16. Juni 2008
Unternehmen
Barclays bestätigt: Erwägen Kapitalerhöhung
Die von der Finanzkrise getroffene britische Barclays Bank will sich möglicherweise frisches Geld besorgen. Das Institut ziehe eine Kapitalspritze in Erwägung, teilte Barclays am Montag mit und bestätigte damit Teile eines Presseberichts. Details über die Höhe wurden nicht genannt. Weitere Informationen würden bekanntgegeben, wenn man sich zu dem Schritt entschieden hätte. Die Bank verwies allerdings noch darauf, dass der Vorsteuergewinn im Mai den Vorjahreswert übertroffen habe.
Die Sunday Times hatte berichtet, dass Barclays sich im Ausland vier Milliarden Pfund besorgen wolle. Das Institut verhandele mit mehreren Staatsfonds über eine Kapitalspritze, hieß es. Auch aktuelle Aktionäre würden die Chance bekommen, sich an der Kapitalerhöhung zu beteiligen, hieß es. (dpa)
Klagen gegen EADS in Vereinigten Staaten wegen Insiderverkäufen
Dem Luftfahrtkonzern EADS droht im Zusammenhang mit angeblichen Insidergeschäften am Aktienmarkt jetzt auch Ungemach aus den Vereinigten Staaten. Nach einem Bericht des Wall Street Journal (WSJ-Montagausgabe) haben zwei Anwaltskanzleien am Freitag Klage gegen die European Aeronautic Defence and Space Co NV (EADS) an einem New Yorker Bundesgericht eingereicht.
Die Klagen erheben den Vorwurf des Insiderhandels und der Irreführung von Investoren gegen Manager und Aktionäre von EADS. Beide juristischen Vorgänge begehren eine Zulassung als Sammelklage. Ein EADS-Sprecher sagte dem WSJ, das Unternehmen sei von seinen Anwälten noch nicht über die amerikanischen Klagen in Kenntnis gesetzt worden. Die Position von EADS sei aber auch in einem solchen Fall dieselbe wie bei den französischen Ermittlungen. EADS-Manager und Hauptanteilseigner haben die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.
Seit fast zwei Jahren versuchen französische Justizbehörden und die Börsenaufsicht, die exakte Chronologie der Vorgänge um die Verzögerungen beim Bau des Riesenjumbos A380 zu ermitteln. In Frage steht, wer wann von den Verspätungen erfahren hat und ob vor der öffentlichen Bekanntmachung die Zeit für unrechtmäßige Anteilsverkäufe genutzt wurde. Im Juni 2006 wurden erstmals Probleme beim Bau des A380 mitgeteilt, die Aktien von EADS fielen daraufhin um 26 Prozent an einem Tag.
Die Aktien von EADS werden nicht in den Vereinigten Staaten gehandelt. Die klagenden Anwälte berufen sich bei der Zulässigkeit der Klage deshalb auf das nicht geringe amerikanischen Geschäft des Konzerns und die zahlreichen amerikanischen Investoren. In den Vereinigten Staaten sind Sammelklagen auf Schadensersatz leichter zulässig.
Eine Klage richtet sich gegen die Großaktionäre Lagardere Group und Daimler AG, die wenige Wochen vor dem ersten Bekanntwerden der Verspätungen große Anteile an EADS verkauft hatten. Die andere Klage erhebt den Vorwurf der Irreführung von Investoren gegen EADS und Manager des Unternehmens, die von den Verzögerungen bereits gewusst hätten und in diesem Wissen Aktien verkauft hätten. (Dow Jones)
Lloyds TSB wirft Auge auf Postbank
Die britische Bank Lloyds TSB hat nach einem Pressebericht ein Auge auf die Postbank geworfen. Das Institut befinde sich aber noch ganz am Anfang eines möglichen Übernahmeangebots, schreibt der Sunday Telegraph unter Berufung auf Personen, die dem Lloyds-Führungsgremium nahe stehen. Die fünftgrößte britische Bank prüfe derzeit eine ganze Reihe von Kaufgelegenheiten, hieß es. Die amerikanische Bank Lehman Brothers stünde beratend zur Seite. Lloyds TSB lehnte eine Stellungnahme ab.
