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Leverkusen - Mönchengladbach 3:6 Die Torfabrik arbeitet auch am Sonntag

29.08.2010 ·  Was für ein unglaubliches Bundesliga-Spiel: Bei Ballacks Heimdebüt gelingt Mönchengladbach nicht nur ein Traumtor. Am Ende siegt die Borussia 6:3 bei Bayer. Leverkusen kassiert erstmals im eigenen Stadion sechs Treffer. Und Ballack wird ausgewechselt.

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Es war ein Spektakel der seltenen Art, das die 30.200 Zuschauer am Sonntagnachmittag in der Leverkusener Arena erlebten. Und sofern sie auch noch Fans der Borussia aus Mönchengladbach waren, konnten sie einen ganz besonderen Freudentag genießen. 6:3 gewann die Mannschaft von Michael Frontzeck das Westderby der Fußball-Bundesliga - für die Borussia war es der erste volle Erfolg gegen Leverkusen nach 26 glücklosen Versuchen, für das Bayer-Team, das so stark in die Saison gestartet war, bedeutete es einen ebenso unerwarteten wie herben Dämpfer.

Patrick Herrmann (20. und 44. Minute), Roel Brouwers (40.), Juan Arango (56.), Mohamadou Idrissou (60.) und Marco Reus (69.) erzielten die Tore für eine in allerbester Fohlen-Manier konternde und kombinierende Borussia, die sich das anschließende Lob ihres Trainers in jeder Hinsicht verdient hatte. „Für unsere Verhältnisse war das perfekt nach vorne gespielt“, sagte Michael Frontzeck nach dem Spiel. Noch etwas knackiger brachte es Marco Reus auf den Punkt. „Wunderschönes Spiel, wunderschöne Tore“, sagte der Mittelfeldspieler.

Für Bayer hingegen waren die Treffer von Eren Derdiyok (24.), Arturo Vidal (58., Foulelfmeter) und Stefan Kießling (70.) nur ein schwacher Trost. Trainer Jupp Heynckes konnte am Ende nur noch den Kopf schütteln konnte ob der Vorführung durch seinen früheren (Herzens-) Klub. „Wir haben Gladbach zur Party eingeladen, und dafür sind wir bestraft worden“, sagte er. Torwart René Adler, der von Bundestrainer Löw für die EM-Qualifikationsspiele gegen Belgien und Aserbaidschan in der nächsten Woche nominiert wurde, fühlte sich von seinen Vorderleuten ganz und gar im Stich gelassen. „Die ganze Defensive war eine Katastrophe“, schimpfte er - und das nicht zu Unrecht.

Leverkusen beginnt dominant - doch Borussia siegt

Dabei war Bayer gar nicht einmal so schlecht in das Derby gestartet. Für Heynckes hatte es keinen Grund gegeben, an der beim 2:0-Auftaktsieg in Dortmund überzeugenden Formation etwas zu ändern. Es verstand sich, dass die während der Woche in der Europa-League-Qualifikation gegen Simferopol geschonten Ballack, Kießling, Renato Augusto, Kadlec und Hyypiä - der seinen Vertrag am Wochenende bis 2012 verlängerte - ins Team zurückkehrten. Und Bayer begann gewohnt dominant, zeigte eine gute Raumaufteilung, auch Ballack war gleich im Spiel und wirkte präsent. Die erste Leverkusener Chance hatte nach elf Minuten Kießling, dessen Kopfball nach Barnetta-Flanke Torwart Bailly jedoch parierte.

Die Gladbacher mögen nicht die individuelle Klasse der Leverkusener besitzen, aber es machte doch von Beginn an Eindruck, wie beherzt und zielstrebig sich die Mannschaft präsentierte. Vor allem Idrissou war viel unterwegs und eine stete Bedrohung für das Bayer-Tor. Seinen ersten großen Moment hatte der Kameruner, als er dem allzu sorglosen Vidal nahe der Grundlinie den Ball abluchste und präzise nach innen flankte. Dort kam Herrmann genau zur rechten Zeit und drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Während die Gladbacher ihre zu diesem Zeitpunkt etwas unverhoffte Führung bejubelten, schien Vidal sich für seinen Anfängerfehler zu schämen. Kurz darauf hätte Bradley sogar das 2:0 für die Borussia erzielen können, doch sein Schuss vom Fünf-Meter-Eck verfehlte das Tor.

Stattdessen hatte Bayer nur eine Minute später eine Antwort parat. Castro flankte in den Strafraum, wo Derdiyok ein dankbarer Abnehmer war - 1:1 also, und die Leverkusener versuchten mit Macht, den zweiten Treffer zu erzielen. Doch wieder fehlten Kießling bei einem Kopfball ein paar Zentimeter, der Ball traf die Latte. Es war in der ersten Hälfte der letzte lichte Moment für Bayer. Die Schlussminuten der ersten Hälfte gehörten dann wieder der Borussia, die Konterfußball von vorzüglicher Qualität vorführte. Einen Volleyschuss von Reus parierte Adler noch, doch einen weiteren von Marx konnte er nicht festhalten - Brouwers nutzte den Abpraller. Und als Herrmann es kurz darauf volley versuchte, gab es für Adler rein gar nichts zu halten - ein spektakulärer Volltreffer des erst 19 Jahre alten Herrmann in seinem 15. Bundesligaspiel.

Nach 63 Minuten ist Ballacks Nachmittag zu Ende

War es schon in den ersten 45 Minuten ein ausgesprochen munteres Spiel, wurde es in der zweiten Hälfte zu einem Unterhaltungsprogramm, das den Atem raubte. Dabei überraschte vor allem, wie souverän die Gladbacher die Bayer-Bemühungen klein hielten und selbst weiter munter drauflos stürmten. Nach drei weiteren Toren - zwei für die Borussia und eines für Bayer - binnen fünf Minuten war die Partie praktisch entschieden.

Damit war zumindest für Ballack, der nach ordentlichem Beginn kaum mehr zu sehen war, der deprimierende Nachmittag zu Ende: nach 63 Minuten wurde er ausgewechselt. Zugaben in Form von Toren jedoch hatten beide Teams noch im Repertoire - am eindrucksvollen Sieg der Borussia änderten sie nichts, aus Leverkusener Sicht aber kam noch eine statistische Fußnote hinzu, die deutlich machte, wie derb die Pleite ausgefallen war: Sechs Gegentore in der eigenen Arena - das hatte es für Bayer in der Bundesliga noch nicht gegeben.

Bayer Leverkusen - Bor. Mönchengladbach 3:6 (1:3)
Leverkusen:
Adler - Castro, Reinartz, Hyypiä, Kadlec - Vidal (71. Balitsch), Ballack (63. Bender), Renato Augusto, Barnetta (63. Jørgensen) - Kießling, Derdiyok - Trainer: Heynckes.
Mönchengladbach: Bailly - Levels, Brouwers, Dante, Daems - Marx, Bradley - Herrmann (80. Schachten), Reus (85. Neustädter) - Arango (75. Bobadilla) - Idrissou - Trainer: Frontzeck.
Schiedsrichter: Stark (Ergolding)
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Herrmann (20.), 1:1 Derdiyok (24.), 1:2 Brouwers (40.), 1:3 Herrmann (44.), 1:4 Arango (56.), 2:4 Vidal (58./Foulelfmeter), 2:5 Idrissou (60.), 2:6 Reus (69.), 3:6 Kießling (70.)
Gelbe Karten: Castro / Marx

Quelle: FAZ.NET
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