16. April 2008 Angestoßen von guten Vorgaben aus New York und Tokio ist der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch mit Gewinnen in den Handel gestartet. Der Dax legt 0,8 Prozent auf 6636 Punkte zu. Der MDax gewinnt 0,8 Prozent auf 8.942 Punkte und der TecDax rückt um 1,7 Prozent auf 812,10 Zähler vor.
Von den 30 Dax-Werten sind insbesondere die Aktien des Chipherstellers Infineon gefragt. Sie werden Börsianern zufolge von guten Zahlen des Weltmarktführers Intel mitgezogen und legen fünf Prozent zu.
Bei der Deutschen Post geht es auch an diesem Tag wieder um das Thema Streik: Vor der vierten Tarifrunde hatten sich bereits am Dienstag bundesweit mehrere tausend Mitarbeiter an Warnstreiks beteiligt. In der Nacht zum Mittwoch legten nun Mitarbeiter am Frankfurter Flughafen nach Gewerkschaftsangaben vorübergehend ihre Arbeit nieder. Dadurch wird fast die gesamte in Deutschland abgeschickte Post ins Ausland ihre Empfänger erst mit mindestens einem Tag Verspätung erreichen. Die Aktie gewinnt unterdurchschnittliche 0,25 Prozent auf 19,99 Euro.
Mit einem Kurssprung von gut 27 Prozent auf 12,78 Euro reagierten die im SDax notierten Aktien des Call-Center-Betreibers D+S Europe auf das Übernahmeangebot der Beteiligungsgesellschaft Apax. Sie bietet den freien Aktionären von D+S 13 Euro pro
Aktie.
Die Papiere des Verpackungsherstellers Gerresheimer gehen 8,5 Prozent tiefer mit 30,85 Euro in den Handel. Finanzkreisen zufolge trennt sich der Finanzinvestor Blackstone von seiner Beteiligung. Nach der Ankündigung des Managements, keine Dividende zu zahlen, verlieren die Aktien der Beteiligungsgesellschaft Arques rund vier Prozent.
Rentenmarkt wenig verändert
Nach dem kräftigen Minus vom Vortag tendieren die Renten-Futures am Mittwoch kaum verändert. Vor den anstehenden Konjunkturdaten, darunter die Entwicklung der Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten und im Euroraum, sowie den Zahlen der Investmentbank J.P. Morgan zum ersten Quartal, übe man sich in Zurückhaltung, sagt ein Marktteilnehmer. Der marktführende Juni-Kontrakt auf den Bund notiert fünf Basispunkte niedriger bei 115,34 Prozent, der Bobl-Future sechs Basispunkte niedriger bei 109,82 Prozent.
Insgesamt trübe sich das Bild für die Rentenmärkte allerdings ein, sagt Jürgen Meyer, technischer Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. So weise etwa das beim Fallen steigende Volumen auf eine weitere Schwäche der Renten-Futures hin. Unterstützt sieht er den Bund-Future bei 115,05 Prozent, als Widerstand macht er die Marke von 116,08 Prozent aus.
Eurokurs leicht gestiegen
Der Kurs des Euro ist am Mittwochmorgen leicht gestiegen. Im frühen Handel kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,5820 Dollar, nachdem sie am späten Vorabend unter die Marke von 1,58 Dollar gerutscht war. Ein Dollar war damit 0,6321 Euro wert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Euro- Referenzkurs am Dienstagmittag noch auf 1,5828 (Montag: 1,5869) Dollar festgesetzt.
Am Mittwoch stehen laut Experten vor allem der Konjunkturbericht der amerikanischen Notenbank (Beige Book) sowie weitere Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten im Blickpunkt. Veröffentlicht werden Zahlen zur Entwicklung der Verbraucherpreise im März und Daten vom krisengeschüttelten Immobilienmarkt. Auf Interesse dürfte auch die Produktion des industriellen Sektors der Vereinigten Staaten stoßen.
Asiatische Börsen im Plus
Kursaufschläge bei Exportwerten nach einem günstigen Ausblick des amerikanischen Chipherstellers Intel haben den Handel an den asiatischen Börsen am Mittwoch beflügelt. Zudem waren Investoren nach der Veröffentlichung von über den Erwartungen liegenden Quartalsergebnissen aus der amerikanischen Bankenbranche zuversichtlich gestimmt.
In Tokio schloss der Nikkei-Index der 225 führenden Werte 1,2 Prozent höher auf 13.146 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 1,3 Prozent auf 1271 Zähler. Auch die Börsen in Singapur, Südkorea, Hongkong und Taiwan lagen im Plus.
Auf den Kauflisten der Börsianer in Tokio standen exportorientierte Hochtechnologiewerte. So legte der Sony-Kurs um 3,5 Prozent zu. Canon-Aktien verteuerten sich um 2,6 Prozent, Tokyo-Electron-Papiere verteuerten sich um über fünf Prozent. Es gibt etwas mehr Vertrauen in den Markt, sagte Robert Hook von SG Hiscock & Co.
Auch Finanzwerte waren nach überraschend kräftigen Quartalsgewinnen von amerikanischen Regionalbanken gesucht. Die Aktien des japanischen Branchenprimus Mitsubishi UFJ Financial und der zweitgrößten Bank Japans, Mizuho, verteuerten sich um jeweils über vier Prozent. Aktien aus der Energiebranche profitieren von einem Ölpreis auf Rekordniveau.
Aktienkurse in Hongkong am Mittag freundlich
Positive Vorgaben der amerikanischen Börsen lassen den Aktienmarkt in Hongkong am Mittag (Ortszeit) freundlich tendieren. Die Umsätze seien aber recht dünn, weil aus der Volksrepublik China wichtige Konjunkturdaten erwartet würden, sagen Händler. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte steigt der Hang Seng-Index um 0,7 Prozent oder 175 Punkte auf 24.076. Falls die chinesischen Konjunkturdaten nicht deutlich von den Erwartungen abwichen, werde der Hang Seng-Index bis zum Ende der Sitzung bei etwa 24.000 Punkten verharren, prognostiziert ein Marktteilnehmer.
Gesucht sind CNOOC, die im Gefolge der Ölpreisrally um 3,2 Prozent auf 13,00 Hongkong-Dollar steigen. Henderson Land gewinnen 0,2 Prozent auf 56,70 Hongkong-Dollar. Die unspektakulären Aussichten des Immobilienmarkts drängten die Nachricht in den Hintergrund, dass der Chairman des Unternehmens seine Beteiligung aufgestockt hat, heißt es.
Nachbörsliche Meldungen und Kurse aus Amerika
Die Aktienkurse in den Vereinigten Staaten tendierten am Dienstag nachbörslich etwas fester. Der Index Nasdaq 100 After Hours Indicator legte um 1,4 Prozent auf 1.819,82 Zähler zu.
Die Aktien von Intel haben im nachbörslichen New York Handel am Dienstagabend nur vorübergehend von den Geschäftszahlen und dem Ausblick profitiert, die der Chiphersteller vorgelegt hatte. Der Umsatz im abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal legte auf 9,7 (Vorjahr: 8,85) Milliarden Dollar zu und lag damit oberhalb von Markterwartungen, die die Erlöse im Konsens bei 9,6 Milliarden Dollar gesehen hatten. Für das laufende Quartal peilt der Konzern Umsätze zwischen 9 Milliarden und 9,6 Milliarden Dollar an. Im Schnitt rechnen Analysten mit 9,2 Milliarden Dollar. Der Aktienkurs stieg vorübergehend bis auf 22,77 Dollar, notierte zuletzt aber bei 20,69 Dollar und damit um 1,1 Prozent oder 0,22 Dollar unter dem Schlusskurs der regulären Sitzung.
Intels Zahlenausweis verhalf den Aktien anderer Technologiewerte zu nachbörslichen Kursgewinnen. Advanced Micro Devices stiegen um 2,8 Prozent auf 5,94 Dollar. Die Papiere von IBM, die für Mittwoch Geschäftszahlen angekündigt hat, legten bis 19.58 Uhr Ortszeit um 0,8 Prozent auf 118,15 Dollar zu.
Wall Street schließt etwas fester
Mit etwas mehr Schwung in der zweiten Sitzungshälfte haben die Kurse an den amerikanischen Börsen am Dienstag etwas fester geschlossen. Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte (DJIA) legte um 0,5 Prozent oder 60 Punkte auf 12.363 Punkte zu. Der marktbreitere S&P-500 fügte ebenfalls 0,5 Prozent oder 6 Zähler auf 1.334 hinzu, während der Nasdaq Composite-Index um 0,4 Prozent oder 10 Punkte auf 2.286 kletterte.
Neben den Konjunkturdaten des Tages stand der Finanzsektor im Fokus des Interesses. In den Quartalsberichten verschiedener Finanzunternehmen habe es keine eklatanten negativen Überraschungen gegeben, sagten Händler mit Blick auf die Zahlen einiger Regionalbanken. Dies habe den Markt gestützt, hieß es weiter. So stiegen M&T Bank um 6,3 Prozent auf 85,86 Dollar, nachdem die Bank gute Erstquartalszahlen veröffentlicht hatte. J.P. Morgan kletterten um 1,5 Prozent auf 42,12 Dollar, die Bank wird ihre Zahlen am Mittwoch präsentieren.
Wir erleben heute kein zweites Wachovia, beschrieb Analyst Owen Fitzpatrick von der Deutschen Bank die Stimmung. Die Schlagzeilen um die Bank hatten am Montag noch die Kurse gedrückt. Der Markt sei dabei, die Krise im Finanzsektor zu verdauen, hieß es am Markt. Was befürchtet wurde, war ein Scheitern des Finanzsystems. Die Mitteilungen einiger Banken von heute deuten aber daraufhin, dass das System funktioniert und einige Akteure weiter im Geschäft sind, erläuterte Tony Dwyer, Analyst bei FTN Midwest.
Die vorbörslich veröffentlichten Konjunkturdaten sorgten indes auch für etwas Unterstützung. So ist der Empire State Manufacturing Index für den April auf 0,63 Punkte gestiegen. Erwartet worden waren minus 17,50 Zähler. Allerdings sei der Index durch starke Schwankungen gekennzeichnet, so dass aus dem einzelnen regionalen Indikator nur schwerlich auf die Entwicklung des ISM-Index geschlossen werden könne, merkten Volkswirte an.
Die Erzeugerpreise haben im März um 1,1 Prozent zugelegt, während nur ein Anstieg um 0,5 Prozent erwartet worden war. Vor allem gestiegene Energie- und Nahrungsmittelpreise haben sich hier ausgewirkt. So kletterten die Energiepreise um 2,9 Prozent, die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich um 1,2 Prozent. Ohne diese beiden häufig stark schwankenden Komponenten haben die Kernerzeugerpreise aber nur um 0,2 Prozent gegenüber Februar zugelegt, was den Erwartungen entsprach.
Die vorbörslich veröffentlichten Erstquartalszahlen von Johnson & Johnson waren mit einem Gewinn von 1,26 Dollar je Aktie besser als von Analysten erwartet ausgefallen. Diese hatten im Schnitt mit 1,20 Dollar je Aktie gerechnet. Zudem hat der Konsumgüter- und Gesundheitskonzern die Prognose für den operativen Gewinn im laufenden Geschäftsjahr angehoben. Der Aktie half dies jedoch wenig: Sie verlor 0,1 Prozent auf 65,65 Dollar, nachdem der Kurs zwischenzeitlich deutlicher im Minus notierte hatte. Intel, die nachbörslich Zahlen vorlegten, schlossen mit 1,1 Prozent im Plus bei 20,91 Dollar. Exxon Mobil profitierten vom neuen Rekordhoch beim Ölpreis und legten um 1,2 Prozent auf 90,80 Dollar zu.