In den vergangenen Wochen war wiederholt über ein Dreierbündnis aus Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank spekuliert worden. Die Deutsche Post hat einen Verkauf ihrer Bank-Tochter bereits offiziell ins Visier genommen. Die mit 14,5 Millionen Kunden größte deutsche Filialbank ist an der Börse zurzeit gut 10 Milliarden Euro wert. Auch über eine mögliche Trennung des Versicherungskonzerns Allianz von seinem Sorgenkind Dresdner Bank wird spekuliert. (dpa-AFX)
DBAG schreibt Gewinn im Quartal
Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) hat im zweiten Quartal ihres Geschäftsjahres 2007/08 (per Ende April) wieder einen Gewinn geschrieben. Allerdings ging der Überschuss im Vergleich zum Vorjahresquartal unter
anderem wegen der Folgen der Finanzkrise um fast zwei Drittel auf 24,5 Millionen Euro zurück, wie die DBAG am Montag mitteilte. Im ersten Geschäftsquartal - von November bis Januar - stand noch ein Verlust von 21,7 Millionen Euro in den Büchern. Als Grund für den Anstieg im zweiten Quartal nannte die DBAG höhere Erträge und eine niedrigere Verschuldung der Beteiligungsunternehmen.
DBAG-Vorstandschef Wilken von Hodenberg zeigte sich zuversichtlich für den weiteren Geschäftsverlauf. Er gehe weiterhin davon aus, für das gesamte Geschäftsjahr ein positives Ergebnis erwirtschaften zu können. (Reuters)
ProSiebenSat.1 verkauft skandinavisches Pay-TV-Geschäft
Die ProSiebenSat.1 Media AG verkauft wie erwartet ihr skandinavisches Pay-TV-Geschäft. Wie das Medienunternehmen aus Unterföhring am Montag mitteilte, wird die C More Group AB an das schwedische Unternehmen TV4 verkauft. Am Montag sei ein entsprechender Vertrag unterzeichnet worden.
Der der Transaktion zugrunde liegende Unternehmenswert beläuft sich nach Angaben von ProSieben auf rund 3 Milliarden SEK. Das entspricht rund 320 Millionen EUR. Die TV4 AB ist Teil der schwedischen Mediengruppe Bonnier.
In der C More Group AB ist das Pay-TV-Geschäft von ProSiebenSat.1 in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden gebündelt. Nach früheren Presseangaben hat C More rund 1 Million Abonnenten. Im Februar waren die Verkaufspläne bekannt geworden. ProSieben hatte den Bezahlfernsehsender beim Kauf der Sendergruppe SBS im vergangenen Jahr mit übernommen. (Dow Jones)
Chefwechsel bei amerikanischen Versicherer AIG
Beim amerikanischen Versicherungsriesen AIG gibt es nach Milliardenverlusten einen Chefwechsel. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Martin Sullivan trat am Sonntag zurück. Nachfolger wurde der frühere Citigroup-Manager Robert Willumstad, wie AIG am Sonntagabend (Ortszeit) mitteilte. Er führte zuletzt den AIG- Verwaltungsrat.
Der Versicherungskonzern hatte zuletzt seine Aktionäre mit schwachen Ergebnissen verärgert: Allein in den vergangenen beiden Quartalen fielen Verluste von zusammen 13 Milliarden Dollar an. Grund waren vor allem Abschreibungen im Zusammenhang mit der amerikanischen Immobilienkrise. Im Mai musste sich AIG 20 Milliarden Dollar an frischem Kapital besorgen. Die Aktie fiel seit vergangenem Dezember um rund 40 Prozent. Außerdem geriet das Unternehmen erneut ins Visier von Untersuchungen der amerikanischen Behörden.
Sullivan hatte den Chefposten bei AIG 2005 nach dem Rückzug des Firmenpatriarchs Maurice R. Greenberg übernommen. Damals stand der Versicherer ebenfalls im Visier der Börsenaufsicht SEC. Sie hatte Bilanzierungstricks vermutet. Sullivan legte die Ermittlungen mit einem 1,6 Milliarden Dollar schweren Vergleich bei. AIG musste die Ergebnisse für fünf Jahre korrigieren. Doch vor wenigen Wochen wurden neue Untersuchungen der Behörden bekannt.
Der neue Konzernchef Willumstad soll auch den Vorsitz im Verwaltungsrat behalten, teilte AIG mit. Der 62-jährige war bei der Citigroup bis zu seinem Rückzug vor drei Jahren für das operative Tagesgeschäft verantwortlich. Er gründete danach den Finanzinvestor Brysam Global Partners mit. (dpa)
Nordzucker will Gebot für Danisco-Zuckersparte abgeben
Die Nordzucker AG will die Zuckersparte des dänischen Konzerns Danisco A/S übernehmen. Das bestätigte der Vorstandsvorsitzende Hans-Gerd Birlenberg der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Samstagausgabe) und nannte einen
Kaufpreis in der Spanne von 700 Millionen bis 1 Milliarden Euro realistisch.
