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Geir Lippestad im Porträt Der Verteidiger

28.07.2011 ·  Die Strategie von Breiviks Verteidiger ist klar: Der Attentäter soll für schuldunfähig erklärt und in eine geschlossene Anstalt eingewiesen werden. Lippestad hat Erfahrung mit aufsehenerregenden Fällen - vor zehn Jahren verteidigte er einen Neonazi.

Von Sebastian Balzter, Oslo
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Dreimal hat Geir Lippestad der Öffentlichkeit bisher über seine Gespräche mit Anders Behring Breivik berichtet, dreimal hatte der Rechtsanwalt Schockierendes mitzuteilen. Zuerst gab er das umfassende Schuldeingeständnis des Attentäters von Oslo und Utøya weiter, dann dessen Wunsch nach einer öffentlichen Vorführung vor dem Haftrichter, schließlich Breiviks wirre Vorstellungen vom norwegischen Rechtssystem. Er spreche kaltblütig und distanziert über den Bombenanschlag und den Massenmord, sagte Lippestad zuletzt über die Verfassung seines Klienten.

„Seine Sicht auf die Welt ist verschroben, aber er glaubt daran“, gab der Anwalt zu Protokoll. „Er ist anders als alle anderen Menschen, die ich bislang getroffen habe. Alles deutet daraufhin, dass er geisteskrank ist.“ Über seine eigene Verfassung lässt der 46 Jahre alte Jurist dabei statt Worten seine Augen sprechen. Trauer, Abscheu, Resignation liegen in ihnen, der passende Dreiklang zu einer unvorstellbar grausamen Tat.

Die Scheinwerfer der Fernsehkameras aber scheut Lippestad auch in diesem Zustand nicht, er hat Erfahrung mit aufsehenerregenden Fällen: Vor zehn Jahren übernahm er die Verteidigung eines jungen Neonazis, der zusammen mit zwei Freunden in einer Vorstadt von Oslo einen fünfzehnjährigen Jungen erstochen hatte, den die von seinem ghanaischen Vater geerbte Hautfarbe zum Ziel der Gewalt machte. Statt zu der im norwegischen Strafgesetzbuch festgeschriebenen Höchststrafe von 21 Jahren wurde der Haupttäter zu 18 Jahren Haft verurteilt.

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Lippestads Strategie: Breivik soll für schuldunfähig erklärt werden

Auf einen vergleichbaren Erfolg hofft Lippestad diesmal nicht. Zwar ist es noch lange bis zu den Plädoyers in diesem Prozess, aber den Kurs hat der Mann mit dem kahl rasierten Schädel schon abgesteckt: Sollte das Gericht Breivik für schuldunfähig erklären und ihn als Folge in eine geschlossene Anstalt einweisen, wäre die Strategie aufgegangen. Ob Lippestad den Attentäter bis zum Urteil begleiten wird, lässt sich zurzeit indes noch kaum abschätzen.

Dass Breivik nach seiner Festnahme am vergangenen Freitag offenbar sehr schnell den hochgewachsenen Juristen, der eine Kanzlei in Oslo leitet, als seinen Verteidiger gewählt hat, lässt sich nur mit jener zehn Jahre zurückliegenden Episode aus dessen Berufsleben erklären – oder mit einer Zufallsbekanntschaft, die norwegische Medien wegen der Nähe eines früheren Wohnorts des Terroristen zu Lippestads Kanzlei kolportieren.

Er ist Mitglied der Arbeiterpartei, die Breivik angriff

Politisch dagegen trennen sie Welten: Lippestad gehört der sozialdemokratischen Arbeiterpartei an, die Breivik angriff. Er habe stundenlang gezögert, sich mit seiner Familie beraten, berichtet Lippestad, als ihm der Wunsch des Attentäters überbracht worden war. Schließlich habe den Ausschlag gegeben, dass er von der großen Bedeutung eines funktionierenden Rechtssystems für die Demokratie überzeigt sei. „Hätte ich abgelehnt, dann hätte ich indirekt auch die Demokratie abgelehnt.“ Die Gruppe, die ihm dafür auf Facebook Respekt zollt, wächst seither stetig. Jetzt, sagt Lippestad, wolle er professionell seine Arbeit machen. „Und wenn ihm das nicht passt, dann muss er sich einen anderen suchen.“

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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