09. Juli 2008

intensiv

Geisteswissenschaftler - Erst das Vergnügen und dann die Arbeitslosigkeit?



Es fällt ihnen nach dem Studium schwerer als anderen Absolventen, einen Job zu finden. Sie verdienen weniger und halten sich häufiger mit Übergangsjobs über Wasser. Geisteswissenschaftler werden daher gerne als weltfremde Schöngeister verspottet - gebildet, aber nicht gebraucht. Was ist dran an diesem Klischee? In unserer Mai-Ausgabe nehmen wir die Berufsperspektiven von Sprach- und Kulturwissenschaftlern unter die Lupe. Wie ergattert man einen der begehrten Jobs in den klassischen Berufsfeldern wie Museen, Bibliotheken oder Buchverlagen? Wie machen sich Geisteswissenschaftler fit für Kreativjobs in den Medien, der Werbung und PR? In welchen Bereichen und Unternehmen der freien Wirtschaft bieten sich ihnen interessante Arbeitsmöglichkeiten? Und unter welchen Voraussetzungen empfiehlt sich der Weg in die Selbständigkeit? Wir zeigen die spezifischen Stärken von Geisteswissenschaftlern auf, stellen die Karrierewege von erfolgreichen Geisteswissenschaftlern vor und fragen, wie man als Student einer Sprach- oder Kulturwissenschaft ein konkretes Berufsbild entwickelt.

Bildmaterial: Labor
 
Artikel-Service
DruckenDrucken
VersendenVersenden
Lesezeichen
Vorherige SeiteVorherige Seite
 
Geisteswissenschaftler ticken anders
Erst das Vergnügen ... und dann die Arbeitslosigkeit?

Die meisten studieren, ohne zu wissen, was sie später beruflich machen wollen. Danach halten sie sich häufig mit Übergangsjobs über Wasser - und verdienen deutlich weniger als die Absolventen anderer Fächer. In der Öffentlichkeit werden sie gerne als weltfremde Schöngeister verspottet - gebildet, aber nicht gebraucht. Was treibt Historiker, Germanisten, Philosophen zu ihrem Fach? Mit welchem Gefühl studieren sie? Und was wird aus ihnen fünf Jahre nach ihrem Examen? 


Kostbare Exoten
Die Wirtschaft will Querdenker

Die Erfahrung hat gezeigt: Geisteswissenschaftler tragen erheblich zum wirtschaftlichen Erfolg bei. Kein Wunder also, wenn sie zum Objekt der Begierde vieler Personaler werden. 


AA, EU, Uno
Jobs für alle, die in der Welt etwas bewegen wollen

Auch in der internationalen Politik bieten sich interessante Einstiegsmöglichkeiten für Geisteswissenschaftler. Allerdings müssen sich die Bewerber einem extrem harten Auswahlverfahren stellen, das entsprechend nur wenige schaffen. Leichter gelingt der Start in Nichtregierungsorganisationen (NGO) oder Institutionen für politische Bildung. 


Geisteswissenschaftler sollten
Was Karriereberater empfehlen

Früher darüber nachdenken, was sie eigentlich wollen. Eifriger Kontakte knüpfen, um den passenden Beruf zu finden. Und in der Bewerbung überzeugender argumentieren. Arbeitsmarktexperten müssen es ja wissen. 


Nachgefragt
Warum studieren Sie eine Geisteswissenschaft?

Nachgefragt bei Studenten: Warum studieren Sie eine Geisteswissenschaft? 

Anna-Maria Huhnt studiert im 5. Semester Anglistik und Spanisch an der Uni Bochum.
Medien, PR, Werbung
Warum es nicht reicht, ein Kafka-Experte zu sein


Dass Arbeitgeber der Medien-, PR- und Werbebranche auf Geisteswissenschaftler fixiert seien, stimmt nicht so ganz. In Wahrheit suchen sie nämlich vor allem Praxiserprobte - und die dürfen dann auch gerne einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund haben. 

Nichts ist unmöglich
Berufswunsch: »Irgend- etwas mit Kultur«


Als Historiker am Museum das Kulturerbe pflegen, als Germanist im Verlag Autoren entdecken oder als Sprachwissenschaftler sich um die Bibliothek an der Hochschule kümmern - solche Jobs sind rar gesät. Wer an sie heran will, muss zielbewusst und ausdauernd sein. 

Gründen, um zu leben
Erst mal kleine Brötchen backen

Astrid Göschel hat Germanistik, Romanistik und Rhetorik studiert. Jetzt ist sie selbständige Rhetoriktrainerin und Inhaberin der Firma Sprachingenieurin.

Wenn Geisteswissenschaftler ein Unternehmen gründen, fangen sie meist ganz bescheiden an. Wer seine Selbständigkeit nicht als Erwerbstätigkeit zweiter Klasse begreift, sondern unternehmerisches Denken entwickelt, hat gute Chancen auf ein erfülltes Berufsleben. 

Was geht denn hier ab
Nach dem Studium kommt der Praxisschock


Ingenieure, Mediziner und Juristen haben es gut: Die wissen schon vor dem Studium, was sie einmal werden können. Und haben dann am Ende auch schon eine ziemlich konkrete Vorstellung von dem, was sie in der Berufswelt erwartet. Die meisten Geisteswissenschaftler haben allenfalls einen blassen Schimmer.