Home
http://www.faz.net/-1va-10q35
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Währungsfonds sagt Ungarn Hilfe zu

13.10.2008 ·  Die Regierung benötigt in der Finanzkrise Unterstützung für ihren Sparkurs

Artikel Lesermeinungen (0)

ela. WIEN, 13. Oktober. Die Europäische Union hat gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) Unterstützung für Ungarn angekündigt. "Wir sind bereit, alle zur Verfügung stehenden Instrumente zu nutzen, damit Ungarn seine Wirtschaft durch diese schwierigen Zeiten steuern kann", erklärten Vertreter des französischen EU-Ratsvorsitzes gemeinsam mit der Europäischen Kommission. Hintergrund ist die Schwäche der ungarischen Währung Forint.

Die Währung hatte in der Vorwoche mit einem Verhältnis von 265 zu einem Euro in der Spitze gegenüber dem Euro rund 10 Prozent an Wert verloren, während Investoren Geld aus dem Land abzogen. Wie hoch der Kapitalabfluss war, war am Montag nicht feststellbar. Die ungarische Zentralbank sprang stützend ein. Damit war aber der Wechselkurs noch immer deutlich von seinem Höchststand von 285 Forint entfernt, die im Sommer 2006 für einen Euro bezahlt wurden. Beobachter werten deshalb die Einschaltung des Währungsfonds als präventive Unterstützung der Regierung in der allgemeinen Krisenstimmung. Der ungarische Ministerpräsident Ferenz Gyurcsány sagte, er hoffe, dass Ungarn diese Hilfe niemals in Anspruch nehmen müsse. Möglicherweise wird Ungarn als erster europäischer Staat IWF-Kredite beantragen. Der IWF erklärte am Montag, er stehe deswegen in Gesprächen mit der Regierung in Budapest sowie mit Vertretern der EU und sei zur Unterstützung Ungarns bereit. Ökonomen halten Ungarn für verwundbar, weil das Land hoch verschuldet ist und das Bankensystem stark von ausländischem Geld abhängig ist. Mit rund 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) wird Ungarn in diesem Jahr vermutlich das größte Haushaltsdefizit innerhalb der gesamten Europäischen Union ausweisen. Jedoch wurde der Fehlbetrag seit dem Jahr 2006 mehr als halbiert. Im kommenden Jahr wollte Gyurcsány das Haushaltsdefizit nahe an das für die Europäische Währungsunion notwendige Konvergenzkriterium von 3 Prozent des BIP heranzuführen.

Juraj Kotian, Analyst in der Erste Bank in Wien, spricht mehr von psychologischer Notwendigkeit als von ökonomischer. Ähnlich argumentiert Wolfgang Ernst, Analyst in der Raiffeisen Zentralbank (RZB) in Wien: "Wenn die am Wochenende erarbeiteten Finanzmaßnahmen Wirkung zeigen, sehen wir keine Gefahr für die Währung in Ungarn."

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen