28. August 2008

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Nachgefragt

Warum studieren Sie eine Geisteswissenschaft?

Von Mischa Täubner



Anna-Maria Huhnt studiert im 5. Semester Anglistik und Spanisch an der Uni Bochum.
12. Mai 2008 
Nachgefragt bei Studenten: Warum studieren Sie eine Geisteswissenschaft?

Anna-Maria Huhnt studiert im 5. Semester Anglistik und Spanisch an der Uni Bochum.
Ich war mir nach meinem Abitur nicht sicher, was ich beruflich machen wollte. Viele aus meinem Bekanntenkreis haben mir geraten, etwas mit Wirtschaft zu studieren. Aber ich habe mich schließlich für solche Fächer entschieden, die mir Spaß machen. Ein konkretes Berufsziel habe ich bisher noch nicht. Ich bin mir nur sicher, dass ich nicht Lehrerin werden will - eigentlich schade, wenn man Spanisch und Englisch studiert. Jetzt mache ich erst einmal meinen Bachelor, dann sehe ich weiter. Sprachen, Kultur, Literatur, Reisen ... Gibt es einen Beruf, der diese Features beinhaltet? Genau das wäre dann mein Traumberuf.

Pascal Kronenbusch studiert im 6. Semester Philosophie und Psychologie an der Uni Trier.

Pascal Kronenbusch studiert im 6. Semester Philosophie und Psychologie an der Uni Trier.
Philosophie studiert man nicht für die Karriere, sondern für sich selbst. Um sich selbst besser zu verstehen. Philosophische Diskussionen zu führen, Begriffe zu analysieren und über die großen Menschheitsfragen nachzudenken, hat mir schon in der Schule Spaß gemacht. Deshalb finde ich es auch super, dass wir von der Fachschaft aus einen Stammtisch eingerichtet haben, bei dem wir uns über interessante Bücher und Denkansätze unterhalten. In der Psychologie beschäftige ich mich vor allem mit Entwicklungspsychologie. Der Werdegang von Kleinkindern interessiert mich. Geld ist mir nicht so wichtig. Deshalb habe ich meine Fächer auch nicht nach den Berufsaussichten und Verdienstmöglichkeiten ausgewählt. Ich würde nach dem Studium gerne weiter forschen - entweder an der Uni oder in einem Sozialforschungsinstitut.

Isabel Suditsch studiert im 7. Semester Germanistik und Anglistik an der Uni Stuttgart.
Ich habe mich, ehrlich gesagt, nach dem Abi nicht so wahnsinnig gut über die einzelnen Studienfächer informiert. Ich hatte in der Schule Deutsch Leistungskurs, die Arbeit mit Texten hat mir immer Spaß gemacht, da lag es nahe, Germanistik zu studieren. Anglistik habe ich gewählt, weil mir die englische Literatur so gut gefällt. Was die Berufsaussichten angeht, bin ich ganz optimistisch. Ich weiß zwar noch nicht, was ich werden will. Aber ich probiere derzeit alles Mögliche aus, habe beispielsweise Praktika beim Radio und im Theater gemacht. Demnächst schaue ich mir auch den PR-Bereich an. Ich erwarte nicht, nach dem Studium direkt in den Beruf meines Lebens einsteigen zu können. Die Vorstellung ist mir eher ein Graus. Es macht zurzeit viel mehr Spaß, viele neue Einblicke zu gewinnen.

Isabel Suditsch studiert im 7. Semester Germanistik und Anglistik an der Uni Stuttgart.

Simone Krämer studiert im 5. Semester Kunstwissenschaft an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.
Vor dem Studium hatte ich schon eine fotografische Ausbildung absolviert und auch als Fotografin gearbeitet - vor allem in der Werbung. Das hat mich aber nicht ausgefüllt. Ich wollte mich weiterentwickeln, künstlerischer arbeiten und mich auch theoretisch mit Kunst beschäftigen. Über Bilder zu sprechen und mit Bildern umzugehen, das ist meine Welt. Nach dem Bachelor möchte ich noch einen Master in Kunstgeschichte dranhängen. Meine Entscheidung für das Studienfach habe ich ganz klar mit Blick auf meine spätere berufliche Tätigkeit gefällt. Ich möchte als Freiberuflerin arbeiten, über Kunst schreiben, Ausstellungen konzipieren und auch unterrichten.

