15. Mai 2008 Der deutsche Aktienmarkt ist am Donnerstag etwas leichter in den Handel gestartet. Der Dax verliert 0,5 Prozent auf 7.045 Punkte. Mit den Verlusten wird zunächst die späte Korrektur an Wall Street eingepreist. Händler äußern sich dennoch grundsätzlich zuversichtlich zu den Marktaussichten. Der MDax notiert wenig verändert bei 9818 Zählern, währen der TecDax 0,9 Prozent auf 857 Stellen verliert.
Positiv wird der überraschende Anstieg des BIP im ersten Quartal zur Kenntnis genommen, obgleich dies in erster Linie auf das milde Winterwetter zurück zu führen und daher nicht überzubewerten sei.
Teilnehmer halten einen erneuten Test des Widerstandsbereichs um 7.100 Punkte für möglich. Sie verweisen auf den Rückgang des Ölpreises und günstige Vorlagen aus Tokio. Daneben sei das Umfeld relativ ruhig. Somit könnte auch wieder die Berichtssaison
Impulse setzen mit einem Höhepunkt, was die Masse der Unternehmensberichte angeht.
Aus technischer Sicht sei der Dax bei 7.000 Punkten unterstützt, heißt es am Markt. Sollte der Dax die 7.100er Marke nachhaltig und mit Dynamik überwinden, könnte ihn das dann entstehende Kaufsignal Richtung 7.300 Punkte tragen, meinen technisch orientierte Marktteilnehmer.
Unter den Erwartungen, so ein Marktteilnehmer zu den Zahlen von RWE. Der Quartalsbericht füge sich in das Bild von Eon ein. Die Bestätigung der Guidance verhindere aber stärkere Verluste, heißt es. Zudem sei RWE in den Berichten transparenter als
früher, viele Zahlen seien deshalb nicht oder schwer vergleichbar. RWE verlieren ein Prozent.
Thyssen-Krupp handeln mit einem Abschlag von 1,4 Prozent. Die Deutsche Bank hat ihr Votum auf Halten gesenkt. Bayer geben 1,9 Prozent auf 54,92 Euro nach; das Unternehmen hat angekündigt, das Medikament Trasylol vom amerikanischen Markt zu nehmen. Die Entscheidung komme aber nicht ganz überraschend, ist im Handel zu hören.
Infineon könnten im weiteren Verlauf ihren Kursaufschwung der jüngsten Zeit fortsetzen. Händler verweisen auf einen Bericht des Handelsblatts, nach dem sich der russische Mischkonzern Sistema für Infineon interessiert. Außerdem seien die Vorlagen der Halbleiter mit der Hoffnung auf eine Bodenbildung bei den Preisen günstig, heißt es am Markt. Nach einem kurzen Kursanstieg zu Handelsbeginn notiert die Aktie mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 6,76 Euro.
Zu Hochtief heißt es, dass die Ertragskennziffern etwas besser als erwartet ausgefallen seien. Treiber für den Aktienkurs bleibe aber die Tochter Leighton mit einem sehr guten Auftragsbestand. Hochtief gewinnen 4,2 Prozent auf 72,50 Euro.
Zur Vorsicht raten Marktteilnehmer bei Salzgitter. Der Gewinn enttäusche trotz einer niedrigeren Steuerquote, so ein Händler. Auch beim Ausblick habe sich Salzgitter mit dem Hinweis auf Rohstoffpreise und Währungseffekte ein Hintertürchen offen gelassen für einen Rückzug. Salzgitter geben 1,9 Prozent auf 139,89 Euro nach. Premiere stehen nach dem Ausweis schwächerer Quartalszahlen ebenfalls unter Abgabedruck; die Aktie gibt 3,3 Prozent nach.
Rentenmarkt tendiert leichter
Die Renten-Futures setzen am Donnerstag ihre Abwärtsbewegung vom Vortag fort. Der Juni-Kontrakt des Bund-Futures verliert 234 Basispunkte auf 113,44 Prozent, der Bobl-Future gibt um 20 Basispunkte auf 108,17 Prozent nach. Neben dem verbesserten Umfeld an den internationalen Börsenplätzen dürften auch die überraschend starken Wachstumszahlen aus Deutschland auf dem Bund lasten.
Nach Einschätzung von HSBC Trinkaus ist die Party im Bund schon wieder vorbei. Der Erholungsimpuls des Bund-Future seit dem zyklischen Tief vom 25. April beo 113,10 Prozent sei nicht von langer Dauer gewesen. Im Anschluss warte bereits der alte Abwärtstrend
vom September 2005 bei aktuell 112,71 Prozent. Widerstände liegen bei 113,57 Prozent, 113,93 Prozent und 114,58 Prozent.
Devisen: Euro pendelt sich bei Marke von 1,55 Dollar ein
Der Euro hat sich am Donnerstag knapp unter der Marke von 1,55 amerikanischen Dollar eingependelt. Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,5492 Dollar. Ein Dollar war damit 0,6452 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,5439 (Dienstag: 1,5473) Dollar festgesetzt. Vor rund drei Wochen hatte der Euro mit knapp über 1,60 Dollar einen Rekord erreicht.
