27.11.2008 · Geldmenge M3 nimmt im Oktober um 8,7 Prozent zu, die Kreditvergabe um 7,8 Prozent
FRANKFURT, 27. November (Reuters). Die Finanzkrise schlägt immer deutlicher auf die gesamte Volkswirtschaft durch, die von vielen Ökonomen befürchtete Kreditklemme ist aber nicht in Sicht. Wie aus Daten zur Geld- und Kreditmengenentwicklung in der Währungsunion hervorgeht, welche die Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag veröffentlichte, wuchs die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen und Haushalte im Oktober zwar so langsam wie zuletzt vor mehr als zwei Jahren. Die Ausleihungen der Banken an Firmen und Haushalte stiegen im Oktober aber gegenüber dem Vorjahr noch um 7,8 Prozent, nach 8,5 Prozent im September. Die Zunahme der Unternehmenskredite verlangsamte sich im Oktober auf 11,9 Prozent, nach 12,2 Prozent im September. Das Wachstum der Geldmenge M3 blieb dagegen überraschend stabil. M3 legte im Oktober wie bereits einen Monat zuvor um 8,7 Prozent zu.
Volkswirte führten den Rückgang der Kreditvergabe vor allem auf die sich immer weiter ausbreitende Konjunkturflaute zurück. "Wegen der Schwäche der Konjunktur dürfte auch die Nachfrage nach Krediten abgenommen haben. Die gefürchtete Verknappung des Kreditangebots scheint bislang nicht stattgefunden zu haben", sagte Michael Schubert, Volkswirt bei der Commerzbank. Spekulationen auf weitere Zinssenkungen durch die EZB werden nach Meinung von Experten durch die Daten der Zentralbank bestätigt. "Diese Daten stehen einer Zinssenkung nicht im Wege und auch nicht einem größeren Zinsschritt, falls es bei den Geldpolitikern eine Stimmung dafür geben sollte", sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort.