Home
http://www.faz.net/-1va-10pu6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Post und TNT im Sog der Krise

16.10.2008 ·  Aussichten für Logistikkonzerne verdüstern sich

Artikel Lesermeinungen (0)

bü. BONN, 16. Oktober. Die Konjunkturabschwächung erfasst die Logistikbranche. Nach den amerikanischen Konkurrenten Fedex und UPS hat nun auch der niederländische Post- und Expresskonzern TNT seinen Jahresausblick zurückgenommen. Im Kerngeschäft mit höherwertigen Expressleistungen rechnet TNT nun nur noch mit einer Gewinnmarge von rund neun Prozent; der Umsatz in Europa sei schon rückläufig und werde im vierten Quartal weiter sinken. Die Aktien des Unternehmens brachen nach dieser Ankündigung am Donnerstag um bis zu 18 Prozent ein. Im Sog dieses Absturzes fiel auch der Kurs der Anteilsscheine der Deutschen Post vorübergehend um rund neun Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2003.

Verschärft wurde der Kursrutsch durch Gerüchte, dass der Verkauf der Postbank an die Deutsche Bank scheitern könne. Anfang 2009 will das Institut knapp 30 Prozent der Finanztochtergesellschaft der Post übernehmen. Daran habe sich nichts geändert. "Der Verkauf steht", widersprach eine Sprecherin der Post Spekulationen, dass die Deutsche Bank wegen der Finanzkrise einen Rückzieher machen könne.

In der Logistik und im Paketgeschäft scheint es auch bei der Post nicht mehr wirklich rund zu laufen. Eine Konzernsprecherin verwies lediglich auf eine Aussage des Vorstands von Ende Juli, dass man am Ausblick festhalte - "vorbehaltlich einer signifikanten Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds". Die Zahlen für das dritte Quartal würden zurzeit evaluiert, zur Entwicklung werde man sich noch im Oktober näher äußern. Auf die allgemeine Einschätzung der Wirtschaftslage angesprochen, sagte die Sprecherin: "Auch die Deutsche Post World Net operiert nicht im luftleeren Raum und ist nicht immun gegen eine potentielle weltweite Abschwächung der Wirtschaft."

Stabil zeigt sich bisher die Briefsparte, wo die Post die Aufhebung ihres Briefmonopols gut verkraftet hat. Ohne das Bankgeschäft wird der Konzern auf Dauer jedoch anfälliger für konjunkturelle Schwankungen. Der von der Bundesvereinigung Logistik und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung regelmäßig ermittelte Logistikindikator hatte sich im dritten Quartal schon vor dem Höhepunkt der Finanzkrise abgekühlt. Rezessive Tendenzen allerdings waren noch nicht zu erkennen. Die meisten Analysten beurteilen die Entwicklung der Post als längerfristig solide; auf kurze Sicht werden aber böse Überraschungen nicht ausgeschlossen. Axel Funhoff von der ING gehört zu jenen Branchenbeobachtern, die damit rechnen, dass auch die Post ihren Ausblick zurücknehmen muss.

Schlechte Nachrichten drohen offenbar aus Amerika. Dort sind die Mengen im stark defizitären Expressgeschäft weiter rückläufig. Immer fraglicher wird deshalb, ob der im Mai verkündete Sanierungsplan ausreichen wird. Wie im Umfeld des Konzerns zu hören ist, sind die Würfel für einen praktisch vollständigen Rückzug von DHL Express aus Amerika gefallen. Allerdings will Vorstandschef Frank Appel offenbar erst die Präsidentenwahlen abwarten, bevor er diesen Beschluss bekanntgibt. Schon die bisher angekündigten Schließungen und der Abbau von rund 8200 Arbeitsplätzen allein am Luftfrachtkreuz Wilmington in Ohio haben einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Doch Presseberichten aus den Vereinigten Staaten zufolge forciert die Expresssparte von DHL schon den Personalabbau. Der inländische Vertrieb werde massiv ausgedünnt. Mindestens 80 Prozent des Verkaufspersonals für den Inlandsservice müssten gehen. Offiziell bleibt die Post aber bei ihren bisherigen Plänen, wonach eine eigene Präsenz in Amerika unverzichtbar sei. Angesichts des schwachen Geschäftsverlaufs würden nun aber zusätzliche Rationalisierungsmöglichkeiten genutzt. Allein in diesem Jahr werden in Amerika Einbußen von 1,3 Milliarden Dollar erwartet. Um die Verluste zu verringern, will sich die Post in Amerika aus der Luftfracht zurückziehen und den Konkurrenten UPS mit der Zustellung beauftragen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen