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Zur Erfolgsmeldung gezwungen?

10.04.2007 ·  Wie viele Zentrifugen Iran in Betrieb hat, ist noch nicht geklärt / Von Nikolas Busse

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FRANKFURT, 10. April. Am Dienstag war immer noch unklar, ob Iran tatsächlich einen größeren Fortschritt in seinem Atomprogramm erreicht hat. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien wollte zunächst keine offizielle Stellungnahme abgeben; ihre Inspekteure hatten gerade mit einem einwöchigen Besuch in der iranischen Urananreicherungsanlage in Natans begonnen. Es handelt sich um eine Routineuntersuchung, wie sie die IAEA in vielen Ländern vornimmt. Allerdings hatte Teheran die Arbeit der UN-Inspekteure in den vergangenen Jahren immer wieder eingeschränkt.

Unter westlichen Diplomaten herrschte noch einige Skepsis über die iranische Erfolgsmeldung vom Montag. Viele vermuteten, dass die Iraner noch nicht 3000 Zentrifugen in Betrieb haben, wie sie am Montag behauptet hatten. Diese Zahl gilt als kritische Schwelle, weil mit 3000 Zentrifugen genug hochangereichertes Uran für den Bau von ein bis zwei Atombomben im Jahr gewonnen werden kann. Manche Beobachter vermuteten, dass die iranische Regierung fast gezwungen war, in diesen Tagen einen Fortschritt im Atomprogramm zu vermelden. Immer wieder hatte Präsident Ahmadineschad in den vergangenen Monaten angekündigt, das Land werde noch im März mit der "industriellen Stufe" der Urananreicherung beginnen. Außerdem gab es einen Jahrestag, der Ahmadineschad gut zupass gekommen sein dürfte: Am 11. April 2006, vor genau einem Jahr, hatte das Land mit der Urananreicherung begonnen.

Bisher wusste man im Ausland, dass Iran in Natans zwei sogenannte Kaskaden mit je 164 Zentrifugen zum Laufen gebracht hatte. Das konnte nur als Testbetrieb gewertet werden, denn zur Herstellung von großen Mengen angereicherten Urans werden viele tausend Zentrifugen benötigt - egal, ob es um eine zivile oder eine militärische Nutzung geht. Allerdings hatten die Iraner nie einen Zweifel daran gelassen, dass sie diese umstrittene Technologie auszubauen gedenken. In Natans gibt es neben einer oberirdischen Pilotanlage einen (gegen Luftangriffe gesicherten) unterirdischen Maschinenraum, in dem mehr als 50 000 Zentrifugen Platz haben dürften. Auch ist bekannt, dass die Iraner seit Beginn des Jahres Sockel, Kabel und Klimaanlagen für mindestens 3000 Zentrifugen aufgebaut haben. "Sie haben die Anlage allmählich weiterentwickelt", sagte ein Diplomat dieser Zeitung. Vermutlich gab es aber auch technische Probleme.

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass Iran in Natans militärisch verwendbares Material hergestellt hat. Nach den Erkenntnissen der IAEA wurde Uran nur niedrig angereichert (3 Prozent), was ausreicht, um Brennstoffe für Kernkraftwerke herzustellen. Westliche Regierungen sind aber seit langem besorgt über die Arbeit in Natans, weil mit den dortigen Zentrifugen Uran auch hoch angereichert werden kann (mehr als 80 Prozent). Auf diese Weise lässt sich Sprengstoff für Atombomben gewinnen. Die iranische Regierung hebt immer wieder hervor, dass ihr Programm nur der Stromgewinnung diene. Vor einiger Zeit kam allerdings ans Licht, dass Teheran vom Nuklearschmuggelring des pakistanischen Atomingenieurs Abdul Quadir Khan eine Reihe von Bauplänen bezogen hat, unter denen auch Anleitungen zum Bau von Nuklearsprengköpfen waren. Außerdem wird vor allem in Amerika immer wieder der Verdacht geäußert, es könne noch ein geheimes militärisches Atomprogramm in Iran geben.

Der UN-Sicherheitsrat verlangt die Aussetzung der Anreicherung und anderer militärisch nutzbarer Nuklearverfahren; danach soll in Verhandlungen eine unbedenklichere Struktur des iranischen Programms gefunden werden, etwa durch eine Anreicherung im Ausland. Da Iran darauf bisher nicht eingegangen ist, verhängte der Sicherheitsrat im Dezember zum ersten Mal Sanktionen gegen das Land, die Ende März verschärft wurden. Danach ist unter anderem die Lieferung von Ausrüstung für das Atom- und Raketenprogramm Irans verboten. Diese Strafmaßnahmen, die eigentlich noch nicht besonders hart sind, haben in den vergangenen Monaten bereits Wirkung gezeigt. Immer mehr westliche Firmen, vor allem Banken, schränken ihr Engagement in Iran ein.

Quelle: F.A.Z., 11.04.2007, Nr. 84 / Seite 6
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