Informationen, wonach Nordzucker und die französische Tereos SA an diesem Montag ihre Gebote einreichen werden, wollte Birlenberg der Zeitung aber nicht bestätigen. Nach Presseinformationen sollen die beiden Unternehmen als einzige Zugang zu den
Büchern erhalten haben.
Danisco hatte im März begonnen, parallel eine Abspaltung von Danisco Sugar mit anschließender Börsennotierung sowie einen Verkauf vorzubereiten. Der Konzern mit Sitz in Kopenhagen, der neben Zucker auch Lebensmittelzusatzstoffe herstellt, will in einer
Woche bei Vorlage der Jahresbilanz 2007/08 zum Fortgang in der Zuckersparte informieren.
Den Wert ihres Zuckergeschäfts hat Danisco zum Geschäftsjahresende per Ende April auf 6,2 Milliarden bis 6,7 Milliarden dänische Kronen abgeschrieben (umgerechnet: 830 Millionen bis 900 Millionen Euro).
Nordzucker mit Sitz in Braunschweig ist hinter Südzucker der zweitgrößte europäische Zuckerproduzent. Das Unternehmen kam im Vorjahr auf 1,3 Milliarden Euro Umsatz; die Zuckersparte von Danisco peilte für 2007/08 insgesamt 6,75 Milliarden dänische Kronen (umgerechnet: 905 Millionen Euro) Einnahmen an. (Dow Jones)
Wirtschaft
DIHK-Umfrage: Deutsche Exportwirtschaft verliert an Schwung
Der bisher starken deutschen Exportwirtschaft wird einer Umfrage zufolge in den kommenden zwölf Monaten langsam die Luft ausgehen. Das zeigt eine Konjunkturumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), wie das Handelsblatt (Montagsausgabe) berichtet. Für Alarm-Meldungen sei es zwar zu früh, denn das Niveau der erwarteten Exporte sei weiter sehr hoch. Zudem seien deutsche Industrieunternehmen in Schwellenländern hervorragend positioniert und hätten bei hochwertigen Investitionsgütern die Nase vorn. Doch wachse die Sorge über die Entwicklung wichtiger Auslandsmärkte. Das gelte auch für die Euro-Zone, da praktisch alle europäischen Handelspartner derzeit sinkende Wachstumsraten meldeten.
Während laut DIHK-Umfrage zu Jahresbeginn noch 44 Prozent der deutschen Industrieunternehmen höhere Exporte erwarteten, sind es aktuell nur noch 36 Prozent. Parallel dazu stieg der Anteil der Unternehmen, die mit einem geringeren Exportgeschäft rechnen, leicht von acht auf zehn Prozent. Die Ergebnisse der Umfrage unter 21.500 Unternehmen soll an diesem Montag im Detail präsentiert werden. (dpa-AFX)
Chinas Industrieproduktion wächst auch im Mai kräftig
Die chinesische Industrieproduktion hat im Mai ihr robustes Wachstum wie erwartet beibehalten und sogar ein wenig gesteigert. Wie die nationale Statistikbehörde am Montag mitteilte, stieg die Fertigung im Jahresvergleich um 16 Prozent, nachdem im April ein Plus von 15,7 Prozent registriert worden war. Die Prognosen von Ökonomen wurden damit erfüllt. Zwischen Januar und Mai hat sich die Industrieproduktion um 16,3 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode erhöht. (Dow Jones)
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +45,13 | +15,20 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | -0,15 | -0,39 |
| MAN AG STAMMAKTIEN O | -0,40 | -1,01 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -5,99 | -16,08 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,87 | -14,61 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,44 | -13,68 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.544,31 | -7,01 |
| TecDax | 516,75 | -4,81 |
| DowJones | 8.451,19 | -1,49 |
| Nasdaq | 1.649,51 | +0,27 |
| STOXX 50 | 2.421,87 | -7,86 |
| Nikkei 225 | 8.276,43 | -9,62 |
| S&P 500 Zert. | 8,83 | -10,45 |
| Euro/Dollar | 1,34 | +0,00 |
| Bund Future | 114,67 | -1,44 |
| Gold | 847,40 | +0,00 |
| Öl | 76,65 | -7,49 |
@Andreas Frick - Fair Value und die Folgen
16:31Vertrauenskriese ist noch sehr euphemistisch ausgedrückt
16:13