06.11.2009 · Bundesregierung bereit zu Staatshilfe für GM / Europachef Forster verlässt Konzern
cru. FRANKFURT, 6. November. Die vier Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Standorten haben sich eines wichtigen Kritikers entledigt. Nach Informationen dieser Zeitung beschlossen die vier Politiker am Donnerstagabend, ihren Vertreter im Opel-Treuhandbeirat - den FDP-Politiker und Insolvenzverwalter Dirk Pfeil - auszutauschen. Dies soll vor allem auf Wunsch von Hessens Ministerpräsident Roland Koch geschehen sein, der sich durch Pfeil mehrfach bloßgestellt sah und deshalb wütend auf ihn war.
Ersetzt wird das Beiratsmitglied nun durch den nordrhein-westfälischen Wirtschaftsstaatssekretär Jens Baganz (CDU). Offen blieb am Freitagnachmittag, wie Pfeils Amtskollege im Treuhandbeirat - der ehemalige Conti-Chef Manfred Wennemer - auf dessen Abberufung reagieren würde. Dem Vernehmen nach erwog Wennemer, aus Protest und als Zeichen der Solidarität mit Pfeil ebenfalls zurückzutreten. Die Treuhand hält 65 Prozent der Anteile an Opel als Pfand für einen Staatskredit.
Sowohl Pfeil als auch Wennemer waren Gegner des von der Politik favorisierten Verkaufs von Opel an den Autozulieferer Magna. Wennemer war für eine Insolvenz von Opel, die er für letztlich unausweichlich hält, und stimmte in der Treuhand gegen den Verkauf - während Pfeil sich der Stimme enthielt. Er plädierte zuletzt auch öffentlich den Verbleib von Opel bei General Motors (GM). Auch seinem Parteifreund, dem neuen Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle, empfahl Pfeil diese Lösung, weil sie mit höchstens 3 Milliarden Euro deutlich weniger Staatskredite erfordern würde als der zuvor geplante Verkauf an Magna mit 4,5 Milliarden Euro Kredit.
Mitten in der Existenzkrise droht Opel zudem führungslos zu werden. Denn der für das Unternehmen verantwortliche Europachef von GM, Carl-Peter Forster, wird den Konzern verlassen. Dies bestätigte der amerikanische Konzern am Freitag in Detroit. Als wahrscheinlichster vorübergehender Nachfolger für Forster gilt der bisher für das Asien-Geschäft verantwortliche GM-Manager Nick Reilly, der den Ruf eines harten Sanierers hat. Zudem wird GM-Manager Bob Lutz als neuer Opel-Aufsichtsratschef gehandelt. Dem Vernehmen nach will GM-Chef Frederick Henderson neben Forster auch noch weitere europäische Manager von Opel auswechseln und durch Amerikaner ersetzen.
Der Opel-Mutterkonzern GM soll allerdings schon in der kommenden Woche einen neuen Sanierungsplan für die deutsche Tochtergesellschaft vorlegen. Ein solches Konzept mahnte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als Voraussetzung für staatliche Kredithilfe von bis zu 3 Milliarden Euro an. Das Unternehmen will rund 10 000 der 46 000 Stellen bei Opel in Europa streichen. Nach dem Sanierungsplan vom Juni, der derzeit überarbeitet wird, sollte die Fabrik in Antwerpen im April 2010 und der Standort in Bochum im Jahr 2011 geschlossen werden. Für das Werk in Eisenach war eine vorübergehende Schließung bis 2013 vorgesehen.
Zunächst muss Opel jedoch bis Ende November einen Kredit über 800 Millionen Euro zurückzahlen, den Bund und Länder dem Unternehmen im Juni als Überbrückungshilfe während der Investorensuche gewährt hatten. Derzeit verfügt Opel über 900 Millionen Euro Bargeld und kann den Kredit somit durchaus zurückzahlen. Allerdings droht dem Unternehmen ohne weiteren Zufluss von Krediten dann in wenigen Monaten, vermutlich im Februar, die Insolvenz. (Opel bekommt eine neue Führung, Seite 16)