Entscheidende Impulse dürften am Nachmittag eine Vielzahl von amerikanischen Konjunkturdaten liefern, hieß es am Markt. Neben Zahlen zur Industrieproduktion stünden Stimmungsindikatoren zur Veröffentlichung an, die Einblick über das Ausmaß der Konjunkturschwäche in den Vereinigten Staaten liefern könnten. Robuste Wachstumszahlen in Europa sowie eine enttäuschende Entwicklung der amerikanischen Industrieproduktion haben nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen das Potenzial, den Euro zu stützen.
Aktienkurse in Tokio im Verlauf sehr fest
Nach einem moderat positiven Start haben die Kurse an der Börse in Tokio am Donnerstag im Handelsverlauf ihre Gewinne ausgebaut und tendieren im späten Handel sehr fest. Gegen 6.07 Uhr gewinnt der Nikkei-225-Index bei anziehenden Umsätzen 1,5 Prozent auf 14.327 Punkte. Händler begründen die Aufschläge mit guten Vorgaben der amerikanischen Börsen, dem zum Yen stabilen Dollar und guten Unternehmensergebnissen japanischer Unternehmen. So haussieren Sony um 9,1 Prozent auf 5.290 Yen, nachdem das Unternehmen am Vortag nach Börsenschluss seinen Geschäftsbericht für 2007/2008 vorgelegt hatte. Stahlaktien seien mit einem Bericht gesucht, wonach Toyota Stahlpreiserhöhungen akzeptiert haben soll, heißt es. Nippon Steel gewinnen 6 Prozent auf 635 Yen.
Aktienkurse in Hongkong nach Tendenzwende mittags leichter
Die Börse in Hongkong hat am Donnerstag Anfangsgewinne nicht halten können und ins Minus gedreht. Zur Handelsmitte steht der Hang Seng-Index bei als durchschnittlich bezeichneten Umsätzen 0,5 Prozent im Minus bei 25.401 Punkten, nachdem er im Tageshoch bereits 25.737 Punkte erreicht hatte. Der Index der H-Aktien von in Hongkong gelisteten chinesischen Unternehmen steht mit 0,1 Prozent im Plus. Händler berichten von Gewinnmitnahmen und lethargischen Vorgaben der Börsen in den Vereinigten Staaten und in China.
Angesichts fehlender Impulse scheine der Markt in Hongkong in einer Handelsspanne festzustecken, so ein Akteur von SHK Financial. Er nennt als Untergrenze 25.100 Punkte und als Obergrenze 25.800 Punkte. Besonders unter Druck stehen Immobilienwerte, deren Subindex 1,7 Prozent verliert.
Nachbörsliche Meldungen und Kurse aus Amerika
Die Aktienkurse an den amerikanischen Börsen tendierten am Dienstag nachbörslich etwas leichter. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator verlor 2,05 Punkte auf 1995,25 Zähler.
Yahoo waren am Mittwoch im nachbörslichen Handel vor dem Hintergrund eines Berichts gesucht, wonach der Investor Carl Icahn weiter versucht, Einfluss auf die Geschäftspolitik von Yahoo zu gewinnen. Demnach soll Icahn, der nach dem Rückzug des Microsoft-Gebots für Yahoo 50 Millionen Yahoo-Aktien gekauft haben soll, wenigstens 12 potenzielle Aufsichtsratsmitglieder aufgestellt haben. Yahoo stiegen um 1,8 Prozent auf 27,62 Dollar.
Brocade Communications Systems kamen um 2,5 Prozent zurück auf 7,82 Dollar, nachdem das Datenspeicherunternehmen seine Zweitquartalszahlen verkündet hatte. Diese übertrafen zwar die Erwartungen, allerdings wurde der Ausblick von Brocade mit Enttäuschung aufgenommen. Agilent Technologies zogen um 4,8 Prozent an auf 34,09 Dollar, gestützt von einem über Erwarten gut ausgefallenen Zweitquartalsergebnis.
Wall Street schließt etwas fester
Die Wall Street ist am Mittwoch dank im April unerwartet schwach gestiegener Verbraucherpreise etwas fester aus dem Handel gegangen. Der Dow Jones Industrial (DJIA) gewann am Ende 0,5 Prozent oder 66 Punkte auf 12.898. Der S&P-500 schloss bei 1.409 mit 0,4 Prozent oder 6 Zählern im Plus und der Nasdaq Composite kletterte um 0,1 Prozent oder 2 Stellen auf 2.497. Umgesetzt wurden 1,19 Dienstag: 1,21) Milliarden Aktien. Dabei standen den 1.861 Kursgewinnern 1.268 -verlierer gegenüber. 111 Titel schlossen unverändert.
