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Ausstellungen Orientierung im Kunstdschungel

28.09.2011 ·  Orientierung im Kunstdschungel

Von Swantje Karich
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In welche Himmelsrichtung will ich mich in dieser Woche wenden, welchen Zug will ich besteigen? Es gäbe eine Tour von Hamburg - mit den Deichtorhallen und ihrer Schau zum Thema „Wunder“ -, dann weiter nach München; dort steht der radikale Ellsworth Kelly an mit seinen Farbfeldern. Auch Frankfurt lohnt, denn dort eröffnet die Schirn ihre Schau für die isländische Künstlerin Gabriela Fridriksdóttir mit dem kryptischen Titel „Crepusculum“. Und in Kassel zeigt Danh Vo seine Bemühungen, die New Yorker Freiheitsstaue eins zu eins nachzubilden.

Doch in dieser Woche gibt es eine Stadt, die allen den Rang abläuft. Es ist Berlin. Dort häufen sich die zwingenden Ausstellungen: Tomas Saracenos Clouds à la Buckminster Fuller im Hamburger Bahnhof sind sicherlich der Publikumsmagnet. Die große „Pergamon“-Ausstellung eröffnet, und in der Neuen Nationalgalerie brilliert Taryn Simon. Und dann gibt es ja auch noch den Gropiusbau: Dort schlägt Hokusai seine Wellen. Jedoch in eine kleine Ausstellung in den „Kunstwerken“ sollte der Berlinbesucher auch den Weg finden. Dort wird eines unserer entscheidenden Alltagsfragen behandelt: Können wir unseren Bildern noch trauen?

Der rauhe Alltag in Ramallah

Diese Frage stellte sich in den vergangenen Jahrzehnten mit zunehmender Härte. Die Medienwelt hat unsere Gesellschaft revolutioniert und unsere Wahrnehmung verändert. Heute ist das Wissen um die Manipulation der Bilder eine Alltagserfahrung geworden. Doch gerade in Kriegssituationen, in Ländern, in denen Bildung nicht für jeden zugänglich ist, spielt der Wahrheitsgehalt immer noch eine große Rolle. Khaled Hourani dokumentiert einen realen (Betrugs-)Fall. Er geschah im rauhen Alltag der Menschen in Ramallah. In einem Zoo wünschten sich Kinder ein Zebra, und so wurde einfach ein Esel mit schwarzen und weißen Streifen angemalt. Der Künstler hat die falschen Zebras auf einer Postkarte festgehalten und bietet sie den Besuchern als Souvenir an.

Eine humorvolle Art sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, hat auch die Amerikanerin Anita Di Bianco gefunden: Sie hat eine Zeitung herausgegeben, die nur mit „Corrections and Clarifications“ gefüllt ist. Die Richtigstellungen auch aus deutschen Tageszeitungen sind in ihrer Fülle ein Dokument über die fehleranfällige Medienwelt und die kaum zubändigende Informationsflut.

Nicht alle Manipulationen sind vergleichsweise so harmlos. Sehen ist Glauben - dieses Wissen zeigt uns die Ausstellung mit aller visuellen Kraft.

Kunstwerke Berlin. Seeing is believing. Bis zum 13. November.

Quelle: F.A.Z.

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Jahrgang 1978, Redakteurin im Feuilleton.

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