Medienschau

Inflationssorgen und Bankenunbill

14. April 2008 

Unternehmen

Philips verfehlt die Erwartungen

Der niederländische Elektronikkonzern Philips hat im ersten Quartal die Erwartungen verfehlt. Dennoch erhöhte der Konzern seine Ergebnisprognose für das Jahr 2010. Das Unternehmen setzte 5,965 Milliarden Euro um nach 5,930 Milliarden Euro auf vergleichbarer Basis im Vorjahreszeitraum, wie Philips am Montag in Amsterdam mitteilte. Die fünf von Thomson First Call befragten Analysten waren von 6,120 Milliarden Euro ausgegangen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank von 312 auf 175 Millionen Euro (Prognose 312 Millionen Euro). Unterm Strich erwirtschaftete der Konzern 219 Millionen Euro nach 875 Millionen Euro (Prognose 294 Millionen Euro). In beiden Quartalen blähten allerdings Beteiligungsverkäufe den Überschuss auf. (dpa-AFX)

Gerresheimer mit deutlicher Umsatz- und Ergebnissteigerung

Der Verpackungshersteller Gerresheimer ist mit kräftigen Zuwächsen in sein Geschäftsjahr 2007/08 gestartet. Im Zeitraum von Dezember bis Februar sei der Umsatz um 18,2 Prozent auf 239,1 Millionen Euro gestiegen, teilte der Düsseldorfer Konzern am Montag mit. Der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) verbesserte sich um 20,4 Prozent auf 43,0 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente der Zulieferer für die Pharma- und Kosmetikindustrie 2,5 Millionen Euro nach einem Minus von vier Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Für das Gesamtjahr bekräftigte der Vorstand seine Planungen: Der Umsatz soll um 13 bis 15 Prozent auf rund eine Milliarde Euro steigen, die bereinigte operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) auf über 19 Prozent. (Reuters)

Danone im ersten Quartal mit Umsatzsprung

Der französische Nahrungsmittelkonzern Groupe Danone hat im ersten Quartal dank starken Wachstums bei Babynahrung und der allgemeinen Preissteigerungen einen deutlichen Umsatzanstieg verbucht und bekräftigt die Jahresziele. Auf vergleichbarer Basis sei der Umsatz um 11,4 Prozent gestiegen, teilte Danone am Montag in Paris mit. Insgesamt wuchs das Geschäft um 18,7 Prozent auf 3,76 Milliarden Euro. Danone bestätigte das Jahresziel, wonach der Umsatz auf vergleichbarer Basis um acht bis zehn Prozent wachsen soll. Dabei will Danone die Ebit-Marge um mindestens 30 Basispunkte verbessern, den Gewinn je Aktie um mindestens 15 Prozent. (dpa-AFX)

Balda hält am Verkauf der europäischen Töchter fest

Der angeschlagene Handyausrüster Balda hält an den Verkaufsplänen für seine drei defizitären Tochterfirmen in Europa fest. „Wir müssen noch auf den Schiedsspruch für den Sozialplan warten, den wir dann umsetzen“, sagte Firmenchef Joachim Gut in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Montagsausgabe). „Parallel suchen wir das Gespräch mit Interessenten.“ Allerdings stünden diese nicht Schlange. „Aber ich glaube, wir bekommen für einen Teil der Mitarbeiter eine Perspektive hin.“ Balda hatte die bereits veräußerte verlustreiche Produktion von Handyschalen mit rund 400 Mitarbeitern zurückgekauft, um millionenschwere Nachschusspflichten gegenüber dessen Käufer, der Beteiligungsfirma Aurelius, zu vermeiden. (Reuters)

Allianz beschleunigt Dresdner-Bank-Aufspaltung

Die Allianz SE beschleunigt offenbar den Prozess zur Trennung der Investmentsparte Dresdner Kleinwort von den übrigen Geschäftsaktivitäten der Banktochter Dresdner Bank AG. Damit könnte Dresdner Kleinwort innerhalb weniger Monate eine eigenständige Investmentbank werden, berichtet der Finanzinformationsdienst „Financial News“.

Der Münchener Versicherungskonzern habe sich den 31. August als Zieldatum gesetzt. Bis dahin solle die rechtliche Trennung zwischen dem Kundengeschäft und der Investmentbank vollzogen sein. Das wären sieben Monate früher als erwartet, sagte eine Person aus dem Kreis des Versicherungskonzerns.

