Frühaufsteher

Deutscher Aktienmarkt startet mit Verlusten

09. Mai 2008 Weitere Hiobsbotschaften über die Auswirkungen der Finanzmarktkrise sowie neue Höchststände beim Ölpreis führen am Freitag zu Kursverlusten am deutschen Aktienmarkt. Der Leitindex Dax verliert in den ersten Handelsminuten 0,67 Prozent auf 7024 Punkte. Der MDax büßt 0,27 Prozent auf 9640 Zähler ein und der TecDax gibt 0,56 Prozent auf 842 Punkte nach.

Vor allem der neue Rekordverlust des weltgrößten Versicherungskonzerns American International Group (AIG) belaste, sagen Börsianer. Der amerikanische Ölpreis (WTI) stieg zudem am Morgen im asiatischen Handel auf ein neues Hoch bei 124,70 Dollar.

Erneut stehen einige Unternehmen mit ihren Quartalsberichten und Jahresausblicken im Fokus der Anleger. Zahlreiche weitere schütten ihre Dividenden an diesem Tag aus. Neben der Postbank, BMW und Adidas, werden auch Hugo Boss>, Hochtief, Heidelberg-Cement und Wacker Chemie ex Dividende gehandelt.

Der Industriegasekonzern Linde verfehlte mit dem operativen Ergebnis im ersten Quartal die Durchschnittsprognose der von dpa-AFX befragten Analysten. Auch beim Umsatz blieb das Unternehmen leicht unter den Erwartungen. Das Unternehmen bestätigte allerdings seinen Ausblick für 2008 und die mittelfristigen Ziele. Die Aktie büßt als schwächster Wert im Dax 2,46 Prozent auf 93,75 Euro ein.

Allianz-Titel verlieren 1,49 Prozent auf 128,43 Euro. Nach den Belastungen durch die Finanzkrise im ersten Quartal bekräftigte der Finanzkonzern das Gewinnziel für die Tochter Dresdner Bank nicht. Das bisherige Renditeziel von durchschnittlich mindestens 15 Prozent auf das Risikokapital bis 2009 könne nicht bestätigt werden, teilte die Allianz am Morgen mit. Auf Konzernebene hält die Allianz allerdings an ihrer Zielvorgabe fest, das operative Ergebnis bis 2009 im Schnitt um jeweils 10 Prozent zu steigern.

Ein Händler sagt dazu, dass insgesamt sei die endgültige Bilanz etwas besser als die bereits veröffentlichten Eckdaten ausgefallen. Sie lägen damit allerdings immer noch deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen. Belastend wirke zudem der riesige, teils abschreibungsbedingte Verlust der AIG von 7,81 Milliarden Dollar, der auch die übrigen Finanzaktien im Dax drücke. Commerzbank etwa geben um 1,33 Prozent auf 23,05 Euro nach und Deutsche Bank um 1,24 Prozent auf 76,45 Euro. Münchener Rück sinken um 0,91 Prozent auf 120,34 Euro.

Rentenmarkt legt zu

Nach kaum veränderten Beginn präsentieren sich die Rentenmärkte am Freitag freundlich. Der Juni-Kontrakt des Bund-Futures zieht um 22 Basispunkte auf 114,87 Prozent an. Der Bobl-Future steht ebenfalls 22 Basispunkte im Plus bei 109,39 Prozent.

Nach dem Ausbruch über den Abwärtstrend vom Donnerstag bleibe die Lage „bullisch“, so Marktteilnehmer. Der Bund scheine einen Boden ausgebildet zu haben. Weitere Short-Eindeckungen könnten den Kontrakt bis über 115 Prozent treiben. Dort warteten bei 115,13 Prozent, 115,50 Prozent und 116,13 Prozent erste Widerstände, so die Analysten der LBBW.

Euro und Yen ziehen an

Euro und Yen ziehen am Freitag während des Übergangs aus dem asiatisch in den europäisch geprägten Handel an. Der Euro notiert mit 1,5430 Dollar gegen 7.25 Uhr knapp über der Marke von 1,54 Dollar, mit der er am Donnerstagabend noch gekämpft hatte. Noch deutlicher ist der Aufschwung beim Yen, der die Marke von 103,50 Dollar/Yen unterschritten hat.

Die Risikobereitschaft der Anleger lasse wieder deutlich nach, heißt es mit Blick auf die fallenden Aktienmärkte in Asien und die schlechten Nachrichten des amerikanischen Versicherungskonzerns AIG, der nach Wertverlusten eine Kapitalerhöhung um 12,5 Milliarden Dollar plant. Das sei ein Zeichen, dass die Finanzkrise noch nicht vorbei sei, heißt es. Neue Impulse werden am Nachmittag von der amerikanischen Handelsbilanz erwartet. Am Morgen werden noch deutsche Großhandelspreise veröffentlicht sowie die französische Industrieproduktion.

Als wichtige Marke gilt nun das Yen-Hoch von Ende-April bei 103,23 Dollar/Yen. Ein Bruch würde weiteres Aufwärtspotential für den Yen auslösen, heißt es. Beim Euro werden Richtung 1,5540 Dollar erste charttechnische Hürden erwartet. Als unterstützt gilt der
Euro bei 1,5368 Dollar.

Hoher Ölpreis drückt asiatische Börsen erneut ins Minus

Der hohe Ölpreis hat die asiatischen Börsen am Freitag abermals belastet. Ein Fass amerikanischen Leichtöl wurde in Fernost zum Rekordpreis von bis zu 124,70 Dollar gehandelt. In Japan zog ein unerwartet starker Gewinnrückgang bei Toyota die Märkte nach unten. Andere Exportwerte wurden durch einen stärkeren Yen in Mitleidenschaft gezogen.

In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 2,1 Prozent tiefer bei 13.655 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 2,3 Prozent auf 1341 Zähler. Auch die Indizes in Hongkong, Taiwan, Singapur, Seoul und Shanghai verbuchten Verluste.

Toyota hatte am Donnerstag für das Gesamtjahr erstmals seit sieben Jahren einen Gewinnrückgang prophezeit. „Der Ausblick von Toyota ist eine schlechte Nachricht für die gesamte Autoindustrie. Die Anleger sind vorsichtig geworden, was die Unternehmenszahlen anderer Autokonzerne angeht“, sagte Katsuhiko Kodama von Toyo Securities. Die Zahlen hätten für Gewinnmitnahmen gesorgt, sagte ein anderer Analyst. Nachdem der Nikkei die 14.000-Punkte-Marke durchbrochen habe, sei eine Korrektur zudem normal gewesen. Toyota-Aktien verloren in Tokio um 3,3 Prozent an Wert.

Die Papiere von Honda Motors fielen um 3,9 Prozent, die Anteilsscheine von Nissan Motors um 1,6 Prozent. Auch andere Exportwerte verbilligten sich. So gaben etwa die Papiere des Digitalkameraherstellers Canon 2,6 Prozent ab, der Kurs von TDK sank um 4,1 Prozent.

Aktienkurse in Hongkong am Mittag schwach

Der Aktienmarkt in Hongkong notiert am Freitagmittag schwach. Händler verweisen auf die Schwäche am chinesischen Aktienmarkt, der von Inflationsängsten belastet werde im Vorfeld der am Montag anstehenden Verbraucherpreise für den April. Der Hang Seng-Index verliert bis zum Ende der ersten Sitzungshälfte 1,6 Prozent auf 25.038 Stellen, nachdem der zuvor zeitweise leicht unter 25.000 Punkte gerutscht ist. Ein deutlicher Fall unter die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten würde Abwärtspotenzial bis auf 24.500 Zähler freisetzen, sagt ein Händler. Sinopec verlieren 4,6 Prozent auf 7,51 Hongkong-Dollar. HSBC fallen mit einer von Morgan Stanley auf „Underweight“ gesenkten Einstufung um 1,1 Prozent auf 133,40 Hongkong-Dollar.

Nachbörsliche Meldungen und Kurse aus Amerika

Die Aktienkurse an den amerikanischen Börsen tendierten am Donnerstag nachbörslich leichter. Der Nasdaq-100 After Hours Indicator verlor 0,2 Prozent auf 1962,97 Punkte.

American International Group (AIG) sind am Donnerstag im nachbörslichen Handel regelrecht eingebrochen, nachdem der Versicherungskonzern Pläne zu einer Kapitalerhöhung von 12,5 Milliarden Dollar bekannt gegeben hatte. Zudem hat der Konzern im abgelaufenen Quartal einen Nettoverlust von 7,81 Milliarden Dollar eingefahren. Das Ergebnis sei mit 9,11 Milliarden Dollar wegen des Wertverlusts des CDS-Portfolios belastet worden. Die Titel rutschten um mehr als 7,4 Prozent auf 40,86 Dollar ab.

Die Aktien des Grafikkarten-Herstellers Nvidia verloren knapp 3 Prozent auf 21.30 Dollar. Zwar steigerte Nvidia den Nettogewinn im ersten Quartal um 34 Prozent, doch verfehlte das Unternehmen damit die Konsensschätzung.

Wall Street schließt etwas fester

Nach den kräftigen Kursverlusten vom Vortag haben Schnäppchenjäger am Donnerstag für eine etwas festere Tendenz an Wall Street gesorgt. Der DJIA gewann 0,4 Prozent oder 52 Punkte auf 12.867. Der S&P-500 stieg um 0,4 Prozent oder 5 Punkte auf 1.398. Der Nasdaq Composite legte um 0,5 Prozent oder 13 Punkte auf 2.451 nach.

