Frühaufsteher

Sorgen über Wirtschaftsentwicklung belasten deutschen Aktienmarkt

14. April 2008 Erneut belasten Konjunktursorgen den deutschen Aktienmarkt zum Handelsstart. Der Leitindex Dax sinkt um ein Prozent auf 6532 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Werte verliert 0,86 Prozent auf 8734 Zähler. Der TecDax büßt 1,4 Prozent auf 780 Punkte ein. Die Vorgaben aus den Vereinigten Staaten und Japan seien Hauptursache für die Verluste, sagt Marktstratege Christian Schmidt von der Helaba.

Die Aktien der Deutschen Bank gehören mit minus 1,2 Prozent auf 72,63 Euro zu den schwächsten Dax-Werten. Der „Wirtschaftswoche“ zufolge wird die größte deutsche Bank im laufenden Jahr voraussichtlich ihr selbstgestecktes Ziel verfehlen, im Privat- und Firmenkundengeschäft das Ergebnis vor Steuern von 1,15 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf 1,3 Milliarden Euro zu steigern.

Insider rechneten nicht damit, dass die Vorgabe erreichbar sei, denn das Wertpapiergeschäft als wichtige Ertragssäule breche derzeit ein. „Wenn sich nichts grundlegend ändert, werden wir kaum mehr als eine Milliarde erzielen“, habe ein Aufsichtsrat dem Magazin gesagt. Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

Der zweitgrößten Schweizer Bank Credit Suisse drohen laut dem Züricher „Tages-Anzeiger“ (Samstag) wegen der Kreditkrise Abschreibungen in Milliardenhöhe, was die Aktie ebenfalls deutlich belastete. Die Titel der Commerzbank werden in Mitleidenschaft gezogen und fallen um 1,70 Prozent auf 20,22 Euro, die der Hypo Real Estate (HRE) geben um 1,3 auf 17,52 Euro nach.

Eine positive Studie von Morgan Stanley zur Lufthansa lässt die Aktie zu den wenigen Gewinnern im Leitindex gehören. Sie steigt um 0,9 Prozent auf 17,33 Euro und ist stärkster Dax-Wert. Die Verkehrszahlen des ersten Quartals ließen vermuten, dass Deutschlands größte Fluggesellschaft starke Zahlen vorgelegen werde, meinten die Analysten und stuften die Aktie von „Underweight“ auf „Equal-weight“ hoch.

Rentenmarkt tendiert wenig verändert

Die Renten-Futures starten am Montag kaum verändert in die neue Woche. Der Bund-Future notiert unverändert bei 115,95 Prozent. Der Bobl-Future steigt um vier Basispunkte auf 110,38 Prozent. Laut der WestLB sorgten insbesondere die am Freitag unter den Erwartungen liegenden GE-Zahlen für Zuflüsse in die als „sichere Häfen“ bezeichneten Anleihen.

Technisch gesehen rechnen die LBBW-Analysten mit einem im Tagesverlauf leicht nachgebenden Bund. So sei ein Test der Unterstützungsmarke von 115,20 Prozent möglich. Sollte diese brechen, läge eine nächste Unterstützung bei 115,05 Prozent. Im Falle eines anhaltenden Aufwärtstrends liege ein starker Widerstand bei 116,08 Prozent.

Euro pendelt sich bei 1,57 Dollar ein

Der Kurs des Euro hat sich am Montag nach überraschend deutlichen Worten der führenden sieben Industrienationen (G7) zu den Wechselkursen bei der Marke von 1,57 amerikanischen Dollar eingependelt. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am Morgen mit 1,5712 Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,6363 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitag noch auf 1,5833 (Donnerstag: 1,5875) Dollar festgesetzt. Der Euro hatte am Donnerstag mit 1,5912 Dollar zwischenzeitlich einen neuen Rekord erreicht.

Die G7-Teilnehmer zeigten sich am Wochenende beunruhigt über die jüngste Entwicklung der Wechselkurse. Es habe in den vergangenen Monaten „bisweilen starke Schwankungen bei den wichtigsten Währungen gegeben, was wir mit Blick auf mögliche Folgen für die Finanz- und Wirtschaftsstabilität mit Sorge betrachten“, hieß es im G7-Kommuniqué. China wurde erneut aufgefordert, seine Währung schneller aufzuwerten.

General Electric und Exportwerte belasten Asiens Märkte

Eine Gewinnwarnung des amerikanischen Mischkonzerns General Electric (GE) und Kursabschläge bei den Exportwerten haben die asiatischen Aktienmärkte am Montag stark belastet. Zudem drückten schwache Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten auf die Stimmung.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index beendete den Handel in Tokio mit einem Minus von 3,1 Prozent auf 12917 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index gab 2,5 Prozent auf 1246 Zähler nach. Auch die Börsen in Singapur, Südkorea, Hongkong und Taiwan verbuchten Verluste.

Auf den Verkaufslisten der Händler an der Tokioter Börse standen vor allem Exportwerte wie Sony mit einem Minus von knapp 4,5 Prozent. Der Elektronikkonzern bekommt derzeit den Anstieg der japanischen Währung zu spüren. Auch die Papiere des Automobilherstellers Honda mussten Federn lassen und verbilligten sich um 3,6 Prozent. Ein Anstieg des Yen verteuert die Ausfuhren der japanischen Unternehmen, was wiederum die Gewinne der exportorientierten Konzerne schmälert.

Gegen den allgemeinen Markttrend konnten sich die Aktien des Kaufhausbetreibers Takashimaya mit einem Aufschlag von 2,8 Prozent stemmen. Das Unternehmen hatte zuvor eine Gewinnsteigerung von gut elf Prozent in dem gerade abgelaufenen Geschäftsjahr ausgewiesen.

Aktien in Hongkong am Mittag sehr schwach

Sehr schwach tendieren die Aktienkurse am Montagmittag (Ortszeit) in Hongkong. Der Hang-Seng-Index verliert zum Ende der ersten Sitzungshälfte 3,3 Prozent oder 813 Punkte auf 23.855. Händler verweisen auf die schwachen Vorgaben der amerikanischen Börsen vom Freitag. Die enttäuschende Quartalsbilanz des Mischkonzerns General Electric hatte dort zu einer Verkaufswelle geführt. Die amerikanischen Vorgaben seien indessen nicht der einzige Grund für die Verluste in Hongkong, heißt es weiter. Vielmehr scheine eine Korrektur des Hang Seng-Index unausweichlich, nachdem der Index seit Ende März um 8 Prozent gestiegen sei.

Die Aktien des Börsenbetreibers HKEx fallen um 4,8 Prozent auf 143,40 Hongkong-Dollar. CCB geben um 4,9 Prozent auf 6,38 Hongkong-Dollar nach. Hier würden Gewinne mitgenommen, nachdem CCB seit Ende März um fast 16 Prozent gestiegen seien, erklären Marktteilnehmer.

Nachbörsliche Meldungen und Kurse aus Amerika

Die Aktienkurse in den Vereinigten Staaten tendierten am Freitag nachbörslich etwas fester. Der Index Nasdaq 100 After Hours Indicator legte um 1,24 Punkte auf 1.799,96 Zähler zu.

Die Titel von Lazare Kaplan legten um 3,8 Prozent auf 8,72 Dollar zu. Der Schmuck-Konzern hatte zuvor einen Nettogewinn von 3,31 Millionen Dollar oder 0,40 Dollar je Aktie für das dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres ausgewiesen.

Wall Street erwartet Quartalsergebnisse von Banken

Der Wall Street steht eine aufregende Woche bevor: Zahlreiche Unternehmensergebnisse von Banken und Finanzunternehmen dürften Investoren in den kommenden Tagen in Atem halten. Sie erhoffen sich Hinweise darauf, ob die Verluste im Zuge der Kreditkrise im ersten Quartal geringer als befürchtet ausfallen und ein Ende der Krise in Sicht kommt. Außerdem stehen zahlreiche Konjunkturdaten ins Haus, von denen sich Investoren weiteren Aufschluss über die Lage der amerikanischen Wirtschaft erwarten.

JP Morgan Chase wird am Mittwoch Quartalszahlen vorlegen, am Donnerstag folgt Merrill Lynch und am Freitag die Citigroup. Wegen der Kreditkrise belasten Abschreibungen in Milliardenhöhe die Finanzinstitute weltweit. Die Märkte würden nun genau darauf achten, ob die Verluste zurückgingen, sagte John Praveen von Prudential International Investments Advisers LLC. Keith Wirtz von Fifth Third Asset Management fügte hinzu: „Wenn sie schlechter ausfallen als die Stimmung oder die Erwartungen sind, dann werden die Finanztitel vermutlich weitere Schläge hinnehmen müssen.“ Neben den Banken werden auch andere wichtige Unternehmensergebnisse erwartet. So legen unter anderem Intel, IBM und Internetkonzerne wie Google und eBay ihre Quartalszahlen vor.

Analysten gehen mittlerweile von einem Rückgang des Gewinnanstiegs für die S&P-500-Unternehmen von 11,8 Prozent aus. Noch vor einer Woche rechneten sie nur mit einem Rückgang von 8,1 Prozent. Ein Großteil dessen soll im Finanzsektor anfallen.

Am Freitag hatten überraschend schlechte Quartalszahlen und eine Gewinnwarnung des Mischkonzerns General Electric die amerikanischen Börsen zum Wochenausklang tief ins Minus gedrückt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 2,04 Prozent tiefer bei 12.325 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank ebenfalls 2,04 Prozent auf 1332 Zähler. Der Technologie-Index Nasdaq gab 2,61 Prozent auf 2290 Stellen nach. Im Wochenverlauf verlor der Dow 2,3 Prozent, der S&P-500 sank 2,7 Prozent und der Nasdaq 3,4 Prozent gab nach.

Wegen Inflationssorgen dürften mehrere Konjunkturdaten in der kommenden Woche von besonderem Interesse sein. So werden am Dienstag die Entwicklung der Erzeugerpreise im März veröffentlicht, am Tag darauf der Verbraucherpreis-Index für den gleichen Zeitraum. Am Mittwoch gibt die amerikanischen Notenbank Fed zudem ihren monatlichen Konjunkturbericht „Beige Book“ heraus.

Amerikanische Anleihen notieren fester

Die amerikanischen Anleihen tendieren am Freitag im späten New Yorker Handel fester. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,50 Prozent kletterten um 19/32 auf 100-8/32 und rentierten mit 3,47 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond legte um 30/32 zu auf 101-11/32. Die Rendite fiel auf 4,29 Prozent.

Übergeordnet verwiesen Händler auf die Gewinnwarnung von General Electric (GE) am Mittag (MESZ). Diese habe die Wall Street bereits zum Handelsstart auf Talfahrt geschickt und die Anleihen als vermeintlich sicheren Anlagehafen wieder in den Vordergrund
gerückt.

Unerwartet deutlich gestiegene amerikanischen Importpreise im März sowie schwächer als erwartet ausgefallene Daten zur amerikanischen Verbraucherstimmung verpassten der Wall Street einen weiteren Dämpfer und stützen in der Folge die Anleihen. So ist die Verbraucherstimmung in den Vereinigten Staaten im April auf den niedrigsten Stand seit 1982 eingebrochen, während sich die Inflationserwartungen sprunghaft erhöhten. Die amerikanischen Verbraucher spielen eine Schlüsselrolle für die amerikanischen Wirtschaft, weil rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vom Privatkonsum abhängen.

Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.

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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing

 
NamePunkteProzent
Dax 6.440,70 -1,46
TecDax 721,58 -3,36
DowJones 11.349,28 -2,43
Nasdaq 2.280,11 -1,97
STOXX 50 3.354,58 -0,97
Nikkei 225 13.603,31 +2,18
Euro/Dollar 1,57 +0,03
Bund Future 110,94 +0,75
Gold 930,58 +0,31
Öl 124,98 -1,22
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