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Kohlestrom ohne Klimaschaden

09.09.2008 ·  Der Name des brandenburgischen Örtchens Schwarze Pumpe geht auf einen längst vergessenen Gasthof und nicht, wie man denken könnte, auf den ehemals weltweit größten Standort zur Braunkohleveredlung dort zurück.

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Der Name des brandenburgischen Örtchens Schwarze Pumpe geht auf einen längst vergessenen Gasthof und nicht, wie man denken könnte, auf den ehemals weltweit größten Standort zur Braunkohleveredlung dort zurück. Seit Dienstag hat Schwarze Pumpe wieder ein Alleinstellungsmerkmal. Dort ging die weltweit erste Pilotanlage zur Erforschung einer kohlendioxidarmen Stromerzeugung auf Braunkohlebasis in Betrieb. Was der drittgrößte deutsche Stromerzeuger Vattenfall Europe bislang nur im Labormodell erprobt hat, soll nun auch als Pilotanlage mit einer Wärmeerzeugung von 30 Megawatt die Funktionsfähigkeit der neuen CCS-Technologie belegen. CCS steht für Carbon Capture and Storage, die Abscheidung und Lagerung von CO2. Mit dem Pilotprojekt soll nachgewiesen werden, dass die gesamte Kette funktioniert: Abscheiden, Transportieren und Lagern - bis auf weiteres in ausgeförderten Gasfeldern bei Salzwedel in Sachsen-Anhalt. Vattenfall ist so von der Funktionsfähigkeit überzeugt, dass die Pläne für das erste Demonstrationskraftwerk schon gezeichnet werden. Es soll Mitte des nächsten Jahrzehnts in Jänsch-walde ans Netz gehen. Mit 250 bis 300 Megawatt Leistung wäre es einem mittelgroßen Kraftwerk vergleichbar.

Energiepolitiker und Energiekonzerne setzen auf die neue Technologie, weil nur sie langfristig das weitgehend klima-unschädliche Umwandeln von CO2-haltiger Braun- und Steinkohle in Strom erlauben wird. Dafür gibt es unterschiedliche Verfahren. Die Anlage in Schwarze Pumpe arbeitet nach dem Oxyfuel-Verfahren: Dabei muss die Kohle mit reinem Sauerstoff anstelle der sonst in Kraftwerken verwendeten Luft verbrannt werden, um das entstehende Kohlendioxid abtrennen zu können.

Von einem "Meilenstein auf dem Weg zu einer annähernd emissionsfreien Kohleverstromung" sprach Vattenfall-Chef Lars Josefsson. "Mit diesem Schritt leisten wir perspektivisch einen entscheidenden Beitrag zum globalen Klimaschutz", sagte der Präsident der schwedischen Konzernmuttergesellschaft. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) sagte, das Land stehe mit dem Start der Pilotanlage "neben der Nutzung regenerativer Energiequellen auch an der Spitze dieser industriellen Entwicklung". Kritisch äußerten sich die Grünen und einige Umweltgruppen, die den Ausstieg aus der Kohleverstromung verlangen. Die Vizevorsitzende der Grünen-Fraktion, Bärbel Höhn, sagte, Vattenfall rede das Vorhaben schön, um den Neubau klimaschädlicher Kraftwerke durchzusetzen. "Die Technologie ist ineffizient, unausgereift und teuer." Der WWF hingegen sprach von einem "Versuchsballon zum Klimaschutz". Zwar sei diese Technik kein Patentrezept im Kampf gegen den Klimawandel. An der weiteren Erforschung des umstrittenen Verfahrens führe aber kein Weg vorbei. (ami.)

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