Vor Handelsbeginn hatten die wöchentlichen Erstanträge auf Leistungen aus der amerikanischen Arbeitslosenversicherung die Stimmung unter den Börsianern verbessert. Mit einem Rückgang um 18.000 hat sich die Lage am Arbeitsmarkt deutlich besser entwickelt als von Volkswirten erwartet, die im Mittel ihrer Prognosen mit einer Stagnation gegenüber der Vorwoche gerechnet hatten.

Ohne nennenswerte Auswirkung auf die Kurse blieben die nach der Eröffnungsglocke veröffentlichten Zahlen zu den Lagerbeständen und Umsätzen des amerikanischen Großhandels im März. Zwar verfehlten die Daten mit einem Minus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat die Durchschnittsprognose von Ökonomen eines Anstiegs um 0,6 Prozent verglichen mit Februar deutlich, allerdings hatten Marktteilnehmer den Indikator bereits vor Beginn der Sitzung in die zweite Reihe der Konjunkturdaten verwiesen.

Zu den schwächelnden Branchen gehörten Finanztitel, während Energie- und Rohstoffwerte zulegten. Der Ölpreis hat bei 124,61 Dollar ein neues Allzeithoch markiert. Für Chevron ging es um 2,3 Prozent auf 97,44 Dollar nach oben, Exxon Mobil legten um 1,3 Prozent auf 89,93 Dollar zu. Auch Rohstoffwerte waren gesucht. Sieger im Dow waren Alcoa mit einem Aufschlag von 4,1 Prozent auf 39,65 Dollar.

Wal-Mart gewannen um 0,6 Prozent auf 57,16 Dollar zu. Der amerikanischen Einzelhandelskonzern hatte bereits vorbörslich die Zahlen zur flächenbereinigten Umsatzentwicklung im April vorgelegt und mit einem Plus von 3,2 Prozent die eigene Prognose eines monatlichen Anstiegs in der Größenordnung von 1 Prozent bis 3 Prozent übertroffen.

American International Group reduzierten sich um 2,1 Prozent auf 44,15 Dollar. Der Versicherer hat nachbörslich sein Zahlenwerk für das Auftaktvierteljahr 2008 vorgelegt. Die Durchschnittsprognose der Analysten lautete hier auf einen Verlust von 0,61 Dollar je Aktie, auf Nicht-GAAP-Basis hat AIG einen Verlust von 1,41 Dollar ausgewiesen.

Einen regelrechten Einbruch erfuhren die Aktien von Warner Music. Für das zweite Quartal seines Geschäftsjahrs wies der unter einem Rückgang des CD-Absatzes leidende Musikkonzern einen Verlust von 0,25 Dollar je Aktie aus. Analysten hatten im Mittel ihrer Prognosen lediglich mit einem Fehlbetrag von 0,12 Dollar je Schein gerechnet. Darüber hinaus setzte das Unternehmen die Zahlung der vierteljährlichen Dividende aus. Investoren quittierten diesen Geschäftsverlauf mit einem Abschlag von 1,8 Prozent auf 8,89 Dollar; zwischenzeitlich hatte die Aktie aber deutlich über 10 Prozent abgegeben.

Amerikanische Anleihen freundlich

Freundlich haben die amerikanischen Anleihen am Donnerstag im späten New Yorker Handel tendiert. Die neuen zehnjährigen Anleihen mit einem Kupon von 3,875 Prozent gewannen 24/32 auf 100-25/32 und rentierten mit 3,78 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond steigerte sich um 30/32 auf 97-7/32. Seine Rendite fiel damit auf 4,55 Prozent.

Die Notierungen zeigten sich kaum beeinflusst von dem eher moderat verlaufenden Verkauf der neuen Schatzanweisungen. Bereits zu Beginn des Handels tendierten die Anleihen mit Aufschlägen, da die Investoren mit schwächelnden Aktienmärkten rechneten. Mit den steigenden Aktienkursen verminderten die Treasurys aber ihre Aufschläge.

Im Fokus stand die Auktion neuer 30-Jähriger Anleihen im Umfang von 6 Milliarden Dollar. Marktteilenhmer äußerten sich uneinehitlich zum Ergebnis. Lou Brein von DRW Holdings betzeichnete es als „relativ gut“, Ian Lyngen von RBS Greenwich verwies aber darauf, dass die indirekten Bieter deutlich zurückhaltender als üblich agierten.

Die Konjunkturdaten des Tages lieferten kein einheitliches Signal. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen niedriger aus als erwartet, die Lagerbestände gingen leicht zurück, während Experten einen Zuwachs erwartet hatten.

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.

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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing

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NamePunkteProzent
Dax 7.003,17 -0,97
TecDax 835,29 -1,32
DowJones 12.745,88 -0,94
Nasdaq 2.445,52 -0,23
STOXX 50 3.801,59 -1,41
Nikkei 225 13.655,34 -2,06
S&P 500 Zert. 13,80 -1,08
Euro/Dollar 1,55 -0,08
Bund Future 115,07 +0,37
Gold 888,45 +0,38
Öl 122,46 +1,63
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