Die Allianz wolle mit der Aufspaltung auch deshalb schneller vorankommen, um bei der Konsolidierung des Bankenmarktes in Deutschland aktiv mitspielen zu können. Namentlich gehe es dabei um die Fusion des eigenen Kundengeschäfts mit der Postbank, sagte die Person. Die Aufspaltung mache die Allianz flexibler, sich an möglichen Transaktionen zu beteiligen.

Für die Dresdner Kleinwort gebe es nach der Trennung eine Reihe von Möglichkeiten. Man könne externe Investoren ins Haus holen, einen Börsengang prüfen oder enger mit der Muttergesellschaft Allianz zusammenarbeiten. Durch die Loslösung von der Dresdner Bank und dem gleichzeitigen Verbleib unter dem Dach der Allianz könne Dresdner Kleinwort Kosten einsparen und die Margen verbessern.

Eine Aufspaltung vor Ende August habe den Vorteil, dass sie auf den 1. Januar zurückdatiert werden könne und damit der Allianz eine sofortige Bewertung des Kundengeschäfts erlaube, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Die Allianz, Dresdner Bank und Dresdner Kleinwort wollten „Financial News“ gegenüber keine Stellungnahmen abgeben. (Dow Jones)

Deutsche Bank: Kein Kommentar zu angeblicher Privatkunden-Zielverfehlung

Die Deutsche Bank nimmt keine Stellung zu einem Bericht über die voraussichtliche Verfehlung des selbst gesteckten Ziels im Privatkundengeschäft. „Die Zahlen zum ersten Quartal werden am 29. April vorgelegt“, sagte ein Unternehmenssprecher am Sonntag lediglich auf Anfrage . Der „Wirtschaftswoche“ zufolge wird die Bank 2008 voraussichtlich das selbst gesteckte Ziel verfehlen, im Privat- und Firmenkundengeschäft das Ergebnis vor Steuern von 1,15 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 1,3 Milliarden Euro zu steigern.

Insider rechneten nicht damit, dass die Vorgabe erreichbar sei, denn das Wertpapiergeschäft als wichtige Ertragssäule breche derzeit ein. „Wenn sich nichts grundlegend ändert, werden wir kaum mehr als eine Milliarde erzielen“, habe ein Aufsichtsrat dem Magazin gesagt.
Große Zuwachsraten verbucht die Deutsche Bank dem Bericht zufolge zwar im Ausland. In Indien, China, Polen oder Portugal rechne sie mit Zulauf. Doch in vielen dieser Länder sei sie noch mit dem Aufbau des Filialnetzes beschäftigt, was hohe Kosten verursache. Zudem stagniere das Privatkundengeschäft in Deutschland. Deshalb habe die Bank den Vertriebsdruck erhöht: Die individuellen Vertriebsziele für die Kundenberater seien nach Angaben eines Insiders im Schnitt um zehn Prozent angehoben worden. „Der Druck ist sehr hoch“, zitierte das Magazin einen Berater./he

Gleichzeitig will die Deutsche Bank sich einem Zeitungsbericht zufolge von Krediten im Volumen von bis zu 20 Milliarden Dollar trennen. Das Geldhaus wolle die Darlehen nicht als ein Gesamtpaket sondern in Tranchen verkaufen, berichtet das „Wall Street Journal“ (WSJ) am Sonntag auf seiner Internetseite. Bei den Krediten handelt es sich um Darlehen zur Finanzierung von Übernahmen durch Beteiligungsfirmen. Bei der Deutschen Bank war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Bank folgt mit dem Schritt offenbar der amerikanischen Konkurrentin Citigroup.

In der vergangenen Woche war aus Kreisen verlautet, dass die Citigroup ein zwölf Milliarden Dollar schweres Kreditpaket an Finanzinvestoren veräußern will. Die Banken haben seit Monaten Schwierigkeiten, diese riskanten Darlehen los zu werden. Das führte bei den Investmentbanken wie der Citigroup zu Milliardenabschreibungen. (dpa-AFX, Reuters)