Der etwas nachlassende Ölpreis und die vorbörslich bekannt gegebenen amerikanischen Verbraucherpreise haben der Wall Street einen deutlich positiven Impuls geliefert. Die Preise sind im April um 0,2 Prozent gestiegen, während Ökonomen mit einem Anstieg um 0,3 Prozent gerechnet hatten. Damit gibt es nach Ansicht von Marktteilnehmern leichte Entwarnung in inflationärer Hinsicht.
Einige Marktteilnehmer bewerteten die Daten jedoch skeptisch und verwiesen auf die relativ hohen Spreads zwischen den zehnjährigen Staatsanleihen und den gegen Inflation abgesicherten Papieren. Diese deuteten auf einen anhaltenden Inflationsdruck hin. Nachdem die amerikanischen Börsen im Handelsverlauf bereits deutlichere Aufschläge zu verzeichnen hatten, drückte nach Ansicht von Händlern auch die Erwartung einer technisch bedingten Korrektur gegen Handelsende die Kurse etwas nach unten.
Unter den Einzelwerten stand die Hypothekenbank Freddie Mac mit Quartalszahlen im Blickpunkt. Die Titel stiegen um 9,2 Prozent auf 27,25 Dollar. Der Hypothekenfinanzier hat im 1. Quartal einen Verlust von 151 Millionen Dollar oder 0,66 Dollar je Aktie verzeichnet, was deutlich unterhalb der Markterwartung lag. Wie das Unternehmen mitteilte, kam es auf Grund der Immobilienkrise und der schwierigen Lage an den Kreditmärkten zu Rückstellungen für Kreditverluste von 1,2 Milliarden Dollar.
Daneben legte der Einzelhändler Macy's Zahlen vor. Der Konzern verzeichnete im ersten Quartal einen Umsatzrückgang von 2,9 Prozent, wobei Analysten Schlimmeres befürchtet hatten. Macy's kletterten 3,6 Prozent auf 24,93 Dollar. Wal-Mart stiegen um 1,4 Prozent auf 57,45 Dollar. Mit Blick auf die Inflationsdaten sprachen Händler von einer Erleichterung für die Einzelhandels-Aktien.
Nachrichten gab es auch zu Microsoft und Yahoo!. So will der Milliardär Carl Icahn Medienberichten zufolge doch noch eine Übernahme von Yahoo! durch Microsoft durchsetzen. Dazu strebe er an, die Kontrolle über mehrere Posten im Verwaltungsrat der
Yahoo! zu übernehmen, berichteten das Wall Street Journal und der Fernsehsender CNBC am späten Dienstag. Icahn sei vergangene Woche bei Yahoo! eingestiegen und habe etwa 3,6 Prozent der Aktien gekauft. Yahoo! kletterten um 2,2 Prozent auf 27,14 Dollar, Microsoft
legten um 0,5 Prozent auf 29,93 zu.
Applied Materials drehten nach einem festeren Start mit 0,2 Prozent auf 19,90 Dollar ins Minus, nachdem der Ausrüster der Chip-Industrie für das 2. Quartal einen Nettogewinnrückgang um 26 Prozent gemeldet hatte. Damit lag Applied Materials dennoch besser als von Analysten erwartet und auch beim Umsatz übertraf das Unternehmen die Prognosen. Das Management des Unternehmens rechnet im laufenden Quartal mit einer Verschlechterung bei den Investitionsausgaben der Chip-Industrie, glaubt aber auch, dass bei den rückläufigen Auftragseingängen der Boden erreicht werden wird.
Amerikanische Anleihen notieren leichter
Die amerikanischen Anleihen notierten am Mittwoch leichter. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,875 Prozent verloren 5/32 auf 99-24/32 und rentierten mit 3,91 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond verlor 20/32 auf 96-7/32 und rentierte mit 4,61 Prozent.
Nachdem die amerikanischen Anleihen auf weniger stark als erwartet gestiegene amerikanischen Verbraucherpreise für den April einen Teil ihrer Vortagsverluste wieder wett gemacht hatten, habe die Rally an der Wall Street für rasche Gewinnmitnahmen gesorgt, erklärte ein Händler. Zudem seien einige Anleger der Meinung, dass die Komponente der Nahrungsmittel- und Energiepreise den Inflationsdruck in den kommenden Monaten weiterhin aufrecht erhalten werde, hieß es.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| MERCK KGAA INHABER - | +3,42 | +4,55 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +1,64 | +2,15 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | +0,60 | +1,73 |
| DAIMLER AG NAMENS - | -4,09 | -9,61 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | -1,90 | -5,67 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -3,81 | -5,54 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.440,70 | -1,46 |
| TecDax | 721,58 | -3,36 |
| DowJones | 11.417,27 | -1,85 |
| Nasdaq | 2.301,78 | -1,04 |
| STOXX 50 | 3.354,58 | -0,97 |
| Nikkei 225 | 13.603,31 | +2,18 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,19 |
| Bund Future | 110,96 | +0,77 |
| Gold | 925,00 | +0,36 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
