07. Juli 2008 Dank positiver Vorgaben aus Japan ist der deutsche Aktienmarkt am Montag etwas fester in die neue Handelswoche gestartet. Der Leitindex Dax stieg in den ersten Handelsminuten um 0,8 Prozent auf 6324 Zähler. Der M-Dax der mittelgroßen Werte gewann 0,7 Prozent auf 8543 Punkte. Der Technologiewerte-Index Tec-Dax legte um 0,9 Prozent auf 741 Punkte zu.
Der Nikkei-225-Index schloss etwas fester. Die amerikanischen Börsen waren am Freitag wegen eines Feiertags geschlossen geblieben. Der Future auf den Dow Jones Industrial stand unterdessen am Morgen um 44 Punkte über seinem vorgezogenen Handelsschluss vom Freitag. Insgesamt sollte der Handel aber erneut recht ruhig verlaufen, wichtige amerikanische Konjunkturdaten stehen nicht auf der Agenda.
Zu den größten Gewinnern am deutschen Markt zählte die Aktie von Infineon mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 4,83 Euro. Händlern zufolge haben die UBS-Analysten zwar das Kursziel für den Titel auf 6,70 von 7,30 Euro gesenkt, gleichzeitig aber ihre Kaufempfehlung bekräftigt. Im M-Dax fiel Fresenius um 2,6 Prozent zurück. Das Unternehmen hatte angekündigt, dass die Tochter Kabi für umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro APP Pharmaceuticals, einen amerikanischen Hersteller von intravenös verabreichten Arzneimitteln, übernehmen will.
Commerzbank tendierten 1,3 Prozent fester bei 18,99 Euro. Bei einem Zusammenschluss mit der Allianz-Tochtergesellschaft Dresdner Bank hält die Commerzbank laut einem Bericht der Euro am Sonntag einen Stellenabbau für unausweichlich. Außerdem solle die Marke Dresdner Bank nicht fortgeführt werden. Stellenstreichungen wären keine Überraschung. Dass der Name Dresdner Bank allerdings verschwinden soll, dürfte auf großen Widerstand von Seiten der Allianz stoßen, sagte ein Händler. Damit sei ein erfolgreicher Zusammenschluss in Gefahr und das sollte sich entsprechend negativ auf die Aktienkurse auswirken.
Außerdem profitierte die Commerzbank-Aktie von Berichten, denen zufolge diese aus dem Rennen um das Privatkundengeschäft der Citigroup ausgestiegen sei. Dies sagte eine mit der Situation vertraute Person am Freitagabend der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel hat dagegen nach Informationen der Agentur AFP ein Angebot für die Citibank abgegeben.
Indes könnte der Verkauf der Postbank laut einem Medienbericht an unterschiedlichen Preisvorstellungen scheitern. Die Deutsche Post sehe den Wert ihrer Banktochtergesellschaft bei mehr als zehn Milliarden Euro, berichtet die Wirtschaftswoche in ihrer neuen Ausgabe unter Berufung auf Informationen aus dem Umfeld des Bundesfinanzministeriums. Die bisherigen unverbindlichen Gebote der Interessenten lägen aber zwischen acht und neun Milliarden Euro.
Auch Lufthansa könnten Händlern zufolge leicht unter Druck geraten. Im Tarifkonflikt der Gewerkschaft Cockpit mit Lufthansa City Line und Eurowings sind am frühen Montagmorgen rund 1000 Piloten der beiden Fluggesellschaften in einen 24-Stunden-Streik getreten. Ein Händler kommentierte: Die Nachricht sei nicht positiv. Die negativen Effekte sollten aber begrenzt bleiben, da sie nur zwei Einheiten beträfen.
Fresenius dürften nach einer Übernahme in Bewegung kommen. Der Gesundheitskonzern stärkt seinen Geschäftsbereich Kabi durch die Übernahme von APP Pharmaceuticals zum Preis von 3,7 Milliarden Dollar. Daraufhin haben die Analysten der Commerzbank die Aktie mit Kaufen und einem Kursziel von 68 Euro bestätigt. Derzeit notiert die im M-Dax gehandelte Vorzugsaktie bei rund 54,42 Euro. Mit dem Kauf mache der Konzern einen großen Schritt in das amerikanische Geschäft für so genannte intravenöse Generika. Dies sei positiv zu werten, schrieb Analyst Daniel Wendorff in einer Studie vom Montag. Eine erste Kalkulation ergebe für Fresenius Kabi einen Umsatzbeitrag von rund 20 Prozent sowie einen Beitrag zum Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebtda) von etwa 40 Prozent.
