Frühaufsteher

Wie gewonnen, so zerronnen

08. Juli 2008 „Wie gewonnen, so zerronnen“, lautet die Devise am Dienstagmorgen im deutschen Aktienhandel. Der Dax büßt 1,9 Prozent oder 123 Punkte auf 6.273 Zähler ein. Der Leitindex hat somit die Gewinne vom Wochenauftakt nahezu komplett wieder abgegeben. Für den MDax mittelgroßer Werte geht es um 2,25 Prozent auf 8397 Punkte nach unten. Der TecDax sinkt um 2,5 Prozent auf 736 Zähler.

Kursverluste im späten amerikanischen Handel am Montag und in Asien lasten auch am deutschen Markt auf den Kursen. Technisch ist der Dax auf Tagessicht bei 6.190 Punkten unterstützt, bei 6.350 liegt ein Widerstand.

Finanzwerte sind unter Druck geraten. Deutsche Bank fallen um 3,4 Prozent, Commerzbank um 3,7 Prozent und Hypo Real Estate um 3,8 Prozent. An Wall Street hatten die Papiere von Freddie Mac und Fanny Mae prozentual zweistellig verloren, nachdem Lehman Brothers für die
beiden Hypothekenfinanzierer wegen geänderter Regelungen für die Rechnungslegung einen möglichen Kapitalbedarf von zusammen 75 Milliarden Dollar prognostiziert hatte.

Deutsche Post verlieren nach einer Abstufung auf „Halten“ von „Kaufen“ durch die Deutsche Bank drei Prozent auf 15,88 Euro. Siemens lädt am Mittag zu einem Pressegespräch, auf dem Entscheidungen zum Beschäftigtenabbau veröffentlicht werden dürften. Die Aktie
verliert 2,5 Prozent auf 69,06 Euro, nachdem sie am Montag um 3,5 Prozent zugelegt hatte.

Gegen die Schwäche handelten Klöckner & Co zunächst 2,5 Prozent fester, gaben aber die Zugewinne vollständig wieder ab. Der Duisburger Stahlhändler hat erste Eckzahlen zum zweiten Quartal veröffentlicht und die Gewinnprognose angehoben. Die Commerzbank nennt den Gewinnanstieg im zweiten Quartal von 96 Prozent auf 200 Millionen Euro auf Jahressicht „beeindruckend“. Die Aktie sei weiter ein „Kauf“.

Im TecDax lassen vor allem die Solarwerte Federn, die am Montag noch kräftig zugelegt hatten. Solon verbuchen nach einer Abstufung auf „Verkaufen“ von „Neutral“ durch UBS mit minus 7 Prozent auf 46,20 Euro den größten Kursverlust.

Bund-Future steigt auf Vierwochenhoch

Die Renten-Futures bauen am Dienstagmorgen die Gewinne der vergangenen drei Tage aus. Der September-Kontrakt auf den Bund steigt um 26 Basispunkte auf 112,31 Prozent, der Bobl-Future gewinnt 19 Basispunkte auf 107,09 Prozent.

„Vor allem die Kursverluste an den Aktienmärkten sorgen für neuen Rückenwind für Renten“, stellt ein Händler fest. Der Dax-Future ist mit Verlusten in den Eurex-Handel gegangen. „Der Bund-Future hat gute Chancen auf einen Test der Widerstände bei 112,58/60 Prozent“, meint HSBC Trinkaus & Burkhardt. Bei 111,87 Prozent und bei 111,54 Prozent lägen Unterstützungen.

Euro fällt unter 1,57 Dollar

Nach einem deutlichen Rückgang beim Ölpreis hat der Dollar im frühen Geschäft am Dienstag etwas Rückenwind erhalten. Der Euro gibt bis auf 1,5676 Dollar nach von 1,5732 Dollar im späten amerikanischen Geschäft des Vortages.

Händlern zufolge bleibt das Aufwärtspotential für die amerikanische Währung aber begrenzt: Der Ölpreis beginnt wieder anzuziehen, und es belasteten Nachrichten über den weiteren milliardenschweren Kapitalbedarf der Finanzinstitute im Zuge der Kreditkrise.

Am Nachmittag wird in den Vereinigten Staaten die Statistik zu den schwebenden Hausverkäufen für Mai veröffentlicht. Von Reuters befragte Volkswirte sagen im Schnitt einen Rückgang um 2,8 Prozent voraus, nach einem Plus von 6,3 Prozent im April. „Einerseits ist das als Rückpralleffekt auf den guten Vormonatswert zu verstehen“, schrieben die Analysten der WestLB in einem Marktkommentar. „Andererseits gehen wir davon aus, dass in der Bauwirtschaft die Talsohle noch nicht durchschritten und somit auch in nächster Zeit mit enttäuschenden Daten zu rechnen ist.“

Fernost-Börsen folgen Wall Street überwiegend ins Minus

Schwache Vorgaben aus den Vereinigten Staaten haben die Börsen in Fernost am Dienstag überwiegend ins Minus gedrückt. Wie schon an der Wall Street trennten sich die Anleger vor allem von Finanztiteln, nachdem aus dieser Branche erneut schlechte Nachrichten gekommen waren. Energietitel wurden weiterhin vom Rückgang des Ölpreises um fast vier Dollar am Vortag belastet, obwohl der Preis für den Rohstoff im fernöstlichen Handel wieder etwas anzog.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 2,45 Prozent tiefer bei 13.033 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit fast drei Monaten. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 2,23 Prozent auf 1283 Zähler. Auch die Aktienmärkte in Südkorea, Hongkong, Taiwan und Singapur verzeichneten Verluste. Lediglich die Börse in Shanghai tendierte etwas fester.

Vor den anstehenden Unternehmenszahlen aus den Vereinigten Staaten verschiebe sich der Fokus des japanischen Marktes auf mögliche weitere Verluste oder Kapitalerhöhungen von Finanzinstituten, sagte Soichiro Monjii von Daiwa SB Investments. Die hohen Verluste von
amerikanischen Banktiteln an der Wall Street zogen auch Finanzaktien in Japan nach unten. So rutschten die Aktien der Mitsubishi UFJ Financial Group 3,4 Prozent ab, Papiere der Mizuho Financial Group büßten 3,7 Prozent ein.

Dagegen gingen die Aktien von Japans führendem Einzelhändler Seven & I 0,3 Prozent höher aus dem Handel. Nachbörslich legte der Konzern Zahlen vor, wonach im ersten Quartal ein Betriebsgewinn in ähnlicher Höhe wie im Vorjahreszeitraum erzielt wurde. Die Titel des Öl- und Gasfeldentwicklers Inpex verbilligten sich um 5,2 Prozent.

Aktienkurse in Hongkong mittags sehr schwach

Die Börse in Hongkong präsentiert sich am Dienstagmittag (Ortszeit) sehr schwach und gibt damit die Aufschläge vom Vortag wieder ab. Anleger machten aufgrund der unverändert angespannten Stimmung Kasse, heißt es am Markt. Zudem laste auch die Schwäche am japanischen Aktienmarkt auf dem Sentiment. Nach Ende der ersten Sitzungshälfte verliert der HSI 3,4 Prozent auf 21.165 Punkte, nachdem er zwischenzeitlich bis auf 21.099 Zähler abgerutscht war.

Händler sprechen bei den Abgaben von einem Schneeballeffekt durch Stop-Loss-Verkäufe, der von der insgesamt schlechten Stimmungslage herrühre und weniger auf schlechten Nachrichten basiere. Unterstützung finde der Leitindex erst bei 21.000 Punkten, sagen Börsianer. HSBC geben 2,1 Prozent auf 116,20 Hongkong-Dollar ab und sind damit allein für einen Abschlag von 70 Punkten beim Index verantwortlich. Finanztitel folgten den schwachen Sektorvorgaben der Wall Street, so Händler. HKEx büßen 5,6 Prozent auf 101,30 Hongkong-Dollar ein. Marktteilnehmer verweisen auf die anhaltend schwachen Börsenumsätze, die die Papiere des Betreiberunternehmens belasteten.

Aktien Singapur sehr schwach

Im Sog schwacher Vorgaben aus Japan und China tendiert die Börse in Singapur am Dienstag sehr schwach. Der STI baut seine Abschläge bis zum Mittag (Ortszeit) aus und verliert vor Beginn der zweiten Sitzungshälfte 1,9 Prozent auf 2880 Punkte. Auch die Unterstützung bei 2900 Zählern habe den Abwärtstrend nicht aufhalten können, dafür sei die Stimmung so schlecht, sagen Händler. Eine nächste Auffanglinie sehen Börsianer nun bei 2862 Punkten. „Anleger verhalten sich vor Beginn der Berichtsperiode in Singapur und den Vereinigten Staaten äußerst zurückhaltend, niemand will auf dem falschen Fuß erwischt werden“, sagte ein Analyst.

Amerikanische Nachbörse freundlich

Die Aktienkurse stiegen im nachbörslichen Handel etwas. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator erhöhte sich um 0,04 Prozent auf 1828 Punkte.

Die Aktien von Microsoft waren weiter gesucht. Der Kurs Kurs stieg um 0,3 Prozent auf 26,03 Dollar. Die Titel von Cisco dagegen verbilligten sich um 0,3 Prozent auf 22,57 Dollar.

Auch Medivation waren im nachbörslichen New Yorker Handel gefragt. Das Biotech-Unternehmen veröffentlichte nach der Schlussglocke positive Ergebnisse einer klinischen Phase-II-Studie zum Medikament „Dimebon“. Das Mittel dient der Bekämpfung der so genannten „Huntington“-Erkrankung. Die Aktie verteuerte sich um 3,7 Prozent auf 12,51 Dollar.

