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Seltene Erden - nicht unbedingt selten

19.08.2010 ·  Sie titelten über "Seltene Erden" und deren vermutlichen Mangel wegen kommender chinesischer Bewirtschaftung ("China will Kontrolle über Spezialrohstoffe - Zugang zu Seltenen Erden wird eingeschränkt", F.A.Z.

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Sie titelten über "Seltene Erden" und deren vermutlichen Mangel wegen kommender chinesischer Bewirtschaftung ("China will Kontrolle über Spezialrohstoffe - Zugang zu Seltenen Erden wird eingeschränkt", F.A.Z. vom 8. Juli). Es hätte Ihrem überwiegend geisteswissenschaftlichen Leserkreis vielleicht ganz gutgetan, auch einmal in die profanen naturwissenschaftlichen Fakten abzutauchen und zuerst die Begriffe zu klären.

Was in älteren Chemiebüchern unter "Seltene Erden" zusammengefasst wird, sind die 14 Elemente im periodischen System, die dem Lanthan folgen. Für diese Elemente, denen eine Auffüllung einer inneren Elektronenschale gemeinsam ist und die daher heute richtig Lanthaniden heißen, ist der Begriff der Seltenheit abgeleitet aus deren anteilig bescheidenerem Vorkommen in den Monazit-Sanden der südindischen Küsten, aus denen seit Auer von Welsbach das Thorium für die Gas-Glühstrümpfe gewonnen wurde. Wirklich selten sind sie aber nicht. Sie hatten lange keine wirtschaftliche Bedeutung. Heute werden nur die Elemente Praseodym, Neodym, Promethium und Samarium, Europium und Gadolinium in einiger Menge eingesetzt. Die darauf folgenden Elemente zwischen Terbium und Lutetium sind immer noch Laboratoriumskuriositäten.

Die Elemente Indium, Gallium und Yttrium sind keine seltenen Erden, eher nachrangige Begleiter anderer Erzmineralien und kommen daher nicht unbedingt selten, aber in kleineren Konzentrationen vor, was ihre Gewinnung verteuert. Unter die vor allem in der Elektronik und als Stahlveredler gesuchten Metalle fallen Niob und Tantal, die oft gemeinsam als spezifisch schweres Erz in Flussgeschieben vorkommen und wegen der englischen Bezeichnung "Columbium" für Niob unter der Bezeichnung "Coltan" einen Beigeschmack für raffsüchtige Unternehmer in ostafrikanischen Fundgebieten bekommen haben. Mit den "Seltenen Erden" haben sie ebenfalls nichts zu tun.

Professor Dr. Wolfgang Stoll, Hanau

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