12. Juni 2008
Unternehmen
Bahn droht bei Börsengang Widerstand aus Brüssel
Die Deutsche Bahn (DB) muss einem Pressebericht zufolge bei ihrem geplanten Börsengang mit erheblichem Widerstand aus Brüssel rechnen. Laut Monopolkommission dürften keine Emissionserlöse an die Bahntochter DB Mobility Logistics (DB ML) fließen, schreibt die Financial Times Deutschland (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf Kommissionschef Jürgen Basedow. Das wäre eine Beihilfe und die ist europarechtlich untersagt. Die Bundesregierung muss hier aufpassen, zitiert das Blatt Basedow. Sollten die von institutionellen Investoren bereitgestellten Milliardensummen der DB ML vollständig vorenthalten werden, verlöre der Börsengang deutlich an Attraktivität, heißt es weiter. (dpa-AFX)
Kerimow dementiert strategisches Interesse an europäischen Finanzaktien
Das Investmentvehikel des russischen Milliardärs Suleiman Kerimow hat einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ - Donnerstagausgabe) zufolge dementiert, große Teile seiner Anteile an Gazprom und der Sberbank Rossia verkauft zu haben. Gleichzeitig bezeichnete eine der Investmentgruppe nahestehende Person das Interesse an europäischen Finanzaktien als reines Portfolio-Investment.
Am Mittwoch waren zahlreiche europäische Bankaktien wegen Spekulationen über einen Einstieg Kerimows gestiegen. Die russische Zeitung Kommersant hatte zuvor berichtet, Kerimow habe bereits Anteile an der Deutschen Bank, der UBS AG und anderen westlichen Finanzinstitutionen erworben und wolle die Beteiligung an der Deutschen Bank auf 9 Prozent ausbauen. Zu diesem Zweck seien substanzielle Teile der Positionen an Gazprom und Sberbank bereits veräußert worden.
Ein Vertreter der Investmentgruppe Kerimows sagte dem Bericht des WSJ zufolge, man habe keine Pläne, Aktien an der UBS zu besitzen und auch keine Pläne, 9 Prozent an der Deutschen Bank zu besitzen, wie der Kommersant behauptet hatte. Er sagte dem Bericht des WSJ zufolge auch, Kerimow plane signifikante neue Investments in Russland, wollte aber keine näheren Angaben machen.
Die der Investmentgruppe nahestehende Person sagte, die Gruppe halte signifikante Positionen in amerikanischen und europäischen Aktien als Teil ihres Portfolio-Investments. Der Großteil liege bei Ölaktien und Papieren aus dem Metall- und Bergbausektor, so die
Person weiter. Finanzinstitutionen stellten einen kleineren Teil der Investitionen dar und würden vorrangig zur Diversifikation genutzt, sagte die Person weiter. Sie merkte an, die Gruppe sehe Credit Suisse Group, Morgan Stanley, Deutsche Bank AG und Fortis als überverkauft und attraktiv an. (Dow Jones)
Commerzbank und Dresdner Bank treiben Vorbereitungen für Fusion voran
Die Commerzbank und die Allianz-Tochter Dresdner Bank treiben einem Pressebericht zufolge die konkreten Vorbereitungen für einen Zusammenschluss voran. In diesen Tagen hätten Vertreter von Dresdner Bank und Allianz begonnen, die Commerzbank-Bilanzen unter die Lupe zu nehmen, schreibt das Handelsblatt (Donnerstagausgabe) unter Berufung auf Finanzkreise. Im Gegenzug erhalte die Commerzbank Zugang zu sensiblen Daten der Dresdner Bank. Von einer Vorentscheidung für eine Fusion zu sprechen sei es aber noch zu früh. Auch eine Kombination beider Häuser mit der Postbank werde für möglich gehalten. Allianz, Dresdner Bank und Commerzbank hätten eine Stellungnahme abgelehnt, heißt es weiter. (dpa-AFX)
Solarunternehmen Sinosol will noch im Juni an die Börse
Der deutsch-chinesische Solartechnikanbieter Sinosol will noch in diesem Monat an die Börse gehen. Ab dem 25. Juni sollen die Titel im streng regulierten Prime Standard gehandelt werden, kündigte das Unternehmen am Donnerstag an. Vom 12. bis 24. Juni können Anleger die Aktien für den Börsengang zeichnen, die in einer Preisspanne von elf bis 15 Euro angeboten werden. Die insgesamt bis zu 5,3 Millionen Titel stammen größtenteils aus einer Kapitalerhöhung. Aus dem Bestand der Altaktionäre - zu denen unter anderem die Beteiligungsgesellschaften Mountain Super Angel sowie die KST Beteiligungs AG gehören - kommen rund 500.000 Aktien sowie 688.000 Papiere für die Mehrzuteilungsoption.