Benjamin Gildemeister studiert im 5. Semester Deutsche Sprache und Literatur sowie Philosophie in Hamburg.
Naturwissenschaften interessieren mich auch. Aber Texte zu analysieren, fand ich letztlich reizvoller. Das hat den Ausschlag gegeben. Sich bei der Wahl seines Studienfachs nach dem Arbeitsmarkt zu richten, das hat keinen Sinn. Nur wenn man Spaß an der Sache hat, hat man auch eine Chance. Was die Zukunft angeht, bin ich recht unbekümmert. Ich bin im Asta sehr aktiv, das ist nützlicher als jedes Praktikum. Durch die hochschulpolitische Arbeit kriege ich Einblicke in verschiedenste Bereiche: Ich habe Pressearbeit gemacht, mich beim Universitätsfernsehen beteiligt, lerne strategisches Vorgehen und knüpfe viele Kontakte. Nach dem Studium wird sicher erst noch eine Orientierungsphase kommen. Aber ich kann mir vorstellen, im politischen oder journalistischen Bereich zu arbeiten.

David Müller studiert im 7. Semester Theater- und Medienwissenschaft an der Uni Erlangen-Nürnberg.

Anne-Carin Huber studiert im 4. Semester Erziehungswissenschaft, Islamwissenschaft und öffentliches Recht in Heidelberg.
Nach der Schule habe ich ein Praktikum in einem Heim für unterernährte Kinder in Nepal gemacht. Danach war klar: Ich will entweder in der Entwicklungshilfe im Ausland tätig sein oder hierzulande mit Migranten arbeiten. Pädagogik und Islamwissenschaft passten am besten zu meinem Interesse an sozialer Arbeit und an fremden Kulturen und Sprachen. Um wenigstens irgendetwas Handfestes zu machen, habe ich zudem öffentliches Recht als Nebenfach gewählt. Dass sich aus meiner Fächerkombination kein festes Berufsbild ergibt, macht mir schon Sorgen. Da haben es beispielsweise Juristen besser. Wahrscheinlich bin ich aber auch weniger unbekümmert als meine Kommilitonen, weil ich ein Kind habe. Gerade stecke ich noch in der Babypause. Mal sehen, wie es dann weitergeht.

David Müller studiert im 7. Semester Theater- und Medienwissenschaft an der Uni Erlangen-Nürnberg.
Eigentlich wollte ich Schauspieler werden. Doch dann hatte ich irgendwie nicht den Mumm und den Drang, um einen der heiß begehrten Plätze an der Schauspielschule zu kämpfen. Jetzt bin ich über meine Entscheidung sehr glücklich, das Studium lässt mir viele Freiräume. Theater war schon immer meine große Leidenschaft. In der Schule war ich in der Theater AG und habe sogar ein eigenes Stück inszeniert. Mir ist es wichtig, kulturell und kreativ tätig zu sein. Was ich später mal machen werde, weiß ich noch nicht. Im Filmbereich zu arbeiten, das könnte ich mir sehr gut vorstellen, am liebsten in der Regie. Ich drehe gerade einen eigenen Film, und vielleicht bewerbe ich mich nach dem Studium für die Filmhochschule. Ich glaube, wenn man sich engagiert und Projekte anstößt, ergibt sich immer irgendetwas.

Simone Krämer studiert im 5. Semester Kunstwissenschaft an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

Konstantin Niehaus studiert im 6. Semester Germanistik und Geschichte an der Uni Augsburg.
Studium oder Berufsausbildung? Das war die Frage, die mich nach dem Abitur beschäftigt hat. Ich habe mich dann für das Studium entschieden, weil ich das machen wollte, was mich wirklich interessiert. Ich genieße es, dass man im Studium nicht so festgelegt ist, sondern ganz verschiedene Seminare besuchen kann. Ich bin aber nicht so einer, der in den Tag hinein studiert und sich um seine berufliche Zukunft keine Gedanken macht. Ich weiß genau, wo ich arbeiten will: als Lektor in einem Verlag. Mich interessiert alles, was mit Büchern zu tun hat: die Sprache, aber auch das Design und die Ökonomie des Verlagswesens. Demnächst mache ich mein erstes Praktikum in einem Verlag, bei Weltbild. Ich hoffe, dass ich nach dem Studium recht schnell einen Job finde. Eine längere Durchhängerphase ist nichts für mich.

Text: Hochschulanzeiger Nr. 96, 2008, Seite 36
Bildmaterial: privat