Fannie Mae und Freddie Mac belasten Wall Street

Erneute Unsicherheit über das Ausmaß der Kreditkrise hat die amerikanischen Börsen am Montag ins Minus gedrückt. Anleger trennten sich abermals von Finanztiteln, allen voran von den Hypothekenfinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac. Der Rückgang beim Ölpreis belastete zudem Energiewerte. Hoffnungen auf eine neue Runde im milliardenschweren Übernahmepoker zwischen Microsoft und Yahoo reichten angesichts dieser Gemengelage nicht aus, nachhaltig für gute Stimmung auf dem Parkett zu sorgen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendete den Handel 0,5 Prozent im Minus bei 11.231 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 11.120 und 11.399 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,8 Prozent auf 1252 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq lag 0,1 Prozent tiefer bei 2243 Punkten.

Fannie Mae und Freddie Mac gerieten erheblich unter Druck wegen Sorgen, die beiden gebeutelten Unternehmen könnten angesichts hoher Verluste noch mehr Kapital benötigen. Fannie-Aktien rutschten 16,2 Prozent in den Keller, mit den Freddie-Anteilscheinen ging es fast 18 Prozent bergab. Zum Verkauf von Finanzaktien sahen sich Investoren aber auch veranlasst, weil das Mitglied der amerikanischen Notenbank (Fed), Janet Yellen, klar machte, in die Branche müsse mehr Kapital fließen. Die Aktien von Lehman Brothers verbilligten sich um 8,8 Prozent, Citigroup-Papiere gaben 2,5 Prozent nach.

Auch Energieaktien standen auf dem Verkaufszettel, etwa die Anteilscheine des Börsenschwergewichts Exxon Mobil, die sich um 1,5 Prozent verbilligten. Grund war der deutliche Rückgang beim Ölpreis. Ein Barrel amerikanischen Leichtöl kostete zum Handelschluss in New York 141,81 Dollar. In der Vorwoche war der Preis noch auf ein Rekordhoch von über 145 Dollar gestiegen. Anfänglich hatte der Rückgang noch für Erleichterung gesorgt und damit die Wall Street ins Plus gehoben.

Immerhin stießen Yahoo-Aktien auf begeisterte Nachfrage. Die Titel legten um fast 12 Prozent zu, nachdem bekannt wurde, dass Microsoft im Falle eines Führungswechsels bei Yahoo immer noch an einer Übernahme des Internetkonzerns interessiert ist. Microsoft-Aktien verteuerten sich um 0,2 Prozent.

Um mehr als 30 Prozent aufwärts ging es mit den Aktien von APP Pharmaceuticals. Der Hersteller von intravenös verabreichten Nachahmermedikamenten war gefragt, weil er von dem deutschen Gesundheitskonzern Fresenius übernommen werden soll. Fresenius-Papiere verbuchten hingegen in Frankfurt hohe Abschläge.

Zu den weiteren Verlierern in New York zählte der israelische Pharmakonzern Teva. Die Papiere gaben 8,5 Prozent nach. Investoren trennten sich von den Aktien, nachdem das Unternehmen beim Test eines wichtigen Medikaments einen Rückschlag erlitten hatte.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,52 Milliarden Aktien den Besitzer. 947 Werte legten zu, 2225 gaben nach und 76 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,35 Milliarden Aktien 974 im Plus, 1877 im Minus und 115 unverändert.

Rendite amerikanischer Anleihen gestiegen

An den amerikanischen Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 17/32 auf 99-20/32. Sie rentierten mit 3,919 Prozent. Die dreißigjährigen Longbonds kletterten 22/32 auf 98-02/32 und hatten eine Rendite von 4,493 Prozent. Der Rückgang an den Aktienmärkten habe wieder den Status der Anleihen als sicherer Hafen in den Vordergrund gerückt.

Zwischenzeitlich waren die Notierungen parallel zu den zunächst steigenden Aktienbörsen unter Druck geraten. Hier hatten vor allem die Finanzwerte einen Abwärtssog ausgelöst, nachdem Vermutungen über notwendige Kapitalerhöhungen bei den Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac die Runde machten.

Geringe Auswirkung hatte dagegen die Aussagen der Fed-Präsidentin von San Francisco, Janet Yellen. Jellen hatte gesagt, Die Lebenshaltungskosten in den Vereinigten Staaten dürften im laufenden Jahr weiter zulegen. Im kommenden Jahr werde der Preisdruck dann wieder nachlassen, die Inflationsrisiken seien aber „eindeutig gestiegen“.

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.

Den Frühaufsteher können Sie auch als kostenlosen Newsletter bestellen



Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing

 
Tops & Flops+/-Prozent
VOLKSWAGEN AG STAMMA +38,83 +11,03
FRESENIUS MEDICAL CA +0,31 +0,91
HENKEL AG & CO. KGAA +0,07 +0,30
SIEMENS AG NAMENS - -7,56 -14,04
INFINEON TECHNOLOGIE -0,35 -12,59
DEUTSCHE BANK AG NAM -4,84 -12,48
NamePunkteProzent
Dax 4.861,63 -6,49
TecDax 553,00 -5,63
DowJones 8.619,81 -7,42
Nasdaq 1.628,33 -8,47
STOXX 50 2.578,06 -6,48
Nikkei 225 9.547,47 +1,06
S&P 500 Zert. 9,83 -2,58
Euro/Dollar 1,35 -0,54
Bund Future 114,03 +0,11
Gold 846,00 +0,47
Öl 70,31 -8,34
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.