Amerikanische Anleihen notieren schwächer
Die amerikanischen Anleihen haben sich am Dienstagabend im späten New Yorker Geschäft schwächer gezeigt. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,50 Prozent fielen um 20/32 auf 99-8/32 und rentierten mit 3,59 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond gab um 1-9/32 auf 99-4/32 nach, seine Rendite stieg damit auf 4,43 Prozent.
Als Hauptgrund sahen Händler die über Markterwartung gestiegenen Erzeugerpreise in den Vereinigten Staaten. Eine steigende Inflation gehe zu Lasten von festverzinslichen Papieren, erläuterte ein Marktbeobachter. Gleichzeitig mache die Entwicklung künftige Zinsentscheidungen der amerikanischen Notenbank Fed deutlich schwieriger, hieß es weiter. Anhaltend hoher Inflationsdruck und die Stärke der Kernraten bringt die Fed auch weiterhin bei ihrem kurzfristigen Blick auf die konjunkturellen Risiken in Schwierigkeiten, so Analysten.
Die Erzeugerpreise kletterten im März gegenüber dem Vormonat um 1,1 Prozent. Volkswirte hatten mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet. Die Erzeugerpreise in der Kernrate - ohne die volatilen Preise für Nahrungsmittel und Energie - erhöhten sich verglichen mit dem Vormonat um 0,2 Prozent. Dies hatten Ökonomen im Vorfeld prognostiziert. Die Februar-Entwicklung in der Kernrate bestätigte das amerikanische Arbeitsministerium mit plus 0,5 Prozent.
Belastet habe den Markt für Staatsanleihen auch die Stabilisierung des von der Federal Reserve Bank of New York ermittelte Index für die allgemeine Geschäftstätigkeit im verarbeitenden Gewerbe des Distrikts. Der Empire State Manufacturing Index für April stieg auf plus 0,63 von minus 22,23 im März. Volkswirte hatten einen Stand von minus 17,50 prognostiziert. Im Februar war der Index erstmals seit Mai 2005 unter die Marke von Null gefallen. Werte über Null deuten daraufhin, dass die Mehrzahl der Unternehmen optimistisch gestimmt sind.
Ein wenig Unterstützung erhielten die amerikanischen Staatsanleihen von den Finanzzuflüssen in die Vereinigten Staaten im Februar. Die internationale Nettonachfrage nach langlaufenden amerikanischen Wertpapieren hat demnach einen positiven Saldo verzeichnet. Internationale Investoren kauften Wertpapiere mit Laufzeiten von mehr als einen Jahr für netto 60,1 Milliarden Dollar. Im Vormonat waren Papiere über netto 42,2 Milliarden Dollar nachgefragt worden. Die Zahlen gelten als Indikator für das Interesse ausländischer Investoren an amerikanischen Wertpapieren. Zur Finanzierung ihres massiven Leistungsbilanzdefizits benötigen die Vereinigten Staaten einen stetigen Zustrom an ausländischem Kapital.
Quellen: FAZ.NET, vwd, dpa, AP, AFP, Dow Jones, Bloomberg, Reuters, dpa-AFX, F.A.Z.
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Bildmaterial: FAZ.NET-Jan Bazing
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| INFINEON TECHNOLOGIE | +0,18 | +3,62 |
| BAYER AG INHABER - A | +1,25 | +2,32 |
| THYSSENKRUPP AG INHA | +0,55 | +1,74 |
| MUENCHENER RUECKVERS | -13,45 | -11,55 |
| DEUTSCHE POSTBANK AG | -3,94 | -8,16 |
| ALLIANZ SE VINK.NAME | -9,33 | -8,16 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.344,25 | -1,50 |
| TecDax | 715,79 | -0,80 |
| DowJones | 11.349,28 | -2,43 |
| Nasdaq | 2.280,11 | -1,97 |
| STOXX 50 | 3.307,05 | -1,42 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| Euro/Dollar | 1,57 | +0,28 |
| Bund Future | 111,38 | +0,40 |
| Gold | 931,20 | +0,38 |
| Öl | 124,98 | -1,22 |