Sollte Sinosol der Sprung auf Parkett wie geplant gelingen, wäre es das erste Unternehmen, das 2008 neu auf den Listen des Prime Standards auftaucht. Erst vor wenigen Tagen hatte GK Software sein Debüt am Kapitalmarkt auf unbestimmte Zeit verschoben, und auch der IT-Großhändler Devil machte kurz vor dem Handelsstart einen Rückzieher. (Reuters)
Inbev will Anheuser-Busch für knapp 46 Milliarden Dollar kaufen
Der belgisch Brauereikonzern InBev will den amerikanischen Konkurrenten Anheuser-Busch für knapp 46 Milliarden Dollar kaufen. Anheuser-Busch bestätigte am Mittwoch in St. Louis, von InBev unaufgefordert eine Offerte über 65 Dollar je Aktie erhalten zu haben. Der Verwaltungsrat des amerikanischen Unternehmens will sich den Angaben zufolge zu gegebener Zeit zu der Offerte äußern. Das Angebot werde sorgfältig und auf alle Faktoren hin geprüft. Die Anheuser-Bush-Aktie zog in den vergangenen Wochen bereits kräftig an, nachdem in einigen Berichten bereits über ein InBev-Gebot spekuliert wurde. Am Mittwoch schloss die Aktie mit einem Plus von 2,10 Prozent bei 58,35 Dollar.
Anheuser-Busch ist nach eigenen Angaben der größte amerikanische Bierbrauer und stellt unter anderem Budweiser her und setzte zuletzt rund 17 Milliarden Dollar um. Inbev ist weltweit die Nummer eins unter den Brauereikonzernen und produziert unter anderem Marken wie Beck's und Stella Artois und kam auf einen Erlös von rund 14 Milliarden Euro. (dpa-AFX)
Citigroup schließt von Vorstandschef mitbegründeten Hedgefonds
Die amerikanische Großbank Citigroup Inc schließt einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ-Donnerstagausgabe) zufolge einen Hedgefonds, der vom derzeitigen Vorstandschef Vikram Pandit mitbegründet wurde. Elf Monate nachdem die Managementgesellschaft
des Fonds für 800 Millionen Euro von der Citigroup gekauft worden war, reagiere die New Yorker Bank damit auf mittelmäßige Gewinne und Abwanderung von Top-Managern bei der Fondsgesellschaft Old Lane Partners, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Kreise..
Die Citigroup plane jetzt, Portfolio-Positionen von Old Lane Partners zu liquidieren. Übrige Vermögensteile werde Citigroup übernehmen oder würden als kleine, spezialisierte Fonds innerhalb des Bereichs Alternative Investments weitergeführt, werden mit der Situation vertraute Personen im WSJ zitiert. Die meisten der 130 Beschäftigten von Old Lane Partners werden von Citigroup übernommen. (Dow Jones)
Novartis lehnt TRC-Offerte für 2 Millionen Aktienzertifikate ab
Die kanadische Investmentgesellschaft TRC Capital Corporation hat ein bedingtes Übernahmeangebot für bis zu 2 Millionen American Depositary Shares (ADSs) oder 0,08 Prozent des ausstehenden Kapitals der Novartis AG lanciert. TRC offeriert 51,50 Dollar pro ADS, teilte Novartis am Donnerstag mit. Das sind 4,4 Prozent weniger als der Schlusskurs der Titel vom 2. Juni 2008, dem Vorabend der Offerte.
Novartis empfiehlt seinen Aktionären nicht nur aus diesem Grund, die Offerte abzulehnen. Solche Mini-tender offers erfüllten auch nicht die von der geforderten US Securities and Exchange Commission (SEC) Ansprüchen, wie sie bei normalen Offerten gegeben seien. (dpa-AFX)
Amerikanische Börsenaufsicht will strengere Regeln für Ratingagenturen
Die amerikanische Börsenaufsicht SEC will in Folge der Hypothekenkrise strengere Regeln für Ratingagenturen durchsetzen. Besonders die Bewertungen der Institute im Zusammenhang mit strukturierten Finanzprodukten sollten künftig stärker unter die Lupe genommen werden, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Demnach sollen die Agenturen künftig die Unterlagen über alle Bewertungsvorgänge offenlegen. Zudem will die SEC hart gegen Interessenskonflikte innerhalb der Agenturen vorgehen.
Ratingagenturen wie Moody's, Standard & Poor's und Fitch wird vorgeworfen, die amerikanischen Hypothekenkreise mit zu hohen Bewertungen für riskante Wertpapiere angeheizt zu haben. (Reuters)
Evonik-Chef: Verkauf von Anteilen auch außerhalb der Börse denkbar
Der Chef des Industriekonzerns Evonik, Werner Müller, hält nach dem Verkauf eines ersten Anteilspakets an den britischen Finanzinvestor CVC auch die Veräußerung weiterer Anteile außerhalb der Börse für denkbar. Vorzugsweise soll die kommende Tranche über die Börse veräußert werden. Es kennt aber keiner die Situation dann an den Kapitalmärkten, sagte Müller der Süddeutschen Zeitung (Donnerstag). Es sei also durchaus möglich, dass Investoren uns wieder Preise bieten, die wir an der Börse nicht erlösen können.
