Geboren am 2. Juni 1920 in Wloclawek an der Weichsel, wuchs in Berlin auf und wurde im Herbst 1938 nach Polen deportiert. Von 1940 bis 1943 lebte er im Warschauer Ghetto, später – nach der Flucht aus dem Ghetto – illegal in Warschau. Seine literarische Arbeit begann nach dem Krieg in Polen. Zunächst als Verlagslektor tätig, war er ab 1951 freier Schriftsteller in Warschau. Er befasste sich vor allem mit der Kritik der deutschen Literatur. Anfang 1953 wurde gegen ihn aus politischen Gründen ein generelles Publikationsverbot erlassen, das bis Ende 1954 in Kraft blieb. 1958 kehrte er von einer Studienreise in die Bundesrepublik nicht mehr nach Polen zurück. Er lebte von 1959 bis 1973 in Hamburg und war in diesen Jahren ständiger Literaturkritiker der Wochenzeitung „Die Zeit“, von 1965 bis 1972 auch Mitarbeiter der Encyclopaedia Britannica. Von 1958 bis 1967 nahm er an den Tagungen der Gruppe 47 teil. Von 1977 bis 1986 war er Sprecher der Jury des Klagenfurter Wettbewerbs um den Ingeborg-Bachmann-Preis. Vortragsreisen führten ihn in die Vereinigten Staaten, nach Kanada, Israel, China, Australien und Neuseeland sowie in zahlreiche europäische Länder. 1968 war er Gastprofessor an der Washington University in St. Louis (USA) und 1969 am Middlebury College (USA), von 1971 bis 1975 ständiger Gastprofessor für Neue Deutsche Literatur an den Universitäten von Stockholm und Uppsala. Er ist seit 1974 Honorarprofessor an der Universität Tübingen. Von 1973 bis 1988 leitete er in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung die Redaktion für Literatur und literarisches Leben. Er ist jetzt weiterhin bei der F.A.Z. als Kritiker und Redakteur der Frankfurter Anthologie tätig. Reich-Ranicki erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem: den Thomas- Mann-Preis (1987), den Bayerischen Fernsehpreis (1991), den Ludwig-Börne-Preis (1995), die Goldene Kamera (2000), den Hölderlin-Preis (2000), den Goethepreis (2002) und den Henri-Nannen- Preis (2008) sowie die Ehrendoktorwürde der Universitäten Uppsala (1972), Augsburg (1992), Bamberg (1992), Düsseldorf (1997), Utrecht (2001), München (2002), Berlin (2006 und 2007) und Tel Aviv (2006). Zu seinen wichtigeren Veröffentlichungen gehören: „Deutsche Literatur in West und Ost“ (1963/1983), „Über Ruhestörer. Juden in der deutschen Literatur“ (1973/1989), „Nachprüfung. Aufsätze über deutsche Schriftsteller von gestern“ (1977/1980/1990), „Thomas Mann und die Seinen“ (1987), „Thomas Bernhard“ (1990), „Max Frisch“ (1991), „Ohne Rabatt. Über Literatur aus der DDR“ (1991), „Der doppelte Boden“ (1992), „Die Anwälte der Literatur“ (1994), „Ungeheuer oben. Über Bertolt Brecht“ (1996), „Der Fall Heine“ (1997), „Mein Leben“ (1999), „Vom Tag gefordert“ (2001), „Erst leben, dann spielen“ (2002), „Sieben Wegbereiter“ (2002), „Goethe noch einmal“ (2002), „Über Literaturkritik“ (2002), „Kritik als Beruf“ (2002), „Unser Grass“ (2003), „Über Amerikaner“ (2004) und „Aus persönlicher Sicht“ (2006). Herausgeber (u. a.) von: „Frankfurter Anthologie“ (bisher 31 Bände), Alfred Polgar „Kleine Schriften“ (6 Bände), Wolfgang Koeppen „Gesammelte Werke“ (6 Bände), „Romane von gestern – heute gelesen“ (3 Bände), „Der Kanon. Die deutsche Literatur“ (2002–2006) und „Meine Gedichte. Von Walther von der Vogelweide bis heute“ (2003).
F.A.Z., Feuilleton
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