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Zuglärm: Mehr als 100 Dezibel in Wohnhäusern

03.07.2008 ·  Messungen bestätigen hohe Belastungen im Rheintal

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obo. RHEINGAU. Neue Lärm- und Erschütterungsmessungen an der Rheingauer Bahnstrecke, die das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie im Mai in Wohnhäusern in Lorch und Oestrich-Winkel vorgenommen hat, belegen die hohe Belastung der Anwohner. In Oestrich-Winkel wurde ein Maximalpegel von 93,4 Dezibel, in Lorch von 100,8 Dezibel erreicht. Die sogenannten Sanierungswerte werden an beiden Standorten damit deutlich überschritten - trotz Schallschutzwänden in Oestrich-Winkel und des Einbaus von Schallschutzfenstern in Lorch.

"Erschreckend" nennt die Rheingauer Landtagsabgeordnete Petra Müller-Klepper (CDU) die Ergebnisse. Die passiven Schallschutzmaßnahmen seien unzureichend, um die Menschen an der Bahntrasse zu schützen. Der Lärm müsse an der Quelle bekämpft werden, beispielsweise durch moderne Bremsen, lärmarme Drehgestelle sowie Absorber an Schienen und Rädern. Angesichts der hohen Zahl von Güterzügen im Rheintal und wegen des zu erwartenden Anstiegs beim Zugverkehr von 40 Prozent in den nächsten Jahren müsse die Verlagerung des Güterverkehrs auf eine Alternativtrasse mit "Nachdruck angegangen werden", fordert Müller-Klepper.

Die Messungen des Landesamts bestätigten zudem die Klagen der Anlieger über die zunehmende Belastung durch Erschütterungen. Dringend notwendig sei ein besserer Erschütterungsschutz. Die Menschen müssten vor negativen gesundheitlichen Auswirkungen geschützt werden. Erstmals liege eine messtechnische Grundlage für die Bewertung der Erschütterungen vor, die von der Bahn verursacht werden.

Unterdessen hat die CDU-Bundestagsabgeordnete für Mainz-Bingen, Ute Granold, auf die Notwendigkeit einer Alternativtrasse zur Verlagerung des Schienengüterverkehrs aus dem Rheintal hingewiesen. Der von Rheinland-Pfalz und Hessen vorgetragene Vorschlag zum Neubau einer Güterzugschienenstrecke parallel zum Mittelrheintal könne aber nur für den Fall verfolgt werden, dass sich durch den weiteren Ausbau der Verbindung Rotterdam-Genua langfristig erhebliche Kapazitätsengpässe im Rheintal ergeben sollten.

Das Bundesverkehrsministerium gehe jedoch davon aus, dass die Kapazitäten im Rheintal durch die Trennung von Güter- und Personenverkehr und von schnellen und langsamen Verkehren durch die Hochgeschwindigkeitsverbindung zwischen Köln und Frankfurt zunächst noch ausreichten. Für Granold kann aber nur eine Alternativtrasse das Lärmproblem im Rheintal lösen, und diese sei erst dann realistisch, wenn ein neuer Bundesverkehrswegeplan erstellt werde. Das sei überdies nicht nur eine Frage der Kapazitäten: Nicht alles, was an Verkehr durch das Rheintal geführt werden könne, sei den Anwohnern auch zumutbar. Die Erhöhung der Investitionen für den Lärmschutz, der Beginn der Umrüstung von Güterwaggons auf Flüsterbremsen sowie das Pilotprojekt "Leiser Rhein" zeigten, was mit einem gemeinsamen Vorgehen erreicht werden könne.

Der hessische CDU-Europaabgeordnete Michael Gahler erwartet in diesem Monat Lösungsvorschläge der EU-Kommission zur Lärmminderung. Die Kommission habe eingeräumt, dass die Lärmbekämpfung an den Zügen selbst ansetzen müsse, etwa durch die Umstellung auf leisere Kunststoffbremsen. Die Kommission favorisiere finanzielle Anreize für die Betreiber zur Umstellung auf leisere Bremsen. Gahler erhofft sich eine Abwägung zwischen finanziellen Anreizen, Subventionen und einem marktwirtschaftlichem "Bonus-Malus-Konzept".

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