Wincor Nixdorf rücken im M-Dax nach einer Bestätigung der Ziele und einer möglichen Dividendenerhöhung in den Blick. Trotz der im Zwischenbericht genannten eingetrübten Rahmenbedingungen ist Vorstandsvorsitzender Eckard Heidloff überzeugt, die angestrebten Ergebnisse zu erreichen.
Für Unterstützung im deutschen Handel dürfte der Ölpreis sorgen. Die Aussicht auf Verhandlungen im Atomkonflikt mit dem Iran hat den amerikanischen Ölpreis am Montag stark gedrückt. Im frühen Handel kostete ein Fass Leichtöl der amerikanischen Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Auslieferung 143,53 Dollar. Das waren 1,76 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Freitag. Der am vergangenen Donnerstag mit 145,85 Dollar erreicht Rekordstand ist damit etwas in die Ferne gerückt.
Die Richtung am deutschen Aktienmarkt dürfte auch in der kommenden Woche wieder vom Ölpreis, Euro-Dollar-Verhältnis und den Wirtschaftserwartungen abhängen. Allerdings rücken wieder Unternehmen in den Fokus, denn in den Vereinigten Staaten eröffnet am Dienstag der Aluminiumkonzern Alcoa die Berichtssaison für das zweite Quartal.
Insgesamt befinden sich die heimischen Aktienmärkte in einer schwachen Verfassung, resümieren die Experten der Landesbank Berlin. Ölpreis, Euro, eine erwartete Konjunkturabschwächung in der Eurozone sowie die aufkommende Diskussion um eine mögliche Stagflation - stagnierendes Wachstum bei hohen Inflationsraten - dürften den Druck auf die Kurse weiter aufrecht erhalten. Inzwischen keime allmählich die Hoffnung, dass ein Ende der Verkaufsphase bei Aktien in Sicht sei. Allerdings sei die Finanzkrise weiter präsent und auch die Deutsche Bank habe mit ihrem Dementi einer bevorstehenden Kapitalerhöhung sowie einem avisierten Gewinn im zweiten Quartal die Stimmung nur leicht verbessert.
Mit Blick auf die deutschen Unternehmen gilt Siemens am Dienstag die volle Aufmerksamkeit. Am 7. und 8. Juli werden Arbeitnehmervertreter und Konzernleitung im Wirtschaftsausschuss über die Sparpläne des Konzerns beraten und sie anschließend bekannt geben. Weltweit sollen dem Sparplan mehr als 17.000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen. Offiziell hat Siemens diese Zahl, nachdem sie Ende Juni bekannt geworden war, allerdings noch nicht bestätigt.
Rentenmarkt muss viele Emissionen aufnehmen
Für den deutschen Rentenmarkt wird am Montag nach dem ruhigen Wochenausklang mit einer behaupteten Tendenz bei insgesamt verhaltenen Handel gerechnet. In der gerade begonnenen Woche werden im Euroraum nur wenige Konjunkturdaten veröffentlicht. Im Blickpunkt dürften Daten zur Industrieproduktion aus dem Euroraum stehen. Allerdings werden die europäischen Rentenmärkte viele Neueemissionen aufnehmen.
Daneben werden Detaildaten zum Wachstum im Euroraum im ersten Quartal und Zahlen zum deutschen Außenhandel veröffentlicht. Großes Interesse wird wohl eine Rede von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet vor dem Europäischen Parlament am Mittwoch auf sich ziehen. Nach Einschätzung der Commerzbank sollten die Zahlen zur Industrieproduktion zeigen, dass sich die Industrie der Eurozone im Abschwung befindet.
Am Primärmarkt für Staatsanleihen aus der Eurozone zeichnet sich nach Einschätzung von Experten auch in der neuen Woche eine hohe Aktivität ab. Der Staatsanleihen-Primärmarkt verliert nicht an Schwung, heißt es in einer Studie des Bankhauses HSBC Trinkaus vom Freitag. Auf 18 Milliarden Euro sollte sich das Emissionsvolumen der Schatzämter belaufen. Daran sei die deutsche Finanzagentur zur Hälfte beteiligt. Fällig würden 21,1 Milliarden Euro - dabei sei der Samstag mitgezählt. Die Kupons beliefen sich auf 2,4 Milliarden Euro.
Neben der Aufstockung der Schatzanweisung wird dem Bankhaus zufolge am Mittwoch auch ein 2013 fälliger Titel um 2 Milliarden Euro aufgestockt. Griechenland und die Niederlande stockten ihre dreijährigen Anleihen auf, Österreich und Portugal ihre zehnjährige und Spanien stehe noch immer in den Startlöchern mit einer syndizierten fünfzehnjährigen Obligation.
Euro in Fernost etwas schwächer
Der Euro hat sich am Montag in Fernost etwas schwächer präsentiert. Die europäische Gemeinschaftswährung gab im Vergleich zum späten Handel in Europa vom Freitag 0,1 Prozent nach auf 1,5674 Dollar.
Händler verwiesen zur Begründung darauf, dass die Investoren gespannt seien auf die weitere Zinspolitik der amerikanischen Notenbank. Aufschluss darüber soll vor allem Fed-Chef Ben Bernanke geben, der in dieser Woche gleich bei mehreren Terminen sprechen wird. Der Dollar notierte zur japanischen Währung stabil bei 106,66 Yen, der Euro kostete 167,30 Yen.
Der australische Dollar notiert nahe eines 25-Jahres-Hochs. Auslöser dieser Aufwärtsbewegung ist ein Bericht der Regierung, dem zufolge die Beschäftigung im vergangenen Monat stark angestiegen sei. Damit scheint sich die australische Wirtschaft bisher erfolgreich gegen die Verlangsamung der Weltkonjunktur zu stemmen. Jedenfalls plant die Reserve Bank of Australia eine weitere Erhöhung ihrer Leitzinsen. Der australische Dollar wurde am Montagmorgen zu 96,10 amerikanischen Cent gehandelt nach 96,34 amerikanischen Cent am späten Freitagabend.
Tokio startet erholt in die Börsenwoche
In Tokio legte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,92 Prozent auf 13.360 Punkte zu und beendete damit seine mit zwölf Tagen längste Verluststrecke seit mehr als einem halben Jahrhundert. Der breiter gefasste Topix-Index kletterte um 1,15 Prozent auf 1312 Zähler.
Getrieben von einem stärkeren Dollar im Vergleich zum Yen drehte der Nikkei nach einem schwachen Start rund ein Prozent ins Plus. Zu den größten Börsengewinnern in Tokio zählte der Kamerahersteller Canon. Seine Papiere legten rund 1,5 Prozent zu.
Die Papiere des Elektronikkonzerns Sony hingegen verloren etwa ein halbes Prozent. Der Sicherheitssoftware-Hersteller Trend Micro legte nach einer Broker-Heraufstufung 3,2 Prozent zu.
Wall Street: Start der Quartalssaison
Vor der neuen Quartalssaison konnten die Anleger auf den amerikanischen Aktienmärkten noch einmal Luft holen und ein verlängertes Wochenende einlegen. Am Freitag blieben sowohl die Aktien- wie auch die Anleihemärkten in den Vereinigten Staaten wegen des Nationalfeiertags Independance Day geschlossen. Am Mittwoch wird traditionell der Aluminiumkonzern Alcoa die Berichtssaison über das zweite Quartal eröffnen.
Besonders im Fokus wird jedoch der Mischkonzern General Electric (GE) stehen. Weil die Aktivitäten des Unternehmens so breit über alle so viele Branche gestreut sind, gilt GE als Indikator für das Wohl der gesamten amerikanischen Wirtschaft. Weil Finanzdienste zudem einen großen Teil des Umsatzes ausmachen, werden die Anleger angesichts der Finanzkrise dieses Mal ganz besonders auf die GE-Zahlen achten. Am Freitag legt GE seine Quartalszahlen vor.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +8,98 | +3,13 |
| SAP AG INHABER - AKT | -0,08 | -0,28 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -0,10 | -0,98 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,55 | -12,74 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | -9,16 | -10,66 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -3,77 | -9,50 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.013,53 | -5,88 |
| TecDax | 525,53 | -8,29 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.716,21 | -5,67 |
| Nikkei 225 | 9.203,32 | -9,38 |
| S&P 500 Zert. | 9,82 | -6,48 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,49 |
| Bund Future | 117,47 | +0,16 |
| Gold | 909,35 | +2,34 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |