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Krisenstimmung auf Amerikas Automarkt

04.06.2008 ·  Die hohen Benzinpreise haben im Mai für den schlechtesten Verkaufsmonat seit Jahren gesorgt. Transporter werden zu Ladenhütern. Die heimischen Hersteller sind die Verlierer. Die Konkurrenten aus Japan holen auf.

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lid. NEW YORK, 4. Juni. Der amerikanische Automarkt hat im Mai den schlechtesten Verkaufsmonat seit langem erlebt. Der Absatz ist im vergangenen Monat gegenüber dem Vorjahr nach Angaben des Marktforschungsinstituts Autodata um 11 Prozent eingebrochen. Geradezu abgestürzt ist dabei das in Amerika traditionell sehr starke Geschäft mit großen Fahrzeugen wie Transportern (Pick-Up-Trucks) und sportlichen Geländewagen (SUV).

Der Grund liegt in den rasant gestiegenen Benzinpreisen, die Amerikaner zum Kauf von kleineren Autos mit niedrigerem Benzinverbrauch bewegen. Für die einheimischen Hersteller hatte der Mai eine traurige Symbolkraft. Erstmals in der Geschichte haben General Motors (GM), Ford und Chrysler in einem Monat weniger Autos verkauft als die asiatischen Wettbewerber. Und erstmals seit mehr als 15 Jahren war kein Pick-Up aus amerikanischer Produktion das meistverkaufte Fahrzeug des Landes.

Jim Farley, der Marketingchef von Ford, bezeichnete den abgelaufenen Monat als einen Wendepunkt für die Autoindustrie. Die Vereinigten Staaten sind traditionell ein Land der großen Autos. Amerikaner haben eine Vorliebe für massive Geländewagen und Transporter, auch wenn sie diese Fahrzeuge nur im normalen Straßenverkehr benutzen und somit für ihre Zwecke gar nicht bräuchten. Der Hang zu überdimensionierten Fahrzeugen erklärt sich damit, dass Benzin in Amerika lange Zeit äußerst billig war und der überdurchschnittlich hohe Kraftstoffverbrauch dieser Autos finanziell nicht groß ins Gewicht fiel. Das hat sich nun aber rasant geändert: Der dramatisch gestiegene Ölpreis hat Benzin auch in Amerika stark verteuert. Eine Gallone (3,8 Liter) Benzin kostet nun in vielen Regionen des Landes 4 Dollar und mehr - für amerikanische Verhältnisse ein schwindelerregender Preis, auch wenn er umgerechnet noch immer weniger als halb so hoch wie etwa in Deutschland ist. Aus diesem Grund schrecken Amerikaner vor dem Kauf der großen Benzinschlucker zurück.

Das ist eine Katastrophe für die einheimischen Hersteller. Denn General Motors, Ford und Chrysler machen einen großen Teil ihres Geschäfts mit Transportern und Geländewagen. Deshalb sind die Verkaufszahlen der amerikanischen Unternehmen im Mai besonders schlecht ausgefallen: General Motors meldete einen Absatzeinbruch um 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Chrysler wies ein Minus von 25 Prozent aus, bei Ford gab es einen Rückgang um 16 Prozent. Chrysler konnte den Einbruch in seinem Geschäft nicht einmal mit einer Werbeaktion verhindern, die auf die gestiegenen Benzinpreise abzielte: Das Unternehmen gab Käufern seiner Autos eine Benzinpreisgarantie für 2,99 Dollar je Gallone. Besonders schlecht schnitten im Mai die großen Modelle ab: Paradebeispiel ist das wuchtige Geländeauto Hummer von General Motors, dessen Absatz um 60 Prozent einbrach. Der dramatische Absturz dürfte eine Erklärung sein, warum General Motors am Dienstag ankündigte, die Marke Hummer zum Verkauf zu stellen. Vorstandsvorsitzender Rick Wagoner sagte, nach seiner Meinung ist die Verlagerung der Nachfrage hin zu kleineren Fahrzeugen keine vorübergehende Erscheidung, sondern permanent.

Beim Pick-Up-Truck F-150 von Ford schrumpfte der Absatz im Mai um 31 Prozent. Der F-150 ist seit vielen Jahren das meistverkaufte Fahrzeug in den Vereinigten Staaten. Nun musste Ford aber zum ersten Mal seit dem Jahr 1992 einem Personenwagen die Spitze überlassen, dem Honda Civic. Damit nicht genug: Noch drei andere Personenwagen aus japanischer Produktion lagen vor dem Ford-Truck: Die Modelle Corolla und Camry von Toyota und der Honda Accord.

Toyota und Honda sowie andere asiatische Marken wie Nissan kamen zusammen in den Vereinigten Staaten auf einen Marktanteil von 47,8 Prozent. Damit erlebten die Asiaten einen historischen Monat, denn erstmals überhaupt lagen sie vor den amerikanischen Herstellern, die es nur auf 45,4 Prozent brachten. Die asiatischen Hersteller profitieren davon, dass sie in ihrer Produktpalette viel mehr kleinere Autos haben als die Amerikaner. Auch Toyota musste im Mai einen Absatzrückgang hinnehmen, aber nicht annähernd in dem Umfang wie die Amerikaner. Der Wachwechsel hat sich seit einiger Zeit abgezeichnet, denn die amerikanischen Hersteller verlieren seit Jahren Marktanteile an die Asiaten: Noch 2003 kamen General Motors, Ford und Chrysler zusammen auf einen Marktanteil von 60 Prozent. General Motors alleine rutschte im Mai beim Marktanteil erstmals unter die Marke von 20 Prozent.

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