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IT-Ingenieure Polens Silicon Valley liegt am Rande der Karpaten

Polen wird das Cebit-Partnerland 2013. Im Großraum Krakau werden viele IT- Spezialisten ausgebildet. Das haben ausländische Konzerne längst genutzt. Doch auch die Wiege von Polens größter Softwareschmiede steht hier.

© ComArch Vergrößern Ein Professor an der Börse: Comarch-Gründer Janusz Filipiak

Wojciech und Michal sehen ihrer beruflichen Zukunft gelassen entgegen. Während der eine mit der Selbständigkeit liebäugelt, bevorzugt der andere die Arbeit für ein internationales Unternehmen. Furcht vor Arbeitslosigkeit? Die beiden 20 Jahre alten Männer schütteln den Kopf. „Nein“, sagt Wojciech, „wir wissen von den älteren Absolventen, dass wir am Arbeitsmarkt gute Chancen haben werden.“

Sven Astheimer Folgen:  

Was die beiden Studenten der Informationstechnologie im zweiten Semester noch zurückhaltend formulieren, spricht Krzysztof Zielinski offen aus: „Wer hier rausgeht, hat schon einen Arbeitsvertrag in der Tasche.“ Zielinski ist Leiter des computerwissenschaftlichen Instituts der AGH-Universität in Krakau, einer der ersten Adressen des Landes. Stolz führt er durch den gerade eröffneten Neubau seiner Fakultät, wo viele Laboratorien noch gar nicht fertig eingerichtet sind. In diesem mehr als 10 Millionen Euro teuren Gebäude, das sowohl architektonisch als auch technisch auf dem neuesten Standard ist, werden künftig rund 700 Spitzenkräfte ausgebildet. „Damit stehen wir westlichen Hochschulen in nichts mehr nach“, sagt Zielinski.

Krakau ist mit rund einer Dreiviertelmillion Einwohnern Polens zweitgrößte Stadt. Und wenn es um den Hochschulstandort geht, ist die frühere Hauptstadt immer noch die Metropole des Landes. 34 Universitäten und Hochschulen mit 200.000 Studenten und rund 30.000 Absolventen jedes Jahr sichern der Region Kleinpolen (Malopolska) im Südosten der Republik ein hohes Innovationspotential. Ein Potential, das ausländische Konzerne längst nutzen. Google, IBM und Motorola gehören zu den größten Investoren am Rande der Karpaten. Der amerikanische Motorola-Konzern hat in Krakau ein Design-Center errichtet, um die Entwicklung von digitaler Radiotechnologie voranzutreiben. „Dafür brauchen wir hochqualifizierte Mitarbeiter, und die finden wir hier“, sagt Jacek Drabik, Geschäftsführer von Motorola Polen. Rund zwei Drittel der Mitarbeiter kommen aus dem Großraum Krakau, der Rest aus anderen Landesteilen. Da hilft es, dass Krakau vielen als schönste Stadt Polens gilt. Und noch einen Standortvorteil macht der Manager aus: Behörden und Universitäten seien äußerst kooperativ.

Wawelburg - Der Wawel ist die ehemalige Residenz und Grabstätte der polnischen Könige in Krakau. Die Burganlage liegt auf einem Hügel über der Weichsel und beherbergt auch das Grab des verunglückten polnischen Präsidenten Lech Kaczinski und seiner Fr © Eilmes, Wolfgang Vergrößern Krakau: Polens frühere Hauptstadt lockt nicht nur Touristen, sondern mittlerweile auch IT-Konzerne an

“Das Humankapital und unsere Flexibilität sind unsere Vorteile“, sagt Zbigniew Kakol, der Vizedirektor der AGH. Man wolle die 35.000 Studenten nicht an den Bedürfnissen des Marktes vorbei ausbilden. Deshalb bereitet dem charismatischen Physiker auch die Nähe der Wissenschaft zur Wirtschaft keine Sorge - im Gegenteil. Gern erzählt er die Geschichte, als der Luftfahrtkonzern Sikorsky vor fünf Jahren für seinen polnischen Standort in Mielec Mechatronikspezialisten brauchte. Weil das Studium zu einem großen Teil Einsätze in den Unternehmen beinhaltet, war das Pendeln zwischen Mielec und Krakau keine Lösung. „Da haben wir halt eine Schule in Mielec aufgemacht“, sagt Kakol. Der Unterschied zu Deutschland liege darin, dass Polen sich noch um Kapital ausländischer Unternehmen bemühen müsse, findet der Hochschulmanager. Das mache mobil.

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Veröffentlicht: 13.03.2012, 14:50 Uhr