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Oldtimer als rollende Rendite

06.05.2010 ·  Historische Fahrzeuge sind als Geldanlage wieder gefragt. Vor allem deutsche Marken steigen beständig im Wert. Nicht alle Fachleute raten jedoch zu einer Investition in Autos statt Aktien.

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ols. Stuttgart, 6. Mai. Oldtimer in der Garage statt Aktien im Depot - das ist ein Trend, der sich seit der Finanzmarktkrise verstärkt: "Oldtimer rücken zunehmend als werthaltiges Investment in den Fokus von Kapitalanlegern", berichtete Manfred Mühlheim, Leiter Asset Management von der Südwestbank AG, in Stuttgart. Vor allem die Fahrzeuge, die jetzt schon selten und teuer seien, legten weiter an Wert zu. Die meisten Besitzer von Oldtimern dürften hingegen Probleme haben, mit der Wertsteigerung ihrer Fahrzeuge die Kosten für Pflege und Unterhalt einzuspielen, räumte Mühlheim ein. Die Zahl der Oldtimer wachse kontinuierlich, weil immer mehr Autos die Altersgrenze von 30 Jahren erreichten, nach der, allerdings unter engen Voraussetzungen, das begehrte H-Kennzeichen für historische Fahrzeuge vergeben werden kann.

Das Institut verzeichnete in der Vergangenheit eine verstärkte Nachfrage von Kunden, die nach Anlagen in Sachwerten suchten und auch das Thema alte Autos ins Spiel brachten. Die Privatbank hat nun zum ersten Mal den Südwestbank Oldtimerindex (OTX) vorgestellt, der die Preisentwicklung von 20 Fahrzeugtypen der Hersteller Daimler-Benz, Porsche, BMW, Auto Union, Messerschmitt, NSU und Opel von 2005 bis Anfang dieses Jahres abbildet. Der Index habe sich jährlich im Durchschnitt um 12,2 Prozent gesteigert. "Einen ähnlichen Gewinn hatte ein Anleger nur mit dem Kauf der BASF-Aktie erwirtschaftet", sagte Mühlheim. Fahrzeuge von Porsche wie der Carrera SC, Baujahr 1977, oder der Porsche Carrera 911 von 1973 zeigten die höchsten Wertzuwächse.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht ebenfalls grundsätzlich die Wertsteigerung von alten Wagen, nimmt aber eine kritische Haltung mit Blick auf die Fahrzeuge als Wertanlage ein. Der VDA entwickelte zusammen mit den Sachverständigen von Classic Data den Deutschen Oldtimer-Index. Er hat seit 1999 im Durchschnitt im Jahr um 5,7 Prozent zugelegt. In ihm ist die Wertentwicklung von 88 Nachkriegsmodellen aus sieben Herstellerländern abgebildet. Den höchsten Wertzuwachs wiesen Fahrzeuge deutscher Marken auf.

VDA-Geschäftsführer Thomas Schlick sagte: "Wenn sie eine Aktie im Depot haben, haben sie keine weiteren Kosten. Bei einem Oldtimer fallen weitere Kosten wie Wartung, Versicherung und Garage an. Diese Kosten entstehen, egal, ob sie das Auto bewegen oder nicht." Auch von hohen Erlösen bei Auktionen sollte sich der Fan alter Autos nicht blenden lassen, betonte Schlick: "Auktionsergebnisse sind nicht repräsentativ für die Preisentwicklung. Oft werden bei Auktionen 50 Prozent der angebotenen Fahrzeuge nicht versteigert."

Oldtimer-Fachmann Frank Wilke von Classic Data in Castrop-Rauxel berichtete, seit drei bis vier Jahren seien Oldtimer als Kapitalanlage wieder ein Thema. Auch die Fonds-Branche hat das inzwischen entdeckt. Georg Fritz und Jürgen Meister haben eigenen Angaben zufolge den ersten geschlossenen Oldtimer Fonds Deutschlands unter dem Namen "Classic Cars" als Private Placement aufgelegt, der in 30 alte Fahrzeuge investieren will. Der Anleger müsse mindestens 250 000 Euro zeichnen. Insgesamt sollen so über 20 Millionen Euro eingesammelt werden. Fritz, der selbst zehn alte Wagen in der Garage stehen hat, und Meister sind nach eigenen Angaben seit Jahren im Fondsgeschäft tätig. Solch einem Oldtimer-Fonds steht ein Branchenkenner allerdings skeptisch gegenüber. Er würde für das Geld eher einen Wagen mit Potential kaufen. Laut Wilke gab es um die Jahreswende 1989/90 bereits einmal eine Oldtimer-Blase: "Zuerst sind die Preise explodiert, dann sind sie eingebrochen." Doch diese Befürchtung müsse man heute nicht mehr haben, sagte Wilke.

Oldtimer spielen auch als Wirtschaftsfaktor eine wichtige Rolle. Laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem vergangenen Jahr beträgt alleine in Deutschland der Aufwand für Reparatur und Wartung an Young- und Oldtimern 1,3 Milliarden Euro im Jahr; weitere 263 Millionen Euro geben deren Besitzer für Zubehör aus. Der VDA rät allen möglichen Investoren, vor dem Kauf eines historischen Fahrzeugs unbedingt einen erfahrenen Sachverständigen einzuschalten, der den technischen Zustand des Wagens überprüft. Nur so kann man sich vor unliebsamen Überraschungen schützen.

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