sagte Koichi Ogawa von Daiwa SB Investments. Zwar mangele es den Investoren wohl immer noch an Vertrauen, der Fall des Ölpreises habe aber eine gewisse Nachfrage ausgelöst. Da die Banken nun wohl die Talsohle erreicht hätten, könnte der Optimismus nun zunehmen, so Ogawa. Andere Analysten waren jedoch weniger optimistisch und erwarteten von den Hilfsmaßnahmen für Freddie Mac und Fannie Mae lediglich eine kurzzeitige Entlastung. Die Aktien des japanischen Geldhauses Mitsubishi UFJ Financial rückten um 2,2 Prozent vor, die Titel der Sumitomo Financial Group verteuerten sich um 1,7 Prozent. Exportwerte legten ebenfalls auf breiter Front zu. So verbuchten etwa die zuletzt stark verkauften Autowerte kräftige Gewinne: Die Aktien von Honda Motor stiegen um 3,8 Prozent, die Titel von Toyota Motor legten mehr als fünf Prozent zu. Die Aktien von Canon und Sony verteuerten sich ebenfalls jeweils um mehr als drei Prozent. Gefragt waren auch die zuletzt gebeutelten Titel von Chipausrüstern. So stiegen etwa die Aktien von Advantest um mehr als fünf Prozent. In Südkorea verteuerten sich die Titel von Samsung Electronics um mehr als vier Prozent. Sie wurden angetrieben von Marktgerüchten über eine bevorstehende Ankündigung von Aktienrückkäufen. Das Unternehmen will am Freitag Zahlen vorlegen.
Die Aktien in Hongkong zeigen sich am Mittag freundlich
Der Aktienmarkt in Hongkong folgt am Donnerstagmittag (Ortszeit) einmal mehr den Vorgaben der Wall Street und damit dem fallenden Ölpreis. Bis zum Ende der ersten Handelshälfte gewinnt der HSI 0,6 Prozent auf 23.266 Punkte, nachdem er im frühen Verlauf kurszfristig in negativem Terrain notierte. Händler sprachen da noch von Gewinnmitnahmen, nachdem der Index zuletzt stark zugelegt hatte. Im Vorfel der Olympischen Spiele sieht ein Händler den HSI weiterhin mit einm starken Aufwärtsmomentum in Richtung 24.000 marschieren. Das Sentiment für Hongkong hat sich mit den Verstaatlichungsplänen für Freddie Mac und Fannie Mae aufgehellt, so seine Einschätzung. Unter den Einzeltiteln profitieren die üblichen Verdächtigen vom rückläufigen Ölpreis: So fliegen Cathay Pacific 4 Prozent auf 16,26 Hongkong-Dollar.
Aktien in Singapur zeigen sich am Mittag unverändert
Nach den zuletzt deutlichen Kursgewinnen notiert der Aktienmarkt in Singapur am Donnerstagmittag (Ortszeit) kaum verändert. Dabei musste der STI die anfänglichen Aufschläge im Zuge von Gewinnmitnahmen wieder abgeben und beendet damit die erste Sitzungshälfte quasi unverändert bei 2.978 Punkten. Techniker sehen bei der Marke von 3.000 Punkten einen Widerstand, Unterstützung gebe es bei beim 30-Tage-Durchschnitt von 2.936 Stellen. Investoren halten sich am Donnerstag wohl zurück, da der Markt zuletzt sehr gut gelaufen ist und im weiteren Tagesverlauf in den Vereinigten Staaten Immobiliendaten anstehen, erklärt ein Händler in Singapur. Dennoch kommen unter den Sektoren kommen erneut die Immobilientitel voran. Dagegen rutschen Rohstofftitel mit den rückläufigen Notierungen bei Öl und Edelmetallen ab. Noble verlieren beispielsweise als schwächster Indexbestandteil 2,7 Prozent auf 2,16 Singapur-Dollar.
Nachbörsliche Nachrichten und Kursbewegungen
Nach Zahlenbekanntgabe zogen die Aktien von Amazon.com am Mittwoch im nachbörslichen Handel deutlich an. So gewannen die Aktien 8,3 Prozent auf 76,43 Dollar, nachdem der Konzern für das zweite Quartal einen verdoppelten Nettogewinn veröffentlicht hatte. Die Titel des Chip-Herstellers Qualcomm kletterten nach Veröffentlichung von Quartalszahlen sowie der Bekanntgabe einer Einigung mit Nokia hinsichtlich des Mobilfunkstandards um 19 Prozent auf 53,18 Dollar.
Der Index des Nasdaq-100 After Hours Indicator gewann am Mittwoch 0,54 Prozent auf 1.855,5 Punkte.
Wall Street schließt etwas fester
Gestützt von einem auf nunmehr unter 125 Dollar je Barrel gesunkenen, jedoch immer noch sehr hohen Ölpreis hat die Wall Street am Mittwoch ihre Aufwärtsbewegung der vergangenen Tage fortgesetzt. Auch der erreichte Kompromiss in den Vereinigten Staaten über das Gesetzespaket zur Immobilienkrise, das für den Notfall auch die Unterstützung der staatsnahen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac vorsieht, verbesserte die Stimmung. Das am Abend veröffentlichte Beige Book enthielt dagegen keine neuen Erkenntnisse zur weiterhin schwächelnden amerikanische Konjunktur bei anziehenden Preisen.
Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte (DJIA) legte um 0,3 Prozent oder 30 Punkte auf 11.632 zu. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 0,4 Prozent oder 5 Punkte auf 1.282 und der technologielastige Nasdaq-Composite kletterte um 1 Prozent oder 22 Punkte auf 2.326. Umgesetzt wurden 1,73 (Dienstag: 1,57) Milliarden Aktien. Dabei standen den 1.965 Gewinnern 1.196 Verlierer gegenüber, unverändert schlossen 78 Titel.
Gesucht waren wieder Finanztitel, im Dow etwa AIG mit einem Plus von 7 Prozent und Bank of America mit plus 3,4 Prozent, oder auch Konsumtitel wie Home Depot oder General Motors. Gegeben wurden dagegen Rohstoff- und Öltitel wie Exxon Mobil und Chevron, die um über 2 Prozent oder über 3 Prozent nachgaben. Hauptimpulsgeber war jedoch die auf vollen Touren laufende Berichtssaison.
Der Telekommunikationskonzern AT&T hatte im zweiten Quartal vom gewachsenen Mobilfunkgeschäft und höheren Datenverkehr profitiert. Der Nettogewinn stieg um 30 Prozent auf 3,77 Milliarden Dollar von zuvor 2,9 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie lag im Rahmen der Erwartung, die Aktie legte um 3,9 Prozent auf 33,06 Dollar zu.
Der Flugzeughersteller Boeing hatte im abgelaufenen Quartal wegen Lieferverzögerungen bei einem Luft-Frühwarn- und Kontrollsystem einen Rückgang beim Nettogewinn um 19 Prozent verbucht. Unter dem Strich standen für Boeing 852 Millionen Dollar im Vergleich zu 1,05 Mrd Dollar im Vorjahr zu Buche. Das Ergebnis je Aktie ging auf 1,16 Dollar von zuvor 1,35 Dollar zurück, was für den Tagesverlierer im Dow zu einem Kursminus von 3,7 Prozent auf 66,72 Dollar führte.
McDonalds's verloren 0,8 Prozent auf 59,66 Dollar, obwohl sich im zweiten Quartal das Nettoergebnis auf 1,19 Milliarden Dollar nach einem Verlust von 711,7 Millionen Dollar im Vorjahr erhöht hatte. Zu der Steigerung habe insbesondere das internationale Geschäft beigetragen, hieß es aus dem Hause der Schnellrestaurantkette.
Pfizer hatte in der zweiten Vierteljahresperiode von einem starken internationalen Geschäft profitiert und einen Nettogewinn von 2,78 Milliarden Dollar erwirtschaftet, was einen Anstieg um 119 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutete. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 31 Prozent auf 0,55 Dollar, Analysten hatten 0,54 Dollar erwartet. Pfizer bestätigte die Jahresziele für Umsatz und Gewinn, die Aktie legte daraufhin um 3,9 Prozent auf 19,07 Dollar zu.
Yahoo hatte im zweiten Quartal wegen gestiegener Kosten einen geringeren Nettogewinn ausgewiesen und damit die Konsensschätzungen der Analysten verfehlt. Allerdings bekräftigte das Unternehmen die bisherige Prognose. Die Aktie lag lange Zeit im Plus, fiel aber letztlich um 4,7 Prozent auf 20,39 Dollar.
Amerikanische Anleihen präsentieren sich im späten Geschäft etwas leichter
Die amerikanischen Staatsanleihen zeigen sich am Mittwoch im späten Geschäft in New York mit einer etwas leichteren Tendenz. Das Abwärtsmomentum der vergangenen Tage hält damit angesichts weiter steigender Aktienkurse an, auch wenn zuvor höhere Verluste im späten Handel gemindert wurden. Zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 3,875 Prozent fielen um 4/32 auf 98-1/32 und rentierten mit 4,118 Prozent, nach 4,101 Prozent am Vortag. Die mit 4,375 Prozent verzinste 30-jährige Staatsanleihe gab um 7/32 auf 95-7/32 nach, ihre Rendite stieg von 4,66 auf 4,675 Prozent. Die Stimmung für die Treasuries werde weiter von steigenden Finanzaktien, anstehenden Anleiheauktionen und zinspolitisch aggressiven Äußerungen der amerikanische Notenbank belastet, hieß es. Vor allem am kurzen Ende der Zinskurve ging es nach unten, weil diese Titel besonders sensibel auf zinspolitische Änderungen reagieren und auch das Gros der anstehenden Auktionen tragen müssen. Finanztitel wurden von vergleichsweise guten Unternehmensdaten gestützt, was die Erwartung verstärkte, dass die Fed tatsächlich schon bald die Zinszügel wieder anziehen könnte, um die Inflation zu bekämpfen. Das am Abend veröffentlichte Beige Book der amerikanischen Notenbank brachte keine neuen Erkenntnisse. Der Preisdruck in den Vereinigten Staaten sei wegen höhere Input-Preise weiterhin hoch oder sogar gestiegen. Zugleich habe sich die Wachstumsdynamik in den Vereinigten Staaten im Zuge geringerer Konsumausgaben und einer rigideren Kreditvergabe erneut leicht abgeschwächt, schrieb die Notenbank in ihrem Konjunkturbericht.
Ölpreis sinkt zeitweise unter 124 Dollar
Die Ölpreise sind nach ihren deutlichen Vortagesverlusten auch am Donnerstag weiter gefallen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im September fiel im Vergleich zum Handelsschluss am Vortag um 10 Cent auf 124,34 amerikanische Dollar. Zeitweise war der Ölpreis im asiatischen Handel bis auf 123,89 Dollar gefallen und erreichte damit ein Sieben-Wochen-Tief. Seit seinem Rekordstand von 11. Juli von 147,27 Dollar ist der Ölpreis um rund 23 Dollar oder 15 Prozent gefallen. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent fiel am Donnerstag um 11 Cent auf 125,18 Dollar. Die am Mittwoch veröffentlichten Daten zu den wöchentlichen Rohöllagerbeständen signalisierten einen Rückgang der Nachfrage in den Vereinigten Staaten , sagten Händler. So waren die Benzinlagerbestände deutlich stärker als zuvor erwartet gestiegen.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
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