24.07.2011 · Skandinavische Monarchen gelten als „weltoffen“. Auch Norwegens König Harald V. wird seiner Rolle gerecht. In einer Fernsehansprache tröstet er sein Land und spricht aufmunternde Worte für sein Volk.
Von Peter SturmSkandinavische Monarchen umgeben sich in der Regel nicht mit der Aura des Unnahbaren wie die Herrscher in Großbritannien oder anderswo. Vielmehr geben sie sich gerne volksnah, womit sie dem Bild entsprechen, das die Außenwelt von ihren Ländern hat. Man nennt das gerne "weltoffen". Dass in Wirklichkeit durchaus nicht alles so romantisch ist wie Landschaftsbilder nahelegen, weiß man nicht erst seit diesem schrecklichen Freitag, als zuerst eine gewaltige Explosion, später ein Massaker an Jugendlichen die ruhige Welt Norwegens erschütterten. Wie immer in solchen Situationen ist das politisch machtlose Staatsoberhaupt als Tröster und Einiger gefragt. Und König Harald V. wurde seiner Rolle gerecht. Einen "Angriff auf unsere Gesellschaft und unsere Demokratie" habe das Land gerade erlebt, sagte Harald in einer Fernsehansprache. Und er hatte, so schwer es ihm auch gefallen sein mag, gleich noch einige aufmunternde Worte für seine geschockten Landsleute parat. Er glaube fest daran, dass Freiheit stärker sei als Angst und dass es weiterhin möglich sei, frei und sicher in Norwegen zu leben. Auch seiner traurigen Pflicht, Überlebenden des Massakers Zuspruch zu geben, kam der Monarch sogleich nach.
Schwierige Zeiten hat der am 21. Februar 1937 geborene Harald schon in frühester Kindheit erlebt. Gemeinsam mit Vater Olav und Großvater Haakon verließ er nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Jahre 1940 das Land. Harald wurde in die Vereinigten Staaten gebracht, die beiden anderen blieben während des Krieges in Großbritannien. Mit dieser Flucht ersparte sich das norwegische Königshaus eine Vertrauenskrise, wie sie das belgische durchzumachen hatte, dessen höchster Repräsentant während des Krieges sein Land nicht verlassen hatte.
Nicht nur aus Pflichtbewusstsein
Trotzdem rief der damalige Kronprinz eine Verfassungskrise hervor, als er darauf bestand, seine Jugendliebe Sonja, eine "Bürgerliche", zu heiraten. Erst nach jahrelangem Kampf erlaubte König Olav im Jahre 1968 die Heirat. Damals war er schon seit zehn Jahren gelegentlich als Regent für den kranken Vater eingesprungen. Endgültig bestieg Harald den Thron im Jahre 1991. Auf eine prunkvolle Krönung verzichtete man. Vielmehr wurde der neue Monarch in einer schlichten Zeremonie im Parlament vereidigt. Schlicht und ungezwungen gibt sich der König auch bei Begegnungen mit den Bürgern. Er wird als angenehmer Gesprächspartner beschrieben.
Seine Schulausbildung absolvierte Prinz Harald in einem "normalen" Gymnasium, also auch hier nicht abgeschottet von der Welt außerhalb der Paläste und Schlösser. Nach einer Offiziersausbildung studierte er in Oxford Wirtschaftswissenschaften, Geschichte und Politik. Seine Leidenschaft für das Segeln führte Harald zweimal, 1968 und 1972, zu Olympischen Spielen. Man darf deshalb annehmen, dass er nicht nur aus Pflichtbewusstsein Stammgast bei den alljährlichen großen Skiwettkämpfen am Holmenkollen ist.