11. Juli 2008
Unternehmen
Arbeitnehmer-Aufsichtsräte zeigen Telekom an
In der Bespitzelungsaffäre der Deutschen Telekom haben die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat am Donnerstag wie angekündigt Strafanzeige gegen den Konzern erstattet. Das teilte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Lothar Schröder mit. Die Arbeitnehmervertreter sehen unter anderem das Fernmeldegeheimnis und den Datenschutz verletzt. Die Arbeit des Betriebsrates ist beeinträchtigt, wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten, sagte Schröder, der auch Mitglied im Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist, dem Handelsblatt (Freitagausgabe).
Die Deutsche Telekom hatte Ende Mai eingeräumt, dass der Konzern 2005 und 2006 Telefondaten missbraucht hatte. Bislang argumentiert der Vorstandsvorsitzende der Telekom, René Obermann, er habe nur Kenntnis von einem Fall, bei dem Telefondaten eines Journalisten und eines Aufsichtsrates abgeglichen worden seien. Ziel war offenbar herauszufinden, wer die Presse mit vertraulichen Informationen versorgte. Ob und in welchem Umfang weitere Gespräche ausgespäht wurden, ist derzeit unklar. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt unter anderem gegen den damaligen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke und den ehemaligen Vorsitzenden des Telekom-Aufsichtsrates, Klaus Zumwinkel. (dpa-AFX)
Chevron erzielt weniger Gewinn an Tankstellen
Der amerikanische Ölkonzern Chevron rechnet im abgelaufenen zweiten Quartal trotz hoher Gewinne in Ölfördergeschäft mit einem Gewinnrückgang im Raffinerie- und Tankstellengeschäft. Der Gewinn werde in diesem Geschäftsbereich voraussichtlich 500 Millionen Dollar niedriger ausfallen als im ersten Quartal, teilte das Unternehmen am Donnerstag in San Ramon mit. Grund seien geringere Margen im amerikanischen Tankstellengeschäft. (dpa-AFX)
Fraport steigert Zahl der Passagiere
Der Flughafenbetreiber Fraport hat im Juni trotz eines leichten Rückgangs in Frankfurt die Passagierzahl gesteigert. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sei die Zahl der Passagiere konzernweit um 2,0 Prozent auf 7,649 Millionen gewachsen, teilte das im M-Dax notierte Unternehmen am Freitagmorgen in Frankfurt mit. Der Flughafen Frankfurt, der größte des Konzerns, wies ein Minus von 0,5 Prozent auf 4,807 Millionen Fluggäste aus.
Im Cargo-Geschäft verzeichnete das Unternehmen im Juni einen Zuwachs von 2,3 Prozent auf 212.012 Tonnen Luftpost und Luftfracht. In Frankfurt nahm das Cargo-Volumen um 0,6 Prozent auf 182.629 Tonnen zu. (dpa-AFX)
GE plant 3,7 Milliarden Dollar schweren Verkauf
Der amerikanische Mischkonzern General Electric steht Kreisen zufolge kurz vor dem Verkauf seiner japanischen Kreditsparte Lake an die Shinsei Bank. Der Wert des Geschäftes könne sich auf mehr als 3,7 Milliarden Dollar belaufen, berichteten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag. Derzeit liefen die letzten Gespräche dazu. Von den beiden Unternehmen gab es zunächst keine Stellungnahme. GE-Chef Jeff Immelt hatte im Mai angekündigt, voraussichtlich im Sommer über einen Käufer der Sparte informieren zu können. Das amerikanische Unternehmen will im Tagesverlauf seine Quartalszahlen vorlegen. (Reuters)
GM und Chrysler bestreiten drohenden Bankrott
Der Chef des amerikanischen Autobauers General Motors hat Spekulationen über einen eventuell drohenden Bankrott seines Konzerns erneut zurückgewiesen. Solche Berichte seien falsch, sagte Rick Wagoner am Donnerstag vor Reportern laut CNBC. Zudem seien sie für die Verkaufszahlen nicht gerade hilfreich, fügte er mit Blick auf jüngste Gespräche mit GM-Händlern an. Ähnlich hatte sich zuvor GM-Europachef Carl-Peter Forster in einem Interview mit dem Internetmagazin Autogazette geäußert.
Merrill Lynch hatte unlängst eine Pleite des lange Zeit weltgrößten Autobauers nicht ausgeschlossen.
Gerüchte über eine bevorstehende Insolvenz gab es im Juni auch über Chrysler, obgleich sie von offizieller Seite umgehend dementiert wurden. Dem Blatt Automotive News zufolge machte das Chrysler-Management nun in einem Brief an die Händler ebenfalls deutlich, dass die Berichte über eine finanzielle Schieflage jeder Grundlage entbehrten. Eine Chrysler-Sprecherin bestätigte am Donnerstag, dass es den Brief gebe, wollte sich aber nicht zum Inhalt äußern. Chrysler gehörte bis Mitte 2007 zu Daimler. Dann hatte der Finanzinvestor Cerberus das Unternehmen übernommen, Daimler ist noch mit etwa 20 Prozent beteiligt. (Reuters)
Daimler rechnet mit schwächerer Lkw-Konjunktur
Der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler rechnet im kommenden Jahr mit einer Abschwächung der Lkw-Konjunktur auf dem europäischen Markt. In diesem Jahr werde der Markt sowohl in West-, als auch in Osteuropa nochmals wachsen, sagte Daimler-Vorstand Andreas Renschler der Stuttgarter Zeitung (Freitag). Im nächsten Jahr sei dann mit einem leichten Rückgang des Gesamtmarktes in Europa zu rechnen. Auch in Osteuropa, wo die Entwicklung bisher sehr dynamisch war, werde das Wachstum nachlassen. (dpa-AFX)
Dollarverfall gefährdet Gewinnziel von EADS
Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS schließt angesichts des anhaltenden Dollarverfalls eine Senkung seines Gewinnziels für 2008 nicht aus. Wir werden mit Bekanntgabe der Halbjahreszahlen gegebenenfalls eine neue Indikation abgeben oder die alte bestätigen, sagte Finanzvorstand Hans Peter Ring der Börsen-Zeitung (Freitag). Die Zahlenvorlage ist für den 30. Juli vorgesehen. Wachsende Kosten beim Passagierflieger A380 und dem Militärtransporter A400M dürften auf das Ergebnis drücken. Ring bestätigte jedoch zunächst das bisherige Ziel, im laufenden Jahr einen operativen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro zu erwirtschaften. (dpa-AFX)
Google unterstützt Unabhängigkeit von Yahoo
Der Vorstandschef von Google, Eric Schmidt, hat sich für die weitere Unabhängigkeit des Konkurrenten Yahoo ausgesprochen. Sein Unternehmen unterstütze in vollem Umfang die Entscheidung des Yahoo-Verwaltungsrats, das Kaufangebot von Microsoft zurückzuweisen, sagte Schmdit am Donnerstag vor Journalisten in Sun Valley im amerikanischen Staat Idaho.
Es gibt keine Frage, dass nach unserer Auffassung ein unabhängiges Yahoo besser wäre, sagte der Google-Chef. Dies ermögliche einen größeren Wettbewerb im Geschäft mit der Internet-Suche und anderen Werbemärkten. Microsoft hat sein Kaufangebot am 3. Mai zurückgezogen, nachdem Yahoo auf einem höheren Preis bestanden hatte. (AP)
Yahoo kooperiert mit Time Warner
Der Suchmaschinenbetreiber Yahoo und die Time-Warner-Tochtergesellschaft Turner Broadcasting System (TBS) haben sich auf eine Online-Kooperation geeinigt. Die Zusammenarbeit ermögliche es TBS, Werbung auf Sportseiten von Yahoo zu verkaufen, teilten beide Unternehmen am Donnerstag mit. Zudem erhalte Yahoo Zugang zu Inhalten von TBS-Onlineangeboten wie NBA.com. TBS betreibt auch den amerikanischen Nachrichtensender CNN. (dpa-AFX)
Microsoft senkt Preis für Xbox 360
Der amerikanische Computerkonzern Microsoft steht nach Informationen aus Kreisen vor einer Preissenkung für seine Spielekonsole Xbox 360 Pro. Diese werde wohl bald nur noch 299 statt 349 Dollar kosten, berichtete eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Freitag. Die Entscheidung solle noch vor der Branchenmesse E3 bekanntgegeben werden, die in der kommenden Woche in Los Angeles stattfindet.
