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Liquiditätsengpass beutelt die russischen Märkte

17.09.2008 ·  Handel an den Börsen wieder ausgesetzt / Zentralbank und Finanzministerium geben Geldspritzen

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gho. MOSKAU, 17. September. Die Hoffnung der Händler an den russischen Aktienmärkten, dass nach dem "Schwarzen Dienstag" mit Kursverlusten im zweistelligen Bereich eine Gegenbewegung eintreten würde, ist schnell verflogen. Wie bereits am Tag zuvor wurde auch am Mittwoch der Handel an den Moskauer Börsen ausgesetzt. Der in Dollar denominierte Aktienindex RTS hatte bis dahin einen Verlust von 6,39 Prozent zu verzeichnen, der auf Rubel basierende Micex war bis zum Unterbruch um 3,09 Prozent gesunken. Die staatlich kontrollierten Banken Sberbank und VTB mussten starke Kursverluste hinnehmen. An der Micex wurde ab sechs Uhr Ortszeit der Handel für eine halbe Stunde eingeschränkt wiederaufgenommen.

Die russische Regierung kündigte unterdessen neue Geldspritzen für den ausgedörrten russischen Kapitalmarkt sowie weitere Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte an. Die russische Investmentbank Kit Finance teilte mit, dass sie sich um einen strategischen Investor bemühe, der dem Institut frisches Kapital zuführen soll, um Verpflichtungen am Repo-Markt erfüllen zu können. Die starken Kursverluste führten offenbar bei Banken zu Ausfällen, weil oftmals Aktien als Sicherheit für Kredite hinterlegt werden. Manche Marktteilnehmer, die die Kredite wieder für Aktienkäufe verwendet hatten, gerieten durch den Kursverfall in große Schwierigkeiten. Darunter sollen sich laut Marktgerüchten auch einige russische Magnaten befinden. Die derzeitige Situation in der Bankbranche wird von Marktteilnehmern als eine Vertrauenskrise bezeichnet. Da allerorten versteckte Verluste vermutet werden, sind die Banken nicht mehr dazu bereit, sich gegenseitig Geld zu leihen. Der Interbanken-Zinssatz Mibor für einen Tag beträgt denn derzeit laut Zentralbank 11,4 Prozent. Zuvor lag der Wert in diesem Jahr im einstelligen Bereich.

Die Lage erschwerte sich zusätzlich, weil auch international die Interbanken-Zinssätze gestiegen waren. Als Geldgeber springen die russischen Behörden ein. Die Zentralbank pumpte am Mittwoch 340 Milliarden Rubel (9,3 Milliarden Euro) in das Bankensystem, nachdem bereits am Dienstag 360 Milliarden Rubel über Repo-Auktionen zu den Geschäftsbanken gelangt waren. Analytiker verweisen darauf, dass die Geldspritzen jedoch nur die großen Banken erhielten, während kleinere leer ausgingen. Um dieses Problem zu lösen, rief der russische Finanzminister Aleksei Kudrin die drei Großbanken Sberbank, VTB und Gazprombank dazu auf, kleineren Banken mit Kapital auszuhelfen. Dazu weitete er die Möglichkeit der Großbanken aus, an Mittel aus dem russischen Haushalt zu gelangen. Anstelle von fünf Wochen können jetzt die drei Großbanken insgesamt 1,127 Billionen Rubel drei Monate lang halten. Die Summe war um 282 Milliarden Rubel erhöht worden. Am Donnerstag sollen rund 350 Milliarden Rubel aus dem Staatstopf bei den Geschäftsbanken plaziert werden. Fraglich bleibt, ob die Großbanken tatsächlich die Gelder weiterreichen werden. Marktbeobachter gehen vom Zusammenbruch einiger kleinerer Banken aus. In Russland sind derzeit laut Zentralbank 1197 Banken (Stand Ende Juli) tätig. Die Zentralbank kündigte zudem an, Mindestreserveanforderungen ab Donnerstag zu senken.

Kudrin und andere Regierungsvertreter versuchten die Marktteilnehmer zu beruhigen und sagten, dass die Maßnahmen die Situation stabilisieren würden. Russland habe immer noch die drittgrößten Währungs- und Goldreserven der Welt und würde täglich 850 Millionen Dollar durch Einnahmen aus dem Verkauf von Erdöl und Erdgas verdienen. Der fallende Erdölpreis belastet jedoch den russischen Markt - neben den chaotischen Zuständen an den internationalen Finanzmärkten und dem sinkenden Investorenvertrauen gegenüber Russland.

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