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ZDF-Sportchef Gruschwitz "Nichts und niemand unterbindet Doping-Berichte"

26.04.2005 ·  ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz im F.A.Z.-Interview über die Dopingberichterstattung im Fernsehen.

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Dieter Gruschwitz war Judoka und kämpfte in der Nationalmannschaft, bevor er Fernsehjournalist wurde. Vom Sender Freies Berlin, dessen Bereich Sport im Fernsehen er geleitet hatte, wechselte der "Schwarzgurt" aus Neuwied am Rhein 1996 zum Zweiten Deutschen Fernsehen. Seit dem 1. Februar ist er als Nachfolger von Wolf-Dieter Poschmann Leiter der Hauptredaktion Sport.

Wann haben Sie zum letzten Mal über Doping berichtet?

Ich persönlich verstehe mich nicht als Storymacher, Reporter oder Autor, ich betreibe die Planung im Hintergrund. Aber wir im ZDF haben zuletzt am 9.April ausführlich im Sportstudio über den Dopingfall des Radprofis Danilo Hondo berichtet. Ich kann zudem mitteilen, daß bei uns derzeit zwei Kollegen, Wolf-Dieter Poschmann und Eike Schulz, damit beschäftigt sind, eine zweiteilige Doping-Dokumentation vorzubereiten. Sie wird im Juni 2005 in der ZDF-Sportreportage gesendet. Es wird eine Gesamtbetrachtung der Dopingsituation sein.

Verbieten Verträge für Sportrechte den übertragenden Sendern Berichte oder Kommentare zum Doping?

Überhaupt nicht. Das gibt es nicht, und das hat auch nie jemand versucht. Es gibt keine Beeinflussung von außen.

Und von innen? Ist Doping nicht ein Quotenkiller?

Nein, die Hauptredaktion Sport ist frei in der journalistischen Auswahl und Bearbeitung von Themen.

Gibt es Klagen oder Beschwerden, wenn Ihre Kommentatoren über Doping sprechen?

So etwas wird nicht immer gern gesehen, und Zwischentöne werden auch manchmal vernommen. Aber Druck oder die Androhung von Konsequenzen gibt es nicht.

Gibt es Sportarten, an denen das ZDF grundsätzlich nicht interessiert ist, weil offensichtlich oder bekanntermaßen Doping eine Rolle spielt?

Betrachten Sie Bodybuilding als Sportart?

Nein.

Von uns wird keine Sportart von der Berichterstattung ausgenommen, nur weil sie unter Dopingverdacht stehen würde. Die Abbildung der Wirklichkeit mit allen Verfehlungen ist dabei jedoch oberstes Prinzip.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, daß in den Sportredaktionen gejubelt wird, während für die kritische Berichterstattung andere Redaktionen zuständig sind?

Diese Feststellung kann ich nicht teilen. Ich glaube, daß wir uns als Sportredaktion durchaus kritisch mit bestimmten Entwicklungen im Sport auseinandergesetzt haben, und wir werden das auch weiter tun.

Chefredakteur Nikolaus Brender soll einmal von "Gewaltenteilung" gesprochen haben; die Sportredaktion zeige den schönen Sport, die politischen Magazine dessen Schattenseiten. Stimmt das nicht?

Eine solche Verteilung sehe ich nicht, ich kenne auch nicht die angesprochene Äußerung des ZDF-Chefredakteurs. Gerade die ZDF-Sportreportage ist ein Sendeformat, in dem wir uns auch der negativen Erscheinungen des Sports annehmen.

Ist die angekündigte Doping-Reihe die Folge der Verpflichtung eines Redakteurs von Frontal 21 für das Sportstudio?

Da gibt es keinen Zusammenhang.

Aber Sie haben doch wohl Ihr Potential für kritische Berichterstattung gestärkt.

Sicherlich ist Thomas Fuhrmann, also die Personalie, die Sie ansprechen, ein ausgewiesener Vertreter des politischen, kritischen Journalismus. Er ist aber zu uns gekommen, weil er eine große Affinität zum Sport hat und in seiner neuen Funktion eine große Herausforderung sieht. Er leistet mit der Fähigkeit, Dinge auch einmal von außen zu betrachten, wertvolle Arbeit.

Die Fragen stellte Michael Reinsch.

Quelle: F.A.Z., 27.04.2005, Nr. 97 / Seite 36
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