07.10.2009 · Die Nutzer des Microsoft-Betriebssystems "Windows" sollen künftig die freie Auswahl zwischen allen bekannten Angeboten haben, wenn sie den für den Zugang zum Internet nötigen Browser installieren. Das habe der amerikanische Softwarekonzern ...
Die Nutzer des Microsoft-Betriebssystems "Windows" sollen künftig die freie Auswahl zwischen allen bekannten Angeboten haben, wenn sie den für den Zugang zum Internet nötigen Browser installieren. Das habe der amerikanische Softwarekonzern Microsoft der EU-Kommission zugesichert, um ein weiteres Bußgeld zu vermeiden, teilte die zuständige Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes am Mittwoch in Brüssel mit. Der Vorschlag sieht vor, dass den Kunden, die momentan das Microsoft-Programm Internet Explorer als Standardbrowser nutzen, ein Wechsel des Browsers angeboten wird. Auf ihrem Bildschirm soll ein Fenster erscheinen, das den Kunden die Installation der verbreiteten Konkurrenzprodukte anbietet. Das wären derzeit Mozilla Firefox, Google Chrome, Opera sowie Safari von Apple.
Entsprechend sollen die Kunden künftig bei der Installation von Windows zwischen den gängigen Internetbrowsern wählen können. Der Internet Explorer könnte dann von den Kunden auch völlig abgeschaltet werden. Sie könnten zudem auch mehrere Browser gleichzeitig installieren. Um neuen Angeboten nicht den Zugang zum Markt zu erschweren, wird Microsoft insgesamt die Installation von bis zu zwölf Browsern anbieten. Dabei sollen die Nutzer auch Informationen über die Programme zum Betrachten von Internetseiten erhalten und sich zudem detailliert über die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Browser informieren können.
Die EU-Kommission hatte im Januar 2008 ein Verfahren gegen Microsoft eingeleitet, weil sie wieder einmal den Verdacht hegte, der Konzern missbrauche mit seiner Praxis, sein Betriebssystem Windows im Paket mit bestimmten Programmen zu verkaufen, seine marktbeherrschende Stellung. Hatte die Kommission in einem ersten Microsoft-Verfahren unter anderem die Kopplung des Medienabspielprogramms "Media Player" an Windows beanstandet - und später auch untersagt -, stieß sich die EU-Behörde nun an der Verknüpfung mit dem Explorer. Im Juni hatte Microsoft angekündigt, in Europa mit der Einführung seiner neuen Windows-Version "Windows 7" im Herbst gar keinen Browser mehr anzubieten. Das allein hatte die Kommission nicht zufriedengestellt.
Windows 7 wird nun mit der Wahlmöglichkeit zwischen den gängigen Browsern veröffentlicht, die mit der Kommission abgesprochen ist. Die Konkurrenten von Microsoft haben nun einen Monat Zeit, um Kommentare zu den Vorschlägen von Microsoft abzugeben. Ein erster informeller Test sei allerdings bereits positiv ausgefallen, sagte Kroes. Deshalb stünden die Chancen gut, dass dieser Fall bis Ende dieses Jahres zu den Akten gelegt werden könne. Microsoft hätte dann noch zwei Monate Zeit, um die Installation von Windows entsprechend zu ändern. Der Softwarekonzern zeigte sich am Mittwoch erfreut von der jüngsten Entwicklung. Man sehe darin einen signifikanten Schritt in Richtung eines Endes der jahrzehntelangen Wettbewerbsbedenken in der EU, teilte Microsoft mit.
Das gilt offenbar auch für das zweite noch offene Verfahren gegen den amerikanischen Softwarekonzern. Dabei geht es um eine Beschwerde des Branchenausschusses Ecis, der Microsoft-Wettbewerber vertritt. Dieser klagt, dass Microsoft den Wettbewerbern wichtige Schnittstelleninformationen zu seinen Bürosoftware-Produkten verweigert, die nötig sind, damit Microsoft-Produkte mit denen anderer Hersteller kompatibel sind. Dabei geht es unter anderem um das Programmpaket Office, zu dem auch das Textverarbeitungsprogramm Word gehört. Die Verweigerung solcher Informationen war der zweite zentrale Vorwurf im ersten Microsoft-Verfahren, das mit einer Strafe in Milliardenhöhe endete. hmk.