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MAN spürt die Kreditklemme der Kunden

30.10.2008 ·  Auftragseinbruch im Nutzfahrzeuggeschäft zwingt von 2009 an zu Produktionskürzungen

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kön. MÜNCHEN, 30. Oktober. Der Auftragseinbruch von 39 Prozent im Nutzfahrzeuggeschäft der MAN AG ist im dritten Quartal auf die Kreditklemme der Kunden - vor allem Speditionsunternehmen - zurückzuführen. Banken seien nicht mehr bereit, den Kauf von Lastwagen zu finanzieren, kritisierte Finanzvorstand Karlheinz Hornung am Donnerstag: "Die Kreditklemme ist seit September zu beobachten." Das betreffe auch die Zulieferer. Es habe bereits Stornierungen gegeben.

Damit kommt nun erstmals deutlich in Zahlen zum Ausdruck, was Unternehmen und Wirtschaft in Deutschland bislang offiziell nicht zugegeben haben: Die Kreditinstitute haben bereits bei vielen kleineren Unternehmen wegen der Finanzkrise den Geldhahn zugedreht. "Es gibt eine massive Verunsicherung der Kunden", sagte Vorstandsvorsitzender Håkan Samuelsson. "Sie bekommen keine klare Aussage über Finanzierungsmöglichkeiten und nehmen daher eine abwartende Haltung ein." Es sei wichtig, dass es im Bankwesen zu einer Stabilisierung komme. Er rechnet jedoch nicht mit einer verbesserten Lage vor Februar, sollte das Rettungspaket des Staates nun Wirkung zeigen. 2009 werde ein schwieriges Jahr. "Wir werden Anpassungen in der Produktion vornehmen", kündigte Samuelsson an. Neben dem Abbau von Arbeitszeitkonten würde der Einsatz von Leih- und Zeitarbeiter verringert. MAN beschäftigt 2000 Leiharbeiter und 3000 Mitarbeiter mit Zeitverträgen. Der Vorstandschef betonte, dass es keinen Grund gebe, über einen Abbau der Stammbelegschaft nachzudenken. "Das ist nicht realistisch." Mit Leiharbeitern gab es Ende September 37 700 Mitarbeiter.

Der Einbruch in den Nutzfahrzeugaufträgen von 15 Prozent in den ersten neun Monaten wird dazu führen, dass sich der Auftragsbestand zum Jahresende auf 30 000 Fahrzeuge halbieren wird, was für eine Produktion von drei Monaten reicht. Von der Stückzahl hat es im dritten Quartal sogar einen Einbruch um 50 Prozent gegeben. Der Konzern verbuchte aber aufgrund der positiven Lage im Dieselmotoren- und Turbinengeschäft insgesamt ein Auftragsminus bis September von 9 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro.

In der vergangenen Woche meldete der Konkurrent Volvo für das dritte Quartal praktisch ein Erliegen der Bestelltätigkeit. Scania berichtete über ein Minus von 38 Prozent. Bei MAN wäre die Lage noch schlimmer, hätte der Konzern die Absatzfinanzierung nicht ausgeweitet. Etwa 400 Millionen Euro seien zusätzlich an Finanzierungen herausgegeben worden, sagte Hornung. Insgesamt liegen die Kundenfinanzierungen bei 1,8 Milliarden Euro.

Im Gesamtjahr werden die Aufträge im Konzern um 10 Prozent sinken. Die Umsatzprognose mit einem erwarteten Plus von mehr als 10 Prozent hat Samuelsson zurückgenommen. Er sprach von einem Anstieg von bestenfalls 10 Prozent. Das liege aber auch daran, dass der verkaufte Industriedienstleister Ferrostaal mit seinen überdurchschnittlichen Zuwachsraten nicht mehr berücksichtigt worden ist. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz um 18 Prozent auf 10,98 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich sogar um 37 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Der Gewinn nach Steuern stieg um 20 Prozent auf 11,07 Milliarden Euro.

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