Designierter UBS-Präsident will Investmentbanking nicht abschaffen

Der designierte Präsident des UBS-Verwaltungsrates, Peter Kurer, will der Forderung nach Auslagerung des Investmentbankings der Schweizer Großbank nicht nachgeben. Es gebe bedeutende Synergien zwischen Investment Banking und Vermögensverwaltung, sagte Kurer in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ (Samstagausgabe). Viele vermögende Kunden nutzten auch Dienstleistungen und Produkte der durch die Kreditkrise angeschlagenen Investmentbank. Ohne Investmentbank hätte die UBS nicht die gleiche Bedeutung, was längerfristig auch für den Finanzplatz Schweiz negativ wäre“, sagte Kurer.
Der bisherige UBS-Chefjurist will die Investmentbank künftig nicht mehr mit Geld aus dem Vermögensverwaltungsgeschäft quersubventionieren. Die Investmentbank müsse ihre Kapitalbedürfnisse selber erwirtschaften. Sie hatte sich mit Ramschhypotheken in den Vereinigten Staaten verspekuliert. Deshalb mussten bislang 40 Milliarden Franken (25 Milliarden Euro) abgeschrieben werden.

Kurer, der bei der UBS-Generalversammlung am 23. April Nachfolger von UBS-Chef Marcel Ospel werden soll, will in Folge der Kreditkrise die Organisation der Großbank umkrempeln. Er schlägt vor, das dreiköpfige Präsidium (Chairmans Office), die eigentliche Machtzentrale unter dem bisherigen Vorsitz Ospels abzuschaffen. Kurer will diese Ebene zwischen dem Verwaltungsrat und der Konzernleitung durch einen Strategie- und einen Risikoausschuss mit sowohl internen als auch externen, neutralen Verwaltungsräten ersetzen. (dpa-AFX)

Credit Suisse vor weiteren Milliarden-Abschreibungen

Der zweitgrößten Bank der Schweiz, Credit Suisse, drohen nach einem Zeitungsbericht wegen der Kreditkrise Abschreibungen in Milliardenhöhe. Die Großbank müsse für das erste Quartal einen Verlust von bis zu zwei Milliarden Franken verbuchen. Verbunden seien damit weitere Abschreibungen von über vier Milliarden Franken (2,5 Milliarden Euro), schrieb der „Tages-Anzeiger“ aus Zürich am Samstag. Eine Stellungnahme der Credit Suisse gab es zunächst nicht.

Im Unterschied zum schwer getroffenen Schweizer Bankenprimus UBS mit Abschreibungen in Höhe von 25 Milliarden Euro und erheblichem Fremdkapitalbedarf sei die Credit Suisse im amerikanischen Hypothekenmarkt nur so viele Risiken eingegangen, wie sie gerade noch verkraften könne, berichtete die Zeitung. (dpa-AFX)

Wachovia erhält milliardenschwere Finanzspritze

Die amerikanischen Bank Wachovia könnte einem Zeitungsbericht zufolge eine milliardenschwere Kapitalspritze von Investoren erhalten. Die Bedingungen der Vereinbarung würden in der Nacht ausgearbeitet, berichtet das „Wall Street Journal“ (WSJ) am Sonntag auf seiner Internetseite.

Für eine Beteiligung am Aktienkapital der Bank könnten die Investoren insgesamt zwischen sechs und sieben Milliarden Dollar bezahlen. Dabei dürfte der Preis je Wachovia-Dividendenpapier bei etwa 23 bis 24 Dollar liegen. Dies würde einen Abschlag
verglichen mit dem Schlusskurs am Freitag von 27,87 Dollar bedeuten. Bei dem amerikanischen Geldhaus war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Als möglichen Investor für Wachovia nannte die Zeitung Warburg Pincus. Die Beteiligungsgesellschaft lehnte einen Kommentar zu dem Bericht ab.

Die amerikanische Bank gab indes bekannt, dass sie die Veröffentlichung ihrer Zahlen für das erste Quartal nun für Montag statt wie bislang geplant für Freitag anpeile. Im vierten Quartal 2007 war der Gewinn von Wachovia auf 51 Millionen Dollar von 2,3 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor eingebrochen. Das viertgrößte amerikanische Institut musste wegen der Hypothekenkrise Belastungen von 1,7 Milliarden Dollar verkraften. (Reuters)

Wirtschaft

Spanien will Wirtschaft mit zehn Milliarden Euro ankurbeln

Spanien will mit einem Hilfspaket über zehn Milliarden Euro im Jahr die unter einem Abschwung am Immobilienmarkt leidende Wirtschaft ankurbeln. Dazu zählten Steuererleichterungen im Volumen von sechs Milliarden Euro, die ab Juli gelten sollten, sagte Wirtschaftsminister Pedro Solbes am Sonntag am Rande der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington. Auch sollten kleine und mittelständische Unternehmen unterstützt werden und Banken Garantien erhalten, die Kredite auf den sozialen Wohnungsbau ausweiteten. Auf welchen Zeitraum die Hilfen ausgelegt sind, sagte Solbes nicht. Die IWF-Prognose für das spanische Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent in diesem Jahr nannte der Minister zu pessimistisch. Im vergangenen Jahr war die spanische Wirtschaft um 3,8 Prozent gewachsen. (Reuters)

EZB - Müssen bei Inflationsprognose vorsichtig sein

Der niederländische Zentralbankchef Nout Wellink sieht ungeachtet von Prognosen einer rückläufigen Inflation Unwägbarkeiten für die Entwicklung der Teuerung. Den Vorhersagen zufolge dürfte die Inflation bis Ende des Jahres oder Anfang 2009 auf rund zwei Prozent zurückgehen, sagte das EZB-Ratsmitglied der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag. Besonders die Entwicklung bei den Rohstoffpreisen erschwere aber eine präzise Prognose. Spekulation spiele hier eine ziemlich große Rolle.

Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse ein genaues Augenmerk auf die Faktoren sowohl für eine zunehmende als auch eine abnehmende Inflation richten, sagte Wellink. So müssten die Währungshüter sorgfältig beobachten, ob die globale wirtschaftliche Abkühlung auch den Preisdruck verringere. Ebenfalls im Blick behalten müssten die Notenbanker, ob zunehmende Lebensmittel-, Öl- und andere Rohstoffpreise die Inflation anheizten. Im März war die Inflationsrate in der Währungsunion auf 3,5 Prozent geklettert und lag damit so hoch wie noch nie seit Einführung des Euro. (Reuters)

Lebensmittelpreise könnten bis zu vier Prozent steigen

Wegen steigender Rohstoffkosten müssen sich die Bundesbürger auf spürbar höhere Lebensmittelpreise einstellen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie gehe für das laufende Jahr von einem weiteren Anstieg um drei bis vier Prozent aus, schreibt die „Bild“-Zeitung. „Die Firmen sind nicht in der Lage, die höheren Kosten durch Einsparungen woanders auszugleichen“, wird Verbandspräsident Jürgen Abraham zitiert.
Neben den stark gestiegenen Rohstoffkosten explodierten auch die Preise für Energie und Verpackungen; Glas und Metalldeckel seien allein im vergangenen Jahr 15 bis 20 Prozent teurer geworden, Kartons um 10 und Blech um 5 bis 8 Prozent. Nötig sei ein Welt-Ernährungs-Gipfel, bei dem Erzeuger, Politik und Wissenschaft vernünftige Lösungen zur Überwindung der Krise fänden, forderte Abraham der Zeitung zufolge.

Bereits am Freitag waren Zahlen veröffentlicht worden, die darauf hindeuten, dass auf die Verbraucher eine neue Teuerungswelle zurollt: Beim Frühindikator Großhandel gab es im März einen Preissprung von 7,1 Prozent, den höchsten seit 26 Jahren. Wegen der weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise sind nach UN-Angaben inzwischen Millionen von Menschen von Hunger bedroht. Zum Auftakt der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank äußerten sich beide Organisationen am Wochenende besorgt. (AP)

BoJ-Protokoll: Unsicherheit über Weltwirtschaft bleibt hoch

Bei der Sitzung der Bank of Japan (BoJ) am 6./7. März waren die Ratsmitglieder besorgt über die anhaltende Unsicherheit in der Weltwirtschaft. „Eine beträchtliche Ungewissheit über die künftige Entwicklung der globalen Wirtschaft, der globalen Finanzmärkte und der internationalen Rohstoffpreise bleibt bestehen“, heißt es im Protokoll der Sitzung, das am Montag veröffentlicht wurde. Bei der Ratssitzung im März hatte die BoJ den Leitzins wie erwartet bei 0,50 Prozent unverändert gelassen.

Im Juli 2006 hatte die BoJ ihre jahrelange Nullzinspolitik beendet und eine allmähliche Normalisierung des Zinsniveaus angestrebt. Angesichts der globalen Finanzkrise und der schwächeren Weltwirtschaft gehen Beobachter inzwischen davon aus, dass die BoJ ihren Zinserhöhungszyklus vorerst unterbrochen hat. (Dow Jones)

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX.

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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing

 
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