Auch in diversen Internetforen war zuletzt von einer Preissenkung für das Gerät mit 20 Gigabyte die Rede. Eine Konzernsprecherin teilte mit, Microsoft habe dazu aktuell nichts zu sagen. Zuletzt war der Preis der Xbox Pro im August heruntergesetzt worden - von 399 auf 349 Dollar. Mit 299 Dollar würde die Spielekonsole deutlich weniger kosten als PlayStation 3 von Sony. Der dritte große Wettbewerber ist Nintendo mit seiner Wii-Konsole, die zum Verkaufsschlager geworden ist. (Reuters)
ENBW steigt beim Energieversorger EWE ein
Der Energiekonzern ENBW steigt beim Oldenburger Versorger EWE ein. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft werde ENBW 26 Prozent an EWE übernehmen, kündigten beide Unternehmen am Donnerstag an. EWE habe am Donnerstag dem Stuttgarter Versorger den Zuschlag erteilt. Der Wert der Gesamttransaktion beläuft sich nach EWE-Angaben auf rund 2 Milliarden Euro. Die Vereinbarung bedürfe der Zustimmung des Bundeskartellamts. (dpa-AFX)
Zurich Financial will doch nicht die RBS-Versicherungen kaufen
Die Zurich Financial Services (ZFS) gibt kein Gebot für das Versicherungsgeschäft der Royal Bank of Scotland (RBS) ab. ZFS sei nach detaillierter Überprüfung zu dem Schluss gekommen, sich von den Gesprächen zurückzuziehen und keine Kaufofferte einzureichen, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend in Zürich mit. ZFS werde aber weiterhin Wachstumsgelegenheiten prüfen. Außerdem kündigte das Unternehmen an, am Freitag den Rückkauf eigener Aktien im Rahmen des früher angekündigten Aktienrückkaufprogramms wieder aufzunehmen. (dpa-AFX)
Wirtschaft
Washington erwägt Übernahme von Hypothekenbanken
Die amerikanische Regierung erwägt einem Bericht zufolge eine Übernahme der Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae, sollte sich die Lage der zwei angeschlagenen Banken verschlechtern. Jegliche Verluste bei den von den Firmen garantierten Hypotheken würden dann von den Steuerzahlern beglichen, berichtete die New York Times am Freitag unter Berufung auf Kreise. Die Aktien von Fannie Mae und Freddie Mac wären in diesem Fall wenig oder gar nichts mehr wert. Ein derartiger Eingriff der Regierung stehe jedoch nicht unmittelbar bevor.
Die Zeitung berichtete weiter, hochrangige Mitarbeiter der amerikanischen Regierung hätten auch ein Gesetz erwogen, das eine ausdrückliche Garantie der Regierung für die fünf Billionen Dollar Schulden vorsähe, für die die Institute geradestünden. Dies sei jedoch verworfen worden, da sich die Staatsschulden dadurch verdoppelt hätten.
Freddie Mac sah sich am Donnerstag genötigt, Gerüchte über eine drohende Zahlungsunfähigkeit zurückzuweisen. Auch Fannie Mae teilte mit, genügend Kapital zu haben. Investoren gehen seit langem davon aus, dass die amerikanische Regierung einen Zusammenbruch der beiden Banken nicht zulassen wird. In diesem Fall würde ein echter Kollaps des amerikanischen Immobilienmarktes drohen, weil sie den Markt für Hypotheken nach dem Rückzug vieler Banken fast allein am Laufen halten. (Reuters)
Längster Tarifkonflikt im Einzelhandel beendet
Der längste Tarifkonflikt in der Geschichte des deutschen Einzelhandels ist beigelegt. Die Gewerkschaft Verdi und die Arbeitgeber einigten sich am Donnerstag in Gerlingen bei Stuttgart nach zähem Ringen und retteten damit den Flächentarifvertrag in der Branche. Die Beschäftigten bekommen rückwirkend vom 1. April 2008 an 3 Prozent mehr Geld. Die Laufzeit endet am 31. März 2009. Vom 1. April 2007 bis zum 31. März 2008 gibt es eine Einmalzahlung von 400 Euro, Auszubildende bekommen 150 Euro. Die Tarifpartner werten die Einigung für die 220.000 Beschäftigten in Baden-Württemberg als Pilotabschluss für 2,7 Millionen Beschäftigte der gesamten Branche. (dpa-AFX)
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,21 | +5,71 |
| K+S AKTIENGESELLSCHA | +1,53 | +4,01 |
| DEUTSCHE BÖRSE AG NA | +2,15 | +3,49 |
| COMMERZBANK AG INHAB | -1,69 | -14,20 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,28 | -8,94 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -2,36 | -7,65 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.326,63 | -1,12 |
| TecDax | 573,04 | -5,15 |
| DowJones | 9.447,11 | -5,11 |
| Nasdaq | 1.754,88 | -5,80 |
| STOXX 50 | 2.878,82 | +0,22 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,50 | -1,78 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,10 |
| Bund Future | 117,28 | +0,26 |
| Gold | 885,47 | -0,34 |
| Öl | 85,76 | -1,06 |