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PR-Pechsträhne für DIW-Präsident Klaus Zimmermann

15.07.2009 ·  Es läuft nicht gut für Klaus Zimmermann, den Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. In den vergangenen Tagen hatte er reichlich schlechte Presse wegen eines vermeintlichen Datenschutzskandals, den das Statistische Bundesamt den Berliner Ökonomen unterstellte.

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Es läuft nicht gut für Klaus Zimmermann, den Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. In den vergangenen Tagen hatte er reichlich schlechte Presse wegen eines vermeintlichen Datenschutzskandals, den das Statistische Bundesamt den Berliner Ökonomen unterstellte. Angeblich sollten diese das Steuergeheimnis verletzt haben - so der Vorwurf des Destatis-Präsidenten Roderich Egeler, der Anfang der Woche in die Öffentlichkeit drang. Egeler fuhr schärfstes Geschütz auf und forderte von Zimmermann, sämtliche amtliche Datensätze aus den DIW-Computern zu löschen. Er drohte sogar mit rechtlichen Schritten. Entsprechend wütend und gereizt hat Zimmermann reagiert. Der 56 Jahre alte Ökonom sah die Wissenschaftsfreiheit bedroht. Nur einen Tag später fiel aber die schwere Anklage des Chef-Statistikers in sich zusammen. Kleinlaut verkündete Destatis, künftig wieder "vertrauensvoll" mit dem DIW zusammenzuarbeiten. Damit steht nun eher das Wiesbadener Amt im Zwielicht, das auf Druck der Politik einen Rückzieher machen musste.

Ein PR-Schaden bleibt jedoch auch für das DIW. "Irgendwas bleibt immer hängen", heißt es dort. Der angebliche Datenskandal ist es nicht allein, was dem öffentlichen Ruf in jüngster Zeit geschadet hat. Die Reihe der Misserfolge begann vor zwei Jahren, als sich das DIW vergeblich um eine Teilnahme an der Gemeinschaftsdiagnose der großen Institute bewarb, die erstmals öffentlich ausgeschrieben wurde. Das DIW war seit 1950 stets an den Konjunkturprognosen beteiligt - nun wurde es ausgeschlossen. In einer schrillen Reaktion beklagte Zimmermann daraufhin eine "linkskeynesianische Kampagne" gegen sein Institut.

Das DIW galt bis in die neunziger Jahre als eher links und keynesianisch. Unter Zimmermann, in jungen Jahren aktives SPD-Mitglied, wandte es sich in die Mitte. Einigen gefiel das überhaupt nicht. Der Leiter der Konjunkturabteilung Gustav Horn, der die Agenda 2010 ablehnte, verließ das Institut im Streit. Horn ist inzwischen Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomik (IMK) und sucht seinem ehemaligen Chef seitdem zu schaden. Das war der Hintergrund von Zimmermanns Klage, der die Arbeitsmarktreformen von Kanzler Schröder stets unterstützt hat. Im Gewerkschaftslager haben sie ihm das nicht verziehen.

Vor einem Jahr verhedderte sich das DIW in einen Streit mit dem Münchner Ifo-Institut. Jeder behauptete, mehr und bessere Forschungsleistung zu erbringen. Mit Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn verbindet Zimmermann eine herzliche Abneigung seit der gemeinsamen Zeit an der Münchner Universität, wo Zimmermann von 1989 bis 1998 lehrte. Danach wechselte er nach Bonn und baute dort das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZW) auf. Das Institut, das er weiterhin leitet, hat derzeit etwa 50 Mitarbeiter und ist eine weltweit sehr renommierte Einrichtung.

Vor zehn Jahren, 1999, übernahm Zimmermann die Präsidentschaft des 1925 gegründeten DIW, das knapp 100 Wissenschaftler beschäftigt. In der internationalen Forschergemeinde hat Zimmermann, der in Mannheim bei Heinz König das ökonometrische Rüstzeug lernte, vor allem als Arbeitsmarktökonom einen exzellenten Ruf. Zudem forscht er über Industriepolitik, Bevölkerungs- und Migrationsfragen. Stolz ist das DIW auf seine empirische Ausrichtung. Mit dem sozioökonomischen Panel, einer Langzeitbefragung von mehr als 10 000 Haushalten, hat das Institut einen Datenschatz aufgebaut, den es mit anderen, amtlichen Daten verknüpft. Ebendas missfiel den Wiesbadener Statistikern. Böse Zungen sagen, die Wiesbadener wollten allein Herren der Daten bleiben.

Mag Zimmermann als Wissenschaftler hoch begabt sein, seine Außendarstellung ist zuweilen unglücklich. Verwundert hat sein Vorstoß, in der Wirtschaftskrise auf weitere Negativprognosen zu verzichten. Viele haben das als Kapitulation verstanden, zumal das DIW die Rezession erst spät kommen sah. Auch die DIW-Idee, mit Hilfe der Internet-Suchmaschine Google die Arbeitslosenzahlen vorherzusagen, war ein Reinfall. Die Google-Prognose lag daneben. Aufsehen erregte Zimmermann jüngst mit dem Vorschlag, die Mehrwertsteuer auf 25 Prozent zu erhöhen, um den Staatshaushalt zu sanieren. Er betont, das sei Teil einer ehrlichen und seriösen Politikberatung. Dafür nimmt er schlechte Presse in Kauf. Philip Plickert

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