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Sorglosigkeit der Börsianer macht Technikern Sorgen

20.01.2010 ·  Positive Stimmung spricht für Kurskorrektur / Technische Kommentare von der Wall Street

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hi. FRANKFURT, 20. Januar. An der Wall Street stehen die Haussiers weiter fest am Ruder. Die Tendenz weist ungebrochen nach oben. Gelegentliche Rückschläge gelten weithin als willkommen. Sie stärkten die technische Grundlage der Aufwärtsbewegung, heißt es. Doch es sind auch Stimmen zu vernehmen, die von einer nachlassenden aufstrebenden Dynamik sprechen.

Weitgehende Einigkeit herrscht im Lager der technisch orientierten Analysten aber darüber, dass die Stimmung unter den Anlegern einen bedenklich großen Optimismus erreicht hat. Jedenfalls sei anhand der einschlägigen Indikatoren ein Maß von Sorglosigkeit gegenüber den vorhandenen Risiken zu messen, das zur Vorsicht mahne. Zudem stellen Techniker fest, dass nun eine Phase naht, in der der Markt traditionell zur Schwäche neigt.

David Rosenberg, Stratege bei Gluskin Sheff in Toronto, zählt unverändert zu den Pessimisten. Er weist auf die Entwicklung des VIX-Index hin, der die Schwankungsanfälligkeit (Volatilität) des amerikanischen Aktienmarktes aufzeigt. Dieser Index befinde sich auf dem niedrigsten Stand seit 19 Monaten, und das spiegele ein hohes Maß an Sorglosigkeit unter den Anlegern wider. Er macht ferner darauf aufmerksam, dass die Renditedifferenzen an den Anleihemärkten der Schwellenländer während der zurückliegenden Wochen kollabiert sind und dass sich die durchschnittliche Rendite amerikanischer Ramschanleihen auf dem niedrigsten Niveau seit Oktober 2007 befindet.

Schließlich verweist Rosenberg noch auf den Optimismus, der anlässlich der jeweils zum Beginn eines Jahres vom amerikanischen Finanzmagazin "Barron's" veranstalteten Diskussionsrunde von Finanzexperten vorherrschte. Dies alles spricht seiner Ansicht nach für eine weitverbreitete und bereits tiefverwurzelte optimistische Stimmung, die nichts Gutes für den Aktienmarkt verheiße. Stimmungsindikatoren wie die genannten sind in der Technischen Analyse klassische Kontraindikatoren.

Walter Murphy, ein weithin beachteter unabhängiger Techniker, zählt unter langfristigen Aspekten ebenfalls zu den Pessimisten. Er vermutet jedoch, dass in der laufenden Aufwärtsbewegung durchaus noch ausreichend Kräfte stecken, um die Indizes weiter nach oben zu tragen. Als sehr bedeutsam bezeichnet er die Marke von 1158 Punkten beim Standard & Poor's 500 Index (S&P 500). Sollte sie überwunden werden, wäre dies nach Ansicht des Analysten ein sehr hausseträchtiges Zeichen, denn damit würde dem Index wohl die Tür für einen Anstieg auf mehr als 1200 Zähler geöffnet. Am Mittwoch notierte der Index im frühen Handel auf 1150 Punkten.

Murphy sieht aber auch eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass der Index die Marke von 1132 Punkten unterschreitet. In diesem Fall wäre der gesamte seit dem 9. Dezember verzeichnete Aufschwung in Gefahr, erklärt Murphy, ein Anhänger der Elliottwellentheorie. Selbst aus einem zunächst leichten Rückschlag könne ohne weiteres ein nach unten ziehender Dominoeffekt entstehen. Er jedenfalls sei auf einen Einbruch des Index vorbereitet, der das Kursniveau durchaus um mehr als 35 Prozent drücken würde.

Jeffrey Saut, ein auch technisch argumentierender Stratege von Raymond James, zeigt sich immer vorsichtiger, doch erklärt er ausdrücklich, er sei kein Baissier. Der S&P 500 liege derzeit kaum höher als am ersten Börsentag des neuen Jahres. Zudem nehme die Zahl der Aktien, die sich über ihrem gleitenden Durchschnitt von zehn Tagen befänden, immer mehr ab. Dies sei typischerweise der Vorläufer einer Korrektur. Auch das Umsatzverhältnis zwischen Verkaufs- und Kaufoptionen auf der Basis der letzten 25 Tage spreche für einen Rückschlag. Nicht zuletzt gibt der Stratege zu bedenken, dass der Kupferpreis nach einer auf zwölf Monate hochgerechneten Anstiegsrate von mehr als 150 Prozent zu kippen scheine. Aus historischer Sicht sei dies ein Warnzeichen auch für Aktien.

Mary Ann Bartels, die Cheftechnikerin von Bank of America Merrill Lynch, hält auf kurze Sicht einen Anstieg des S&P 500 in den Bereich von 1200 bis 1230 Punkten für möglich, sieht im weiteren Verlauf des Jahres jedoch vermehrt Schwankungen auf den Markt zukommen, in deren Rahmen die einzelnen Aktiengruppen rotieren dürften. Sie betrachtet die Stimmung unter den Anlegern noch nicht als überzogen optimistisch. Die einschlägigen Indikatoren müssten ihrer Meinung nach noch einen höheren Anteil von Haussiers ausweisen, um Probleme für den Markt entstehen zu lassen. Weiter anziehende Kurse könnten dies aber bewirken.

Bartels erwartet im Laufe des Jahres auch eine Zunahme der Schwankungsanfälligkeit. Der VIX-Index sei von seinem zuletzt verzeichneten Gipfel um nahezu 80 Prozent gesunken. Auf kurze Sicht könne er durchaus weiter auf 15 bis 16 Punkte fallen, doch werde er danach wahrscheinlich wieder zu steigen beginnen. Dies würde für abnehmende Sorglosigkeit unter den Anlegern sprechen.

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