Das Kuratorium der RAG-Stiftung hatte Anfang Juni den Verkauf von 25,01 Prozent an Evonik an CVC für rund 2,4 Milliarden Euro genehmigt. Von dieser Summe sollen zwei Milliarden Euro für die Bewältigung der Ewigkeitslasten im Steinkohlebergbau zurückgestellt werden. Zwischen 2010 und 2013 soll Evonik dann voraussichtlich an die Börse gebracht werden. Im Rennen um den jetzt veräußerten Anteil an Evonik seien vier Interessenten gewesen, sagte Müller der Zeitung. CVC habe den höchsten Kaufpreis geboten. (dpa-AFX)
Wirtschaft
Amerikanische Notenbank: Wirtschaft schwach - Konsum gesunken
Die amerikanische Wirtschaft hat sich Ende April und im Mai generell schwach entwickelt. In drei Distrikten der amerikanischen Notenbank (Fed) habe sich die wirtschaftliche Aktivität abgeschwächt und in vier Distrikten sei das Wirtschaftswachstum gesunken, heißt es in dem von der amerikanischen Notenbank am Mittwoch in Washington veröffentlichten Konjunkturbericht (Beige Book). In den übrigen fünf Distrikten habe sich die wirtschaftliche Aktivität kaum verändert. An den Finanzmärkten spielte der Bericht keine Rolle.
Die Konsumausgaben seien angesichts steigender Energie- und Lebensmittelpreise belastet worden, schreibt die Fed. Im Vergleich zum letzten Bericht seien die Ausgaben für Konsumgüter gesunken. Auch die Automobilverkäufe hätten sich schwach entwickelt. Höhere Energiepreise würden zudem den Tourismus belasten. Die Entwicklung in der Industrie sei generell schwach verlaufen. Positiv habe sich jedoch die Exportindustrie entwickelt. Die Aktivität an den Immobilienmärkte sei jedoch in allen Distrikten schwach verlaufen. (dpa-AFX)
Amerikas Haushaltsdefizit steigt im Mai auf 165,93 Milliarden Dollar
Der amerikanische Haushalt hat im Mai ein Defizit von 165,93 (Vorjahr: 67,70) Milliarden Dollar verzeichnet. Damit wurde ein Rekord für den Monat Mai markiert. Das berichtete das Finanzministerium am Mittwoch (Ortszeit). Der starke Defizitanstieg geht nicht zuletzt auf die Steuernachlässe zurück, die die amerikanischen Regierung auf den Weg gebracht hat, um eine Rezession abzuwenden. Durch die Steuergutschriften wurde das Budget mit 48 Milliarden Dollar belastet.
Das Congressional Budget Office (CBO) hatte einen Fehlbetrag von 165 Milliarden Dollar erwartet. In den ersten acht Monaten des am 1. Oktober 2007 begonnenen Fiskaljahres addierte sich das Budgetdefizit auf 319,40 Milliarden Dollar, nach 148,45 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. (Dow Jones)
Preisdruck in China lässt im Mai etwas nach
Die Lebenshaltungskosten für die chinesischen Verbraucher sind im Mai nicht so stark gestiegen wie erwartet. Angetrieben vor allem von einer Verteuerung der Nahrungsmittel kletterten die Verbraucherpreise um 7,7 Prozent zum Vorjahr, wie die nationale Statistikbehörde am Donnerstag berichtete. Volkswirte hatten eine Teuerungsrate von 8,0 Prozent erwartet. Im April hatte der Preisauftrieb 8,5 Prozent betragen, die zweithöchste Rate in diesem Jahr, nachdem die Preise im Februar mit der Rekordrate von 8,7 Prozent gestiegen waren.
Die Lebensmittelpreise, die einen großen Teil des Index ausmachen, erhöhten sich im Berichtsmonat um 19,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im April waren die Preise für Nahrungsmittel um 22,1 Prozent gestiegen. Außerhalb des Lebensmittelsektors kletterten die Preise um 1,7 Prozent, während im Vormonat eine Rate von 1,8 Prozent registriert worden war. (Dow Jones)
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| HYPO REAL ESTATE HOL | +1,53 | +37,05 |
| COMMERZBANK AG INHAB | +1,61 | +16,54 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,41 | +14,75 |
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | -5,52 | -1,61 |
| BAYER AG INHABER - A | +0,65 | +1,58 |
| DEUTSCHE POST AG NAM | +0,26 | +2,26 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.861,26 | +6,97 |
| TecDax | 572,00 | +10,69 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.571,06 | +6,16 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 9,30 | +5,32 |
| Euro/Dollar | 1,36 | -0,05 |
| Bund Future | 114,63 | -0,03 |
| Gold | 855,00 | +0,90 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |